Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 2

warum teil 2, wenn es gar keinen teil 1 gibt? es gibt einen teil 1, oder besser gab. ich habe eben schon meine töpfergeschichte fertig geschrieben, da setzte sich unversehens ein kurschatten-anwärter neben mich und textete mich aus dem stegreif zu. von kopf bis fuß. er informierte mich darüber, dass er eine frau hat (ach was, hätte ich nicht gedacht), dass er gestern mit einer netten dame von hier einen netten abend verbracht hat (na sowas), dass er reich ist, da er jedes jahr 2 wochen urlaub auf sylt macht, mit seiner frau (jo mei) UND dass er echt toll ist, von natur aus. mr. boombastic der reha sozusagen. da ich nicht wollte, dass er mir auf den bildschirm glotzt, habe ich den laptop zugeklappt und weg war der text. grrrrrr. gerade stolziert mr. boombastic, eier aus plastik, mit rayban-brille auf der nase mit seiner vorabend-bekanntschaft an mir vorbei ins freie. gut, muss ich mich also nicht mehr hinter der topfpflanze verstecken 😆

zurück zum thema: ich bin eine große künstlerin. das weiß ich seit 4 stunden. seit ich töpfern war oder besser: modelieren mit ton. wir waren zu fünft, alles töpfer-jungfrauen. und eine feministisch angehauchte kursleiterin oder vielleicht auch frisch verlassene kursleiterin, jedenfalls war sie gar nicht gut auf die herren der schöpfung zu sprechen. vielleicht hatte sie zuvor auch einen töpferkurs für männer geleitet und war noch traumatisiert 😉

wir bekamen lange, blaue bastelkittel, wie früher im kindergarten, herrlich und: einen klumpen ton. den mussten wir zunächst etwa 10 minuten lang schlagen, d.h. mit schmackes auf die tischplatte knallen, plitsch, platsch, gibs ihm! das allein macht schon großen spaß. man macht das, damit die luftblasen aus dem ton rausgehen. das wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen.

danach kam die motiv-findungsphase. wir blätterten uns durch bücher mit vorlagen, aber so richtig fand ich nichts, weder igel noch aschenbecher noch bauchige frauenfiguren inspirierten mich. also ging ich ein bisschen in mich und wartete, bis meine innere stimme zu mir sprach.

nach einigen minuten sprach sie:

„modeliere einen tibet terrier als olivenschale. modeliere joschi.“

ehrfürchtig nahm ich ein blatt papier und fertigte eine skizze an. sie sah aus wie snoopy mit wassersucht. egal. meine kursleiterin begriff, dass ich es ernst meinte mit meiner idee und motivierte mich anzufangen. also saß ich versunken da, knetete, glättete, zwirbelte und siehe da, nach 45 minuten hatte ich eine recht robuste schale vor mir stehen. sie war deutlich größer als geplant. deutlich. sie eignet sich sicher auch als chipsschale oder obstschale 😆

dann kam der hund in teilen. 4 füße mit pfoten, die auch einem elefanten passen würden. ergebnis: schale auf 4 füßen mit pfoten. als nächstes kam ein imposanter geringelter hundeschwanz. den musste ich nach dem ranbappen an die schale mit folie stützen, damit er nicht abbricht. ergebnis: schale mit 4 füßen, pfoten und ringelschwanz. dann kam die königsdisziplin: der kopf. okay, hierzu brauchte ich einige anläufe, denn er sah zunächst aus wie ein pferd, dann wie ein schaf, dann wie ein idiot und dann *tataaa* wie ein hundekopf. es folgten 2 große schlappohren, eine dicke hundenase und fertig war die tibet-terrier-schale.

und wie toll die aussieht, ich fass es nicht. die kursleiterin war völlig begeistert, so etwas hatte sie noch nie gesehen. ich auch nicht, haha 😆

in mir steckt also eine große künstlerin. ich schmeiße meinen job hin und werde professionelle hundeschalen-ton-modeliererin. dann zieh ich nach ibiza und verkaufe meine kunstwerke am strand. es gibt im leben immer eine alternative, wenn man sein wahres potential entdeckt 😉

am mittwoch wird das große werk glasiert und gebrannt. dann gibt es hier ein foto, versprochen!

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21 Gedanken zu „Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 2

  1. Mensch, ja! Ich bin schon so was von neugierig auf deine Tibetterrier-Hunde-Ton-Chips-Aschenbecher-Schale!
    Also, nein! Du versteckst dich hinter der Topfpflanze – war sie denn groß genug? – wenn Mr. Reha-Dreamboat Nr. 1 dir Avancen macht? Ts, ts, ts! 😀 Bei deiner sehr lebendigen Schilderung, welche problemlos die Szenerie vor meinem inneren Auge entstehen ließ, kam mir prompt ein Song von Rainhard Fendrich in den Sinn: „In der Schul‘ war er ein Dodl (Dummkopf), jetzt isser Unterhosen-Modl… Macho, Macho kannst net werd’n, Macho, Macho des muaßt sei…“ *Grins* 😀
    Vielen Dank für den Livebericht vom Tatort! Freue mich schon auf den nächsten! 😀
    Herzlichst!

  2. lieber katerwolf,

    also wie kannst du dich nur so eitel den avancen dieses tonkopfs entziehen ;-)? den hättest du dazu überreden sollen, dich zum töpferkurs zu begleiten. den dialog zwischen ihm und der kursleiterin kann ich mir wahrhaft ausmalen :mrgreen:.

    ich habe mich im schultöpferkurs mal als verformer bezeichnet. nie sah es so aus, wie in meinen gedanken. bin gespannt auf die multipel nutzbare schale mit hundeblick ;-).

    einen schönen abend und weiterhin so viel spaß!
    gutgruß von frau wortfeile

  3. Hey yeaahhh!!! Die Joschi-Obst-Erdnuss-was auch immer-Schale will ich sehen!!! …übrigens, nach dem Brand ist die Schale um einiges kleiner!

    …ach noch was, hatten wir nicht mal vereinbart, sich nichts mehr gefallen zu lassen, von wegen vollabern und so? Das hattest Du doch schon mal ganz gut hin bekommen!!! 😉

    Weiter viel Spass!
    Neidische Grüsse aus Brasilien,
    Trolleira

    • manno, du hast recht. das muss ich ECHT noch üben. ich trainiere hier gerade: wie werde ich ein größerer egoist.

      ich bin eine große künstlerin und ein großer egoist. letzteres klappt noch nicht.

      liebe grüße+danke, katerwolf 😆

  4. Liebe katerwolf,

    dein Bericht ist so schön erfrischend und ich freue mich auf die Bilder. Ich hätte da noch eine Idee zur Ergänzung. Ist noch Platz auf Ibiza? Ich hörte, da soll man auch gaaaaanz toll Yoga machen können! Wie wär’s 😉

    Liebe Grüße,
    Emily

  5. Guten Morgen :-), jetzt hast Du mich aber schwer neugierig gemacht. Wie soll ich es jetzt noch bis Mittwoch aushalten ? Übrigens haben wir hier in banktown auch einige solche „bombastischen“ Exemplare (für meinen Geschmack zuviele, wie soll ich da jemals einen netten und humorvollen Mann finden). Das könnte bedeuten, dass ich ja vielleicht eigentlich auf Sylt bin und die ganz Zeit nur nichts davon wusste :-o. LG *hugs*

  6. Als Hundenapf? Ich bin sehr gespannt auf das Foto.

    Hey und den reichen Bombastic abservieren… was bist du für ein ordentliches Mädchen. Gar nicht gut für sein Ego.

  7. ach mensch!

    du schreibst ja regelm. berichte aus der reha und ich hab sie verpasst.tut mir leid.deine reha scheint echt toll zu sein.das freut mich für dich *knuddel*

  8. Pingback: Bericht aus der Reha: Ich bin eine große Künstlerin, Teil 3 « Linker Mops

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