Fortschritte

das vertrackte bei einer brustkrebserkrankung ist, dass man eigentlich nicht genau weiß, welche fortschritte der organismus macht, ob er überhaupt welche macht und ob man nun gesund ist oder nicht. man wird operiert, macht therapie und bibbert vor jeder nachsorge, dass alles OK ist. hat man die ersten 5 jahre geschafft, sieht die zukunft deutlich rosiger aus. mehr weiß man nicht.

mein tumor ist nun draußen, ich weiß, dass meine lymphknoten nicht befallen sind und eigentlich müsste ich ja nun gesund sein. bin ich aber nicht, oder etwa doch? offenbar doch nicht, sonst gäbe es kein rückfallrisiko und keine langwierige therapie, die genau diesem risiko entgegenwirken soll. „krebs ist eine systemische erkrankung“ sagte mein arzt im arztgespräch. das ist wohl der grund. ich finde das alles verwirrend und habe das gefühl, dass im grunde genommen niemand bescheid weiß. darüber, warum man überhaupt krebs bekommt oder warum ihn der eine bekommt und der andere nicht. ob und bei wem und warum er wiederkommt und eben nicht. in meinem fall liegt er nicht in der familie, ich rauche nicht, trinke mäßig alkohol, bin zu jung und lebe überhaupt sehr vernünftig.

tja, vermutlich sind dies genau DIE überlegungen, die man sich ersparen sollte, denn sie führen zu nichts. dazu riet mir zumindest der psychologe, der, als ich noch stationär lag, einen routinebesuch bei mir machte. sinngemäß sagte er mir: „junge frau, sie haben die goldene arschkarte gezogen, forschen sie nicht nach dem warum, schauen sie nach vorne und tun sie alles, was ihnen das gefühl gibt, zum gesundwerden beizutragen.“ ein goldener ratschlag, würde ich sagen.

also fange ich jetzt an, mich mit sinnvollem zu beschäftigen. wenn ich nicht klar sehen kann, ob mein körper fortschritte macht, so kann ich doch beurteilen, ob meine psyche sie macht. das ist machbar und etwas, woran ich mich festhalten kann, an dem ich mich weiterhangeln kann. mein prinzip hoffnung. arriba, arriba, don pedro, los gehts! ich habe mir ein buch gekauft mit dem titel krebszellen mögen keine himbeeren. nahrungsmittel gegen krebs. eine art chemische kriegsführung im eigenen körper. das schöne an dem buch: es ist nicht kompliziert. es gibt darin eine liste mit nahrungsmitteln und ihrer menge für den täglichen bedarf. die liste ist überschaubar und praktizierbar. das meiste ist eklig 😆 davon habe ich heute schon vertilgt: zitrusfrüchte, apfel, schokolade, grüner tee (WÜRG), leinsamen (DOPPELWÜRG), beeren und olivenöl. was ich der liste zufolge heute noch in mich reindeuen soll: kohl (PFRT), knoblauch und zwiebel, kurkuma, tomate, pfeffer, noch mehr grüner tee (UAHH) und 1 glas rotwein (JUHUUU). ich muss mir hier eine gute kombinationsmöglichkeit aller substanzen ausdenken, sonst lande ich in der nahrungsmittel-klapse. ist aber ein anfang!

ich kann mal bisschen in meinem leben ausmisten. listen machen mit dingen, die mir spaß machen und die mir NULL spaß machen. reisepläne für die zukunft schmieden. ich habe endlich zeit zum schreiben! ich kann entspannungsübungen machen, damit ich mental gelassener werde. ich kann mir schöne gedanken machen 😆 ich kann meinem körper gutes tun (anstatt ihn, wie üblich, zu schinden): massagen, bewegung, die spaß macht, spazieren gehen, mit dingen füttern, die er mag und die ihm guttun. und überhaupt jetzt, wo ich zeit habe, NUR NOCH DINGE TUN, DIE ICH GERNE MACHE. und das tolle ist: mein leben wird ein fest! wow, ich habe mich gerade selbst so motiviert und gut drauf geschickt, dass ich grad ganz glücklich bin.

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9 Gedanken zu „Fortschritte

  1. probier mal grünen Tee mit Vanille, bei TeeGschwender erhältlich. Du darfst ihn nicht zu lange ziehen lassen, dann wird er bitter.
    Mach doch ein Kochbuch aus deiner Liste – die Kombination Knofi-Himbeeren interessiert mich ganz besonders.

    • danke für deinen tipp! der grüne tee wurde gestern noch von der einnahme 1/2 teelöffels leinsamen getoppt. habe etwa 1/2 stunde gebraucht, es zu kauen und anschließend runterzuwürgen. bäh, das muss nicht sein.

  2. Weißt Du… ich denke, man kann viele Ratgeber kaufen und befragen… esse dies, trinke das, mach jenen Sport, unterlasse folgendes… Alles hat mit Sicherheit irgendwo seine Richtigkeit, aber nichts muss man bis ins Extrem befolgen 😉 Gut ist, was gut tut, ist meine persönliche Devise. Und wenn Du grünen Tee nicht magst (ich übrigens auch nicht – würg) – so what! Dann trinke ihn nicht. Dafür isst Du dann halt z. B. öfter Brokkoli. Oder Melone. Oder auch nicht. Ich weiß, wie das ist, besonders am Anfang… man liest alles, möchte sich an jedem Grashalm festhalten… In meinem persönlichen Fall hatte ich irgendwann mal Angst, in eine Art Stress zu verfallen, weil man so vieles befolgen möchte und richtig machen möchte. Aber ich denke, dass das auch nciht sein darf, dieser Stress. Ich habe mit der Zeit zum Glück gelernt, zu differenzieren, und unter all den guten Ratschlägen die herauszupicken, die ich für mich persönlich für gut befunden habe 🙂
    Also: alles ist irgendwo ok, aber richtig ist alles in Maßen.
    Ich freu mich, dass Du so tapfer bist und stark, dich so schön zu motivieren! 😀

    • du hast recht in punkto stress. genauso geht es mir derzeit: ernährung, yoga, qigong, TMC, misteln…….und am besten alles auf einmal sofort gleich. wilder aktionismus.

      ist wohl der effekt der angst und hilflosigkeit, die diese krankheit in einem auslöst.

  3. Die Angst ist für mich – neben all den anderen hässlichen Nebeneffekten – das Schlimmste gewesen (und manchmal ist sie es noch), deswegen kann ich ziemlich gut nachvollziehen, wie Du Dich gerade fühlst. *knuddel* Dennoch, auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Versuche, langsam herauszufinden, was Dir gut tut. Eine angepasste Ernährung macht doch auch keinen Sinn, wenn es Dir nicht schmeckt und Du alles rnterwürgen musst. Oder wenn Du merkst, dass Dir Yoga eigentlich gar nicht liegt (nur als Beispiel). Mit Sicherheit sind alle Tipps hilfreich, Misteln, Walken, Ernährung… Aber nicht jeder Tipp hilft wirklich jeder Betroffenen. Finde heraus, was Dir wirklich gut tut. Versuche, es nach und nach zu tun. Alles gleichzeitig tut – glaube ich – nicht so gut.
    Alles Liebe
    Masca

      • klingt super :D. das buch ist heute angekommen ;). erst lese ich es, dann bekommt es meine mutter, vielleicht sogar von mir eingelesen; sie liest nicht gern … ^^

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