der taxifahrer des herzens

heute morgen hat es mich dann doch noch mal erwischt. als ich, wie jeden morgen, um 8 uhr zur bestrahlung unterwegs war, stand ich an einer ampel und schaute nach rechts zu einer tankstelle rüber. dort stand jemand, den ich flüchtig kenne. ich sehe ihn ab und an bei einladungen oder auch morgens im auto an der ampel und dann macht er mir immer schöne augen, nichts ernstes. heute morgen stand er da und schaute zu mir rüber. ich winkte, fröhlich. er winkte zurück, traurig. zuerst habe ich es gar nicht verstanden. erst als er weiterhin ganz betrippst zu mir rüberschaute, kapierte ich: er weiß es!

sofort stand mir das wasser in den augen. tja, so schnell geht das im moment. ich gehe ja wirklich sehr offen und offensiv mit meiner brustkrebserkrankung um (sonst würde ich ja auch keinen blog schreiben 🙂 ), aber es gibt immer wieder situationen, in denen mir dann schlagartig klar wird: „ich habe brustrebs„. und dann setzt sich sogleich das karrusell  in bewegung „ich habe brustkrebs, oh gott, was ist, wenn ich sterben muss.“ uff!

auf dem weg zur klinik kullerten mir dann dauernd tränen über die wangen und ich schluckte schwer an meinem kloß im hals. als ich in der klinik lag, lernte ich einen sehr netten taxifahrer kennen. er war es, der mich am tag vor und am tag der operation zur nuklearmedizinischen untersuchung in ein benachbartes krankenhaus fuhr und zurück. nicht nur das, er begleitete mich zum untersuchungsbereich und wartete im wartezimmer auf mich. glaubt mir, bei diesen insgesamt 4 fahrten und 2 untersuchungen fühlt man sich wie ein windelweich gehauenes waisenkind. er macht diese fahrten nahezu täglich und versteht es, einem einfach das richtige zu sagen. klasse typ. jedenfalls lief ich ihm in die arme, als ich und mein kloß im hals durch die drehtür die klinik betreten wollten. zack stand er vor mir, schaute schrecklich lieb und fragte mich „na, wie geht es ihnen denn, haben sie alles gut überstanden?“ in meinem angeknacksten emotionalen zustand habe ich ihn spontan umarmt und ihm gesagt, dass es mir eigentlich ganz gut geht. ich habe ihm sogar einen kuss auf die wange gedrückt! er schaute SEHR verblüfft mit SEHR großen augen. im weitergehen dachte ich: „ohjeh, was denkt der jetzt von mir, dass ich ihn, einen fremden, spontan umarmt habe, wie peinlich!“ aber wisst ihr was: egal. das hat er verdient, der gute mann. ich habe ihn somit stellvertretend für alle anderen frauen umarmt, die er schon mit seiner lieben, mitfühlenden art begleitet hat. und das war sicher schon lange überfällig!

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2 Gedanken zu „der taxifahrer des herzens

  1. tolles erlebnis. und du wirst mir immer sympathischer ^^. – ich MUSS meine mutter nochmal fragen – sie hat mir auch so viel von den täglichen fahrten zur bestrahlung erzählt…

    bei ihr ist es übrigens schon länger her als bei dir [~3 jahre?], und sie ist jetzt 61. also im eher typischen alter.

    • ich denke immer noch daran zurück, auch an all die anderen, vermeintlich fremden menschen, die mir aus der situation heraus spontan ihr mitgefühl gezeigt haben. sowas darf man nie vergessen! ja, frag mal deine mama, ob sie ähnliche dinge erlebt habt.

      mit 61 ist deine mama wirklich im „typischen“ alter, ich hoffe, es geht ihr gut 😆

      liebe grüße, katerwolf

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