Gedanken zur Reaktion auf meine Brustkrebserkrankung

mir ist so danach heute.

ich bekomme viele positive rückmeldungen dafür, dass ich so offen mit meiner erkrankung umgehe und meine umgebung daran teilhaben lasse. mir ist das ein bedürfnis. sowohl meine schreiberei als auch euer feedback helfen mir sehr, meine neue situation zu verarbeiten. gleichzeitig ist es mir auch wichtig, das thema „öffentlich“ zu machen. und zwar seitens einer ganz normalen betroffenen. einer von nebenan, so wie ihr es seit. ich habe seit meiner diagnose sehr viele reaktionen erfahren. reaktionen, die mir weitergeholfen haben aber auch reaktionen, die mich enttäuscht und verletzt haben. das ist normal. es ist auch so, dass einige aus meinem engeren und weiteren umfeld mit der situation überfordert sind. ich nehme es niemandem übel, wenn er nicht weiß, wie er damit umgehen soll. was mich allerdings verletzt und auch ärgert sind reaktionen, durch die ich und mein umgang mit der erkrankung gewertet werden. das haut immer rein.

erst gestern habe ich etwas erlebt, was mich traurig gemacht hat. eine langjährige, gute freundin von mir, die mich in den wochen zwischen meiner diagnose und der operation sehr lieb betreut hat, meldete sich plötzlich von einem tag auf den anderen nicht mehr. das ist jetzt etwa 2 monate her. ich habe mich darüber gewundert, andererseits aber selbst auch nicht angerufen, da ich mit so vielen dingen beschäftigt war. nun habe ich gestern erfahren, sie hätte ein schlechtes gewissen, dass sie sich so lange nicht gemeldet hat und traue sich nun nicht mehr anzurufen. außerdem fände sie es aber auch nicht gut, dass ich mich so gehen lasse. in meiner situation könne man ruhig schon weder arbeiten gehen, das würde mir nur gut tun. meine freundin hat mir das erzählt, weil sie sich so darüber geärgert hat.

tja, das sind so die reaktionen, die echt wehtun. wo, bitte schön, lasse ich mich gehen?

und dann gibt es da all die glücklicherweise überwiegenderen reaktionen, die mein herz höher schlagen lassen. manchmal von vermeintlich fremden. so z. bsp. eine frau aus dem brustselbstuntersuchungskurs, die ich nie zuvor gesehen hatte und die mich nach dem kurs mit einer herzlichen umarmung und affirmation verabschiedete. oder der taxifahrer, der mich zur klinik fuhr und dem ich auf der fahrt mein herz ausschüttete. immer, wenn ich ihm nun vor der klinik begegne, steigt er aus, kommt zu mir und sagt dinge wie:

wie gehts dir denn? gut? hauptsache der krebs ist jetzt weg!“

ich kann nicht genug betonen, wie wichtig ein solches feedback ist, gleich ob es von familie, freunden oder fremden kommt. wenn ihr das hier lest: spart nicht damit, wenn ihr jemanden im umfeld habt, der eine schlimme erkrankung hat. bloß keine falsche scheu! es ist ein teil unserer genesung!

gestern habe ich ein feedback bekommen, das mich so berührt hat, dass ich es hier kurz wiedergeben möchte. es stammt von einem (ich denke mal jungem) mann, dessen mutter an brustkrebs erkrankt ist. er schreibt mir, wie froh er ist, auf meinen blog gestoßen zu sein, da ihm (als angehörigem) meine offenen schilderungen helfen, die erkrankung zu verstehen und vor allem zu verstehen, wie es in seiner mutter aussieht. er schreibt:

Ich finde, du hast es gut auf der einen Seite, dass es so ist wie es momentan ist, aber natürlich auch schlecht da diese Krankheit (auch Scheiße genannt) das Leben anders macht! Ich denke aber es wird bei jedem gleich sein – meine Mutter wird sich fühlen wie du, mein Vater wie dein Mann und ich wie dein Sohn! Mir macht es aber Mut es zu lesen, obwohl es schlechte Zeiten gibt aber auch gute Zeiten!

ich finde diese reaktion bemerkenswert, denn es zeigt, was für eine offenheit, herzlichkeit und stärke dahinter steckt. hut ab. und danke! und falls du das hier liest: deine idee, einen blog aus der sicht eines angehörigen zu schreiben, ist gut! mach das! schau mal in meiner blogroll im blog von uniqueachaos vorbei, sie schreibt aus der sicht einer enkelin.

ich hoffe, ihr seht diesen blogeintrag nicht als moralischen fingerzeig und verhaltenskodex im umgang mit brustkrebskranken, denn das ist nicht meine intention. vielmehr ist es ein danke für eure unterstützung und ein bisschen was zum nachdenken. mein wort zum sonntag sozusagen 😀

einen wunderschönen, sonnigen und glücklichen sonntag wünsche ich euch allen!

PS: so schnell kanns gehen. gerade hat patrick mir eine nachricht geschickt, dass er mit seinem blog online ist. schaut doch mal bei ihm vorbei, ich finde den blog gut und wichtig! in meiner blogroll unter patrick´s blog.

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18 Gedanken zu „Gedanken zur Reaktion auf meine Brustkrebserkrankung

  1. Ich finde, Du machst es genau richtig! Du hilfst Dir und anderen Menschen damit!!! Ich weiß aber auch, wie schwer es manchmal ist, öffentlich zu schreiben, ich schreibe zwar über andere Dinge, aber auch diese seelischen Probleme bzw. Todessehnsucht und alles, wie ich sie durchlebt habe, werden öfters mal niedergemacht, ich wurde verspottet, verurteilt und alles. Wer so mutig ist wie Du (und ich …), über die wahren Gefühle zu schreiben, der hat es nicht einfach. Aber Du kannst anderen Menschen damit helfen. Und das ist wichtig. Weiter so!
    Liebe Grüße
    Ellen

    • auch ich möchte dir sagen, dass du mit deiner seite mut machst. seit 10 tagen lebe ich ebenfalls mit der diagnose brustkrebs, betroffen ist mein „linker mops“. täglich lese ich deine einträge, schmunzle, lache herzlich und fühle mit. weiter so!!!

      • liebe anja, seit 10 tagen? das ist sehr frisch. ich glaube, ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es dir geht. nur mut, du wirst sehen, es geht irgendwie, das leben bleibt lebenswert. halt mich auf dem laufenden, wie es dir geht, wenn du magst. würde mich freuen.

        wir „linken möpse“ müssen zusammenhalten 😆

        ganz riesigen, herzlichen gruß und alles gute!!!!!
        katerwolf

  2. Ich finde es bewundernswert, wie offen Sie mit Ihrer Krankheit umgehen – ich bin mir sicher, dass der offene Umgang hilft, das Thema zu enttabuisieren – in der Vorstellung der Menschen passiert sowas ja immer nur den anderen. Die Angst ist so riesengross, dass man sich am liebsten garnicht damit befassen möchte.
    Durch Menschen wie Sie kann man lernen, dass Krebs nicht gleichbedeutend mit „am Rand stehen“ und „todgeweiht“ ist, sondern dass das Leben den Kampf lohnt, dass man geniessen und Schönheit sehen kann, dass man vielleicht umdenkt, vieles neu entdeckt und anders wahrnimmt.
    Ich mag Ihren Blog allerdings vor allem deshalb, weil er widerspiegelt, dass Sie eine warmherzige, offene und lustige Frau sind 🙂

    • vielen lieben herzlichen dank, ich freue mich sehr über ihren kommentar. ich freue mich über jedes einzelne wort!

      brustkrebs=tabuthema. das stimmt. es ist echt klasse, wenn ich durch meinen blog dazu beitragen kann, diesem thema das „hexenmal“ wegzunehmen.

      liebe und sonnige grüße, katerwolf

  3. Hallo katerwolf,

    ich habe es geschafft… habe einen Blog eröffnet! Und übrigens: ja bin mit Mitte 20 noch ein junger Mann 😉

    Heute war ein verdammt schöner Tag, Sonne war da, wir waren Minigolf spielen, Kaffee trinken und ich denke meine Mama ist glücklich. Jetzt heißt es aber weiterhin warten – warten auf die OP und das Resultat!

    Wünsche noch einen schönen (Rest)-Sonntag!

    Liebe Grüße,

    Patrick

  4. ich mag Menschen die so offen über SO ein THEMA schreiben können..hoffe der linke Mops wird ganz gesund..drücke ganz fest die Daumen

    LG und einen guten Wochenstart vom katerchen

  5. Liebe Katerwolf, es tut mir sehr Leid, dass sich Deine Freundin von Dir distanziert hat und dass sie einer dritten gegenüber solche verletzenden Worte geäußert hat. Sie zeigen, dass sie sich nicht wirklich Gedanken über dich gemacht hat. Dass jeder Kranke anders mit Diagnose, OP und Therapie umgeht, dass jede Krebserkrankung anders verlaufen kann, und dass der eine mehr und der andere wenigern „Auszeit“ benötigt, daran hat sie wohl nicht gedacht. Gleichzeitig aber muss ich auch sagen, und ich hoffe ich ecke jetzt nicht damit an, dass ich es ebenfalls nicht gut finde, dass die andere Freundin dir das brühwarm so erzählt hat. Ich meine, es hätte vollkommen ausgereicht, wenn sie Dir gesagt hätte, dass Deine Freundin sich nicht mehr traut sich zu melden, weil so viel Zeit vergangen ist. Das Zitat mit dem „sich gehen lassen“ hätte die andere gern weglassen können, sie hätte wissen können, dass Dich das verletzt, und es hat für mich so was wie „Klatsch“ – „Hör mal, was die über dich so erzählt!“. Find ich nicht gut. 😦
    Ich weiß nicht, ob es Dir hilft, aber auch ich habe so viellseitige Erfahrungen gemacht – meist aber wirklich gute, in Ausnahmefällen bescheuerte Kommentare. Leider muss man wohl immer damit rechnen. Was mich z. B. in den ersten 12 Monaten so tierisch genervt hat war, dass wirklich jeder 2. irgendeine tolle neue Alternative Behandlungs-Methode kannte und mir sagte, dass man sich nicht 100% in die Arme der Schulmedizin werfen darf. Das hat sowas von genervt, v. a. weil die allerallermeisten von diesen Personen null mit Krebs zu tun hatten – weder beruflich, noch betroffen als Angehörige usw. Ich wusste zwar, dass die vielen tipps, die man mir geben wollte, im Grunde lieb gemeint waren. Aber irgendwo muss man doch auch eine Feinfühligkeit besitzen um zu merken, „hey, die macht gerade eine Therapie, sie glaubt total an deren Erfolg und an ihre Genesung, also halte ich jetzt mit meiner Alternativ-Methode mal hinterm Berg und lass sie machen.“ Von wieder anderen musste ich mir ständig sagen lassen, dass es nicht das Ende der Welt sei, auf Kinder verzichten zu müssen, und ich solle mich deswegen nicht so anstellen (das waren zum Glück wenige). Oder genau umgekehrt: ich solle nicht auf die Meinung der Ärzte hören sondern auf mein Herz und trotz Therapie ein Kind planen (verrückt, oder?).
    Wie bereits geschrieben, es waren Ausnahmen und die meisten in meinem Umfeld, ob nun Familie, Freunde, Kollegen, Bekannte oder „Zufallsbekannstschaften“ konnten sehr sensibel mit dem Thema umgehen.
    Danke für Deine Offenheit, Katerwolf. Es ist so ungemein wichtig, dass die Menschen – ob nun selbst betroffen, Angehöriger oder einfach „nur“ Leser“ – mehr über das Thema Brustkrebs erfahren.

    • liebe masca,
      danke dir, du machst dir echt immer so lieb gedanken!!! bei mir sind es gott-sei-dank auch eher die ausnahmen. was du über „klatsch“ schreibst, sehe ich grundsätzlich auch so. habe da so eine art faustregel aus erfahrung: wenn jemand dir gegenüber etwas schlechtes über jemanden erzählt, tut er es meist auch über dich 😉
      in diesem speziellen fall finde ich es aber gut. denn die freundin, die wohl keine echte ist, hat sich in der vergangenheit schon einmal so verhalten. und zwar auch in einer notsituation. so weiß ich nun besser, was ich von ihr zu halten hab. ist halt oberflächlich, pfffftttt. und AUCH ne blöde kuh 😉

      habe gerade meine 1. zoladex hinter mir: ganz schöner oschi, IIHHHHHHH! habe vorab aber eine kleine lokalbetäubung mit procain bekommen.

      ich schicke dir ganz viele, liebe grüße und alles liebe auch, dein katerwölfschen

  6. Ach Sysse,
    wie wahr! Wie traurig! Wie ehrlich! Wie hoffnungsvoll!
    Was soll ich dazu sagen – für mich ist es sehr komisch, meine eigenen Erfahrungen hier so fast wortwörtlich nachzulesen und dir trotzdem keinen AllheilTipp geben zu können. Ich bin sehr oft angeeckt mit meiner offenen Art über meine „KnubbelKuller“ zu sprechen. Was aber zeitweise noch viel schlimmer war – und heute noch ist, ist das trügerische Bild, das man durch diese Offenheit von sich zeichnet. Alle halten einen für so unglaublich stark und tapfer und sind dann komplett überfordert, wenn sie feststellen, dass dem genau nicht so ist.
    Es kommt einfach immer auf die Situation und das Gegenüber an – und was Freundschaften oder vermeintliche Freundschaften angeht… :???:, das wird wohl noch zu einem weiten traurigen Kapitel, an das du immer mal wieder heranmusst. Aber sei dir ganz sicher – wenn du dieses SchalenTier endgültig den StinkeFinger gezeigt und in die SchalenTierWüste geschickt hast, dann kannst du mit den Freunden, die noch übrig – oder sogar vielleicht neu hinzugekommen sind – dein ganzes langes restliches Leben erLEBEN!
    Fühl dich gedrückt,
    Ganz liebe Grüße
    bigi

    • liebe bigi, das ist einfach nur saunett, was du schreibst. du weißt, wovon du sprichst! das mit dem grand canyon zwischen offenheit und powerfrau – du triffst den nagel auf den kopf, genauso ist es.

      ich komm langsam an den punkt, wo ich denke: scheiß drauf. wenn freunde es nicht gereiht kriegen, weil sie überfordert oder einfach nur egopanzen sind – sei es drum. ist schad aber kein echter verlust.

      und yeahhh, dem schalentier den stinkefinger zeigen hört sich RICHTIG gut an!!!!!!!

      dicken kuss, katerwolf

      • Vielleicht hilft dir ja eine meiner LieblingsWeisheiten auch:

        Es ist nichts, wie es scheint – es ist, wie ich bin!

        Damit bekommst du übrigens ganz viele nervige DiskuTANTEN auch ausgehebelt – nicht nur, weil sie darüber nachdenken, was ihnen der Satz sagen soll, sondern auch ob des Entsetzens wenn sie feststellen, was du ihnen damit mit solch netten Worten sagst!
        Dicken Kuss zurück,
        bigi

  7. Tz tz … na sag mal .. wie kannst du dich nur So gehen lassen?Unverschämtheit.Geh gefälligst wieder arbeiten!

    So was nennt sich Freundin?Hmm,also ich bräuchte so eine Freundin nicht.Was geht sie das an,wann,wo und wie du wieder arbeiten gehst?Und wenn es noch 10 Jahre dauern würde … DU allein bestimmst den Zeitpunkt und nur DU allein weißt,wann es sich für dich richtig anfühlt wieder arbeiten zu gehen.

    Kennst du das Buch “Tagebuch für Nikolas“?

    Nein?Hier mal ein kleiner Auszug:

    Stell dir vor, dass das Leben ein Spiel ist, in dem du fünf Kugeln jonglierst. Diese Kugeln heißen Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und Rechtschaffenheit. Und du hältst sie alle in der Hand. Aber eines Tages begreifst du, dass die Arbeit ein Gummiball ist. Wenn du ihn fallen lässt, springt er wieder hoch. Die anderen vier Kugeln – Familie, Gesundheit, Freunde und Rechtschaffenheit – sind aus Glas. Wenn du eine von diesen Kugeln fallen lässt, wird sie unwiderruflich beschädigt, zerspringt vielleicht sogar in tausend Stücke. Und selbst wenn sie nicht zerspringt – sie wird nie mehr so sein wie früher. Wenn du die Lektion der fünf Kugeln erst einmal verstanden hast, hast du den Anfang für ein ausgeglichenes Leben gemacht!

    Halt ihr das mal unter ihre Nase 🙄

    Bau weiter auf solche Leute,die dir immer zur Seite stehen.Vergiß Menschen,die es nicht wert sind *knuddel*

    • danke, das ist eine hilfreiche gleichung in dieser situation. und icb habe glück, dass ich auch freunde habe, die mich mit solchem QUATSCH verschonen 😆

      dicke, fette, herzliche grüße, katerwolf

  8. Ah du meinst die wo einfachst strukturierten Wesen deines Umfelds. Stümmt – aber das Gute daran, ist das Gute darin – und weil sie das nicht verstehen, werden sie automatisch drei Gänge zurückschalten 😆

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