Die Geschichte von der großen Dunkelheit

wird mal wieder zeit für eine geschichte. habt ihr lust? und habt ihr auch angst im dunkeln?

 

ich habe angst im dunkeln, gehe abends nicht gerne in den keller und alleine im dunkeln zu sein finde ich ganz schön gruselig. da ist übrigens mein onkel micha dran schuld. als ich noch klein war, also ganz, ganz klein, so 3 rum, hat er mich öfters gebabysittet. er war damals im teenageralter. und sitten kann man es nicht nennen. vielmehr hat er geübt, wie man jemanden zu tode erschrecken kann und zum hassobjekt wird. seine lieblingsnummer war die: in einem schwarzen bettlaken eingewickelt ins dunkle kinderzimmer zu schleichen und sich mit einer taschenlampe in den mund zu leuchten und dabei wahhwahh geräusche zu machen. sehr beliebt auch die sensemann-nummer: „ich bin der sensemann und komme dich holen.“ in gleicher verkleidung. petzen war nicht, da mir angedroht wurde, dass mich in echt der sensemann holen kommt. arschloch. beide. micha und sensemann. seitdem habe ich angst im dunkeln und hasse horrorfilme.

szenenwechsel. viele jahre später. ich bin schon groß und habe keine angst mehr vor dem sensemann. nur noch vor der dunkelheit. zu dem zeitpunkt kauften wir mit der familie ein ferienhaus im böhmerwald. mitten drin. hoch oben auf einem berg in alleinlage. 2 nachbarn und ansonsten im umkreis von 4 kilometern kein mensch. nur rehe, hirsche, dachse und das geräusch des windes in den blättern des böhmerwaldes. es war ein paradies, das wir irgendwann schweren herzens wieder verkaufen mussten. wenn die nachbarn nicht dort waren, war es ein sehr, sehr einsames paradies. tagsüber ging das in ordnung so. man ging wandern, tummelte sich ums haus, saß auf der steinterrasse und ließ den blick weit ins tal hinabschweifen, schickte die seele hinterher und horchte. und was man hörte war immer nur das: das rauschen des windes in den blättern. mit der zeit wurde man ruhig und stark an diesem ort. ein paradies. tagsüber. nachts war das so ne sache. wenn es dunkel wurde, senkte sich eine stille über das haus, die sehr unheimlich war. und es verging kaum ein abend, an dem man nicht am lagerfeuer draußen saß und mit einemmal die größe des universums spürte und sich selbst klein in dieser unendlichen weite sitzen sah. wir vertrieben uns die  zeit dann mit geschichten und die fantasie wuchs ins unermessliche an diesem ort. ganz spannend wurde es, wenn jemand pipi musste.

warum?

weil genau dann die stunde der wahrheit kam. wenn man pipi musste, musste man sich ja auch von der gruppe entfernen. und genau dann passierte etwas: man begegnete der großen dunkelheit. so nannten wir es, denn das traf es am besten. die große dunkelheit. ich habe nie und nirgends danach eine solche absolute dunkelheit erlebt wie dort. groß, undurchdringlich, von einer ecke des universums zur anderen reichend, zutiefst beeindruckend. zutiefst respekteinflößend. wenn es draußen kühl war, wurde dieses erlebnis noch absoluter. weil man dann aus der gemütlichen, hellen stube hinausging und – da war nichts, nur schwarz. ich habe große starke männer und mutige frauen erlebt, die fröhlich lächelnd aus der tür heraustraten und das nächste, was passierte, war ein erstauntes und erschrockenes oh! und ein irritierter blick in den augen nach dem schnellsten pipi der welt. turbopipi. roadrunner-pipi. tür auf, raus, meepmeeep, wieder rein.es war eine echte mutprobe, diese dunkelheit. wir alteingesessenen haben uns köstlich über den erstkontakt von besuch mit der großen dunkelheit gefreut. solange wir selbst nicht pipi mussten 😉

in einem sommer fuhr ich 3 wochen mit meinem sohn, der damals 11 war und meiner freundin britta mit ihrem gleichaltrigen sohn marek in das haus. wir hatten eine wunderbare zeit. in diesen 3 wochen trug der wind viel lachen durch den böhmerwald. wir hatten großen spaß, sammelten heidelbeeren, brieten abends stockwürstchen am lagerfeuer und tranken unmengen mirellenschnaps und hatten dann noch mehr spaß. nur das mit der dunkelheit stresste uns. und es stresste uns auch, dass wir angst hatten. und eines nachts passierte es. wir besiegten sie, die große dunkelheit. und unsere angst. wie? mit fantasie und großen mengen mirellenschnaps. den ließen wir eines abends munter am lagerfeuer kreisen, also immer britta, ich, britta, ich usw. und irgendwann waren wir an dem punkt, dass wir genug hatten von unserer angst und der großen dunkelheit. wir tauften uns feierlich in winnetou und old shatterhand, die dunkelheit in der große bär und dann zogen wir los, sie zu verjagen. mit pfannen und kochlöffeln bewaffnet liefen wir richtung wald, machten einen höllenlärm und brüllten: „na los, du großer bär, hau ab, du machst uns keine angst mehr, du großer scheißbär du.“

das hat gewirkt. die angst war weg. wir waren unglaublich stolz und fühlten uns wie echte indianer nach einer echten indianermutprobe. unsere jungs haben diese geschichte nach unserer rückkehr in der schule erzählt. der folgende elternabend war dann auch eine mutprobe. aber sagt nur, ist das leben nicht ein abenteuer?

habt noch ein schönes wochenende, eure katerwolf

24 Gedanken zu „Die Geschichte von der großen Dunkelheit

      • Ich sehe schon, ich hab noch was zu lernen, kicher. Ich trink ja gar nix, also keinen Alk, sollte ich mir vielleicht mal angewöhnen. Süßigkeiten helfen wohl nicht so gut in der Dunkelheit. 🙂

      • Da gab es tatsächlich einen Schnaps, der hieß „Wilde Sau“. Der half meiner Freundin und mir auf einem Zeltplatz auch mal, als Sonntags alle abreisten und wir alleine da hockten. 😀

        Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen

  1. Man muss doch nur grunzen wie Tim Taylor, das verjagt die Angst auch! 🙂

    (ganz ohne Schnaps, ich vertrag den nämlich nicht. Aber ich hab auch keine Angst im Dunkeln. *pfeif* )

      • Tim Taylor ist der „Heimwerkerking“ der amerikanischen Sitcom-Serie „Tool-Time“ bezw. „Hör mal, wer da hämmert“, ein Schenkelklopfer-Klassiker! Tim Taylor ist ein typisches Macho-A…loch, aber dennoch irgendwie auch liebenswert. Er lebt mit seiner Frau, die mit Ende Dreißig ihr Leben umkrempelt und ein Psychologie-Studium beginnt, und seinen drei Söhnen in Detroit und ist Moderator einer Heimwerker-Fernseh-Sendung. Wobei Tim Taylor so gut wie gar kein handwerkliches Geschick hat und sich in beinahe jeder Sendung vor seinem Publikum bis auf die Knochen blamiert. Sein etwas dicklicher Assistent Al Borland, über den er sich stets lustig macht, bringt dann dank seiner Heimwerker-Begabung die Dinge immer wieder in Ordnung… Als Macho per Excellence hat Tim Taylor die unangenehme bis lächerliche Eigenart, des Öfteren triumphierend zu grunzen… 😉

  2. Ist es dabei geblieben? Oder muß man vorher die Nummer mit der Marille wiederholen?

    So was Gemeines aber auch! Mich hat zwar niemand geärgert, aber meine Furcht rührt daher, daß ich einfach nichts sehen kann. Die Tücke des Dunkel 😉

    Liebe Sonntagsgrüße zu dir!!! Emily

  3. das mit deinem onkel hat auch eine ursache.
    seine große schwester, die ihn babysitten musste, übte die selbe praktiken an ihm.
    scheinbar wiederholt sich alles, oder ein racheakt?

  4. Brrr, Mirellenschnaps..den brennt unser Vermieter selbst, aber sowas krieg ich net runter 😛 Zum Thema Dunkelheit: Angsthase ich musste vor 3 Jahren mit nach Pinnow an den See. Tauchclub. Wohnwagen. Nur wir zwei. Fünf Tage grenzenlose Angst nachst Pipi machen zu müssen. Das war elendig vom Wohnwagen entfernt, stockdunkel und aus dem Wald nebenan kamen die schrecklichsten Geräusche…Nachdem auch Solarleuchten (die nachts den Weg zeigen sollten) und Taschenlampen meine Angst nicht linderten, musste der Arme halt immer mit gehen 😛

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende 🙂

  5. Oh ja, mutiger GROSSER KATERWOLF, das Leben ist ein Abenteuer ! Und was für eins!!

    Wünsch Dir eine gute Woche mit gaaanz wenig Dunkelheit und gaaaaaaaaaanz viel Licht!!!
    (und notfalls ein Gläschen Mutmachschnaps) ;-))
    Grüßle Anne

  6. Hihi, ich weiß auch genau, warum mir finstere Keller Angst machen – bei mir war es mein Cousin, 4 Jahre älter, der sich in Kindertagen einen Heidenspaß daraus machte, uns Mädels im stockdunklen Gewölbekeller meiner Kindheit beim Apfelmost holen aufzulauern… BLÖDER SCH…COUSIN, DU!

    Liebe Grüße, Christina

  7. 🙂 Ich hab auch Angst im Dunkeln. Meine Angst kommt nicht von bösen Onkeln (ich hab nur ganz ganz liebe) oder von Fereienhäusern im Böhmerwald. Bei mir war es ein Buch. Der einzige Thriller den ich je gelesen habe. GRUSELIG!
    Das Turbopipi kenne ich auch. Immer wenn wir bei meiner Großtante zu besuch waren schaltete ich Trödellise mehr als nen Gang zu. Denn A) ist es total blöd als 4 Jährige auf ein Plumsklo zu müssen und B) noch viel blöder ist es, wenn das direkt neben dem Schweinestall ist und eins der Schweine die Nase immer durch ein Loch in den Dielen steckt. Das prägt fürs Leben.

  8. Hör mir auf! Ich bin ja in dieser Beziehung wahrlich kein Schisser, aber ohne laut zu singen ging ich nie in den dunklen Gewölbekeller um Most zu holen. Dabei hätte man bloß mal ne stärkere Birne in die Kellerlampe eindrehen müssen und die Schatten hinter den Fässern und Kartoffelbergen hätten nur noch halb so gefährlich ausgesehen. Heute, wo mir so gut wie alles egal ist, kannst du mich in tiefster Nacht, mitten im finstersten Wald aussetzen. Angst? Vor wem den. Weiß doch niemand, dass ich da bin.

    • siehst du, hat alles seine vorteile 😉

      aber dass dir alles so gut wie egal ist, ist nicht so doll. zumindest du selsbt solltest dir nicht egal sein !

      alles liebe, katerwolf

  9. „aber sagt nur, ist das leben nicht ein abenteuer?“
    der Satz weckte spontane Janosch-Assoziationen, der hätt auch von Bär und Tiger sein können *g*

    kommt als nächstes dann die Geschichte vom Elternabend? 😀
    einen lieben löwengruß dir

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