wieder zu hause

ich war erstaunt, wie schnell man nach der brustkrebs-op wieder nach hause geschickt wird. nach genau 1 woche. ich fühlte mich ziemlich angeschlagen, hatte wundschmerzen und insgesamt das gefühl, dass die welt und das leben ganz weit weg sind – und es auch bleiben sollten. im krankenhaus kam ich mir vor wie unter einer glasglocke, morgens waschen, 3x täglich essen, krankengymnastik, lesen, besuch kriegen, telefonieren und bei jeder anwandlung von angst die schwester rufen können. diese lieben, geduldigen engel.

das nachhause kommen war hart. verwirrend. eine konfrontation mit der realität, die ich nicht wollte. so kam ich nach hause, setzte mich auf mein bett und heulte mehrere stunden lang. ich wollte das alles nicht. den krebs. da sein. alles schien mir fremd. ich selbst war mir genauso fremd wie mein zuhause. als hätte mich jemand ausgetauscht. mein mann war genauso überfordert wie ich. also blieb ich erstmal im bett, ließ die tränen fließen und schaute durch die balkontür nach draußen in die wirbelnden schneeflocken. ganz langsam legte sich der sturm in mir. ich verbrachte tage damit, in den schnee zu schauen, zu atmen und meine gedanken, die sich in einer unglaublichen fülle in mir auftaten, zu betrachten. gedanken, die mir neu waren. ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt. ich erzählte meinem mann viel von dem, was mir im kopf herumging, wollte, dass er es versteht, den weg der gedanken mit mir geht. ich fühlte mich, als hätte jemand den faden meines lebens durchgeschnitten und es erschien mir unmöglich wieder anzuknüpfen. also entschied ich mich, parallel zu gehen. für was auch immer das gut sein sollte. das tue ich bis heute, es ist das, was ich mein neues leben nenne.

in dem bericht einer weggefährtin, den ich zu der zeit las, stand, sie habe tage auf einer wiese gelegen und nachgedacht. genauso ist das. man sitzt oder liegt irgendwo rum und denkt nach. denkt nach. und denkt weiter nach. man kann gar nicht anders als nachzudenken. das ist ein prozess, der einfach so passiert. ich beschloss, meine gedanken aufzuschreiben. ich erstellte listen. listen mit dingen, die ich gerne tue. listen mit dingen, die ich nicht gerne tue. listen mit dingen, die ich schon immer gerne getan hätte aber noch nicht getan habe. listen, warum ich sie bisher nicht getan habe. listen, wie ich es schaffen könnte, sie zu tun. ich fing an meine prioritäten zu sortieren. auf die waagschale zu legen. wen es interessiert, was ich herausfand: ich verplempere viel zu viel zeit mit dingen, die mir wichtig erscheinen und die es nicht sind. dadurch vernachlässige ich schöne dinge, weil keine zeit dafür übrig bleibt. ich habe mir in den letzten jahren nicht einmal die zeit genommen, darüber nachzudenken. einfach nur den deckel drauf getan. nun steht der deckel sperrangelweit offen und alles strömt heraus. gut so. mir gefällt, dass träume und wünsche nicht verloren gehen, sondern in einer inneren schatzkiste schlummern, bis man die kiste wieder öffnet, ist alles noch da! der wunsch zu schreiben, zu reiten, mehr zeit alleine in der natur zu verbringen, an schönen orten zu verweilen, sich gutes zu tun, achtsam zu sich selbst zu sein.

kennt ihr diesen gedanken: meist ist es einfacher, unzufrieden zu sein, als glücklich?

ich bin jetzt seit 3 wochen zu hause, meine wunde tut immer noch weh, ich bin noch ziemlich schlapp, aber ich habe schon ein gutes stück weg zurückgelegt.

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