Kevin, Dschässika, Brett und Schannntalll

der wunderbare beitrag neulich auf dem spielplatz von heldin im chaos (auf den ich blödi es nicht schaffe, zu verlinken) hat erinnerungen in mir wachgerufen. von wegen assi-palme und kinder namens schaddääähh.

ich habe mal 20 jahre in berlin gelebt, 5 davon, anfang der 90er, im stadtteil wedding. der brutstätte aller assi-palmen, kevins und schaddääähs dieses planeten. heute leben im wedding viele künstler, junge familien und studenten. damals lebten im wedding ausschließlich: berliner voll-proll-assis, türken und so doofis wie ich, die, von den billigen mieten angelockt, aus versehen in den wedding zogen. wir doofis waren in der unterzahl. ich immerhin mit untermieter, denn zu der zeit war ich hochschwanger und frisch mit einem unhold verheiratet, mitten im studium und finanziell immer am unteren limit (super kombi!).

die türken waren die guten, denn sie belebten den stadtbezirk und wogen mit ihrer kultur ein gutes stück seiner kulturlosen trostlosigkeit auf. im sommer stellten sie stühle auf den bürgersteig und saßen dort vor ihren gemüseläden bis spät in die nacht mit der ganzen, großen verwandschaft und lebten little turkey.

ansonsten war das straßenbild echt der hammer: voll-proll-assis in schillernden ballonseide-jogginganzügen, gerne im partnerlook, am wochenende die damen mit pumps drunter. die männer waren alle bierbäuchig, tätowiert und trugen im sommer  zur ballonseide auch leicht angespackte männerunterhemden und kombinierten das ganze mit adidas-latschen über weißen socken. die frauen trugen zum ballonseide-ensemble gerne veilchen im gesicht, nach dem wochenende oder am zahltag auch mal 2, links und rechts, wenn atze mal wieder keinen bock auf die alte hatte. so viele vermöbelte frauen hab ich mein lebtag nicht gesehen. die meisten hatten ne fahne und aschfahle raucher-gesichter. im schlepptau mindestens 3-4 kinder, wie die orgelpfeifen, blass, freudlos und verhaltenesauffällig. es gab sehr viele vo-ku-hi-las, mini-plis und wasserstoffblonde haare mit mega-langem, schwarzen ansatz und tausendfach assi-palmen. in dieser zeit waren leggins en mode und wenn man im wedding wohnte, wünschte man sich, es wäre nicht so. vor allem in der kombi: fett, assi-palme, mit pumps und kippe im mundwinkel. wenn man in meiner ehemaligen straße in den supermarkt ging, hatte man immer etwa 100 jahre knast vor sich an der kasse stehen.

es war die zeit der kampfhunde 😉 es geht doch nichts über einen guten alten kampfhund im nieten-geschirr im doppelpack mit einem prolligen herrchen, vor allem mit rechtsradikaler gesinnung. auch davon gab es dort nette exemplare. sowie interessante begegnungen zwischen ihnen und ebenfalls mit kampfhunden ausgestatteten türken. und es war zudem die beginnende zeit der handys. man sah seeerh viele dubiose gestalten mit kampfhunden an straßenecken stehen, die in ihr handy brüllten:

ja, alter, ey, ick steh hier an der ecke, wa. wat ick mache? na, ick steh hier rum, alter!“

im wedding benannte man seine kinder damals gerne nach hollywood-stars. am 16. 11. 1990 war in new york die premiere von kevin allein zu hause. folglich hießen dort etwa 80% aller kinder kevin. die restlichen nannte man owen, wainonah (wynona), scarlett, dschässika, schanntall, brett (brad), konna (connor), aber auch joy, mähndi, cälina, waren sehr beliebt. die kinder der zufälligen wedding-bewohner hießen alle max, ole, felix, lena und caro.

es gab im wedding u.a. einen großen park, genannt jungfernheide, einen abenteuerspielplatz, eine spiel-boltzplatz-kombi am sprengelplatz und ein karstadt am leopoldplatz, sozusagen das herz des wedding. die jungfernheide war ein beliebter treffpunkt von pennern, drogensüchtigen und kampfhunden nebst besitzern, die ihre hunde dort trainierten. begleitet von assi-palmen in leggins. ein eher ungemütlicher ort für mütter mit ihren kleinkindern. der abenteuerspielplatz war da schon besser. ich war mit meinem kleinen sohn öfters dort, allerdings nahm dies ein ende, als mein sohn einen anderen jungen, der mit seinen kumpels dort war, nicht auf die schaukel lassen wollte.

ey alter, ick schlag dir die fresse ein, wenn du mich nicht drauf lässt. ick hol meine großen brüder, die schlagen auch deiner alten hier auf die fresse.“ sie kamen dann auch, die brüder.

zum glück hatten wir ja noch den spielplatz auf dem sprengelplatz gleich um die ecke. kennt ihr die käfig-szene aus mad max? ein bisschen war es dort immer so. ich hielt mich meist an die türkischen muttis, die gemütlich tratschend und mampfend in größeren gruppen herumsaßen. allein auch deswegen, weil sie einen immer bereitwillig mit riesigen türkischen keksen und allerlei aus tupper-dosen versorgten. mein sohn liebte das! ansonsten konnte man auf dem spielplatz feldstudien betreiben. es gab sehr viele kinder, die sich um schaufeln, schippen und eimerchen vermöbelten, begleitet von dem gezeter ihrer assi-mütter, die den zoff auf mutter-ebene fortsetzten. ohja! da flogen die assi-palmen! die luft war durchwirkt von den keifenden rufen nach kevins, dschässikas, bretts, schanntalls und wainohnas. zwischendurch wurde der eine oder andere kevin verdroschen.

einmal, ein einziges mal habe ich mich dort mit einer mutter angelegt, mit konsequenzen, und was für welchen! mein nachbarhaus war sozusagen die assi-hochburg der straße. es gab dort eine familie mit geschätzten 11 kindern, von denen nie alle bei den eltern lebten, da meist mindestens 1 vom jugendamt aus in einer pflegefamilie untergebracht wurde. ich sah immer nur die mutter. sie erzählte mir mal im supermarkt, als sie vor mir in der schlange stand, sie und ihr mann würden immer, wenn sie im kino einen tollen schauspieler gesehen haben, ein kind machen, um ihm den namen zu geben!!!!!!

hallo, gehts noch??? aber das stimmt! die kinder hießen tatsächlich alle so.

jedenfalls gab es auf dem spielplatz eine lokomotive, die owen, ein rothaariger, sommersprossiger, kräftiger sprössling der besagten familie als eigentum beanspruchte. sobald ein anderes kind versuchte, die lokomotive zu erklimmen, bekam er von oben eine reingehauen. die mutter wachte darüber wie ein drachen. keiner traute sich richtig ran. und warum?

sie kannten den vater!!!!

irgendwann, als mein sohn von dem rothaarigen kotzbrocken wieder von oben sand in die augen geschmissen bekam, reichte es mir. resolut stapfte ich zur lokomotive, forderte die sofortige freigabe derselben und ließ mich dabei nach wüsten beschimpfungen seitens der gegenfraktion ebenfalls zu unsachlichen äußerungen hinreißen. am abend bollerte es an meiner wohnungstür:

mach auf du sch****, ick tret dir die tür ein. du hast die ehre von meiner frau beleidigt. ick mach dich platt. dette schwör ick dir„. ich werde nie vergessen, wie ich hinter der tür echt muffensausen hatte und zugestand: „war nicht so gemeint. tut mir echt leid. nein, deine frau ist keine fette assi-schlampe. sie ist echt nett. und die leggins sehen super an ihr aus. nee, mach ich nicht wieder. ok.“ jaja, sollte man nicht machen, sich mit den falschen anlegen, im falschen stadtbezirk, nö, du. kurz darauf zogen wir weg. und tschüss, wedding, wir sind nie freunde geworden, find ich auch nicht schade. manche dinge passen eben nicht. auch die ehe mit dem unhold nicht. aber das ist gott-sei-dank alles schnee von gestern.

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13 Gedanken zu „Kevin, Dschässika, Brett und Schannntalll

  1. “ey alter, ick schlag dir die fresse ein, wenn du mich nicht drauf lässt. ick hol meine großen brüder, die schlagen auch deiner alten hier auf die fresse.”

    ick brech gleich zusammen, wah….

    LOL

    aber sieh es mal so – hättest du nie in wedding gewohnt, hättest du kein so großartiges post schreiben können.

    ick seh es ächt bildlich vor mir, kannste globen…

  2. Ach du meine Güte!Und ich dachte,ich sei hier in Duisburg von Asis umgeben.Aber dein Post übertrifft alles 😆

    Aber Berlin ist ja leider für solche Menschen sehr bekannt.

  3. Pingback: #kurzes

  4. Noch ein Detail. Von meinem Fenster aus kann ich beobachten, dass zwischen 21.00 und 22.00 Uhr die beste Zeit ist, einen Parkplatz zu bekommen. Das ist die Zeit, in die Bewohner meines Hauses auf Showtour fahren. Den Rest ihres Lebens warten die Autos vor meiner Haustür auf den Abend.

    • oh mannoh, da werden erinnerungen wach 😉
      musste gerade an die legendäre kneipe am sprengelplatz denken, ich glaube, die hieß „seemann“. musste mal zum pipi da rein. hammer.

      liebe grüße, katerwolf

    • macht mir aber spaß 😆
      unhold ist ein schönes, zu unrecht aus der mode gekommenes wort. ein glück gibt es dieses wort, sonst würden in meinem beitrag an seiner stelle sehr viele, sehr viel schlimmere wörter stehen 😉

      liebe grüße, katerwolf

  5. Las gerade diesen alten Eintrag und muss den dringend kommentieren! Denn ich wohne im Sprengelkiez!!! Gibt’s nicht, oder?
    Löwenpfote

      • Habe erst jetzt deine Antwort gefunden! Eine Mailbenachrichtigung erreichte mich leider nicht.
        Also, dem Kiez geht es heute offenkundig besser, als noch zu deiner Zeit! Gerade in den letzten 2 Jahren hat sich einiges gemausert. Probleme gibt es freilich nach wie vor genug, es hat sich aber vieles verschoben.
        Bin jedenfalls nach wie vor platt, dass du hier mal gewohnt hast!

  6. Pingback: #kurzes – neues aus der roiberhöhle

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