All inclusive Urlaub – inklusive Renate und Willie

der wunderbare artikel von anna-lena weckt in mir erinnerungen: sommer 2006. eine bekannte, spanische insel. ein bekannter ferienclub. all inclusive. mein mann, ich und unsere 3 patchwork-kinder.  alle drei in der pubertät. wir hatten nur gutes gehört und waren voller vorfreude.

wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon auf dem weg vom flughafen zum club düstere vorahnungen und fluchttendenzen. eine endlose, graue geröllwüste erstreckte sich nach allen seiten. ab und an ziegen. fressen die ziegen dort steine? die geröllwüste wurde durch künstlich bewässerte grüne parks unterbrochen, die fast ausschließlich zu ferienanlagen gehörten.

so auch zu unserer. von außen sah es eigentlich nett aus. ein großes, helles hauptgebäude, ein großer pool und kleine, schöne bungalows überall. „na„, dachte ich mir, „hab dich nicht so. ist doch schön, wird sicher super hier.“ wir bezogen unseren bungalow, packten schnell aus und machten uns auf den weg zum strand, es war ja noch früh! der strand, tja. er war menschenleer. seltsam, wieso nur? wir bahnten uns zwischen gefühlten 1000 liegen auf der sonnenterrasse, die einem flüchtlingsboot glich, den weg zum strand. kaum waren wir unten, wussten wir warum: der wind blies uns fast von den füßen und wir waren binnen sekunden gesandstrahlt. oha. schwimmen durfte man nicht. also wieder zurück auf die sonnenterrasse.

hier versammelte sich auf einem haufen all das, was man nie, nie im leben auf einem haufen sehen will. nicht mal einzeln will man das sehen. und schon gar nicht im badeanzug. geschweige denn oben ohne. im stringtanga. nach einigem suchen fanden wir 2 liegen und ließen uns darauf nieder. zu den nachbarliegen war etwa 5 cm abstand. wir legten uns hin und wagten einen vorsichtigen blick in die runde. 1000 augenpaare starrten zurück. schließlich löste sich eine frau aus der menge und kam auf uns zu. die erde bebte. voll das alphatier, im stringtanga, blonde dauerwelle, dick mit ordentlich holz vor der hütte. d.h. auf der fußmatte vor der hütte (ich weiß, ist gemein, aber ihr habt die walküre nicht erlebt!). zielstrebig bahnte sie sich ihren weg durch die menge und ließ sich mit baumelnden melonen auf der liege meines mannes nieder.

„tach, ich bin die renate. ich komme aus bochum und bin schon zum fünfzehnten mal hier. mit dem willie. WILLIE, komma her.“

willie kam. klein, schütteres haupthaar, ausgemergelt aber mit bierbauch, sportbadehose und adiletten an den füßen.

„tach, ich bin der willie. die bessere hälfte von renate.“

sprachs und ließ sich auf meiner liege nieder. ungefragt. hey, mein mann und ich sind sehr kommunikativ und gesellig, aber bei einer halbnackten renate samt willie auf der liege ist auch mal gut.

„und iiiiiihr? wie oft seid ihr schon hiergewesen? na los, erzählt mal!“

„gar nicht. und ich bin etwas müde und möchte mich jetzt gerne etwas ausruhen.“

das kam irgendwie nicht gut an. nachdem wir als außenseiter entlarvt wurden, erstarb das gespräch schnell und renate zog samt willie ab und tratschte mit allen über uns. ich hatte in den nächsten 14 tagen den einen oder anderen kampf um die liegen mit renate, da ich zu den menschen gehöre, die badetücher, die morgens schon um 6 auf liegen verteilt werden, herunterzunehmen und die liege zu okkupieren, wenn um 10 immer noch keiner erscheint. ich habe dort dinge gesehen, das glaubt ihr nicht. zum beispiel das: einen mann, der gegen mittag zu seiner mit handtuch belegten liege kam und einen fremden darauf vorfand. es entspann sich ein disput, der darin gipfelte, dass der erstbesitzer die liege mit muskulösen, behaarten armen packte und versuchte, den feindlichen eroberer, wie ein primat schreiend, herunterzuschütteln. isch schwör!

der wind blieb, ist ja auch die insel der starken winde, frau schlau ;-). es regnete auch. das erste mal im august seit 5000 jahren. es war kühl. ich trug 14 tage abends meine 2 pullis übereinander, die ich dabei hatte. ich versuchte mich im all inclusive-sportprogramm. pilates, yoga und tiefenentspannung sowie bauch beine po machen bei starkwind in einem zugigen, offenen pavillon mit meerblick nur begrenzt spaß. merkt euch das. also, was kann man in einem all inclusive club sonst noch so machen? richtig, essen. also aß ich. und aß und aß und aß. mein magen dehnte sich täglich. ich fing an renate zu ähneln.

mein mann segelte den ganzen tag (das durfte man, zumindest ab und an) und war abends so müde, dass er gegen halb 9 dringend schlafen musste. echt ne party, leute. also bin ich abends alleine in die open air disco mit riesiger, ovaler bartheke gegangen. zunächst schaute ich mir die animateur-show an, der man nirgends entkam und erfreute mich allabendlich an animateuren in tierkostümen, die irgendwelche fürchterlichen sachen sangen. und dann ging die party richtig los. YES. jeden abend zur gleichen musik: YMCA, diana ross und falco. echt geil. zu YMCA stürmten alle auf die tanzfläche und machten unter anleitung der animateure diesen YMCA-tanz. kennt ihr den? und dann wurde getrunken, was reingeht. mit steigendem alkoholpegel sank die schamgrenze. was da so auf der tanzfläche und der bar abging ist bar jeder beschreibung. hab meinen lebtach nicht so viele vokuhilas und blonde dauerwellen beim balzen gesehen, wie dort. ich dachte eigentlich, die seien ausgestorben. aber nein, es gibt da diese enklave auf einer spanischen geröllinsel, da ist das noch voll hip.

unfassbar. warum tun menschen so etwas? ich versteh das nicht. ich bin ein lebensfroher, unternehmungslustiger mensch, aber in dieses urlaubsfeeling kam ich nicht rein. sorry, leute. balzende renates und willies beim YMCA-hütchentanz, ne, geh fort!

unsere kinder hatten einen eigenen bungalow und machten die nacht zum tag. ich glaube, wenigstens sie hatten spaß. es war nicht unser letzter cluburlaub. wir waren später in der türkei in einem anderen club und hatten sehr viel spaß, alle. da waren aber auch sehr viele einheimische und die mischung machts. aber auf die vokuhilainsel fahr ich im leben nicht mehr.

33 Gedanken zu „All inclusive Urlaub – inklusive Renate und Willie

    • das GUTE an solchen geschichten ist, dass man im rückblick darüber lachen kann. vor ort war ich ungewohnt humorlos 😉

      liebe grüße und einen sonnigen restsonntag, katerwolf

      • Vermutlich auch einfach geschockt über die Bilder die sich dir boten *ggg*

        Wie immer wunderbar beschrieben! Ich konnte (leider) alles vor mir sehen 😉

        Liebste Grüße, Emily

  1. Sehr schön! Es ist rückblickend betrachtet sehr komisch, aber wenn man mitten drin steckt, wäää! Als wir mit unseren Kinder vor etlichen Jahren gleichzeitig mit einer Riesenrentnergruppe im Hotel waren (alle wahrscheinlich kriegsgeschädigt = Angst vor dem Verhungern) waren alle Tischmanieren, die wir den Kindern jemals beigebracht hatten, komplett vergessen. Aber Hinterher haben wir oft darüber gelacht… sind doch auch so nette Erlebnisse! LG Rana

    • liebe rana,

      *kicher* die beschreibung deiner hungergeschädigten kriegsveteranen ist auch nicht von schlechten eltern 😉

      ich muss mir heute immer ganz stark auf die lippen beißen, wenn jemand, den ich kenne, von besagtem club schwärmt. die haben übrigens keine vokuhila und dauerwelle und finden es trotzdem gut.

      liebe grüße, katerwolf

  2. Herrlich, du hast mir ja jetzt schon ein bissel leid getan, aber zuerst habe ich mich mal königlich amüsiert. Ach, was wäre die Welt, wenn es keine Renates und Willis gäbe.

    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag, die Gudrun

  3. ich wäre nicht im traum auf die idee gekommen, so eine reise zu buchen. neee, dann lieber inland, aber ohne tratsch- und sonstwie geartet hungrige meute. mir haben die drei tage auf mykonos gereicht, wo wir fälschlicherweise beim inselhüpfen einen zwischenstop einlegten. ich habe ähnlich freudlos reagiert :roll:.

    • wenn man 3 pubertierende plagen hat, ist sowas ne ganz gute lösung. gott-sei-dank muss ich sowas jetzt nicht mehr machen. obwohl ich sagen muss, dass die türkeigeschichte klasse war. türken können ganz schön feiern 😉

      aber in spanien war die hölle. grässliche insel war das auch, urgh.

      liebe grüße und hab nen schönen abend, katerwolf

  4. *losplatz* Vor Renate und Willi wäre ich allerdings auch geflüchtet… Und mit Liegenreservierern käme ich mir auch regelmäßig ins Gehege 😀

    Jetzt rätsel ich ja wirklich, welche Insel das war – um sie für die Zukunft meiden zu können 😆 Gegen Cluburlaub habe ich an sich nichts, meine Lieblingsschiffe sind ja quasi ein schwimmender Cluburlaub. Die Parties meide ich allerdings, bin aber eh kein Partymensch.

    • danke für deinen lieben kommentar! also diese insel heißt übersetzt insel der starken winde und fängt mit fu an 😉

      ist doch ein schönes rätsel 😉

      alles liebe und ja, ich weiß, dass du eine clubschiffreise gebucht hast und dich schon riesig freust!

      Liebe Grüße, Katerwolf

  5. Das ist voll aus dem Leben und ich sehe Renate und Willie lebendig vor mir 🙂 🙂 :-). Und dann auch Ruhrpottdialekt, der ja auch meine eigentliche Heimatsprache ist. Recklinghausen ist ja nicht weit von Bochum weg. Herrlich geschrieben hast du das! DANKE!

    Lachende Grüße
    Anna-Lena :-).

    • liebe anna-lena,

      das freut mich, dass dir meine geschichte gefällt, ich habe mich beim schreiben selbst kringelig gelacht. Immerhin war es für was gut: für diesen post 😉

      liebe grüße und einen schönen wochenstart wünsche ich dir, katerwolf

  6. ja wirklich gut, dass man im Nachhinein es etwas humorvoller sieht. aber es klingt etwas gruselig. Da moechte ich auch nicht hin. Bisher eigentlich nie auf so eine Art von Urlaub gefahren. Ich moechte es auch nicht ausprobieren.

    • liebe vivi.

      ich danke dir für deinen kommentar und deinen besuch bei mir. mit kindern im teenageralter, die alles LANGWEILIG finden, ist das vorübergehend eine ganz passable lösung. mit nachdruck auf „vorübergehend“ 😉

      jetzt sind wir auch wieder individuell unterwegs!

      liebe grüße und ein einen schönen wochenstart, katerwolf

      • als meine im Teenager Alter waren, da waren sie einmal fuer 8 Monate mit uns in Capetown auf unserem ersten Sabbatical (Shabbaton) und dann auch immer mit den Pfadfindern beschaeftigt. Anfangs als „Schueler“ dann als Leiter einer Gruppe. Ausserdem gab es den Pflichturlaub in Straubing bei meiner Schwiegermutter. Das reichte ihnen dann meist. Wenn wir Glueck hatten, dann kamen wir dort fuer ein paar Tage mal weg und sind dann einfach mal so etwas ansehen gefahren und suchten immer Familienzimmer unterwegs. So waren wir in Garmisch, Schloesser ansehen, und sogar mal im Eurodisney.

  7. liebe vivi, na, ihr seid ja auch abenteurer, toll! dann haben eure kinder auch schon viel von der welt gesehen, 8 monate in südafrika ist schon ein erlebnis 😆

    wir schleppen unsere kinder aber auch gerne um die welt, vorzugsweise auf dem segelboot, was sie immer sehr lieben. auch heute noch, obwohl sie schon fast alle erwachsen sind. cluburlaub will übrigens keiner mehr machen, die phase ist vorbei, puh.

    die welt gehört dem, der sie sich erschließt 😉

    alles liebe, vivi und hab einen kühlen tag 😉
    katerwolf

  8. Cluburlaub käme nie in Frage und was die Leutchen so im Urlaub treiben…das interessiert mich überhaupt nicht und dann noch mit Leuten befreunden, dazu ist mir der Urlaub zuschade, das kann ich zu hause haben 😀

    • liebe marianne, das glaub ich, dass sowas nichts für dich ist, du individualistin 😆

      scheint draueßen nich gigantisch schön die sonne? zu schade zum arbeiten der tag *seufz*
      liebe grüße, katerwolf

    • waaas, du kennst renate und willie auch? 😉

      ab und zu mal ne renate oder ein willi geht ja noch, aber im rudel? ne, das schafft man nicht 😉

      liebe grüße und danke für deinen kommentar, katerwolf

  9. Boah, sach ich getz ma im ruhrpottdeutsch. Datt hasse ebent davon wenne olinklusiv nimms.
    Bisse selba schuld. Watt geeehse auch dahinn. Wolltes bestimmt nuan billigen Ualaub machen ey.

    Ne nun mal ehrlich, solche Urlaube liegen uns gar nicht. Wir mögens im Urlaub doch irgendwie persönlich, unter uns.
    Doch nun will mein Mann unbedingt auf so ein Schiff, die Aida! Ich schüttel mich jetzt schon, wenn ich nur dran denke.

    • *gg* sehr schöner kommentar 😆

      tja, wenn es mal billig gewesen war, ne du, war sauteuer.

      soso, aida, na lass es doch mal auf dich zukommen, wird vielleicht netter als du denkst. und hey, vielleicht trefft ihr renate und willi dort *grööhhll* *laolawellemach*

      oyzan in meiner blogroll ist auch eine clubschifffahrerin. kannst sie ja mal nach persönlichen erfahrungen fragen!

      liebe grüße, renate, äh, katerwolf

  10. Hallo, wunderbare Erfahrung mit wunderbaren Menschen!
    Im Club war ich noch nie, aber einen Abend mal in der Diskothek eines „Treffhotels“ im Harz. Wir logierten mit unserer Motorradclique in der benachbarten Pension und wollten abends noch was erleben. So war es denn auch. Was sich da abgespielt hat…….männlicher Kegelclub trifft weibliche Gymnastikgruppe……und das ist das Konzept dieser Hotels!

    • das hört sich sehr vielversprechend an, liebe brigitte. ich bin mir sicher, du hast dort renate und willi getroffen.

      ist doch mal ne alternative und ganz ohne flugstress!

      aber sicher hattet ihr mit eurer gruppe viel spaß, dann hatte es auch was gutes 😆

      liebe grüße, katerwolf

      • Viel, viel Spass, katerwolf. Und der Spass ging erst richtig los, als sich männliche Disco-Besucher für ein weibliches Mitglied unserer Gruppe zu interessieren begannen. Leider vorbei die schönen Motorradzeiten, wir haben aus Zeitmangel unsere Maschine verkauft. Aber die Erinnerungen leben und werden immer wieder gerne aufgewärmt. 🙂

  11. @brigitte: hihi, das war doch sicher mordslustig 😉

    wir waren früher auch eine motorrad-clique und haben tolle touren gemacht. leider fiel die gruppe ganz auseinander und wir selbst haben unser bike verkauft, nachdem jemand aus dem näheren umfeld tödlich verunglückte. aber recht hast du, es war eine schöne zeit!

    liebe grüße, katerwolf

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