wartezimmer-gespräche

ich war heute morgen schon fleißig: war um halb neun, wie die nächsten 6 wochen täglich, zur bestrahlung in der klinik. außerdem habe ich mir für mittwoch einen termin bei einem arzt gemacht, der einen ausgezeichneten ruf als akupunkteur und arzt für naturheilkunde hat. ich habe im rahmen einer allergiebehandlung bereits vor ca. 15 jahre eine sehr ausgiebige akupunktur-behandlung gemacht, die mir damals sehr geholfen hat. außer meiner standart-therapie, die ich zur zeit mache (antihormone tamoxifen, bestrahlung, zometa-infusion) kann ich selbst versuchen, mein immunsystem zu unterstützen, wo es nur geht. in der hoffnung, dass es mit der zeit so stark wird, dass nie mehr eine zelle zur krebszelle werden kann. vorher macht mein neu erstarktes immunsystem nähmlich schnippschnapp!

heute morgen ging es mit der bestrahlung schon besser. vor allem mit der situation im wartezimmer, was ich letzte woche ja noch nicht so gut gepackt habe. da saß ich zwischen all den anderen wartenden armen würsten herum und fragte mich im stillen betrübt: „was mache ich hier eigentlich, bin ich tatsächlich auch so krank?“

manchmal bemerkt man menschen, vor allem frauen, denen man ansieht, dass sie eine chemo durchmachen. früher habe ich darauf eher erschrocken und betroffen reagiert und innerlich irgendwie „dicht gemacht“, nach dem motto „ohjeh, die arme, wie schrecklich, puh, hoffentlich passiert mir nicht so was, aber nein, sicher nicht, schnell weg!“ und jetzt sitze ich selbst auf der anderen seite und erlebe diese reaktionen am eigenen leibe. so schnell dreht sich das schicksal! wobei ich ja noch das glück habe, keine chemo zu machen und daher nicht offenkundig als krebskranke erkannt zu werden. so reagieren nur menschen auf mich, die wissen, dass ich brustkrebs habe.

als ich heute morgen im wartezimmer der bestrahlung saß, war ich in der realität angekommen, die heißt: „ja, ich bin tatsächlich auch so krank, sonst wäre ich schließlich nicht hier“. ich sah mir meine mitwartenden an: 1 frau, die noch jünger war als ich. ich hatte sie schon letzte woche gesehen, da saß sie noch mit kopftuch da, unter dem paar dunkle haarsträhnen hervorlugten. sie war ganz aufgeregt und nervös, da sie angst hatte zu spät dran zu kommen und ihren 1. frisörtermin zu verpassen. heute saß sie ohne kopftuch da mit einer frechen kurzhaarfrisur. ich sprach sie an und machte ihr ein kompliment zu ihrer frisur, was ihr ein großes lächeln auf ihr gesicht zauberte. sie erzählte mir, dass sie am ende ihrer behandlung sei und früher blonde, glatte, lange haare hatte. und jetzt, nach der chemo, dunkel und lockig. wir haben darüber gelacht und ich musste dabei denken: „verrückt, dass ich jetzt über sowas lachen kann, es hat gar keinen schrecken mehr, so wie früher.“ dann saß dort noch ein mann so in den 70ern, der sehr angespannt wirkte. gerade als ich überlegte, was er wohl für einen krebs haben könnte, kam eine ältere, rundlich frau aus dem bestrahlungsraum und sofort hellte sich seine miene auf. er stand auf und strahlte seine frau an:“ so mein schatz, das haben wir für heute hinter uns“,  zog ihr ihren schal und mantel an, nahm sie bei der hand und ging mit ihr hinaus. die andere frau und ich schauten ihnen mit feuchten augen hinterher. „sie kommen schon seit 4 wochen hierher, immer zusammen und er macht das jeden tag so mit ihr“, sagte die andere zu mir. seufz, ist das nicht unglaublich rührend? als ich nach hause kam, habe ich das gleich meinem mann erzählt und ihn gebeten, nächsten montag (er hat montag vormittag immer frei) auch mit mir zu kommen, auf mich zu warten und mir dann meinen mantel anzuziehen 😆 er macht es 🙂

2 Gedanken zu „wartezimmer-gespräche

  1. kukcuk, hab dich gefunden 😆

    ja, da hast du recht, ich bin ihm immer noch sehr dankbar dafür ♥

    ich habe in der zeit aber viele paare gesehen, die mich sehr berührt haben *tränchenwegwisch*

    liebe grüße, katerwolf

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