Gestern im Theater…

ich war gestern abend mit meiner besten freundin und ihrer 15jährigen teenager-tochter im theater. auf dem spielplan stand zeitgenössischer afrikanischer tanz. im vorfeld hoch gelobt und assoziationen von farbe, tollen bewegungen und klangvoller musik erweckend. als wir vor dem theater ankamen, hatte sich dort schon eine illustre gesellschaft von theaterfreunden versammelt, die meisten bunt gekleidet, die gesichter voller glühender vorfreude. es gab freie platzwahl, so gingen wir gleich hinein um uns gute plätze zu sichern. im theatersaal herrschte schon dichtes gedränge und ein kultivierter kampf um plätze. wir entdeckten 4 schöne freie plätze und just in dem moment, als ich mich in die sitzreihe schlängeln wollte, wurde ich abgedrängt. von einem grottenolm-artigen mann mit dickem hintern. er drängte mich ab, indem er seinen stattlichen hängehintern vor mich schob und den zugang zur sitzreihe versperrte. es ließ sich nicht vermeiden, dass ich auf ihn auflief und ihn ohne absicht kurz anfassen musste. iiihhhh.

er quetschte sich in die sitzreihe und ließ sich auf einen der freien plätze sacken. wir reihten uns daneben auf.

frag ihn doch mal, ob wir kurz in sein programmheft schauen können, wie lange das stück dauert„, sagte meine freundin.

entschuldigung, darf ich mal kurz in ihr programmheft schauen? wir möchten gerne wissen, wie lange das stück dauert.“ fragte ich höflich.

nein!“ pampte er mich an, ohne mich anzuschauen. das kann ich ihnen auch so sagen. exakt 65 minuten.

ooookkaaaaay. immer schön locker bleiben.

vor mir in der reihe nahm eine frau mit hoch aufgetürmter lockenpracht platz. na super. das passiert mir immer. sie roch extrem nach flieder. meine nase begann sofort zu jucken. glücklicherweise begann die aufführung, so dass ich mich nicht weiter auf meinen aufkeimenden niesanfall konzentrieren musste.

das bühnenbild bestand aus einer großen, senkrecht in der ecke stehenden spanplatte. sehr puristisch. sehr zeitgenössisch. 7 musiker mit rasta-frisuren betraten die bühne und setzen sich hinter ihre instrumente. als nächstes erschien eine rotgewandete afrikanerin, die mit klagender stimme eine litanei in afrikanischer sprache anstimmte und offenbar vorhatte, damit in diesem leben nicht mehr aufzuhören. was sie wohl so erzählte? hm. der choreograph wollte es uns nicht verraten. vermutlich würde sich der inhalt gleich aus dem tanz erschließen. aha, wer sagts denn! schon erschienen 2 stattliche, wohlgebaute tänzer und brachten sich in pose. der eine stemmte dem anderen den kopf in den bauch und schob ihn so auf der bühne hin und her. hm. was das wohl zu bedeuten hatte? es hatte sicher was mit dem klagelied zu tun, das keiner verstand. sehr zeitgenössisch.

es erschienen 7 weitere tänzer auf der bühne. sahen alle echt heiß aus, ich sags euch. und was taten sie? sie warfen sich auf den boden und blieben dort. durch die locken meiner vorderfrau hindurch sah ich ab und an, wie sie sich über den boden der bühne wälzten und robbten.

„geht das jetzt die ganze zeit so?“ ließ anika, die tochter meiner freundin verlauten.

„nein, sicher nicht. warts ab. gleich geht es richtig los.“

und so schien es auch. das gejammere auf der bühne war beendet und die musiker stimmten ein wildes, ekstatisches getrommel und getröte an, zu dessen takt sich die tänzer nunmehr wie die irren auf dem boden wälzten und zusätzlich zappelten.

„ich will nach hause.“ quengelte anika.

„mann, ist das grässlich. so was einfallsloses habe ich noch nie gesehen.“ ergänzte meine freundin.

„mir ist heiß und die vor mir hat ne scheißfrisur.“ hängte ich noch an.

weitere 30 minuten voller getrommel und ekstatischem gewälze folgten. 2 der tänzer waren zwischenzeitlich aufgestanden und schlugen sich aus uns unerklärlichen gründen selbst aggressiv gegen bauch und kahlrasierten schädel.

„wow, hat der einen geilen body. da würde ich nicht nein sagen“, raunte mir meine freundin genüsslich zu.

„ok. ich nehm den in der roten und du den in der weißen hose, ok?“ schlug ich vor.

„ich finde die hässlich, die schwitzen eklig.“ ließ uns anika wissen.

wir kicherten ein bisschen leise hinter vorgehaltener hand vor uns hin.

„HABEN SIE ES JETZT? HABEN SIE JETZT ENDLICH DEM GANZEN THEATER MITGETEILT, WAS SIE VON DEM STÜCK HALTEN?“

blökte mich völlig unerwartet der grottenolm neben mir an. ich schaute ihn erstaunt an.

„warum sind sie denn so unfreundlich“ fragte ich vorsichtig nach.

„SIE HABEN DAMIT ANGEFANGEN

*räusper*

„ähm, womit denn?“

„SIE HABEN MICH EBEN ANGEFASST. DA VORNE HABEN SIE MICH ANGEFASST!“

„ich soll sie angefasst haben? und auch noch vorn? iihhh. warum sollte ich das denn tun?“

„SIE HABEN MICH ANGEFASST UND GESTOSSEN, WEIL ICH NICHT SCHNELL GENUG IN DIE SITZREIHE GEGANGEN BIN. UND JETZT STÖREN SIE UNENTWEGT.“

ich schaute ihn mir genauer an. genau der typ streber, der einen früher in der schule in der mathearbeit nicht hat abschreiben lassen. der einen turm aus mäppchen und handfläche gebaut hat, damit man seine lösungen nicht sieht. und der aus genau diesem grund noch nie eine abbekommen hat. deshalb muss er alleine ins theater gehen.

„hören sie. ich habe sie nicht angefasst. sie sind ein totaler unsympath. ihh.“

indes näherte sich das gewälze und geschüttele auf der bühne seinem dramatischen höhepunkt und hoffentlich auch ende entgegen. noch einmal alle zusammen synchron auf dem boden wälzen, aufspringen und sich gegen kopf und bauch schlagen und dann war es geschafft.

standing ovations seitens des publikums. bravo-rufe. der grottenolm neben mir klatschte enthusiastisch mit seinen schwitzigen patsch-händchen.

hm. ob wir das nicht verstanden hatten?

„ich gehe nie mehr mit euch ins theater. das war scheiße.“ ließ uns anika unmissverständlich wissen. naja, wenigstens sahen die tänzer hinreißend aus 😉

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16 Gedanken zu „Gestern im Theater…

  1. 😆 ha ha ha… sehr lustig geschrieben! Es tut mir zwar Leid, dass Ihr einen so, äh, seltsamen Theaterabend hattet, dafür aber werden wir hier mit köstlichen Geschichten bedient, deswegen: das darf’s öfter geben 😉
    LG von Masca

    • liebe masca,

      du wirst es nicht glauben, ich gehe am freitag noch einmal ins theater 😉

      diesmal schaue ich aber genauer hin, neben wen ich mich setze 😉

      liebe grüße, katerwolf

  2. Liebe katerwolf, danke für meinen Lachanfall *Tränen weg wisch*! Was für ein fieser Möpp! Aber du hast gut gekontert. Was für eine Vorstellung! Und wenn der einzige Trost der ist, dass die Tänzer lecker waren 😉

    Liebe Grüße,

    Emily

    • liebe emily,
      ich habe gerade eine freundin getroffen, die das theaterstück gestern auch gesehen hat.

      *öhm*

      ich habe es wohl wirklich GAR nicht verstanden, schäm….

      liebe grüße, katerwolf

    • liebe susi,

      nee, war gott-sei-dank nicht so teuer. ich wollte ihn wirklich NICHT anfassen, den molch, aber ich blieb irgendwie an ihm kleben. ihh.

      liebe grüße, katerwolf

  3. *brüll* (den Bauch halte) vielen Dank, ich habe gerade SOO gelacht und war gedanklich mit im Theater!!
    Grottenolm finde ich super – aber leckere Tänzer hätte ich vor allem mal wieder gerne gesehen 😉

    • liebe frau palmenstrand, das freut mich, dass dich zum lachen gebracht habe mit meiner geschichte 😆

      sagen wir es mal so: die heißen tänzer haben den grottenolm ein wenig aufgehoben 😉

      liebe grüße, katerwolf

  4. grottenolm 😆 haaaaach … sehr lustig.

    ich hätte zu gerne eure diskussion miterlebt:

    “„SIE HABEN MICH EBEN ANGEFASST. DA VORNE HABEN SIE MICH ANGEFASST!“

    „ich soll sie angefasst haben? und auch noch vorn? iihhh. warum sollte ich das denn tun?““

    herrlich 😀

    • dir wäre sicher auch noch was nettes eingefallen, was man grottenolm hätte sagen können 😉

      ich wünsche dir einen tag mit positiven erlebnissen!
      liebe grüße, katerwolf

  5. Ein Wurzelzwerg hätte man ihn auch noch nennen können, jedoch kann ich gar nicht nachvollziehen, daß man sich im Theater so derat streiten kann und
    warum bist Du überhaupt zu dieser Vorstellung gegangen ?

    Da hätte ich mir etwas anderes ausgesucht, denn schlechte Vorstellung , fiese Sitznachbarn, etc., da wäre ICH gegangen, das tu ich mir nicht an 😆

    • liebe marianne,
      wurzelzwerg passt auch sehr gut, sehr schön!

      warum ich hingegangen bin? weil ich im vorfeld so viel gutes darüber gehört habe, mich für afrika interessiere und neugierig war. 3 gute argumente.

      war halt pech. ich geh öfters ins theater und hab auch schon ab und an mal was gesehen, was mir nicht gefallen hat. ich denke da nur an eine grottenschlechte hamlet-inszenierung mit einem lispelnden hamlet.

      wir hatten ja trotzdem unseren spaß und wie gesagt, die tänzer waren eine augenweide.

      liebe grüße, katerwolf

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