Hamlet

Ok, ok, ich sags gleich, unter der Überschrift stellt man sich sicher etwas anderes vor als das Kommende. Das da lautet: Gebärmutter oder nicht Gebärmutter, das ist die Frage. Mein aktuelles Abenteuer dreht sich nämlich um mein gutes, altes Mädel, das seit Februar mächtig Zicken macht. Ihr wisst ja: ich 2010 Brustkrebs, OP, kein Lymphbefall, keine Chemo, gute Prognose, als Therapie seit 2010 Tamoxifen. Für alle Laien nun die Sendung mit der Maus: Tamoxifen blockiert Östrogen in der Brust, fördert es hingegen in den Eierstöcken. Da unter Tamoxifen gerne die Periode ausbleibt, wenn man wie ich noch nicht in den Wechseljahren ist, kommt es häufig vor, dass sich in der Gebärmutter zu viel Gebärmutterschleimhaut aufbaut, die nun durch die ausbleibende Periode nicht raustransportiert wird, sondern in der Gebärmutter ihr Unwesen treibt. Manchmal kommen Polypen hinzu und dann ist der Schlamassel perfekt.

So wie bei mir bei der letzten Nachsorgeuntersuchung Ende Februar. Innerhalb von 3 Monaten hatte sich da mächtig was zusammengebraut. Die Folge war eine Ausschabung am 4. März, lief alles glatt, Befund war in Ordnung, alles gut. Sollte man meinen. Bis vorletzten Mittwoch. Da fing Frau Katerwolf leise an zu bluten. Und dachte zunächst, die Periode sei nach 2 1/2 Jahren zurückgekommen. In der Nacht wurde die Blutung immer stärker und am frühen Morgen folgte ein totales Blutmassaker, in dessen Verlauf ich im Krankenhaus landete und ratzfatz unters Messer kam. Not-OP. Eine ziemlich gruselige Erfahrung. Die letzten 2 Wochen lag ich wie ein Zombie auf dem Sofa herum und seit 3 tagen wackel ich wieder durch die Gegend. Auch wenn ich immer noch aussehe wie ein Zombie. Wenn deine Umgebung anfängt dir zu erzählen, wie mitgenommen du aussiehst, dann ist da was dran.

Und nü?

Guter Rat teuer. Am Donnerstag war ich zur Nachkontrolle, die Ergebnisse belegen, dass meine Eierstöcke wie irre Östrogen produzieren, bei gleichzeitigem Gelbkörperhorrmon-Mangel. Das kann bedeuten, dass ich in Windeseile wieder Gebärmutterschleimhaut im Dinoformat aufbaut. Da liegt der Gedanke nahe: Einfach raus mit der Gebärmutter und Ruhe ist. Mein Gynäkologe, dem ich sehr vertraue, rät mir von einer weiteren OP ab und bringt eine medikamentöse Therapie ins Spiel. Die da lautet: Enantone (auch Zoladex) spritzen, dadurch die Eierstöcke ausschalten, Östrogenzufuhr stoppen und abwarten, bis diese durch die einsetzenden Wechseljahre von selbst den Geist aufgeben. So könnte man die “kritische” Zeit bis zu den Wechseljahren überbrücken. Trotz meiner 50 Lenze bin ich wohl immer noch ein Stückel von den “natürlichen” Wechseljahren entfernt. Würde bedeuten: künstliche Wechseljahre. Denn das ist die Folge von Enantone oder Zoladex. Nun schon zum zweiten Mal. Denn dieses Medikament bekam ich schon von 2010 bis Anfang letzten Jahres. Zoladex ist von den Nebenwirkungen her ein Scheißzeug. Man fühlt sich die halbe Zeit grässlich. Ich habe keine wirkliche Sehnsucht danach, noch einmal durch diese Prozedur zu gehen. Von einer Entfernung der Gebärmutter rät mir mein Arzt ab. Auch Dr. Chefarzt, der mich in der Not-OP unterm Messer hatte, vertritt diese Meinung. Ich habe mir noch 2 weitere Meinungen eingeholt, die beide besagen: Raus mit dem Ding. 2 gegen 2.

Und nü?

Keine rechte Ahnung im Moment. Wir haben uns darauf geeinigt, bis zur nächsten Kontrolle in 2 Wochen der Natur ihren Lauf zu lassen. Dann werden wir sehen. Wenn sich wieder etwas zusammenbraut, was recht wahrscheinlich ist, müssen wir wohl eine Entscheidung treffen. Aber wer weiß, vielleicht hat Frau Katerwolf nun endlich auch mal Glück. Und das Ganze beruhigt sich wieder. Glück. Glück. Glück. Hier bin ich.

Glaubt mir, ich hätte heute lieber etwas geschrieben.

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27 Gedanken zu „Hamlet

  1. Soll ich von meiner Gebärmama erzählen?
    Bei mir kamen die Unterleibsprobleme einfach so. Nach jahr(zehnte)lange, problemlosen und unauffälligen Zyklen wurden meine Blutungen plötzlich sehr stark. Wenn ich sonst so am 1. und 2. Tag rumunkte von wegen „ich blute wie ne abgestochene Sau“… darüber konnte ich auf einmal nur noch milde lächeln.
    Ich musste im 10-Minuten-Takt zur Toilette, benutzte die größten „Torpedos“ und zusätzlich noch Binden, weil ich sonst nicht Herr über die Katastrophe wurde. Ein dreifach Hoch auf die Damenhygieneartikel-Industrie *schiefgrins*

    Das ganze ging dann fast 6 Monate (immer 2-3 Wochen extremste Blutungen, dann 1 Woche Pause und wieder von vorne), bis ich mich endlich zur Ärztin schleppte (wollte ja eine Trockenphase erwischen…). Zeitgleich wurde – wegen der Schilddrüse – ein Blutbild beim Hausarzt gemacht. Der schlug Alarm, weil meine Eisenwerte unterirdisch waren (vor allem der… wie heißt das nochmal… Langzeiteisenspeicher oder so war so gut wie leer).

    Meine Ärztin war schockiert, untersuchte einen Zyklus lang und stellte fest, dass sich die Schleimhaut trotz massiver Blutungen nie richtig abbaute *örks* Sie sah akuten Handlungsbedarf, weil mein Körper das nicht mehr lange mitmachen würde

    1. Schritt: Ausschabung plus Zystenentfernung (da war eine Zyste am Eierstock, die hormongebend war und evtl. Auslöser hätte sein können) – sozusagen System resetten und gucken, was passiert.
    2. Schritt: Das Spielchen begann unverändert von vorne – ich entschied mich schnell und leichten Herzens zur Gebärmutterentfernung.
    3. Schritt: OP – leider mit Bauchschnitt (in meinem Fall dann tatsächlich die schonendere Methode *jaul*)

    Fazit: Ich habe diese OP nienienie bereut!

    Hui… das wurde jetzt lang… sorry… aber vielleicht hilft dir mein Roman ja bei der Entscheidungsfindung 😉

    Liebe Grüße vom Schäfchen

    • Liebes Schäfchen, danke für die ausführliche Beschreibung. Kann ich sehr gut nachvollziehen, jetzt. Weißt du, ich vertraue meinem Doc schon sehr, wenn er sagen würde: Raus mit dem Ding! wäre ich morgen auf dem OP-Tisch. Aber dass er soo auf der Bremse steht, lässt mich zweifeln. Vielleicht muss ich das Ganze tatsächlich erstmal sacken lassen und in 2 Wochen sehen wir weiter…

  2. Ach, da hat dich ja das Schicksal wieder mal hart im Nacken (oder besser „Schritt“) gepackt. Eine gerade Anzahl von Meinungen einzuholen, kann zu dieser Pattsituation führen können. Entweder noch eine einholen oder eine davon streichen.
    Ich für mich persönlich wäre für die Entfernung, aber ich bin eh immer für die radikaleren und deswegen meist schnelleren Wege – aber es ist dein Körper. – Viel Glück!

  3. Da du ja vermutlich mit 50 Lenzen keine Kinder mehr bekommen möchtest, wäre eine Entfernung doch nicht so dramatisch. Was sind denn die Argumente vom Gynäkologen, die Gebärmutter drinzulassen?

    Wünsche trotzdem viel, viel Glück!! 🙂

    asty

    • Die Argumente sind: Bei meinem Gesundheitszustand eher langsamer Genesungsprozess von bis zu 2 Monaten, Risiko einer Blasenabsenkung und die üblichen OP-Risiken, wie etwa Infektion.

      Hmpf.

      Ich danke dir herzlich für deine lieben Worte 🙂

  4. Oh manno, liebe katerwolf, das ist eine schwere Entscheidung,
    einerseits denke ich, mit 50 hat sie ihren Dienst getan , die gute alte Gebärmutter, andererseits hat so ein Organ u.A. auch eine Platzhalterfunktion und der Eingriff ist nicht mal eben so, als wenn man gemeinsam ein Butterbrot ißt.

    Ich fürchte, du mußt die eine Liste machen und die Argumente dafür, bzw. ddagegen gegenüberstellen und dann ein entscheidung treffen.

    Alles Liebe und toi toi toi
    SK

      • Grüßle zurück und einen schönen Sonntag … irgendwie

        Sorry für meine Rechtschreibfehler :-(, das passiert mir so im Eifer des Gefechts und leider kann ich einen einmal abgegebenen Kommentar nicht mehr korrigieren. Aber, wie ich sehe, hast du mich verstanden ! 😉

  5. Wäre ich an deiner Stelle, würde ich sagen „Raus mit der Gebärmama“… Ich habe vor einigen Jahren einmal auf den Rat einer Orthopädin gehört, der anlässlich eines Bandscheibenvorfalls lautete „Lassen Sie sich nie am Rücken operieren!“. Das hat mir eine sogenannte Fußheberschwäche eingebracht, eine sehr teuflische Angelegenheit, weil man da über jede noch so winzige Bodenunebenheit stolpern und stürzen kann. Mit einem minimal-invasivem Eingriff wäre das zu vermeiden gewesen…
    *Lieb-drück*

  6. Was sagt dein Bauchgefühlt denn? Abwägen was du willst? Vielleicht endet das doch als Not-OP? Oder die Nebenwirkungen des Zeugs ertragen? Wie gesagt, ich kann das „raus“ nur empfehlen, obwohl ich dabei fast abgenippelt wäre (hätt ich aber ja gar nicht gemerkt). Ich war so schlau und hatte vor der OP wochenlang Stressmigräne und ordentlich ASS gerschluckt und das auf dem Fragebogen gar nicht mit angegeben, weil nicht dran gedacht hab. Während der OP (die Gebärmutter sollte untendurch entfernt werden) ist sie gerissen und die mussten einen Bauchschnitt machen. Ich weiss nicht wie viel Blut sich anschließend noch in meinen Adern befand, aber ich war sehr sehr blass.

    Schwierige Situation, ich kann deine Unenschlossenheit verstehen.

    • Liebe Susi, ich bin bislang kaum unentschlossener gewesen als heute. Und hoffe, dass mir die Entscheidung nicht abgenommen wird, indem es unerwartet wieder zur Not-OP kommt. Schiss habe ich also auch. Aber: DAS WIRD SCHON ALLES GUT AUSGEHEN 🙂 🙂 🙂

      • Natürlich wird das alles gut ausgehen! Das brauchst du gar nicht in Frage stellen. Da hast du ja wohl schon ganz andere Dinger gestemmt!

  7. Ich hatte damals immer so starke Blutungen, da gab man mir irgendwas mit Gelbkörperhormon. Aber davon bekam ich Migräne
    Also kam die Gebärmutter raus, ich war zwar erst 43 Jahre. Aber da wollte ich eeeh keine Kinder mehr.

  8. Hmm liebe Katerwolf, ich lese das jetzt erst und hoffe, es ist noch nichts Drastisches geschehen. Ich hatte ähnliche Schweinereien wie im ersten Kommentar von Schäfchen beschrieben, das war vor fast 10 Jahren (wie Du weißt sind Du und ich ein Jahrgang). Ich fand noch bis vor kurzem in Jacken- und Handtaschen Notfallpakete mit Tampons, Binden etc. …
    Ich bekam damals eine Ausschabung (nichts war auffällig), dann 3 Monate Pille, um zu sehen, ob man einen Rhythmus „machen“ kann, danach eine Mirena Spirale, die den Schleimhautaufbau unterdrückt. Habe jetzt die 2. drin, damit ist alles bestens. Keine Ahnung, ob das für Dich eine Option sein kann. …. Alles Liebe!

  9. „Das ist nur ein Fruchthalter.“, sagte man in der Uniklinik Leipzig zum besagten Organ und „Brauchen sie den noch?“
    Liebe Katerwolf, ich wünsch mir, dass du eine Entscheidung treffen kannst, mit der du leben kannst und nach der du dich gut fühlst. Und ich wünsch mir, dass bald wieder mehr Ruhe einkehrt bei dir.
    Ich drück dich mal, die Gudrun

  10. Liebe Katerwolf, ich folge dir wie immer auf Schritt und Tritt 😉 Auch bei mir zur Erinnerung: „ich 2010 Brustkrebs, OP, kein Lymphbefall, keine Chemo, gute Prognose, als Therapie seit 2010 Tamoxifen.“ und Zoladex. Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und erste Ausschabung Januar 2012, seit Mai 2013 Zoladex abgesetzt und nun hat sich die Schleimhaut wieder aufgebaut und 3 Ärzte, 3 Meinungen = 1x raus mit der Gebärmutter, 1x erneut ausschaben, 1x nix machen. Das hat mich dann gleich an deinen Eintrag hier erinnert. Wozu hast du dich in der Zwischenzeit entschieden? Und wenn du von Gebärmutterschleimhaut im Dinoformat sprichst, was meinst du dann damit? Bei mir machen sie wegen 8mm so ein Drama.
    Alles Liebe, newie

    • MUSST du mir alles nachmachen! 😉 Das ist irgendwie alles ein Kack, oder? Also, ich habe mich gegen die OP entschieden. War nicht einfach, jeder sagt was anderes, bis einem der Kopf rauscht. Ich habe mich nun dem Rat meines Gyn angeschlossen, die Zeit bis zu den Wechseljahren (ca 2 Jahre) mit Zoladex zu überbrücken. Jetzt habe ich also schon wieder 2x das 3-Monatsdepot Zoladex bekommen. Die Nebenwirkungen waren bekannterweise übel und ich 1 Woche aus der Kurve. Aber für mein Befinden besser als die OP.

      Ist ne schwierige Entscheidung, Newie, du wirst da in dich gehen und auf dich selbst hören müssen. Deine innere Stimme wird dir schon sagen, was für dich der bessere Weg ist, viel Erfolg!!!

      Und bei mir waren das auch um die 8 mm….

      Drück dich feste, deine Katerwolf 🙂

      • Liebe Katerwolf, vielen Dank für den Drücker und deine umgehende Antwort. Mein Bauch sagt, erneut ausschaben und die „alte Dame“ vorerst behalten. Zoladex ist für mich wahrscheinlich keine Alternative, da sich die Schleimhaut ja auch unter Zoladex heftig aufgebaut hatte. Ich werde meinen Arzt aber auf jeden Fall auch nach dieser Variante befragen.

        Drücker und liebe Grüsse aus der Schweiz, deine dir-alles-nachmach-newie 😉

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