Reisebericht Südafrika: Paternoster, das schönste Nichts der Welt.

nicht dass ich einen burnout hätte. ich habe brustkrebs, das genügt mir voll und ganz 😉 . aber das kam mir in den sinn, als wir in paternoster, an der westküste im west coastal parc gelegen, ankamen. wenn ich jemals einen burnout haben sollte, würde ich 4 wochen nach paternoster fahren. ist aber auch ungemein wohltuend, wenn man das ganze jahr damit beschäftigt war, mit der diagnose brustkrebs klarzukommen.

paternoster


wir waren noch nie an der westküste, die generell als wenig touristisch und sehr, sehr einsam bekannt ist. ein bisschen hatten wir bedenken, ob es dort nicht zu langweilig sein würde, denn wenn man im reiseführer blättert, findet man nicht soooo viel. außer eben, dass es sehr, sehr einsam ist. entsprechend ließen wir uns zeit mit dem ankommen. die fahrt von hermanus nach paternoster war schön, lang und sehr abwechslungsreich. man fährt zunächst über eine unglaublich schöne küstenstraße ins mondäne gordon´s bay. und völlig unerwartet landet man unmittelbar hinter diesem luxusort im berühmt berüchtigten township guguletha. wellblechhütten, nackte kleine, schwarze kinder auf der straße, misstrauische blicke und gruppen junger, halbstark wirkender, und vor allem extrem finster wirkender, junger schwarzer männer, offensichtliche armut überall. aber auch junge schüler in adretten schuluniformen, die aus der schule strömen. völlig unvorbereitet in diese szenerie geworfen, weiß man gar nicht, wie man damit umgehen soll. ich hatte angst, während wir durch die straßen fuhren. nicht zuletzt deshalb, weil nur einige tage zuvor eine englische touristin in eben diesem township ermordet wurde. mein unbehagen und die damit verbundene verwirrung, die ich empfunden hatte, ging mir so nachdrücklich durch den kopf, dass ich ab diesem zeitpunkt jede gelegenheit nutzte um nachzufragen. wie ist das eigentlich mit den townships hier? was bedeutet in diesem land aktuell schwarz oder weiß zu sein? aber dazu ein anderes mal mehr.

nach gefühlten 10 stunden entlang eines von außen öde wirkenden küstenlandstrichs kamen wir an. und konnten es nicht fassen. wo waren wir denn hier gelandet? tatsächlich im totalen nichts. dieses nichts hatte aber so viel charme und so viel unbändige schönheit, dass wir es zum schönsten nichts erklärten, in dem wir jemals waren. kleine, weiß gekalkte, reetdachgedeckte häuschen, ein zu beiden seiten sich unendlich erstreckender blütenweißer strand, meer, ein kleiner naturfischerhafen, bunte fischerboote, 1 restaurant und das wars. wind. absolute ruhe. ein paradies.

an diesem strand bin ich übrigens gerittet. schnell wie der wind.

und hier gibt es fangfrische langusten für nen appel und nen knopp. die werden in den bunten fischerbooten gebracht.

die größte überraschung war aber unsere unterkunft und die herbergseltern. AH! guest lodge. dass dies für arnold hoorn steht, erfuhren wir am nächsten tag. mitten in dieser einöde befindet sich eine unterkunft, die an charme, wärme und originalität ihresgleichen sucht. wir waren überwältigt. arnold, ein südafrikaner aus johannisburg und seine leicht exzentrische frau annalisa, eine ehemalige schauspielerin, haben sich hier ihr kleines, privates paradies aufgebaut und teilen es erfeulicherweise mit ihren gästen.

arnold fragte uns bei der ankunft beiläufig, ob wir am nächsten abend im haus essen möchten. er würde ein bisschen was kochen. wir ließen es zunächst offen. als wir die treppe zu unserem zimmer hochstiegen, entdeckten wir eingerahmte zeitungsartikel aus der new yorck times und anderen großen nachrichtenblättern, in denen arnold´s kochkünste geprießen wurden. oha.  das überzeugte uns. wenn arnold kocht, folgen viele seinem ruf, von weither. so kamen wir in geselliger runde völlig unerwartet in den genuss des besten menüs, das wir in südafrika serviert bekamen. ich hab arnold das rezept des hauptgangs abgebettelt 😉

was macht man den ganzen, lieben tag lang in paternoster? arnold drückte es mit breitem grinsen sehr treffend aus:

„du schläfst. stehst auf und isst. du gehst lange am strand spazieren. dann isst du was. und schläfts. und das das ganze nochmal von vorne“.

ganz wunderbar ist das. wir haben dort geschlafen wie die toten. wenn man zufällig nach paternoster kommt, will man nie mehr wieder weg. manche bleiben. so wie arnold und annalisa. manche kommen wieder. so wie wir ein anderes mal. paternoster forever, yeah, yeah, yeah!

Advertisements

25 Gedanken zu „Reisebericht Südafrika: Paternoster, das schönste Nichts der Welt.

  1. das erste foto sieht aus wie in dänemark oder so :). toller bericht, wie immer. und das häuschen von arnold und seiner frau ist der hammer – diese farben, diese küche!! hatte euch das das reisebüro rausgesucht :)? ich will die kontaktdaten dieses reisebüros!!1elf

    • ja, das ist es wirklich. es ist ein richtiger energieort. good vibrations sozusagen 😉

      danke dir für dein liebes kommentieren all meiner reiseberichte 😆

      liebe grüße, katerwolf

  2. Liebste Katerwolf,
    gestern ließ mich unsere Firewall nicht zu dir.
    Heute hatte sie wohl gute Laune und ich durfte deinen Bericht lesen.
    Ängstlich, zaudernd erst, dann himmelhochjauchzend – wunderbar.
    Es ist so schön, deine Berichte zu lesen, die Bilder zu betrachten.
    So nette und kompetente Gastgeber, was will man mehr?

    Ich freu mich für dich.

    • braves firewall, hat dich wieder durchgelassen! ich freu mich wirklich sehr, dass dir meine berichte gefallen. und ja, ich denke gerne an arnold und annalisa zurück 😆

      und auch *seufz*

      liebe grüße, katerwolf

  3. der Bericht ist suuuper. Was will man mehr als Essen, Spazieren und Schlafen. das ist doch das Beste.
    wegen deiner Schuluniform. Meine Kinder waren ja damals in Capetown auch in der Schule. Die Sommeruniform war fuer Maedchen ein blaues Waschkleid – das sah so richtig nach ehemaliger Dienstuniform aus, grins, und fuer Jungen gab es Pfadfinder Chaki, kurze Hose, kurzarm Hemd und Krawatte und Kniestruempfe. Auch die Schuhe und die Socken, sowie Haargummi fuer die Maedchen waren vorgeschrieben. Die Winteruniformen dagegen waren wirklich schoen. Jungs mit grauer Hose, weissem Hemd, Krawatte udn blauer Blaezer, Maedchen mit blauem Rock, sonst wie die Jungen.

    • hihi, auf nach paternoster, liebe vivi 😆

      wenn ich mich jetzt so richtig erinnere, hatten die schüler noch ihre winteruniformen an dort. später, in kapstadt erinnere ich mich an diese blauen waschkleider. da kommen noch fotos von 😆

      liebe grüße, katerwolf

  4. Ich denke mal, das Land hat die Apartheit nach wie vor nicht überwunden, zumindest den Schock davon. Solche Wunden heilen langsam und hinzu kommt ja noch die Armut in der breiten Bevölkerung.

    Deine Bilder sehen wieder sehr malerisch aus! Klasse, was ihr so alles erlebt habt. Das Essen hätt ich auch gern probiert 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Abend,
    Nissa

    • ist ja erst knapp 15 jahre her, seit die apartheid offiziell vorbei ist. das ist nicht viel…..

      ich werde das rezept demnächst mal ausprobieren. fast so mutig wie haitauchen ist das 😉

      liebe grüße, katerwolf

      • Ja, das ist schon Wahnsinn, wenn man sich das überlegt. Vor fünfzehn Jahren erst… und es gibt immernoch so viel Unterdrückung auf der Welt.

        Oha, wirst du Rezept mit uns teilen? Ich würde gern mal ein richtiges afrikanisches Gericht kochen (oder meinen Freund kochen lassen). Zumindest Bilder musst du uns zeigen 🙂

        Grüßchen,
        Nissa

  5. Hallo Katerwolf 🙂

    was für ein schöner Bericht mit so tollen Bildern

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das herrlich war.

    In Südafrika war ich auch schon mal, allerdings eher auf den „üblichen Touristenwegen“ ;-). War aber dennoch klasse!

    Neulich musste ich an Dich denken, als B.alou sich einen hohen Schneeberg für sein „Du weißt schon“ ausgesucht hat und dann da oben thronte ;-)).

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Katinka

    • wie schön, dann hast du sicher auch noch schöne erinnerungen daran.

      haha, b.alou ist also auch ins lager der alpinisten-stuhlgänger gewechselt? sehr schön 😆

      liebe grüße, katerwolf

  6. Liebe Katerwolf,

    ich möchte am Liebsten die Koffer packen. Glaubst du mir das? Ja, das tust du bestimmt. Und daran sind nicht nur die Dassies schuld 😉 Und weißt du noch etwas? Ich freue mich so sehr für dich, daß du dort warst und das alles wieder und wieder erleben kannst, indem du in deinen Erinnerungen schwelgst. Das hast du dir verdient. Jawoll!

    Alles Liebe für dich, Emily

    PS. äh… wenn du die Rezepte mal los werden willst, ich wüßte da ja eine Abnehmerin *g

    • und WIE ich dir das glaube. also, ich habe es hier vernommen, dass auch freidenkerin und paradalis große lust dazu hätten. packt euch doch zusammen 😉

      ich danke dir von herzen, dass du dich so für mich freust, ich spüre das bis hierher, jawoll ja, und das ist sauschön *kuschel*

      das rezept werde ich demnächst mal hier einstellen. versprochen.

      liebe grüße, katerwolf

      • Dann sind die lieben Gedanken ja angekommen 🙂

        Wir brauchen jetzt nur noch eine(n) Reiseleiter(in) *g*

        Freue mich schon auf deine Rezepte meine Liebe!

        Hab noch einen schönen Abend ♥

  7. Auch dieser Bericht gefällt mir sehr.
    Paternoster – was für ein Name. Hast du eine Ahnung, ob sie ihn der katholischen Kirche abgekauft haben :-).?

    Ich wünsche dir einen schönen 2. Advent.

    Herzlich
    Anna-Lena

    • „Paternoster ist ein kleines Fischerdorf an der Westküste der Provinz Westkap in Südafrika gelegen. Ob der Ort seinen lateinischen Namen Pater Noster (dt. Vater unser) erhielt, weil portugiesische Seefahrer sich mit einem Stoßgebet bedankten, als sie hier das sichere Land erreichten, nachdem ihr Schiff gesunken war, oder weil er nach einem bestimmten Angelhaken benannt wurde, der beim Fischen auf größere Fischschwärme benutzt wird, oder nach dem Namen eines holländischen Schiffes, ist heute nicht mehr mit Gewissheit zu klären.“

      das weiß wikipedia darüber. lustig, oder?

      danke für deinen lieben kommentar und hab einen schönen abend, katerwolf

  8. das sind fast die schönsten erlebnisse. an orte, die kaum verzeichnet sind,an denen man richtig in das land eintaucht und nicht von dem gante touristischen schnickschnack überrannt wird. so schöne fotos! man könnte neidisch werden…

  9. @nissa: gib mal in meiner linken leiste im suchfeld ein: südafrikanisches lammcurry ein. und dann auch südafrikanische rezepte. da ist einiges drin! emily hat schon das lammcurry mit erfolg nachgekocht 😆

    die lamm-lasagne folgt aber auch noch, versprochen!

    liebe grüße, katerwolf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s