Joschis Albtraum

gestern war ich bei meiner lieben freundin tara. weiberabend. joschi durfte mit. kaum betraten wir gutgelaunt taras wohnzimmer, sagte sie:

„hm, du hast joschi mitgebracht?“

„ja, warum nicht. gibt es da ein problem?“

„ja, meine katze!“

„kein problem, tara, joschi mag katzen gerne und ist gaaaanz brav mit katzen.“

„aber mein kater hasst hunde und ist NICHT brav mit ihnen. ich habe erst nach einer weile erfahren, dass er eine halbe wildkatze ist. er hat erst kürzlich einen schäferhund völlig verhauen. der hund war eine ¾ stunde nicht mehr auffindbar. sogar der tierarzt hat angst vor ihm. neulich musste ich mit ihm hin, weil er völlig verbissen nach hause kam. ich dachte, es muss ein anderer kater oder hund gewesen sein, die ärztin meinte aber, es sei vermutlich ein kampf mit einem fuchs gewesen.“

ein wenig mulmig schaute ich mich nach joschi um. joschi? verschwunden. suchend drehte ich mich um und fand ihn schließlich. er saß hinter dem schrank. in der ecke. völlig zusammengekauert saß er da, hätte mühelos platz auf einer briefmarke gefunden, kopf eingezogen, pfoten eingezogen, schwanzlos. er bibberte am ganzen leib. so habe ich ihn selten erlebt. eigentlich nur bei akutem stubenfliegenalarm und bei der einen oder anderen luchsbegegnung im wildpark.

wildkatze? luchs? oh nein, armer joschi.

und da stand er auch schon in der offenen terrassentür. joschis wahrgewordener luchs-wildkatzen-albtraum. beeindruckendes exemplar, muss ich sagen. in jedem fall größer als joschi. alleine der kopf war größer als joschis kopf. pechschwarz. mächtig. blickte hypnotisch in joschis richtung und leckte sich das maul. blick und körperhaltung ließen keine missverständnisse aufkommen. gar keine. und joschi? streckte ganz, ganz behutsam seinen hals (ich wusste gar nicht, dass er seinen  hals sooo lang machen kann), bis er hinter dem schrank hervorschauen konnte, drehte ganz, ganz langsam den kopf und schaute dem höllentier ins auge. fassungslos. und sprang mir mit einem großen satz auf den arm. oben angekommen machte er sich mini-klein und versteckte seinen kopf unter meinen haaren. da saß er nun. ganz nach dem motto: „ich seh dich nicht, also siehst du mich auch nicht.“

die dino-katze starrte ihm noch ein weilchen feurig auf den rücken (ich bin mir sicher, der blick hat ihm ein loch ins fell gebrannt), ging dann souveränen schrittes in den garten und verschwand. vermutlich weitere füchse töten. nach etwa 30 minuten löste sich joschis schockstarre und er kam zaghaft in den garten und wagte, akribisch um sich schauend, ein paar schritte. gefahr gebannt. munter plaudernd saßen wir mädels beisammen, als uns auffiel, dass joschi verschwunden war. nicht im garten, nicht im haus war. ich überlegte gerade, wo der schisshase sich versteckt haben könnte, als ich in nicht allzu weiter ferne hundegebell hörte. ss hörte sich in etwa so an:

„wau wau wau wau“ sehr tiefes, donnerndes hundebellen. mehrstimmig. aller voraussicht nach von sehr großen hunden stammend.

dazwischen ein glockenreines wäff wäff wäff“. sehr joschi-artig. alarmiert lief ich um das haus herum auf die straße und es bot sich mir folgende szene:

eine hundeausführgruppe auf der anderen straßenseite. eine schäferhund-ausführgruppe. große schäferhunde. 6 stück. alle an der leine. nur einen steinwurf (aber außerhalb ihrer leinenreichweite) entfernt: joschi. mit hochgestelltem schwanz lief er federnden schrittes bellend vor ihnen auf und ab und bepinkelte ihr revier.

ich weiß nicht, ob diesem hund wirklich zu helfen ist.

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25 Gedanken zu „Joschis Albtraum

  1. Aber IRGENDWO musste er doch sein Ego wieder aufbauen.Der Typ ist echt rattenscharf…..
    Liebe Grüsse Brigitte
    P.S. Du hast dich ja wohl übrigens selber durch die Anschaffung der Gleitsichtbrille um die beste Golf-Ausrede aller Zeiten gebracht – sozusagen in die Sandgrube geschossen. 🙂

    • mensch, stimmt, hab ich gar nicht so gesehen, vielen dank, frau psychologin 😆

      also, mit gleitsichtbrille golfspielen geht null. macht keiner. mit der kriegst du den ball nie ins loch 😉

      • Hast du dann noch eine extra Golfbrille? Oder wie findest du ohne Brille das Loch? *duck* 😀

  2. Lustige Geschichte die ich mir auch plastisch vorstellen kann. Der arme Joschi mußte nach dem Erlebnis mit dem Kampfkater, bei den Kollegen an der Leine, sein Selbstbewußtsein ein bisschen aufbauen. Immerhin hat er wohl sehr schnell erkannt, dass der Kater kein Kumpel ist und ist da kein Risiko eingegangen.

    lieben Gruss sue

  3. Irgenwie mußte er doch die Katzen-Schmach vergessen machen… *schmunzel* 😉
    Seine Chancen kann er jedenfalls sehr genau einschätzen – sehr clever, dein Joschi!
    Diese Bilder in meinem Kopf – wie er dir auf den Arm springt und sich unter deinen Haaren versteckt… hach… 😀
    Ich liiiebe deine Joschi-Geschichten!

    LG Christina

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