Wiedereingliederung und danach

in meinen suchanfragen taucht das ziemlich oft auf: wiedereingliederung. und wiedereingliederung nach brustkrebs. deshalb möchte ich an dieser stelle etwas darüber schreiben. der zeitliche ablauf war bei mir folgendermaßen:

anfang januar diagnose und ende januar operation

anfang februar beginn der AHT (antihormontherapie) mit tamoxifen

mitte märz 1. zometainfusion

anfang april antrag auf reha über die sozialstation des krankenhauses, in dem ich operiert wurde

mitte april, nach der 1. nachsorge, aufstockung der AHT auf zusätzlich zoladex

ende april zusage meines rententrägers für eine reha auf sylt

mitte mai rückmeldung seitens der nordseeklinik sylt und terminvergabe für die reha:  15. juni bis 6. juli

in der reha gespräch über berufliche wiedereingliederung geführt und auf anraten des dortigen mitarbeiters entschieden, bereits 2 wochen nach beendigung der reha mit der beruflichen wiedereingliederung zu beginnen. in dem gespräch habe ich auch erfahren, dass man während der wiedereingliederung keinen urlaub nehmen darf, da man offiziell ja weiterhin krankgeschrieben ist 😦 . das fand ich blöd. deshalb der entschluss, eine schnelle wiedereingliederung durchzuführen und zwar im rahmen von 9 wochen. unter der prämisse, diese maßnahme zu verlängern, falls ich damit nicht klarkommen sollte. sowas geht.

wir einigten uns darauf, den antrag folgendermaßen zu stellen: 9 wochen insgesamt wiedereingliederung, die ersten 2 wochen 2 stunden täglich, dann 2 wochen lang 3 stunden, 2 wochen lang 4 stunden und dann 5 und anschließend 6 stunden. am 13. september sollte die wiedereingliederung vollständig abgeschlossen, und am 14. september der erste volle arbeitstag sein. ich habe ein vollzeitstelle.

genau so haben wir es auch gemacht. am 14. september war mein 1. „richtiger“ arbeitstag, vom 20. bis 24. september war ich 1 woche in urlaub und seit dem 27. wieder voll dabei.

und wie war das so? hm, ganz schön haarig so eine wiedereingliederung. ich war etwas über 6 monate aus dem job. wobei ich wirklich ganz draußen war. so eine diagnose bindet einen mental und emotional zu 100 %. entsprechend befremdlich fand ich es, wieder an meinem arbeitsplatz zu sein. ich habe eine leitende position. die ersten 4 wochen kam ich mir vor wie auf einem fremden planeten. unsicher. ängstlich. und mit dem kopf ganz weit weg. ich ließ mein telefon umgestellt, hospitierte mehr oder weniger bei meinen 2 assistentinnen und fragte mich insgeheim, wie ich jemals wieder eine abteilung leiten sollte. oh.mein.gott.

im grunde genommen hatte ich die ganze wiedereingliederung über dieses gefühl. wie durch einen nebel watete ich durch die gegend und fragte mich unentwegt: was mache ich hier eigentlich? oh gott, hoffentlich will keiner was von mir. das war schon sehr seltsam, zumal ich im job immer sehr viel einsatz, durchsetzungsvermögen und durchblick hatte. das war auf einmal weg. einfach weg. ich verzweifelte aber nicht, im gegenteil, ich ging die sache gelassen an. wenn ich müde war, ging ich einfach nach hause, schließlich war ich ja noch krankgeschrieben. meine vorgesetzten und enge kollegen waren in dieser phase großartig und nahmen viel rücksicht. was soviel heißt wie: sie ließen mich einfach absolut in ruhe.

und dann geschah etwas merkwürdiges. an meinem 1. „normalen“ arbeitstag lichtete sich dieser nebel, fast so, als hätte mir jemand einen vorhang vom kopf weggezogen. mit einem mal kehrte das selbstvertrauen zurück und der wunsch, die zügel wieder in die hand zu nehmen. in den ersten tagen ging einiges daneben, weil ich die vorgänge schlichtweg nicht mehr so „im griff “ hatte. egal, ich war zunächst einfach nur froh, dass die energie wieder da war. der urlaub nach 5 tagen kam zur rechten zeit. einfach nochmal eine kurze auszeit nehmen und das ganze sacken lassen. und seit ich aus dem urlaub zurück bin, klappt es prima. ich bin wieder da 🙂 und zwar mit neuem elan und neuer motivation und lust am arbeiten.

so ist das wohl, wenn man dem tod von der schippe springt. vieles relativiert sich und man lernt dinge schätzen, die man vorher nicht wertschätzte. es ist so unendlich viel besser, arbeiten zu können, als tod zu sein 😉

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39 Gedanken zu „Wiedereingliederung und danach

  1. liebe katerwolf,

    danke für die einblicke in deine wiedereingliederung und alles davor. ich sehe daran, was ein mensch alles bewältigen kann, in welchen tälern er sich bewegt und wie er wieder auf die höhe klettert. und es tut gerade in der phase, in der ich mich mit einer anderen krankheit befinde, sehr gut, das zu lesen. klar, es kostet kraft sich wieder aufzuraffeln. aber es gibt doch viel schönes auf der welt. ich erkämpfe mir gerade die ehrfucht vor dem schönen zurück.

    hab einen guten tag und liebe grüße

    • hallo meine liebe, ich freue mich sehr über deinen kommentar 😆

      ja, da hast du mal wohl recht mit den tälern und dem rausklettern und wieder obenauf sein. zumal es im leben ja immer wieder solche phasen gibt, es ist ja nocht so, dass man 1x ein tal durchquert und dann, hopp, wars das für alle ewigkeit. nein, nein, nein 😉 nur macnhe täler sind besonders tief und man kommt nur schwer wieder raus. dann brauchts zeit und kraft und manchmal auch den einen oder anderen wegführer.

      ich drück dich ganz fest und wünsche dir von herzen, dass du dir diese ehrfurcht wieder ganz erkämpfst. es lohnt sich und die kraft dazu hast du in dir 😆

      alles liebe und *knuddel* katerwolf

  2. ja, manchmal braucht es einschneidende Erlebnisse, damit sich die Prioritäten des Lebens wieder neu aufstellen.

    Ich wünsche Dir einen guten Tag und ein ein zauberhaftes Wochenende zum Kraft sammeln
    Sweetkoffie

  3. ich wuensche dir weiterhin viel Elan und viel Kraft und eine Menge Gesundheit. Jede Krankheit verlangt von einem sehr viel und noch dazu so eine Schwere wie du sie hattest. Das wichtigste ist, nie den Mut zu verlieren und versuchen Optimistisch zu bleiben.

  4. ich wollte auch dass ich die Kommentare per mail bekomme und vergessen zum druecken, also bin ich noch mal hier und wuensche dir auch eine schoenes Wochenende und geniesse es

  5. Vielen Dank für deinen Bericht. Leider ist es im Leben oft so, dass man das Innehalten vergisst und den Hamster im Käfig gibt. Wenn man überhaupt sagen kann, dass eine Krankheit etwas Gutes hat, dann sicher, dass man Prioritäten auch in Bezug auf Freundschaften neu überdenkt aber auch, dass man erkennt, welche tolle Arbeit/ welch tolles Leben man eigentlich führt. Ich habe vor etlichen Jahren nach einer einschneidenden Erfahrung auch gelernt, mich an Kleinigkeiten zu freuen und meinen Beruf mehr zu schätzen. LG Rana

    • liebe rana,
      vielleicht passieren solche dinge deshalb. hm, aber eigentlich glaube ich vielmehr, dass das leben einfach so ist. so und nicht anders. wenn man so etwas erlebt, geht es darum, wie man mit der situation umgeht und was man daraus macht. ich bin froh, dass ich offenbar so gestrickt bin, dass ich mich dem leben zugewendet habe. und du auch, wie es scheint. und so etwas ist immer 100% positiv und gut!

      aufrichtigen dank und alles liebe für dich, katerwolf

  6. So eine Wiedereingliederung ist ein sehr gutes Programm, damit jemand wieder in sein berufliches Leben so nach und nach zurückfinden kann, ohne sich gleich zuviel zuzumuten oder gar keinen Einstieg mehr zu finden. Natürlich ist dies eine Übergangszeit und sollte von dem Betreffenden auch so gesehen werden – ohne Druck, ohne Last und mit dem Gefühl, in dieser Zeit auch ohne schlechtes Gewissen die Verantwortlichkeit und das Pflichtbewusstsein abzugeben.
    Bis man wieder gesund und in der Lage ist, dies zu tun.
    Liebe Grüße von Rosie

    • da hast du mal recht, liebe rosie. sind wir nicht unendlich privilegiert, dass wir so etwas in anspruch nehmen können? das ist nicht überall so.

      ich danke dir für deinen lieben kommentar und wünsche dir alles gute, katerwolf

  7. Ich find es immer wieder faszinierend, wie du es geschafft hast, dein Leben nicht zur weiterzuleben, sondern auch, es dir zurückzuholen 🙂

    Ziehe meinen Hut!

    • liebe mia,

      ich danke dir von herzen. du verfolgst meinen blog ja schon seit, hm, naja, fast seit anbeginn und ich freue mich sehr über dein feedback!

      yepp, leben zurückholen hat was. wenn man das mal gemacht, das ist ganz schön klasse 😆

      liebe grüße und alles liebe, katerwolf

    • ich danke dir von herzen ♥

      weißt du, ich hatte diesen spaß und elan ganz, ganz lange. früher. irgendwann ist er mir im laufe des lebens durch erlebnisse und falsche sichtweisen eine zeitlang abhanden gekommen. vielleicht so 5 jahre lang. bis unmittelbar vor meiner erkrankung. was IST das schön, es wiederzuhaben 😆 auch wenn es durch solche umstände kommt. und ja, auch ich hoffe, dass er mir noch lange erhalten bleibt!

      alles liebe, katerwolf

  8. Liebe katerwolf,
    es ist so berührend, deine Geeschichte zu lesen.
    Durch was für Täler der Mensch gehen kann und doch zeigt sich immer wieder ein Licht irgendwo – manchmal weitweg, manchmal schon ganz nah.
    Und es geht immer weiter, mal beschwingt, mal betrübt, mal hoffnungsfroh, mal enttäuscht, und zum Schluss SELIG.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du dich weiter so wohl fühlen kannst – nicht nur im Job.
    Viele liebe Grüsse
    minibar

    • liebe babsi,
      dein kommentar ist so mitfühlend und kommt von herzen, ich danke dir total dafür. was du schreibst, trifft es sehr gut, diese wanderung namens leben.

      ich wünsche dir alles liebe, liebe babsi und dass du sicher durchs leben wanderst 😆

      liebe grüße, katerwolf

  9. Liebe Katerwolf,

    ich wiederhole mich, aber ich finde es einfach großartig, wie du Leser wie mich, an deinem Leben, deiner Freude und deinem Leid, in all der Zeit hast teilhaben lassen. Du hast ganz viel bewegt, gezeigt, geweint, zum Lachen gebracht und Mut gemacht. Du bist ein Pfundskerl! Also in weiblich, ist ja klar 😉 Es ist immer wieder eine Freude Dich zu lesen!

    Alles Liebe, deine Emily

    • liebe emily,

      einfach nur danke ♥
      du weißt ja, du warst mit die allererste, die sich an meinen blog herangetraut hat….und du hast mir hier schon oft GANZ schön weitergeholfen und mut zugesprochen *tränchenwegwisch*. erinner dich nur daran, wie du am meiner stelle größere mengen alkohol zu dir nehmen wolltest. da lach ich heute noch drüber 😉

      und DU bist auch ein pfundskerl, oder heißt es pfundmädel? egal, ich mag dich, liebe emily ♥

  10. Liebe Katerwolf,
    es tut unheimlich gut, wie offen du mit dem allen umgehst und uns mit nimmst durch die Täler und auch die Höhen. Meist ist das alles ein Tabuthema. Jeder leidet still vor sich hin. Durch deine Berichte ist man vorbereiteter. Ich danke dir.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend, die Gudrun

    • liebe gudrun,

      und es tut unheimlich gut, deine lieben kommentare zu lesen, die du nun schon eine ganze zeit hier hinterlässt. danke dir von herzen dafür. ein grund, diesen blog zu schreiben ist übrigens mein wunsch, dieses tabuthema ein wenig mehr zu enttabuisieren, das ist mir ein persönliches anliegen.

      alles liebe dir, katerwolf 😆

  11. *ichschließmichan*!
    Bin, wieder mal, beeindruckt, was und wie Sie das alles so geschafft haben!! Und daß Sie hier davon so offen berichten (hat bei mir bewirkt, daß ich diesen Herbst tatsächlich bei der Krebsvorsorge mal einen Brustultraschall machen ließ – ich bin nämlich ein großer Feigling- , also: DANKE!) ist auch große Klasse! Und natürlich die Geschichten aus Indien, die sind auch primaprimaprima!
    Liebe Grüße,
    FrauQ

    • liebe frau Q,
      suuuuuuuuuper, du bist echt zum bustultraschall gegangen und das wegen meines blogs. jaaaaaaaa, es lohnt sich, über dieses thema zu schreiben, jaaaaa 😛

      und ich werde in den nächsten tagen extra eine indiengeschichte schreiben 😆

      liebe grüße, katerwolf

  12. Liebe Katerwolf, ich kann mich da meinen Vorrednerinnen nur anschließen. Wie du uns mitleben und mitfühlen lässt hat mich oft ganz stark berührt. So wie du dich ins Leben zurückgekämpft hast bist du mir zu einem Vorbild geworden. Ich danke Dir und wünsche uns noch viele nachdenkliche, offene, lebendige, lustige – einfach Katerwolf-typische Blogzeiten.
    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende H.

    • meine liebe frau dachfenster, das freut mich ungemein und es ist auch für mich schön, nun schon eine ganze weile mitzuverfolgen, wie du nicht nur aus deinem dachfenster schaust sondern zunehmend mutiger neue wege beschreitest.

      weiter so, bloß nicht aufgeben!!!!

      alles liebe, katerwolf

  13. @alle:

    heute morgen mache ich meinen laptop auf und finde all diese lieben kommentare. das berührt mich sehr. sehr. sehr. und ich freue mich darüber. und wie 😆

    zum einen, weil ihr so herzlich, mitfühlend, lustig und mutig seid, mir trotz dieses doch eher schweren themas immer wieder rückmeldung und beistand zu geben und zum anderen, weil ich glaube, durch meine beiträge möglicherweise tatsächlich etwas zu bewegen. beides ist einfach nur schön 😆

    ich danke euch allen aus tiefstem herzen, ihr seid echt klasse!!!!!!

  14. Hut ab, kann ich nur sagen. Du hattest ein sehr bewegtes Jahr mit schlimmsten Erfahrungen. Trotzdem klingt so viel Lebensfreude und Optimismus in all deinen Beiträgen, das finde ich bewundernswert.

    Ich wünsche dir ganz viel Gesundheit und grüße dich herzlich,
    Anna-Lena

    • herzlichen dank für deine lieben worte, anna-lena, auch ich wünsche dir ganz viel gesundheit 🙂

      ich klopfe mir zuweilen selbst auf die schulter. das darf man übrigens nie vergessen, das ab und an zu tun!

      meine lebensfreude sprudelt munter aus meiner inneren quelle, schön zu spüren! den optimismus muss ich mir hingegen hart erarbeiten, das ist nicht immer leicht.

      herzlichen gruß, katerwolf

  15. Das liest sich jetzt vielleicht doof, aber irgendwie erinnern mich deine Gefühle und Eindrücke während deiner Eingliederungszeit an jene, die ich nach meinem Dasein als „Hartz-IV-Patient“ während der ersten Wochen hatte, nachdem sich wider Erwarten ein neuer Job aufgetan hatte. Und auch mir kommt es nach einer Weile der Wiedereingliederung in den „Arbeitsmarkt“ so vor, als hätte ich neuen Schwung, wesentlich mehr Kreativität als zuvor und ein neues, gesundes Selbstbewusstsein…
    Herzliche Grüße!

    • hallo, meine liebe,
      nee, liest sich überhaupt nicht doof. wenn man eine wiedereingliederung machen muss, heißt es ja, dass man in der regel vorher irgendeine persönliche katastrophe hatte. ob krankheits- oder sonstwiebedingt, ist immer schwer sowas. insofern wundert es mich gar nicht, dass es dir ganz ähnlich ging.

      und ich freu mich, dass auch du neuen elan hast 😆

      liebe grüße, katerwolf

  16. Ja, das tust du, du bewegst ganz VIEL … auf deine ganz besondere Art und Weise … und deshalb lese ich auch so gerne bei dir … auch wenn ich nicht immer einen Kommentar hinterlasse … ich freue mich für DICH und mit dir, dass du wieder da bist 🙂 … und ich wünsche dir weiterhin so viel Elan, Motivation und Lust an deiner Arbeit …
    von Herzen
    Doris

    • liebe doris,

      ich danke dir einfach für deinen so lieben kommentar, der, wie immer, sehr positiv und konstruktiv ist 😆

      ich wünsche dir alles liebe und ganz viel kraft und gesundheit und eine armee voller schutzengel!

      alles liebe, katerwolf

  17. Pingback: Tourentipp

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