Blutrausch

Nach 2 1/2 Jahren Tamoxifen und meinem 50sten Geburtstag im vergangenen November hatte ich mich von dem Gedanken, jemals wieder meine Tage zu bekommen, verabschiedet. Und dann gestern die Überraschung. Nach mehrtätigem Ziehen im Unterleib und der leisen Befürchtung, die Ausschabung vom 5. März habe vielleicht doch Spuren hinterlassen, starrte ich gestern Abend verwundert und ein wenig ratlos auf den wahren Grund dieser Symptome. Seltsames Gefühl. Früher hasste ich es, meine Tage zu bekommen, hielt die monatlich wiederkehrenden Schmerzen und Migräneanfälle für verzichtbar und eine ungerechte Laune der Natur.

Und nun? Fast freue ich mich darüber, fühle Erleichterung und auch eine Form der Entspannung. Wie soll ich das Gefühl beschreiben? Vielleicht so: Es ist irgendwie ein verdammt gutes Gefühl, zu spüren, dass man doch noch Frau ist. Denn genau dieses Gefühl, das Frau-Sein, wird einem durch die Erkrankung und die nachfolgende Therapie genommen. Zumindest empfinde ich es so und hatte die letzten Jahre, seit der OP im Januar 2010, häufig das Gefühl, nicht mehr richtig Frau und vorzeitig gealtert zu sein. Jetzt kommt das Gefühl wieder zurück, war doch nicht ganz verloren. Ein schönes Gefühl. So ändern sich die Dinge.

Als ich meinem Mann heute beim Frühstück sagte: „Na, so ein Mist, jetzt werde ich die Wechseljahre, nachdem sie Tamoxifen bedingt vorzeitig hervorgerufen wurden, wohl noch ein zweites Mal bekommen!“ antwortete er mir: „Sei doch froh! 2010 dachtest du, du würdest deine Wechseljahre gar nicht mehr erleben. Und jetzt wirst du sie sogar 2x erleben. Ist doch toll, freu dich!“ Ich liebe seine positive, pragmatische Art.

Apropos Blutrausch: Hierzu schreibe ich gerade einen Beitrag ganz anderer Natur auf meinem zweiten blog Katerwolfs Abenteuer.

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9 Gedanken zu „Blutrausch

  1. Ich freue mich richtig für dich. Das Lebensgefühl ist beim Lesen spürbar gewesen – dieses Niegedachte, diese komplett andere Perspektive auf so alltägliche Dinge. Super Überschrift.

  2. Herzlichen Glückwunsch! Wieder ein Stück Normalität 🙂 Nur das mit den Wechseljahren … ich glaube, das hat Dein Mann nicht richtig verstanden, dass das nicht so toll ist 😉
    Liebe Grüße! Jenneke

  3. Hallo, genau das gleiche habe ich auch erlebt. BK 2010, dann Tamoxifen und Zoladex für 1 Jahr. Seit 3 Jahren keine Blutung mehr. Dann vor 8 Wochen eine kleine Blutung. War zur Ausschabung, alles ok. und jetzt im Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff eine megastarke Blutung. ICh dachte ich verblute. NAch einer Woche war es weg und jetzt war ich bei meiner Frauenärtzin. Sie meinte dann „sie dürften gar nicht bluten“…vielen Dank. Jetzt soll die Gebärmutter raus. ICh bin froh, dass es auch noch andere gibt die das haben. Sonst dachte ich schon ich hätte mir das alles eingebildet. haha. Aber soll sie jetzt wirklich raus?

    • Liebe Mona, so ein Mist, mitten im Urlaub!!! Ich hatte auch Mega-Schiss, dass ich verblute. Ich habe keine OP gehabt, habe mich nun für Zoladex entschieden, auf Anraten meines Gyn und 2 weiterer Ärzte. Jetzt ist Ruhe mit der Bluterei und ich vertrage das Zoladex bislang gut (besser als früher). Vielleicht solltest du dir ebenfalls eine Zweitmeinung einholen? Ich weiß nicht, wie alt du bist. Ich bin 50 und da meinte mein Arzt, er würde nun, kurz vor der Menopause die Gebärmutter nicht gerne rausnehmen. Wenn ich jünger wäre, schon.

      Ich hoffe, du findest eine gute Lösung für dich, ich glaube, dass das eine individuelle Sache ist, liebe Mona

      Toitoitoi, dicken Knuddel, Katerwolf 🙂

      • Hallo Katerwolf, schön, dass Du DIch meldest. ich bin auch 52 und hatte ja am Anfang meiner Erkrankung 1 Jahr lang Zoladex. Dann war ja auch alles weg und meine Frauenärtzin meinte ja es wäre keine Monatsblutung. Warum sagt Deine Frauenärtzin dass Du mit 50 die GEbärmutter nicht rausmachen lassen sollst? Meine sagt, dass ich die GEbärmutter jetzt nicht mehr brauche und man dadurch das Risiko für Gebärmutterkrebs reduziert. Sie konnte mir keinen NAchteil nennen. Aber ich bin da auch skeptisch und es will wohlüberlegt sein. Hattest Du schonmal Zoladex? Ich habe eigentlich keine Lust das nochmal zu machen. Ich bin so froh, dass es da jemanden gibt der auch so was erlebt hat wie ich. Sonst würde ich denken ich bin nicht normal…haha. Lieben Gruß Mona

      • Liebe Mona, meine Erfahrung war letztlich: Der Eine rät dies, der Andere das. Es ist schwierig, wem und was man Glauben schenken soll. Bei mir war das auch ein längerer Prozess. Es gab eine größere Fraktion, die mir inbrünstig dazu riet, mir „das blöde Teil“ endlich rausnehmen zu lassen. Eine etwas kleinere Fraktion riet mir, die OP nicht machen zu lassen. Ich habe dann nach reiflicher Überlegung entschieden, dem rat meines Arztes, dem ich sehr vertraue, zu folgen. Jetzt bin ich froh drum. Das Enantone vertrage ich diesmal besser als vor 2 Jahren. Allerdings habe ich auch damals schon von Zoladex zu Enantone (als 3-Monats-Depot) gewechselt, da ich ich Zoladex nicht vertragen habe. Ich drücke dir die Daumen, dass du die für dich richtige Entscheidung triffst und wieder Ruhe einkehrt 🙂

        Liebe Grüße, Katerwolf

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