vorsicht, pestbeule!

ich glaube, ich muss in meinem derzeit angeknacksten zustand aufpassen, was ich so in meiner freizeit tue. bin supersensibel und lege alles auf die goldwaage. einmal nicht aufgepasst, schwupps, geht die heulerei los. da die andern genauso wenig dafür können wie ich, ist es vielleicht besser, manchen situationen einfach aus dem weg zu gehen. so bin ich z. bsp. am donnerstag nach einem kurzbesuch auf einer geburtstagsfeier völlig deprimiert nach hause gegangen. es war die feier einer sehr guten freundin, ich wusste aber, dass überwiegend menschen dort sein würden, die mir nicht nahe stehen aber bescheid wissen, was mit mir los ist und mich seit meiner diagnose nicht gesehen haben. so kam es, dass ich einen raum betrat, in dem sich sofort betretenes schweigen ausbreitete. ich weiß, dass es nicht böse gemeint war und kann das auch gut verstehen, aber ich hatte plötzlich das gefühl, als hätte ich ein schild mit der aufschrift vorsicht brustkrebs, aussätzig! umhängen. irgendwie konnten die anderen nicht damit umgehen und ich auch nicht. ich habe die situation dann versucht mit aufgesetzt optimistischer laune zu überspielen. was natürlich nicht funktionierte. echt schwierig. jedenfalls endete es damit, dass ich nach 45 minuten ging, heulend nach hause kam und mich bis ich schlafen ging fühlte wie eine pestbeule. musste vor dem einschlafen sämtliche entspannungs- und sei-glücklich-cds hören, die ich habe, damit ich nicht in einem see einschlafe.

heute habe ich dafür was richtig schönes erlebt. unser sportverein feierte saisoneröffnung. nach dem erfolg vom donnerstag war ich hin- und hergerissen, ob ich hingehen soll oder nicht, habe mich dann aber durchgerungen, da ich ja sonst auch gerne hingehe. warum also nicht auch heute? es war eine gute entscheidung! die meisten dort wissen nicht, dass ich seit januar den brustkrebshorror habe und das ist auch gut so. ich gehe zwar offen damit um, aber es tut einfach mal gut, irgendwo zu sein, wo es nicht JEDER weiß. und diejenigen, die es wissen, waren einfach nur supersüß. jemand sagte mir, sie hätte vor 2 wochen eine kerze in der kirche für mich angezündet. wie lieb! das hat echt gut getan. ich hatte rasch das gefühl, dass eigentlich alles nicht so schlimm ist und ich bald schon wieder mitspielen kann und überhaupt: HOFFNUNG!

Advertisements

2 Gedanken zu „vorsicht, pestbeule!

  1. Ach Mensch, Du Arme. Das tut mir Leid, was Dir auf dieser Party passiert ist. Da fragt man sich tatsächlich manchmal, ob es wirklich gut ist, so offensiv mit der Erkrankung umzugehen. Trotzdem: ich denke, es ist schon richtig, offensiv zu sein, ich erkläre Dir gleich, wie ich es sehe:
    Ich frage mich, wieso diese Leute so reagiert haben, weil die ja – wie Du schreibst – eigentlich nichts mit Dir zu tun haben. Also können sie wohl von Dir nichts von die Erkrankung erfahren haben, sondern nur von Dritten (vermutlich die Gastgeberin). So etwas habe ich immer versucht zu vermeiden. Sprich: wenn es um Leute ging, die mir nicht nahe stehen und mit denen ich auch sonst in keinster Weise etwas zu tun habe, habe ich immer versucht entweder a) dass die das überhaupt nicht erfahren, die geht meine Erkrankung und mein Privatleben schlichtweg nichts an, oder b) wenn ich vermuten musste, dass sie es über Dritte erfahren, bei kurzen Nachfragen nur kurz zu antworten, und das Thema zu wechseln und positiv zu wirken, oder c) im äußersten Notfall immer zu schauen, dass die Leute von dem Thema von mir selbst erfahren und nicht von Dritten. So etwas wie Dir, dass plötzlich alle in Schweigen verfallen und kein Wort über die Lippen bringen, ist mir aber zum Glück noch nie passiert. Weißt Du was? Das ist Unwissenheit und Hilflosigkeit. Die Leute haben NULL Ahnung, was Brustkrebs und die Therapien wirklich bedeuten. Und weil so viele Leute – leider – eben NULL Ahnung haben, haben sie keine Ahnung wie sie reagieren sollen, was sie sagen sollen. Außer eben betroffen zu gucken und zu schweigen oder rumzudrucksen. Genau deswegen hab ich z. B. meinen Blog begonnen. Um zu informieren. Und deswegen finde ich es auch so toll, dass Du hier in Deinem Blog auch so offen mit dem Thema umgehst. Ich bin mir sicher, es hilft eben nicht nur betroffene Brustkrebs-Patientinnen, sondern auch deren Umfeld. Und andere Menschen, die es nur zufällig hier zu Deinem Blog verschlägt 😉 Vielleicht solltest Du beim nächsten Mal, wenn Dir wieder so etwas passiert (was ich aber nicht hoffe), einfach auf die Leute zugehen (wenn Dir danach ist!) und sagen: Hallo, mir geht’s gut! Habt Ihr Fragen? Dann fragt mich! Ansonsten: lasst uns fröhlich weiterfeiern! Natürlich nur, wenn Du das willst 🙂

    Lass Dich nicht von so Leuten unterkriegen. Im Grunde ist das Hilflosigkeit und Unsicherheit. Und solche Leute tun mir letztendlich, eigentlich, nur Leid. Weil vielen von ihnen vermutlich so etwas wie Empathie fehlt.

    PS: was für einen Sport treibst Du denn?

    Herzliche Grüße und einen tollen Start in die neue Woche:
    Masca

    • liebe masca, ich bin begeisterte golfspielerin, seit 12 jahren schon! und vielen dank fr deine aufmunternden worte. dein tipp, auf die leute zuzugehen, ist echt gut! schlielich sind sie ja einfach nur verunsichert und hilflos. bse meint das keiner. ging mir vor meiner erkrankung selbst oft so. liebe gre und auch dir einen tollen start in die woche!!!!!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s