Plaudereien aus dem Brustkrebs-Tagebuch

soll ich euch mal was sagen? diese ganze brustkrebs-geschichte ist ganz schön schwierig. ich würde sagen: schwerstarbeit. knapp 4 monate ist es nun her, dass ich den knoten entdeckt habe, noch nicht ganz 4 monate seit der operation. seitdem war es ein ziemliches auf und ab irgendwo zwischen hoffnung, mutlosigkeit, zuversicht, todesangst, tapferkeit, motivation und tiefster motivationslosigkeit. ich kann für mich sagen, dass der prozess geprägt ist von einem wechsel zwischen der zuwendung zum leben und zum tod. es gibt phasen, in denen ich zuversichtlich nach vorne schaue, mut fasse und vorsichtig in eine zukunft blinzle, von der ich nicht sicher bin, dass ich sie habe. aber immerhin schaue ich hin und denke dann: „hm, warum eigentlich nicht?“. das sind die phasen, in denen ich aktiv werde, neue pläne schmiede, früh am morgen schon die jogging-schuhe schnüre und zuversicht verbreite. dann gibt es die phasen, in denen ich einfach keine lust habe, auf nichts. ich fühle mich wie gelähmt, völlig motivationslos, habe über tage einen dicken kloß im hals, heule beim einschlafen, aufwachen, nachts und überhaupt und starre wie ein kaninchen vor der schlange auf 2 dinge: brustkrebs und tod. es gibt tage, da kann ich an nichts anderes denken als: brustkrebs. ich habe mal in einer brustkrebs-biographie gelesen, dass die autorin, die mit 40 an brustkrebs erkrankte, ziemlich genau 1 jahr nach der diagnose, intensiv merkte, dass sie nicht mehr ständig daran denkt. das lässt hoffen 😆

ich sage mir immer wieder: dieses auf und ab wird noch eine weile so sein, vermutlich wird es schwächer werden aber es geht trotz allem voran, tag für tag, woche für woche, monat für monat, jahr für jahr (ok, das mit dem jahr muss ich noch üben). das leben wird mich wieder haben.

denn das ist  meiner meinung nach das schwerste von allem: der verlust des vertrauens ins leben. dieses vertrauen wiederzugewinnen, oh mann, das ist schwerstarbeit.

aber ich arbeite daran und ich glaube, ich mache das ganz gut. klar, niemand kann mir sagen, ob der krebs zurück kommt oder nicht. ich kann mir das auch nicht vornehmen. ich kann nicht mehr machen als: gesund leben, regelmäßig zur nachsorge gehen, regelmäßig meine brust untersuchen, meine medikamente nehmen, mein immunsystem konsequent durch sport stärken, dinge tun, die mir spaß machen und versuchen, nicht ständig daran zu denken, was sein wird, wenn. ich hätte echt nie gedacht, dass es mal so schwer wird, daran zu glauben, dass man überlebt. verrückt ist das.

aber es wird besser. die letzten tage war ich wieder im loch und heute morgen wieder draußen. das loch war nicht ganz so tief wie das letzte, das ist doch mal was 😉 . heute morgen war ich mit joschi laufen und dachte mir: „hm, das könnte schon wieder alles werden„.

meinem psychoonkologen habe ich diese woche gesagt: „es ist echt schwer im moment, aber ich weiß, dass ich das schaffen werde. alles andere macht doch irgendwie keinen sinn, oder?“

da musste er herzlich lachen. also, wenn man seinen psychoonkologen zum lachen bringt, ist noch nicht aller tage abend.

drückt mir die daumen, ich bin mir sicher, das hilft.

außerdem darf man nie, nie, nie vergessen:

16 Gedanken zu „Plaudereien aus dem Brustkrebs-Tagebuch

  1. Ich wünsche Dir sehr, daß die dunklen Phasen immer kürzer werden und immer weniger tief. Ich glaube aber, daß dies allen Menschen so geht, die Schweres durchmachen müssen, also nicht nur Krebspatienten, auch anderen Kranken bzw. auch seelisch Kranken. Sicher ist das ein Stück weit auch normal, daß man ununterbrochen schwankt und wieder Angst bekommt. Denn wer weiß letztendlich schon, was nach dem Tod kommt? Niemand. Vielleicht hilft wirklich nur, immer den Augenblick zu leben und versuchen, aus jedem Tag das Beste zu machen. Sich ganz auf das Heute zu konzentrieren. Wir alle können morgen schon tot sein.
    Ganz liebe Grüße
    Ellen

  2. liebe ellen, ich danke dir sehr. du weißt, wovon du sprichst. vielleicht sind solche situationen tatsächlich auch dafür da, dass man lernt, den augenblick zu leben. letztendlich kann man nicht mal die nächste minute voraussagen. ich werde mir heute einen schönen tag machen und dir, liebe ellen, wünsche ich, dass auch du einen schönen tag hast. hier scheint heute sogar ein bisschen die sonne!

    liebe grüße, katerwolf

  3. Liebe Frau Katerwolf, habe ich Dir schonmal das Buch „Noch eine Runde auf dem Karussell“ empfohlen?
    Das hat der ehemalige Spiegelkorrespondent Tiziano Terzoni geschrieben und auch wenn er die Krankheit am Ende nicht besiegen konnte, hat er in dem Buch einen so grossartigen Blick auf das Leben und das Leben mit Krebs (oder jeder anderen Krankheit) offenbart, der mich tief berührt hat und mir gerade im Moment sehr hilft! Vielleicht Dir auch?!
    Liebe Grüsse

  4. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit dieser Situation umgehen würde. Und ich habe Angst davor, wie es wäre wenn… Ist das nicht schräg? Ich bewundere dich dafür, wie du aus deinem Leben schreibst. In welcher Verfassung du dich auch gerade befindest. Zwischen deinen Zeilen kann man oft nur erahnen, wie es in dir tatsächlich aussehen muss. Das hier, erleichtert es manchmal oder? Sich selbst aufzuheitern, in dem man darüber schreibt. Es erlaubt sicherlich, das Erlebte von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Klopf dir mal ruhig auf die Schulter, du machst das. Ganz sicher!!!

    • liebe emily,

      ich danke dir! ja, du hast recht, das schreiben erleichtert, hat es schon früher, warum also nicht auch jetzt. tatsächlich heitere ich mich selbst auf, und das klappt dann sogar auch. ein wunder! ein wunder!

      das mit dem sich selber auf die schulter klopfen, das vergesse ich ganz gerne mal. danke, dass du mich daran erinnert hast:

      *schulterklopf. schulterklopf*

      ganz viele liebe grüße, katerwolf

  5. Mir geht es gerade wie Emily, auch ich weiß nicht, wie ich mit einer solchen Situation umgehen würde. Aber ich glaube fest daran, dass du den für dich richtigen Weg finden wirst (oder ihn sogar schon gefunden hast? Dazu kenne ich dich zu wenig).

    Ich wünsch dir alle Gute (und klopf dir auch nochmal auf die Schulter 😉 )

    • liebe oyzan,
      ich danke dir für deinen lieben kommentar 😆
      mir gehts seit gestern wieder besser, bin wieder aus dem loch gekrochen, puhh.

      ich bin mir sicher, dass ich auf dem richtigen weg bin, er ist mitunter nur recht holperig, da muss ich mich dann anschnallen 😉

      liebe grüße, katerwolf

  6. Ich bin mir sicher , so wie ich dich nach deinen Einträgen einschätze, das das vorüber geht und die dunklen Phasen kürzer werden und auch ganz verschwinden. Da bin ich mir sogar absolut sicher!
    $ Monate …das ist eine kurze Zeit! Lass erstmal noch etwas Zeit vergehen….du wirst sehen….es wird!!!!!

    Ich war auch mal in einem dunklem Loch und dachte ich komm da nicht mehr raus…..und jetzt…..bin ich so hoch oben…..besser kanns kaum gehen! 🙂
    Wenn man selber will, schafft man alles!
    Lieben Gruß Anja

    • liebe anja, das hört sich echt total positiv an und ich danke dir. das macht mir richtig mut. seit gestern ist auch wieder besser. ich finde es wirklich stark, wie du dein leben meisterst, respekt!

      liebe grüße und einen schönen montag wünsche ich dir, katerwolf

  7. Ach liebe Katerwolf,
    das ist traurig, mit den schlechten, tiefen Phasen. Leider ist das – besonders im ersten Jahr – unser täglich Brot. Aber du hast vollkommen richtig geschrieben, es sind Phasen, sprich: danach kommen auch immer wieder die guten! und hoffnungsreichen Zeiten 🙂 Solange die weiter bestehen, solltest Du Dir grundsätzlich keine Sorge um die emotionalen Achterbahnfahrten machen. Und Du solltest Dir unbedingt auch immer wieder sagen, dass die depressiven Phasen nicht nur (!) aufgrund der Diagnose-Stellung immer wieder kommen. Vergiss bitte nicht, dass auch und gerade Zoladex als eine nicht zu verachtende, massive Nebenwirkung gerade depressive Verstimmungen hat. Mir persönlich hat sehr geholfen, mir in den „schlechten“ Tagen immer zwei Dinge vorzuhalten: 1. Mir selbst zu sagen: „Das/So bin ich *grundsätzlich* nicht, das ist nicht meine Persönlichkeit, *grundsätzlich* bin ich ein positiv denkender Mensch, diese negative Art an mir hat das Zoladex und eine Angst bewirkt, gegen die ich als siegreicher Kämpfer angehen werde; und 2. Ich *weiß* dass meine positive Ader in wenigen Tagen wieder kommen wird und ich *weiß*, dass ich diese wenigen Tage bis zur Wiederkehr der zuversichtlichen, fröhlichen Zeiten überwinden werde.
    Am wichtigsten ist aber, dass Du (und das tust Du!) dich auch an den schlechten Tagen akzeptierst, d. h. dass Du Dir „erlaubst“ auch mal traurig zu sein und dich für 1-2 Tage zurückzuziehen, gleichzeitig (!) mit der oben beschriebenen Gewissheit, dass es in Kürze wieder vorbei geht. Sprich: „Du doofe Melancholie, Angst, Trauer, Du darfst heute (!) die Oberhand über mich haben – Aaaaaaber morgen, da geh ich Dir an die Gurgel! Dann werde ich wieder fröhlich und zuversichtlich sein! Ätschbätsch!“
    Ich drück Dich fest!
    Masca

    • liebe masca, du bist echt ein schatz. mir tut das immer gut, wenn du mir ratschläge gibst, da du ja bereits vieles von dem, was ich aktuell immer so durchmache, hinter dir hast. das macht mir dann immer mut, weil ich weiß, dass es mir nach einer weile auch so gehen wird! ich finde, dass man sich immer wieder selbst in den hintern treten muss, findest du nicht? von alleine gehen diese tiefs nicht weg. es ist immer aktion angesagt. das joggen ist ne gute sache, merke ich. heute mache ich noch yoga und bisschen positives selbst-besprechen ist auch mal wieder angesagt. das wird, ich weiß. hey, wir bleiben beide gesund und zwar bis wir 100 sind!

      sei lieb umarmt von mir, deine katerwolf

  8. Nach deinen Beiträgen hier zu urteilen,bist du eine sehr starke Frau.
    Du lässt dich nicht unterbuttern,du bist eine Kämpferin!Jawoll!

    Du darfst nie vergessen,dass nach dem Regen immer die Sonne folgt *knuddel*

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