Brustkrebstagebuch: das Wunder namens Leben

mir ist eben beim hundespaziergang noch eine lustige episode aus der reha eingefallen: wir waren mit unserer reha-clique (ihr wisst schon, bandscheiben-sanne, leuko-robbie & co) zum fussballgucken in der benachbarten reha-strandkneipe. als wir so am tisch saßen und rumalberten, wurde auch die eine oder andere erkrankung thematisiert. mit an dem langen tisch saß eine frau mit ihrem sohn. offenbar hörte sie uns zu, denn plötzlich sah sie uns an und fragte:

„seid ihr aus dem heim?“

🙂 🙂 🙂

die kandidatin hat 100 punkte. wir hatten tränen vor lachen in den augen.

die zeit geht so schnell vorbei, wahnsinn. ich bin jetzt genau 1 woche aus der reha zurück und schwelge nach wie vor in meinem neugewonnenem energiereichtum. die energiequelle sprudelt munter vor sich hin. ich mache jeden tag jede menge sport, weil es mich regelrecht in den muskeln juckt und ansonsten bin ich guter dinge. heute vormittag bin ich ein wenig übers land gefahren um mir den einen oder anderen reitstall anzuschauen. mir ist vor allem wichtig, was für pferde es dort gibt und wie das ausreitgelände ist. so verschlug es mich zunächst auf einen kleinen, abgelegenen, idyllischen hof, auf dem keine menschenseele zu sehen war. kein auto, kein mensch, menschenleer. dafür gab es jede menge tiere. 2 bunte, wohlgenährte katzen kamen angeschossen und miauten mich an wie verrückt, schnurrten um meine beine und verfolgten mich auf schritt und tritt. ein paar gänse schlossen sich schnatternd an. 1 einsames pony stand im stall, streckte den kopf aus der box und wieherte mir entgegen. grillen zirpten und die stallgebäude, wildrosenbüsche und pferdekoppeln drumherum flirrten in der hitze. eine herrliche atmosphäre. ich machte einen kurzen erkundungsgang zu den koppeln und entdeckte nur ponys. hm. kein großes pferd weit und breit. ich verbschiedete mich von katzen und pferd und fuhr weiter. auf dem rückweg zurück zur hauptstraße kam ich zufällig an einem kleinen reitstall vorbei, der araberpferde auf der kleinen koppel davor stehen hatte. araber: mein traum! ich fuhr auf den hof und stieg aus. sofort erschien wie aus dem nichts ein stämmiges, sehr selbstbewusstes männliches wesen in gummistiefeln, arbeitshose, nacktem oberkörper und einer pompösen goldkette mit massivem goldanhänger um den hals. sehr wunderlich. war wohl der besitzer, ein dubioser geselle, ehrlich gesagt, sah so aus, als wollte er, dass ich sofort wieder gehe. reiten konnte man bei ihm auch nicht. weiß der geier, was er gerade in der scheune tat, als ich auf den hof fuhr. oookaaayy, bin schon weg.

im nachbarort gibt es einen etwas größeren reitstall, das wusste ich. ich fragte mich durch und fand den stall schließlich inmitten einer bilderbuchlandschaft, von blühenden wiesen und feldern umgeben, auf den koppeln grasten gesund aussehende, GROSSE pferde. das sah schon mal gut aus. das empfangkommittee, bestehend aus 3 hunden unterschiedlicher größe, die alle geschirre mit namen trugen, begrüßte mich stürmisch. allen voran der größte, paul. ja, man kann dort reiten. ja, man kann reitbeteiligung machen. ja, es gibt ein großes, wunderschönes gelände zum ausreiten. ich verließ den stall mit der telefonnummer der besitzerin in der tasche.

*herzhüpf*

morgen ruf ich sie mal an.

*herzhüpf*

ich fühle mich seit der reha wie ein kind, das mit großen augen durch das schlaraffenland läuft. hier leben, dort leben, überall leben, wahnsinn! ich muss mich nur bedienen. als hätte ich das leben neu entdeckt. oder nach langer zeit wiederentdeckt.  und ich laufe mit riesigen tüten durch die gegend und packe alles rein.

6 monate ist es nun her seit meiner diagnose, ein halbes jahr. UND WAS FÜR EIN HALBES JAHR! wo ist es hin? schnell ist es verflogen, dennoch fühlt es sich so an, als wären es jahre gewesen. jahre in der eiswüste, die sich nach und nach gewandelt hat in eine blühende wiese. ich erinnere mich sehr genau an die einzelnen wandlungsabschnitte. vom anfänglichen schock über todesangst, verzweiflung, resignation hin zu hoffnung, zuversicht und dem immer stärker an die oberfläche brechenden lebenswillen. bis jetzt. wie es wohl weitergeht? ich bemerke auch, wie sich das verhalten meiner mitmenschen mir gegenüber wandelt. am anfang war es durch angst, entsetzen, trauer, unsicherheit aber auch mitgefühl und herzlichkeit geprägt. heute tritt die sorge mehr und mehr in den hintergrund, stattdessen begegnet man mir immer öfter mit freude. freude darüber, dass es mir besser geht. einige menschen sind aus meinem umfeld verschwunden, andere sind neu dazugekommen. auf meine antwort auf die frage, wie es mir geht: „gut. sehr gut im moment. besser denn je!“ reagieren manche mit ungläubigem schweigen. ob ich keine angst habe, dass der krebs zurückkommt? na klar hab ich die, und wie. aber die angst hat sich im moment in irgendwelche tieferen schichten meines seins zurückgezogen. und ich hoffe, hoffe ganz doll, dass ich sie nie mehr daraus hervorholen muss. nie mehr.

außerdem erlebe ich gerade ein wunder. mein heuschnupfen ist weg. normalerweise ist jetzt die hoch-zeit meines heuschnupfens. von mitte mai bis ende august stopfe ich mich mit pillen und sprays voll und muss dennoch dauernd niesen, schniefen und röcheln und bin schlapp. in den letzten jahren wurde es immer schlimmer. und dieses jahr? bis auf 3 tage auf sylt, nichts. nichts. ich kann über blühende felder laufen, gräserpollen um mich herum, nichts. ohne medikamente. das ist mir seit meiner kindheit nicht mehr passiert. woran liegt das nur? an der akupunkturbehandlung von märz bis mai? oder daran, dass mein immunsystem stärker geworden ist? keine ahnung. eine medizinische erklärung gibt es vermutlich nicht dafür.

also freue ich mich mal drüber 😆

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21 Gedanken zu „Brustkrebstagebuch: das Wunder namens Leben

  1. Ich freue mich mit dir.
    Bewunderswert finde ich ja immer noch, wie du das halbe Jahr Gefühlsachterbahn gemeistert hast, ich kenne einige die daran gescheitert sind. Und wenn du das schaffst, dann schaffst du alles 🙂

    • ach danke, liebe blubberball. du hast ja alles von anfang an mit verfolgt, denn du warst eine der allerersten, die auf meinem blog war. ich glaube auch, dass ich das schaffe!!!!!!!!

      man kann im leben an vielem scheitern, aber das leben ist viel zu schön um es wegzuwerfen.

      liebe grüße, katerwolf

  2. Ach Katerwolf, das ist ja noch so’n Knüller! Toll, dass Du das mit der Reiterei angehst. Ist auch von mir ein Traum, leider habe ich eine fiese Pferdchenallergie so mit Anfang 20 bekommen. Das wird sich auch wieder legen und bis dahin schwelge ich in Erinnerungen an ein riesiges schwarzes Pferd namens Domingo von der Reitanlage am Kampener Leuchtturm. Der Domingo war schon ganz fett, weil ihn wegen seiner Größe kein Tourist reiten wollte 🙂 Bei mir dürfen sie gern groß sein und er hatte sogar Lust, sich zu bewegen. Traumhafter Ausritt!
    Oder im Januar dieses Jahres (2 Tage vorher angefangen, Allergietabletten einzuschmeissen), da durfte ich mal ein Schleswiger Kaltblut reiten, Western Style. Man glaubt nicht, wie wendig die Kolosse sein können!
    Wünsche Dir viel Freude!

    • liebe silke, ich danke dir ganz herzlich! domingo, das hört sich toll an *schmacht* und ein schleswiger kaltblut würde ich auch gerne mal reiten, ist sicher toll! es lebe die medizin, die allergiepillen erfunden hat, denn dann kannst du trotzdem reiten 😆

      liebe grüße, katerwolf

  3. Liebe Katerwolf,
    genieße das Wunder Leben! Wenn Du so viel Freude daran spürst, dann war all das Schwere fast ein Geschenk? Darf man das so sagen?
    A propos Menschen, die „verschwunden“ sind, da fällt mir diese Tante ein, Handtasche, oder wie war das? Hattest Du ihr nicht ordentlich die Meinung geigen wollen? Hattest Du es eigentlich getan?
    Liebe Grüße
    Ellen

    • liebe ellen, ja, ich glaube, das kann man so sagen: es war wirklich ein geschenk, auch wenn sich das jetzt total bekloppt anhört.

      ne, der tante habe ich noch nicht die meinung gegeigt, weil ich einen rattenschwanz befürchtet habe. ich weiß aber, dass ich sie bei einem der nächsten familienfeste wiedersehen werde und dann kann ich das auge in auge erledigen.

      liebe grüße und danke für deinen lieben kommentar, katerwolf

  4. Oh, das freut mich so sehr, dass dich die schönen Dinge des Lebens jetzt so schön und wohltuend umfangen! 🙂
    Reiten wäre auch mein Traum, aber ich hab leider, leider auch eine böse Pferdehaar-Allergie. Und bei dem Anblick von Araberpferden hätte ich wahrscheinlich gestaunt und geknipst auf Teufel komm raus. Schon von Kindesbeinen an hab ich ein besonderes Faible für die Söhne und Töchter des Windes…
    Liebe Grüße! 🙂

    • ich danke dir ganz ganz viel 😆

      uff, da bin ich ja mit meiner katzenhaarallergie gut weggekommen, pffft.

      die hätten dir gefallen, die 3 araber, 2 weiße und ein schwarzer *schmacht*

      liebe grüße, katerwolf

  5. Ich lese „Dich“ ja jetzt schon eine ganze Weile. Zu Beginn hatte ich eine gewisse Scheu davor in deinem Blog zu lesen. Mensch, Brustkrebs, Krankheit, alles traurig. Aber alles anders! Ich habe in der Zeit so viel erfahren über die Tabus dieser Krankheit, deine Zuversicht wie auch deine Ängste erfahren dürfen. Ich habe an deinen Sorgen, wie auch an deinen Wünschen teil genommen und ich weiß, dass du alles schaffen kannst, was du willst. Und du hast sooooooo viel mitgenommen in den vergangenen Wochen, dass deine Energie einfach umwerfend ist meine Liebe! Völlig klar ist: ein Araber muss her 😉

    Bloß nicht aufhören zu schreiben!

    Ein dickes *Umärmel*

    Deine Emily

    • liebe emily, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, dein kommentar ist so nett, dass mir gestern die tränen kamen. einfach mal: DANKE. auch dafür, dass du mich jetzt schon so lange hier begleitest 😆

      ein eigener araber bleibt erstmal zukunftsmusik, weil ich mich sonst klonen müsste. der trend geht momentan also eher zum leih-araber. aber wie du siehst, arbeite ich zielgerichtet an der verwirklichung meiner träume und das ist ungemein gut.

      ich schicke dir ein mindestens ebenso dickes *umärmel* und wünsche dir einen richtig schönen tag, katerwolf

      • Och nööö, das wollte ich doch nicht! *taschentuchreich*

        Ich dachte mir schon, dass der Hübsche (also der Araber) auf deinem Wunschzettel nun ganz oben Platz genommen hat 😉

  6. Da Du Dich jetzt immer intensiver mit dem Reiten beschäftigen wirst ist es doch prima, dass Du von Deinem Heuschnupfen befreit bist. Überhaupt und sowieso habe ich das Gefühl das „sich befreien“ ein zentrales Thema ist und das ist gut so. Liebe Katerwolf, bleib am Ball und tue nur noch das was Dir gut tut. GlG. :-).

  7. auch dir ein ganz dicken und liebes dankeschön für diesen und überhaupt alle so regelmäßigen. lieben kommentare. „sich befreien“. ja, da hast du recht. ich schaufle mich regelrecht frei im moment. was ich vorher nicht wusste, ist, dass es befreiend wirkt, wenn man seine angst ablegt und seine träume anfängt anzugehen, anstatt sie auf die lange bank zu schieben. das setzt enorme energie frei. und ist für mich seit vielen jahren mal wieder eine neue erfahrung.

    alles liebe für dich, katerwolf

  8. Schön das alles zu lesen. Ich finde das super und freue mich sehr, das es dir so gut geht und….
    Reiten ist die beste Medizin…….aber eine Reitbeteiligung oder andere Reitmöglichkeit ist auf jeden Fall besser als ein eigenes Pferd….sonst hast du nicht mehr viel Zeit die anderen Seiten des Lebens zu genießen.
    Ich spreche aus Erfahrung. 🙂
    Ganz lieben Gruß und mach weiter so!
    Anja

    • danke dir liebe anja 😆

      ja, ich sehe das auch so mit der reitbeteiligung. für die momentane situation passt das am besten. aber weiß, irgendwann, da gibt es ja den einen oder anderen traum von mir…..:-)

      liebe grüße, katerwolf

  9. Ja, ich freue mich auch mit Dir und hoffe, daß dein Zustand anhält.
    Das, was Emily geschrieben hat, kann ich nur bestätigen und ich hatte zwei Freundinnen, die ich noch eine Weile begleiten durfte und wenn ich dann bei dir las, da bekam ich immer eine immense Scheu, überhaupt etwas zu schreiben.
    Es ist gut so für dich, wie es ist und lebe so weiter, ganz intensiv, denn auch positive Gedanken sollen bekanntlich gut helfen.
    Was meine Schulfreundin betrifft, so habe ich ihr zwei mal geschrieben, aber es kam keine Antwort. Macht gar nichts, vielleicht hat sie gerade wieder Chemo und es geht ihr schlecht, werde ihr weiterhin schreiben – geht ja nur per Brief, da sie keinen PC hat.
    Laß es Dir einfach gutgehen, es ist so schön zu wissen, daß Du so viel Freude empfindest.

    GLG Marianne ♥♥

    • liebe marianne, das ist sehr, sehr lieb, was du mir schreibst, danke dir 😆

      schade, dass sich deine freundin so gar nicht rührt, es würde ihr sicher helfen. aber jeder muss da seinen weg finden….hoffen wir beide also, dass es deiner freundin eher besser als schlecht geht!!!

      liebe grüße und alles liebe, katerwolf

  10. wieder so ein text von dir, bei dem die zurückeroberte lebenskraft übersprüht und ansteckt. mir scheint, du bist wieder der steuermann deines lebens, und die route, die du dir ausgewählt hast, birgt viele überraschungen, viel schönes, mit dem du dich identifizieren kannst. es ist, als ob du wieder mehr du bist, obwohl ich nicht weiß, wie du früher warst. aber der kern ist wieder da oder war nie ganz weg. und nun wird daraus wieder eine zauberhafte pflanze. du bist dein eigener gärtner beim gießen und erfüllen deiner sehnsüchte.

    ich wünsche dir, daß die energie noch lange bleibt und du fest im sattel sitzen kannst!

  11. hey du, das ist ganz schön wahr, was du da sagst 😉 ich fühle mich tatsächlich ziemlich oft wie früher. wie GANZ früher. witziges gefühl.

    vielen lieben dank für deine echt lieben worte, katerwolf

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