Kopfsausen

ich glaube, das trifft meinen momentanen zustand am besten. dinge, die mir früher selbstverständlich von der hand gingen, verursachen mir jetzt kopfsausen. früher. es gibt jetzt immer ein früher und jetzt. früher ist die zeit vor meiner diagnose, also vor januar dieses jahres, und jetzt ist alles was danach kommt. und das jetzt ist im moment ganz schön verwirrend 🙄

bis zur reha war ich mehrheitlich damit beschäftigt, mich auf mein überleben zu konzentrieren und mein leben neu ins auge zu fassen. in der reha hatte ich dann ausschließlich zeit für mich. zeit, mich körperlich und psychisch auf die beine zu stellen. mit erfolg. und mich wieder auf ein leben in der „normalität“ vorzubereiten. und diese „normalität“ ist es, die mir im moment das kopfsausen verursacht. ich befinde mich derzeit in einer art übergangsphase. in der beruflichen wiedereingliederung und zwar in der 4. woche. und ich fühle mich wie ein motor, der stottert und stottert und nicht so richtig anspringen will. sehr seltsam. ich weiß, das braucht zeit. mein arzt hat mir am freitag bei der nachsorge gesagt, der übergang dauert in der regel etwa 6 monate, was mich einigermaßen beruhigt hat. wenn man dann aber im büro sitzt, ist das eine andere geschichte *pffft*.

mein sohn zieht nächste woche aus, er geht ins ausland studieren. das ist die nächste geschichte, die mich im moment aus dem konzept bringt. ich denke, jeder, der das gerade durchlebt oder mal durchlebt hat, weiß, wie schwer sowas ist. es ist ganz ganz schrecklich schwer. kopfsausen.

ich fühle mich augenblicklich auch in meiner ehe überfordert, wobei ich nicht einmal genau weiß, ob ich mir den druck selber mache oder ob mein mann nun wieder mehr einfordert als bislang. natürlich möchte auch er langsam wieder zur normalität zurück, auch wenn er weiß, dass das so erstmal nicht geht. so coacht er mich vermehrt indem er mir sagt, wie positiv bislang alles verlaufen ist und auch weiterhin verläuft und er gar nicht so recht nachvollziehen kann, warum ich mich so schwer tue im moment. ich kann wohl schwer erwarten, andauernd in watte gepackt zu werden, aber ein bisschen mehr möchte ich schon noch in watte gepackt bleiben. auch hier: kopfsausen.

 ich weiß, dass das auch nur eine phase ist. eine von vielen meines zurückfindens ins leben. ich habe schon oft gehört und gelesen, dass diese phase ganz typisch ist und als sehr schwierig empfunden wird. aber im moment ist alles ganz schön schwer, verwirrend und ich habe einfach nur kopfsausen. könnte laut schreiend in den wald laufen.

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27 Gedanken zu „Kopfsausen

  1. dann schrei laut und dann lauf in den wald, vielleicht befreit dich das ein wenig von dem druck. was empfindet man schon als normal, wenn es einem so schwer fällt? „es war bei anderen auch so.“ – der spruch tröstet nur wenig und hilft für den moment, wo man sich so fühlt wie du, nicht weiter. ich kann mir vorstellen, daß dein leben gerade eine merkwürdige kurvenverläufe hat – mit starken ausschlägen nach unten und oben.

    ich wünsche dir, daß es sich bald wieder einpegelt!

  2. Liebe Katerwolf,
    ich habe drei Kinder groß gezogen, und als das Erste weg ging, war das für mich eine Katastrophe. Ich habe tagelang geheult, fühlte mich verlassen. Einerseits erzieht man seine Kinder zur Selbständigkeit, müsste stolz auf sich sein, dass man das geschafft hat, aber man leidet. Bei den beiden anderen hat es auch weh getan, aber da habe ich stiller gelitten und mich auch schneller in den Alltag gefunden. Ich habe guten Kontakt zu meinen Kindern. Sie helfen mir, wenn es nötig ist und über das inet sind wir auch gut „vernetzt“.
    Bei dir kommt jetzt viel zusammen. Wortfeile hat Recht: Lauf in den Wald und schreie. Und danach fasse in den Waldboden und rieche an der Erde. Sie riecht gut.

    Ich wünsche dir viel Kraft und schicke dir mal ein kleines Lächeln

    • wie süß von dir. an der erde riechen? witzig. aber ne gute idee, hab ich sooo noch nie bewusst gemacht.

      mein sohn und ich haben ein sehr gutes verhältnis, so dass ich sicher bin, dass wir in gutem kontakt bleiben. aber er wird mir sehr, sehr fehlen, diese frohnatur…

      liebe grüße und *zurücklächel* katerwolf

  3. @wortfeile: in dem moment, in dem ich das geschrieben habe, dachte ich tatsächlich daran, das zu tun. vielleicht werde ich mir in den nächsten tagen wirklich irgendwo ein stilles fleckchen suchen und mich mal freibrüllen 😉

    danke dir, meine liebe und viele liebe grüße, katerwolf

  4. Huh, da kann ich dich nur zu gut verstehen… *knuddel*
    Jeder sagt, ja, jetzt ist doch alles vorbei, es passt doch wieder und man versucht, in den Alltag zurückzufinden und es klappt einfach nicht… Mir gehts gerade nicht anders, ich drück dir die Daumen, dass es bald besser wird…

    • hallo leidensgefährtin, gut zu wissen, dass es mir nicht alleine so geht. schon alles eine blöde sch**** manchmal, was? warum können nicht so saudoofe blödsäcke krebs kriegen statt uns?

      liebe grüße, katerwolf

  5. Wie gut ich Dich verstehen kann. Derzeit habe ich auch das Gefühl, dass es den Menschen um mich herum reicht. Sie wollen wieder Normalität, so wie es früher war. Oder sie ziehen sich zurück. Bei mir ist früher ja nur der Zustand vor den Depressionen und vor dem Bandscheibenvorfall. Doch da sich Beides nicht in Luft auflöst und im ersten Fall das Früher auch mit ein Grund ist, kann es nicht mehr so werden. Und der kaputte Rücken lässt mich auch nicht mehr so arbeiten wie früher, was in einem Familienbetrieb nicht so einfach ist. Da rumpelt oft im Gebälk. Ich geh heut auch noch in den Wald …
    Liebe Grüße

    • Dass mit dem Familienbetrieb kenne ich zu gut, liebe Frau Dachfenster. Ich war lange eine billige Arbeitskraft und wenn etwas schief ging, war natürlich ich Schuld. Und nebenbei war ich noch Putzfrau, Hofarbeiter, … eben Mädchen für alles.
      Vor sich selber ist es eigentlich „Wurscht“, wieviel man zum „Familienreichtum“ beiträgt, gemessen in Euros. Eigentlich sollte man sich vielmehr auf sich selber besinnen, was man kann, was man lernen kann. Mir hat mal jemand gesagt, dass man immer auch ein kleiner Egoist sein muss, um zu bestehen. Kein Fiesling, das meine ich nicht. Das war der größte Lernprozess für mich und der langwierigste.
      Ich wünsche dir eine gute Nacht, liebe Dachfenster.

  6. GLAUBE auch das dein Kopfsausen rausgebrüllt werden MUSS..mit Ton und WASSER..Tränen lösen auch.
    Zwickmühle würde ich sagen..denn es wird auch ein Weg sein wo du dich finden willst …musst.Dinge die DAMALS waren übernehmen und andere streichen.
    Es ist ein Neubeginn so oder so.
    Hoffe da ist immer etwas an was du dich lehnen,anlehnen kannst…
    viel Glück auf dem neuen Pfad der sicher bald ein Weg ist..lasse ihn dir aber NIE austrampeln..Trott war GESTERN
    bis dann das katerchen

  7. liebes katerchen, danke dir für deinen lieben kommentar. ich war grad reiten, das war vermutlich so gut wie brüllen. bin jetzt deutlich entspannter und einmal mehr froh, dass ich wieder angefangen habe mit der reiterei. weißt du, ich bin auf meinem neuen weg und kann da gar nicht mehr von runter. und zwischendurch hab ich ganz schön schiss vor den konsequenzen. das ist die zwickmühle. das siehst du ganz richtig.

    liebe grüße, katerwolf

  8. Wenn ich so Deine Kommentare lese, dann frage ich mich, ob das jetzt alles Fassade ist. Da steckt doch so viel Leben und Energie, aber auch Trotzigkeit drin oder Du verschaffst Dir dadurch ein Ventil, dann ist das ok.
    Vielleicht empfindest Du nur etwas intensiver, weil jetzt etwas anderes beginnt, nämlich die Abnabelung vom Kind und das ist immer schmerzlich, auch bei ganz gesunden Frauen, nix mit in Watte packen, so hart das klingt, es gehört zum Leben dazu und Du wirst noch öfter solche Achterbahnfahrten erleben.
    Sei gut zu Dir und was Deinen Mann betrifft, so hat er auch ein Recht auf Leben mit Dir, er möchte es mit Dir teilen, das ist nur verständlich.
    Es wird alles wieder normal laufen, aber das könnte auf Dauer langweilig werden.
    Immer eine Herausforderung, das ist die Würze in der Suppe 😀

    Alles Gute und liebe Grüße vom Fudelchen 😉

    • liebes fudelchen, das war jetzt kein kopfsausen, dafür aber ne kopfwäsche 😉

      nein, fassade ist das sicher nicht. mir geht es seit ein paar wochen mies, das ganze in einer berg- und talfahrt, ständig anders. aber tendenz mies. die nebenwirkungen der medikamente, die ich nehme, beuteln mich ordentlich. im hauruckverfahren in die wechseljahre geschossen zu werden ist kein spaß. fahre derzeit unfreiwillig achterbahn und das bringt mich ordentlich durcheinander. das wird aber wiederbesser werden, ich weiß das.

      liebe grüße, katerwolf

  9. Langsam, einen Schritt nach dem anderen. Eine Normalität wie Du sie vorher kanntest wird es in der Form nicht mehr geben. Im Büro gibt man Dir die Zeit die Du brauchst, also nimm Sie Dir und mach langsam. Dein Sohn geht nächste Woche für eine gewisse Zeit ins Ausland und keine Mutter die ich kenne steckt solche Momente so einfach weg. Glaube mir keiner erwartet von Dir, daß Du cool bleibst. Ich vermute das Dein Mann Dich coacht ist seine Art alles zu verarbeiten. In die Action zu gehen hilft ihm vielleicht mit seinen Ängsten umzugehen und seine Gedanken die er hat aus- bzw. abzuschalten. Gib Deiner Verwirrung ruhig nach damit sie sich dadurch auflösen kann. Jede Verwirrung die Du frei lässt fängt an sich zu entwirren und macht frei. Wenn es Dich überkommt konzentriere Dich auf Deine Atmung, dadurch kannst Du besser abschalten und es wird leichter. Drückerchen. :-).

    • danke dir, dass du dir so viele gedanken um mich gemacht hast. du hast recht, da kommt im moment so einiges zusammen. „alles ein bisschen viel für die kuh elsa“ 😆

      ich versuche mir die zeit zu geben dafür und lieb mit mir umzugehen anstatt ungeduldig und zu streng zu sein.

      alles liebe und schlaf gut, katerwolf

  10. Ich schließe mich meinen Vorrednern an – schrei, wenn dir danach ist. Hau auf ein Kissen ein. Hauptsache, du lässt es irgendwie raus – ich bin sicher, du wirst da die für dich beste Methode finden 🙂

  11. Ich schließe mich den Worten von Lebensumbau an.
    In den Wald gehen und schreien hilft in der Tat. Dich selber noch ein Weilchen in Watte packen genau so. Und ich denke doch, dass du deinem Mann verständlich erklären kannst, wie’s in dir momentan grade zugeht.
    *Ganz-lieb-drück*

  12. Pingback: Kleine Alltagsgeschichten… « Linker Mops

  13. Ach lieber Katerwolf, alles was ich jetzt sagen könnte, wurde schon gesagt. So nehme ich Dich jetzt einfach nur mal virtuell in Arme und drück Dich ganz lieb. Stell Dich nicht so unter Druck und vor allem lass Dich nicht unter Druck setzen. Beim Schreien im Wald bin voll dabei! Alles Liebe, Grethe

    • liebe grethe, danke dir fürs drücken und *zurückdrück*

      na, wir sind ja jetzt schon ne echte wald-schrei-truppe. sammeln wir noch bisschen und dann machen wir ein treffen. oder wie heißt das jetzt neuerding: flashmop?

      liebe grüße, katerwolf

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