Liste mit Dingen, die ich gerne mache

ich mache heute etwas, das ich schon seit wochen vorhabe: eine liste erstellen mit dingen, die ich gerne mache. denn so schlimm es auch ist, dass ich an brustkrebs erkrankt bin, mit all dem rattenschwanz, den das nach sich zieht, es hat auch was gutes: ich habe jetzt zeit. zeit, das kostbare gut!

nach dem studium habe ich längere zeit freiberuflich gearbeitet. währenddessen kam die heirat, mein sohn, die scheidung. danach der wohnortwechsel mit einem neuen, festen job, 2 jahre später ein neuer mann und vor 2 jahren meine 2. heirat, das alles mit den dazu gehörigen höhen und tiefen. es war immer was los. non-stop. ich arbeite nun seit  11 jahren fest angestellt, ganztags, von 8 bis 5, viele überstunden, häufig auch am wochenende. es ist ein job, der zwar abwechslungsreich aber auch mit viel ärger und stress verbunden ist, den ich nur zu gerne mental und emotional mit nach hause, ins wochenende und in den urlaub nehme. ich bin ein mensch, der sein leben darüber hinaus gerne vollpackt: mit sport, verabredungen, hier noch was, da noch was, immer wieder was neues anfangen, bloß nichts verpassen.

tja, und dann kam am 5. januar die zäsur. das große stopp-schild, das mich so vollständig ausgebremst und auf mich selbst zurückgeworfen hat. wie eine riesige schere, die mein leben in der mitte durchgeschnitten hat. ich stand da und fragte mich: „wo bitte schön ist jetzt norden?“

ich kann auf den brustkrebs gut und gerne verzichten, das könnt ihr mir glauben, aber diese auszeit tut mir dennoch auch gut. ich sehe als geschenk und als chance. den begriff schicksal als chance habe ich immer ein bisschen belächelt, jetzt nehme ich ihn ernst und weiß, was er bedeutet. in den vergangenen 2 jahren, vor allem letztes jahr habe ich in mir immer ein unterschwelliges unbehagen gespürt. ob mein unterbewusstsein mir signale über meine erkrankung geschickt hat? ich weiß es nicht. ich weiß aber, dass ich mich zunehmend gefragt habe: „was ist eigentlich los mit mir? ich habe doch alles, was ein erfülltes leben ausmacht. warum bin ich nicht glücklich? was stimmt hier nicht?“ an silvester vergangenen jahres saß ich schließlich da und hatte das gefühl, in einer sackgasse gelandet zu sein. aus der ich rauswollte. nur wie? ich erinnere mich an einen gedanken in dieser nacht: „ich könnte mal eine längere auszeit gebrauchen.“ dass ich diese auszeit nur 4 tage später, am 5. januar, mit der entdeckung des knotens in meiner brust bekommen sollte, ist ironie des schicksals. aber so ist das, im grunde wissen wir keinen deut, was das schicksal in der nächsten sekunde für uns bereithält.

da hatte ich nun meine auszeit. zeit, über die ich frei verfügen kann. zeit, in der ich die dinge machen kann, die mir wirklich spaß machen. die da wären? kurz nach meiner opration dachte ich darüber nach und: starrte in ein großes leeres loch. schock! da war nichts. dann fielen mir dinge ein, die bei einer genaueren prüfung ergaben, dass sie mir nur spaß machen, weil sie einfach spaß machen müssen. etwa weil sie besonders toll sind oder von mir erwartet werden. dann fielen mir all die dinge ein, die ich nicht gerne mache, die meisten davon aber machen muss. das waren ganz schön viele! was für ein durcheinander! mir wurde schließlich bewusst, dass ich vermutlich die vergangenen 15 jahre nicht mehr richtig darüber nachgedacht habe, was ich wirklich liebe zu tun. mit richtig meine ich: zu ende darüber nachgedacht. mit ergebnis. deswegen war da jetzt ein leeres loch.

ich habe beschlossen, dieses loch zu füllen. zunächst in gedanken. mit all den dingen, die mir spaß machen; die ich vernachlässigt habe; die ich mich bislang nicht getraut habe; für die ich keine zeit hatte; die ich als zu langweilig eingestuft und deshalb nicht gemacht habe; die ich schon immer mal machen wollte. mit der zeit will ich meinen wünschen immer mehr kraft und gestalt verleihen. bis sie immer stärker werden und schließlich wirklichkeit und bestandteil meines lebens werden. und ich habe beschlossen, mal gründlich auszusortieren, um auch genug platz für das neue zu schaffen! mein persönlicher frühjahrsputz 😉 .das macht mich neugierig und ich spüre, dass in mir etwas neues heranwächst. in mir reift ein plan.

hier also meine liste mit dingen, die ich gerne (und viel zu wenig) mache:

  • schreiben
  • zeit in der natur verbringen
  • ferne länder bereisen
  • von hohen bergen ins tal schauen
  • aufs meer hinausschauen
  • den augenblick in seiner schönheit genießen. ich nenne es für mich das stille glück genießen
  • zeit mit menschen verbringen, die mir wirklich was bedeuten
  • lachen
  • mit joschi wandern
  • reiten
  • freiheit spüren
  • sich an den wundern des lebens freuen
  • lesen
  • segeln
  • golf spielen, skifahren

und jetzt die „kühne“ liste, mit dingen, die ich gerne machen möchte, mich bislang aber nicht getraut habe.

  • ein buch schreiben
  • 1 jahr auszeit nehmen und die welt bereisen
  • ein paar monate mit pferden durch die mongolei reiten
  • das leben in vollen zügen genießen, mit allem, was es für mich bereit hält
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8 Gedanken zu „Liste mit Dingen, die ich gerne mache

  1. Wow, das sind wirklich tolle Dinge! Einiges davon würde mir auch gefallen. Leider geht bei uns aus finanzieller Sicht heraus gar nix. Aber das Schreiben, das geht, und daran halte ich mich fest. Ich wünsche Dir, daß Du Dir ganz viel von Deiner Liste erfüllen kannst und WIRST!!!
    Alles Liebe
    lola

  2. Ist es nicht verrückt, dass man erst gebremst werden muss, um wieder genießen zu können? Dann merkt man oft erst, mit welchen unwichtigen Dingen man sich die Zeit um die Ohren schlägt. Du machst das richtig! Auf jeden Fall. Alles Liebe Emily

    • Liebe Emily,
      ja, es ist verrückt, da hast du Recht. Ich wurde im Leben schon öfters mal ausgebremst, aber SO nicht. Hm, ich glaube, es wird Zeit, dass ich was kapiere. Bin ich mir schuldig 😆

      Liebe Grüße und danke, Katerwolf

    • Liebe Trolleira,

      ich sammle gerade den Mut dafür und fange zunächst mal klein an. Aber Am Ende steht das Große 😆

      Hey, man braucht echt Mut fürs Leben, oder?

      Liebe Grüße und Danke, Katerwolf

  3. Liebe katerwolf,
    ist es bei mir vielleicht nur ein „Vorfahrt achten“ Schild, mein letztjähriger Bandscheibenvorfall, der mich trotz OP jetzt immer noch ausbremst . Weil ich im familieneigenen Betrieb nicht mehr wie gewohnt mitarbeiten kann, Geschäft und Privat immer zueinander gehören und dadurch mein ganzes Leben aus dem Tritt geraten ist. Auch ich hatte in den vergangenen Jahren ein gewisses Unwohlsein gespürt und mich gefragt was ich eigentlich will. Nie zu Ende gedacht, aber immer mehr aufgewühlt, dass ich mir professionelle Hilfe gesucht habe. Diese wohl verstand, aber nicht zuließ. Und darum diese Bandscheibe, obwohl wie gesagt operiert, immer wieder aufs neue versucht dass ich endlich zu Ende denke.
    Liebe Grüße und alles gute für Dich.
    Heidi

    • Liebe Heidi,

      kann gut sein, dass deine Bandscheibe zu dir „spricht“. Möglicherweise wird sie es so lange tun, bis du auch zuhörst. Zu Ende denken ist eine Sache, die sich in solchen Situationen echt auszahlen kann. Nach meiner Erfahrung scheut man sich oft, etwas zu Ende zu denken, weil man vor dem Angst hat, was dabei rauskommt – und vor den Konsequenzen. Vielleicht solltest du es, dir zu liebe, aber trotzdem mal tun?

      Liebe Grüße und toitoitoi, Katerwolf

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