Indien: von heiligen Männern und nicht immer heiligen Absichten

meine geschichten aus indien sind noch nicht ausgeschöpft 😉

rishikesh, wo ich 6 aufregende monate meines lebens verbrachte, hat als heilige stadt eine lange tradition. zu beiden ufern des ganges erstrecken sich zahlreiche kleine und große ashrams, manche sehr bekannt, andere eher insidertipps. die 2 wohl bekanntesten ashrams sind der maharishi-tempel, der in den 60ern durch den besuch der beatles berühmt wurde und der shivanandaashram. letzterer ist ein sehr aktiver ort, der durch seine offenheit sehr viele interessierte aus dem westen anzieht. während meines aufenthalts habe ich dort so manche stunde in trauter gemeinschaft von orange-gekleideten, glatzköpfigen mönchen und spirituellen touristen mit dem singen von mantren und in meditation verbracht. ich mochte das ausgesprochen gerne dort und habe den ashram immer als besonderen ort der ruhe empfunden. es herrschte immer eine geschäftige und heitere atmosphäre und der gesang, der zu vielen zeiten durch die räume und höfe schallte, hatte etwas helles, frohes und trug einen immer weit fort, über den ganges hinweg hoch in den himalaya. beeindruckt hat mich auch die öffentliche, kostenlose krankenversorgung durch ehrenamtliche ärzte, einige auch aus dem westen, die ihren dienst dort leisteten.

wenn man längere zeit an einem heiligen ort verweilt, lernt man die menschen dort recht gut kennen. das bunte, quirlige gedränge, mit dem man im dicht besiedelten indien überall konfrontiert wird, bekommt dann gesichter und namen und man baut beziehungen auf. das war das gute an meinem entschluss, die zeit an nur 1 ort zu verbingen. rishikesh ist eine hochburg der spirituellen begegnungen. ortsansässige gurus, zugewanderte gurus, selbsternannte gurus und menschen auf der suche nach gurus prägen das straßenbild. an jeder ecke kann man meditieren, yoga machen, zu sich finden, es ist ein spaß 😆

ich habe in rishikesh viele, viele heilige sadhus und suchende kennengelernt. mit vielen habe ich mich angefreundet, manchen bin ich sehr nahe gekommen und an dem einen oder anderen habe ich mich gestoßen. aber ich habe nie, nie das gefühl gehabt, in irgendeiner weise ausgenutzt oder „über den tisch gezogen worden zu sein“. ok, ein bisschen, als ich durch vortäuschung falscher tatsachen einen ganzen haustempel gestrichen habe. war aber nicht weiter schlimm. ein paar der sadhus und gurus und erleuchtungs-touristen sind mir in besonderer erinnerung geblieben.

so zum beispiel laura aus genua. laura war eine wunderschöne, hoch emotionale italienerin, die frisch geschieden nach indien kam um ihr glück zu suchen. sie fand ihr glück, ganz oft! sie verliebte sich so ziemlich in jeden sadhu, den sie traf und schwankte viele monate fast ständig zwischen liebeswahn und liebeskummer. jeder kannte sie. am ende fand sie doch ihr glück, in form eines italieners, den es wie sie auf der suche nach dem glück nach rishikesh verschlagen hatte. oder naomi, eine junge, winzig kleine japanerin, die für 1 jahr ausgestiegen war, was für japaner, die in wesentlich engeren, strafferen strukturen leben als wir, nicht einfach ist. und diese kleine person hatte es geschafft. auch naomi war auf der suche nach erleuchtung und befreiung nach indien gekommen. sie war sehr liebenswert aber auch sehr naiv und wir freundeten uns an. naomi war bei allen gurus des ortes zu gast. bis sie auf rama traf. rama war ein gut aussehender, junger sadhu, der eher ein schelm mit unheiligen absichten war. so durchstreifte er den ort und kam mit jungen touristinnen ins gespräch, meist über die heilige anmache:

„hello, are you looking for your kundalini?“

für laien und ganz kurz: kundalini ist die spirituelle kraft, die es zu erwecken gilt. man stellt sie gerne bildlich auch als schlange dar, die zusammengerollt im untersten chakra (energiezentrum) des menschen in der nähe des steißbeins auf ihre erweckung wartet. zahlreiche praktiken dienen dem  zweck, die kundalini zu erwecken, die anschließend durch alle weiteren chakren emporwandert, bis sie im schädeldach das oberste energiezentrum erreicht und sich dort mit gott vereint = erleuchtung. hört sich sehr abenteuerlich an, ich weiß. aus meiner persönlichen erfahrung kann ich nur sagen: es gibt sie, diese schlange. wenn auch nicht bis ganz oben, so ist sie bei mir doch ein stück des weges mal emporgeklettert und uiiiiii, ganz schön beeidnruckend 😉

zurück zu rama und naomi. rama´s frage beantwortete naomi hoffnungsfroh mit: „yes!“ worauf rama ihr anbot, sie mitzunehmen und ihr die kundalini zu zeigen. ihr ahnt sicher schon, wo er sie versteckt hielt. in seinem zimmer, in seiner hose. naomi kam völlig aufgelöst in mein zimmer gerast und erzählte mir mit schnappatmung, dass die kundalini wirklich eine schlange sei. was soll man dazu sagen? naomi schrieb mir noch 2 jahre lang, nachdem sie nach tokio zurückgekehrt war, briefe. in einem schließlich schrieb sie mir voller glück, sie hätte tatsächlich jemanden gefunden, der noch kleiner war als sie. ihren zukünftigen mann. er war ein zwerg. naomi war schon sehr besonders. jeder topf findet sein deckelchen 😉

natürlich gab es auch seriöse vertreter, ich habe einige getroffen. davon den einen oder anderen, der über eine solche ausstrahlung verfügte, dass man alleine durch seine präsenz das gefühl hatte, dass ein türchen in einem aufgeht und die richtung weist auf etwas, das sehr viel größer ist als man selbst. schöne begegnungen waren das.

ein mysterium blieben für mich die anhänger des gottes shiva. wilde gesellen, die nur durch ein knappes tuch um die hüfte bedeckt, mit langen rastahaaren, die sie zu beeindruckenden konstruktionen auf ihrem kopf aufgetürmt hatten, in gruppen den dorfplatz bevölkerten. man traf sie auch mutterseelenallein an völlig unerwarteten orten an, wo sie solche merkwürdigen sachen machten wie: auf einem bein stehen. oder: ein gefühlt 100 meter langes tuch aus dem mund ziehen, das sie vorher verschluckt hatten (dient der inneren reinigung). sie beschmierten ihre körper mit asche und hatten ein mal auf ihrer stirn gezeichnet. sie hatten alle glutvolle augen und ich schlich eine ganze weile um sie herum, bis ich mich endlich traute, einen von ihnen anzusprechen. ich erfuhr, warum sie so glutvolle augen hatten: sie kifften den ganzen tag aus großen pfeifen rund um die uhr 😉 . neugierig wie ich bin, verbrachte ich ein paar tage mit ihnen. some new experience kann ich nur sagen 😉 . mit ihnen erlebte ich etwas besonders schönes. eines tages erzählten sie mir, dass man von einer einsamen uferstelle aus beobachten könne, wie elefanten ans andere ufer zum trinken kommen. sie nahmen mich mit und tatsächlich, die elefanten kamen. ordentlich bedröhnt saßen wir am ufer und freuten uns über die elefanten ein loch in den bauch.

es gab so viele, viele mehr, die mir begegnet sind, vielleicht noch einer: mukesh. mukesh war der sohn einer mir bekannten musikerfamilie. wie viele, junge indische männer war er brennend an den touristinnen, die zu hauf in das städtchen strömten, interessiert. eines tages kam er frustriert zu mir und maulte: „touristinnen wollen nur heilige sadhus. da hat so ein normaler junge wie ich keine chance. egal wie hässlich du bist, du musst dich nur bunt anmalen und dich irgendwo wie ein idiot auf 1 bein auf einen stein stellen und schwupps hast du ein europäisches mädchen am wickel. und ich? ich bin nur ein normaler, indischer junge, keine chance.“

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30 Gedanken zu „Indien: von heiligen Männern und nicht immer heiligen Absichten

  1. *lachtränen wegwisch*. also was es alles zu erleuchten gilt :grin:. das geht bestimmt auch in der heimat, wenn man sich etwas heiliges darunter vorstellt ;-).

    herrlich, wie du die erinnerungen wieder hochzauberst!
    herzliche grüße.

  2. tja, da siehste mal: leuchte oder ich zeieh dir den stecker raus 🙂

    aber da hast du sicher recht, das geht auch hierzulande 😉

    schnucki, mach dich bereit!!!!!!!!!

    liebe grüße, katerwolf

    • irre, aber friedlich: das trifft es auf den punkt, danke 😆

      ja, wäre in der tat interessant zu wissen, was aus ihnen geworden ist. aber ich fürchte, da versagt bei der suche auch das world wide web. hoffen wir mal, dass all diese herrlichen existenzen irgendwo gesund und glücklich ihr dasein fristen 😆

      liebe grüße nach portugal, katerwolf

  3. Sooo, für den Rest des Abends werde ich mit einem GAAAANZ BREITEN GRINSEN umherwandeln *ischbünerleuchtet**odernurvonGlööööckshormonendurchflutet*, welch herrliche Geschichten. Und die auch noch so plastisch erzählt!!! Mein inneres Augenkino hatte genügend Nahrung….haha, die Erleuchtung aus der Hose und diese Shiva-Anhänger, die Tücher aus ihren Mündern ziehen…*gins*
    So, ich geh mal mit meiner Maus auf den Sonnenaufgang warten!
    Allerliebste Grüße!

  4. Was du dort alles erlebt hast, das ist wirklich erzählenswert.
    hihi, und wie du erzählst, einfach wunderbar.
    Habe alles mit Freude und Staunen gelesen.
    Was du dich so alles traust, ist ja auch beeindruckend.
    Soso, du warst also auch bekifft, ich muss echt lachen.
    Gut, dass du das ohne ernste Nachwirkungen überstanden hast 🙂

    • liebe babsi, danke dir, ich freue mich sehr darüber 😆
      ich war, was das reisen anbelangt, immer sehr mutig und bin es noch. es ist das, was mir von allen dingen dieser welt am meisten spaß macht. so bin ich bis heute ganz schön viel herumgekommen…als kind wollte ich immer abenteurer werden so wie indiana jones 😉

      ja, natürlich war ich bekifft, das bleibt in so einer runde nicht aus. und ich hoffe doch SEHR, dass die elefanten ECHT waren *grübel*

      liebe grüße, katerwolf

    • liebe martina,
      die kundalini-geschichte stößt auf breites wohlgefallen, wie ich sehe. wie kommt das nur *grübel* 😉

      ich freu mich sehr, dass dir meine geschichte gefällt *juhuu*

      alles liebe, katerwolf

  5. Gut, dass die Geschichten noch nicht ausgeschöpft sind, ich lese sie sehr gerne!
    🙂

    Indien … auch so ein Land, das ich unbedingt noch besuchen möchte.
    Und je mehr ich davon lese, umso sicherer bin ich, dass ich da unbedingt hin muss.
    🙂

    Danke dafür!
    Liebe Grüße, hab einen schönen Tag!
    Heike

    • liebe heike,
      auch dir lieben dank 😆

      ohja, indien ist absolut eine reise wert, sollte man nicht versäumen *schwärm*

      alles liebe und auch dir einen schönen tag heute, katerwolf

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