wartezimmer-gespräche

ich war heute morgen schon fleißig: war um halb neun, wie die nächsten 6 wochen täglich, zur bestrahlung in der klinik. außerdem habe ich mir für mittwoch einen termin bei einem arzt gemacht, der einen ausgezeichneten ruf als akupunkteur und arzt für naturheilkunde hat. ich habe im rahmen einer allergiebehandlung bereits vor ca. 15 jahre eine sehr ausgiebige akupunktur-behandlung gemacht, die mir damals sehr geholfen hat. außer meiner standart-therapie, die ich zur zeit mache (antihormone tamoxifen, bestrahlung, zometa-infusion) kann ich selbst versuchen, mein immunsystem zu unterstützen, wo es nur geht. in der hoffnung, dass es mit der zeit so stark wird, dass nie mehr eine zelle zur krebszelle werden kann. vorher macht mein neu erstarktes immunsystem nähmlich schnippschnapp!

heute morgen ging es mit der bestrahlung schon besser. vor allem mit der situation im wartezimmer, was ich letzte woche ja noch nicht so gut gepackt habe. da saß ich zwischen all den anderen wartenden armen würsten herum und fragte mich im stillen betrübt: „was mache ich hier eigentlich, bin ich tatsächlich auch so krank?“

manchmal bemerkt man menschen, vor allem frauen, denen man ansieht, dass sie eine chemo durchmachen. früher habe ich darauf eher erschrocken und betroffen reagiert und innerlich irgendwie „dicht gemacht“, nach dem motto „ohjeh, die arme, wie schrecklich, puh, hoffentlich passiert mir nicht so was, aber nein, sicher nicht, schnell weg!“ und jetzt sitze ich selbst auf der anderen seite und erlebe diese reaktionen am eigenen leibe. so schnell dreht sich das schicksal! wobei ich ja noch das glück habe, keine chemo zu machen und daher nicht offenkundig als krebskranke erkannt zu werden. so reagieren nur menschen auf mich, die wissen, dass ich brustkrebs habe.

als ich heute morgen im wartezimmer der bestrahlung saß, war ich in der realität angekommen, die heißt: „ja, ich bin tatsächlich auch so krank, sonst wäre ich schließlich nicht hier“. ich sah mir meine mitwartenden an: 1 frau, die noch jünger war als ich. ich hatte sie schon letzte woche gesehen, da saß sie noch mit kopftuch da, unter dem paar dunkle haarsträhnen hervorlugten. sie war ganz aufgeregt und nervös, da sie angst hatte zu spät dran zu kommen und ihren 1. frisörtermin zu verpassen. heute saß sie ohne kopftuch da mit einer frechen kurzhaarfrisur. ich sprach sie an und machte ihr ein kompliment zu ihrer frisur, was ihr ein großes lächeln auf ihr gesicht zauberte. sie erzählte mir, dass sie am ende ihrer behandlung sei und früher blonde, glatte, lange haare hatte. und jetzt, nach der chemo, dunkel und lockig. wir haben darüber gelacht und ich musste dabei denken: „verrückt, dass ich jetzt über sowas lachen kann, es hat gar keinen schrecken mehr, so wie früher.“ dann saß dort noch ein mann so in den 70ern, der sehr angespannt wirkte. gerade als ich überlegte, was er wohl für einen krebs haben könnte, kam eine ältere, rundlich frau aus dem bestrahlungsraum und sofort hellte sich seine miene auf. er stand auf und strahlte seine frau an:“ so mein schatz, das haben wir für heute hinter uns“,  zog ihr ihren schal und mantel an, nahm sie bei der hand und ging mit ihr hinaus. die andere frau und ich schauten ihnen mit feuchten augen hinterher. „sie kommen schon seit 4 wochen hierher, immer zusammen und er macht das jeden tag so mit ihr“, sagte die andere zu mir. seufz, ist das nicht unglaublich rührend? als ich nach hause kam, habe ich das gleich meinem mann erzählt und ihn gebeten, nächsten montag (er hat montag vormittag immer frei) auch mit mir zu kommen, auf mich zu warten und mir dann meinen mantel anzuziehen 😆 er macht es 🙂

vorsicht, pestbeule!

ich glaube, ich muss in meinem derzeit angeknacksten zustand aufpassen, was ich so in meiner freizeit tue. bin supersensibel und lege alles auf die goldwaage. einmal nicht aufgepasst, schwupps, geht die heulerei los. da die andern genauso wenig dafür können wie ich, ist es vielleicht besser, manchen situationen einfach aus dem weg zu gehen. so bin ich z. bsp. am donnerstag nach einem kurzbesuch auf einer geburtstagsfeier völlig deprimiert nach hause gegangen. es war die feier einer sehr guten freundin, ich wusste aber, dass überwiegend menschen dort sein würden, die mir nicht nahe stehen aber bescheid wissen, was mit mir los ist und mich seit meiner diagnose nicht gesehen haben. so kam es, dass ich einen raum betrat, in dem sich sofort betretenes schweigen ausbreitete. ich weiß, dass es nicht böse gemeint war und kann das auch gut verstehen, aber ich hatte plötzlich das gefühl, als hätte ich ein schild mit der aufschrift vorsicht brustkrebs, aussätzig! umhängen. irgendwie konnten die anderen nicht damit umgehen und ich auch nicht. ich habe die situation dann versucht mit aufgesetzt optimistischer laune zu überspielen. was natürlich nicht funktionierte. echt schwierig. jedenfalls endete es damit, dass ich nach 45 minuten ging, heulend nach hause kam und mich bis ich schlafen ging fühlte wie eine pestbeule. musste vor dem einschlafen sämtliche entspannungs- und sei-glücklich-cds hören, die ich habe, damit ich nicht in einem see einschlafe.

heute habe ich dafür was richtig schönes erlebt. unser sportverein feierte saisoneröffnung. nach dem erfolg vom donnerstag war ich hin- und hergerissen, ob ich hingehen soll oder nicht, habe mich dann aber durchgerungen, da ich ja sonst auch gerne hingehe. warum also nicht auch heute? es war eine gute entscheidung! die meisten dort wissen nicht, dass ich seit januar den brustkrebshorror habe und das ist auch gut so. ich gehe zwar offen damit um, aber es tut einfach mal gut, irgendwo zu sein, wo es nicht JEDER weiß. und diejenigen, die es wissen, waren einfach nur supersüß. jemand sagte mir, sie hätte vor 2 wochen eine kerze in der kirche für mich angezündet. wie lieb! das hat echt gut getan. ich hatte rasch das gefühl, dass eigentlich alles nicht so schlimm ist und ich bald schon wieder mitspielen kann und überhaupt: HOFFNUNG!

5 dinge, die du einem krebskranken NICHT sagen solltest

seit meiner brustkrebsdiagnose vor 2 monaten habe ich sehr hilfreiche, menschliche, herzliche, kluge und auch lustige dinge zu hören bekommen. unweigerlich aber auch ein paar völlig unnötige runterzieher.

daher: wenn ihr mit jemandem konfrontiert werdet, der krebs hat und nicht wisst, was ihr sagen sollt, hier ein kleiner leitfaden. sagt einfach herzlich: “ na, wie gehts? ich wünsche dir, dass du wieder ganz gesund wirst.“  oder geht der sache aus dem weg. auch nichts sagen ist manchmal nicht schlecht. zur sicherheit hier meine liste der TOP 5 Dinge, die man einem krebskranken auf keinen fall sagen sollte:

1. ich kenne auch jemanden, der gerade daran gestorben ist. hallo, gehts noch? die verwendung von AUCH und GESTORBEN in einem satz geht GAR nicht. dem ist nur eine vernünftige antwort entgegenzusetzen: „ich habe mir auch schon meinen grabstein gekauft“.

2. wenn es für etwas gut war, dann dafür, dass ich jetzt zur vorsorge gegangen bin. herzlos und egoistisch, pfui!

3. ich frage lieber erst gar nicht, wie es dir geht. dann lass es bitte auch und halt einfach die klappe!

4. du arme! wie schrecklich! ganz schlimm, man fühlt sich sofort 100 % todgeweiht.

5. ich wollte mich schon die ganze zeit melden, dachte aber, ich warte, bis es dir wieder gut geht. aha, in 1 jahr also etwa.

ergänzungen dieser liste sind herzlich willkommen!

und hier sind schon ein paar nette ergänzungen:

masca schlägt vor:

“Sei doch froh, dass du so eine super Prognose hast, und genieße das Leben! Andere hatten nicht so viel Glück wie du!”
wahlweise auch:
“Jetzt sind schon ein paar Monate vergangen, was regst du dich noch so auf, dir geht’s doch einigermaßen gut.”
Und im Gespräch übers Kinderkriegen:
“Also ich würde mir von meinem Arzt nicht vorschreiben lassen, ob ich noch ein Kind kriegen darf.”
oder
“Du wirst schon noch sehen, ICH WEIß [ha ha, woher denn?] dass Du irgendwann noch Kinder bekommen wirst/kannst!”
:evil:

dazu sagt emily ganz recht:

“Schick’ Hirn vom Himmel!” ;-)

bestrahlung

so, nun hat also der 3. wichtige (aber nicht letzte) baustein meiner therapie angefangen: die bestrahlung. ehrlich gesagt, schlaucht mich das wesentlich mehr, als ich vorher dachte, denn die therapie ist zeitaufwändig und anstrengend. vor 14 tagen fand ein 1. vorgespräch bei chefarzt dr. s, einem grundsätzlich verbindlichen, kompetenten und menschlichen mann, statt. glaubt mir, wenn man den schrecken einer brustkrebserkrankung durchmacht, lernt man ärzte, die verbindlich, menschlich und kompetent sind, SEHR schätzen. sie vermitteln einem das in dieser zeit überlebensnotwendige gefühl der sicherheit und des vertrauens.

nach dem ausführlichen vorgespräch schloss sich ca. 10 tage später das planungs-ct, bei dem ich milimetergenau vermessen und zur lebenden zielscheibe wurde, da der oberkörper an allen zu bestrahlenden stellen mit einem schwarzen textmarker angemalt wird. es ist ein seltsames gefühl, als zielscheibe rumzulaufen, sich nicht richtig duschen zu können und aufzupassen, dass die markierungen nicht abgehen. wieder ca. 8-10 tage später begann dann die eigentliche bestrahlung, was bedeutet, dass man in der regel 4-6 wochen lang jeden tag außer am wochendende zu einer festen uhrzeit zur bestrahlung in die klinik fährt. ich war heute morgen das dritte mal dort und bin jetzt schon völlig groggy. anstrengend ist das, obwohl die bestrahlung selbst nur ca. 1 minute dauert. ich meine, heute hätte es bisschen verbrannt gerochen, war das etwa meine haut? vermutlich schon. auch die tatsache, dass man während der bestrahlung vom rest der menschheit durch eine ca. 1 m (gefühlt 10 m) dicke strahlenschutztür getrennt ist, ist nicht sooo vertrauenseregend. jedenfalls bin ich bislang immer froh, wenn ich wieder zu hause bin und mich aufs sofa fallen lassen kann. und das 6 wochen lang? uff. scheint aber jeder anders zu empfinden. ich kenne sogar jemanden, der nach der bestrahlung zum sport geht, RESPEKT, ich bin dann wohl eher der nach-der-bestrahlung-weichei-sofa-typ. ist auch ok so, denn seit meiner op muss ich mir grundsätzlich erstmal nichts anderes beweisen, außer gesund zu werden und zu bleiben!!!

und außerdem: die bestrahlung ist super, ich bin glücklich, dass es sie gibt, denn nun werden jeden tag fiese böse mikroskopisch kleine tumorzellen, die man tochtergeschwülste nennt, zerstört. nach der bösen mutter, dem haupttumor, wird nun der rest der mörderischen brut gekillt, jawoll, nieder mit ihnen, rom soll brennen!

lebenskonto

andrea sixt hat ein wunderbares brustkrebstagebuch geschrieben, es heißt wieder lieben!. sie greift darin den gedanken eines lebenskontos auf. das muss man sich so vorstellen, dass jeder mensch ein guthaben an lebenskraft hat, von dem er lebt. wenn man immer nur abhebt, ist das konto irgendwann aufgebraucht, je nach lebensstil früher oder später. deshalb sollte man vorsorglich und regelmäßig ein guthaben einzahlen, am besten, bis das konto immer schön gleichmäßig prall und voll ist.

ist das nicht ein wunderbar tröstlicher gedanke? danke, andrea!

wie bei jeder guten investition sollte man sich gut überlegen, was man auf sein lebenskonto einzahlt. für mich sind das:

gesunde ernährung; die für mich richtige bewegung; kraft aus der natur schöpfen; mir täglich zeit für aktive entspannung nehmen; immunstärkende therapien; zeit mit menschen verbringen, die ich gerne mag; positiv denken, positiv denken, positiv denken 🙂 ; daran glauben, dass ich gesund werde und bleibe; an mein glück glauben; ganz fest glauben, dass alles gut wird; menschen gegenüber, die ich liebe, nicht mit gefühlen geizen; mutig sein, nein sagen zu können; situationen und menschen meiden, die einem kraft rauben; manche dinge nicht so ernst nehmen; trägheit entgegenwirken; mir viel zeit für dinge nehmen, die ich gerne mache; unterscheiden lernen, was wichtig und was unwichtig für mich ist und dem unwichtigen nur noch die allernotwendigste zeit einräumen; lieb zu mir sein.

ich glaube, ich war in den letzten langen jahren nicht sonderlich lieb zu mir, so GAR nicht lieb. PUH, wird mir das gerade bewusst, UFF und DOPPEL-UFF!

die zurückeroberung meiner zukunft

seit ich mir vorgenommen habe, aktiv an meinem heilungsprozess mitzuarbeiten, die angst vor einem rückfall und dem tod zu besiegen und hierfür alle kräfte zu mobilisieren, die zur verfügung stehen, geht es mir jeden tag ein stückchen besser. denn ich weiß jetzt, dass es möglich ist. es gibt hilfsmittel, die einem tatsächlich auch helfen. an brustkrebs zu erkranken ist schrecklich. ich habe aber eine große und reelle chance, dass der krebs nicht mehr zurückkommt und dass ich gesund bleibe und vor allem: ALT, STEINALT werde. wenn es einen jung und mitten im leben erwischt, hat man plötzlich das gefühl, dass die zukunft ausradiert wird. sich die zukunft wieder zurückzuerobern, dass ist der weg, der jetzt vor mir liegt.

mir wird jeden tag bewusster, dass dieser prozess mit arbeit verbunden ist und dass ein wesentlicher bestandteil darin liegt, positiv zu denken und entsprechend zu handeln. jeden tag aufs neue. es gibt ein großartiges buch, das mich seit meiner diagnose ständig begleitet. wieder gesund werden. eine anleitung zur aktivierung der selbstheilungskräfte für krebspatienten und ihre angehörigen von o. carl simonton. ich habe mir vor einigen tagen eine neuauflage bestellt, die um eine audio-cd mit einer praktischen übungsanleitung erweitert ist. heute morgen habe ich erstmals eine übung gemacht und war sehr gespannt, wie die aktivierung der selbstheilungskräfte aussehen mag – und war überrascht. ich wurde aufgefordert, meine vorstellungskraft zu aktivieren und mir bildlich vorzustellen, wie ich auf der einen seite gesund und voller kraft und lebensfreude bin und auf der anderen seite krank und elend. eine starke übung, denn die bilder, die ich gesehen habe, waren sehr klar und deutlich.  sofort wurde mein geist mobilisiert, gesund zu sein! als nächstes wurde ich angeleitet, mir vorzustellen, wie ich meine ziele erfolgreich erreiche und mir hierfür selbst anerkennend auf die schulter klopfe.

ich habe folgende bilder gesehen:

1. jemand schüttelt mir  anerkennend die hand für den erfolg, den ich in meiner arbeit bislang geleistet habe und überreicht mir einen strauß blumen. das ist insofern traurig, da dies in meiner arbeit nicht passiert. zumindest nicht von der seite, von der ich es erwarte.

2. ich erhalte anerkennung für meinen zweitjob, meinen lehrauftrag an der universität, den ich seit 3 jahren habe. diese vorstellung fiel schon leichter aus, denn hier bekomme ich tatsächlich viel anerkennung und positives feedback. das bild sah konkret so aus, dass ich in einer runde mit studenten und kollegen sitze und schaue in strahlende gesichter.

3. ich selbst sitze in der sonne und bin einfach zufrieden und glücklich. bislang eher ein bild mit seltenheitswert.

4. ich gehe lachend und glücklich mit meinem mann arm in arm über eine sonnige wiese. sollte ich auch öfters tun, anstatt mich über kleinigkeiten aufzuregen!

5. ich umarme meinen sohn und gratuliere ihm zu seinem bestandenen medizinexamen. er ist jetzt 19 und will im herbst mit dem studium beginnen, was nicht so ganz einfach wird, da sein durchschnitt nicht reicht. er möchte aber unbedingt medizin studieren.

6. ich gewinne ein golfturnier und alle freuen sich mit mir und applaudieren wie verrückt, da sie wissen, was ich hinter mir habe. dieser doch so schöne sport war für mich das letzte jahr nur frust, da ich schlecht gespielt habe, meist letzte war und fast völlig den spaß daran verlor.

7. ich sehe mich selbst, gesund, stark, strahlend und voller licht. JAAAAA! die göttin des lichts 😆

diese übung hat mich sehr überrascht. zum einen, weil mir nicht bewusst war, dass ich SO viele und vor allem solche ziele habe. zum anderen, weil mir bewusst wurde, dass ich voller zweifel bin und nicht so recht daran glaube, dass ich meine ziele erreiche. unabhängig von meiner krankheit. hm. wie kommts? tatsächlich habe ich in meinem leben schon sehr viel erreicht und viel erfolg gehabt. aber weiß ich selbst das richtig zu schätzen? bin ich wirklich stolz auf mich? macht es mich glücklich? ich muss ehrlich sagen: nein. ein wichtiger ansatzpunkt. ich muss also lernen, auf das, was ich im leben erreiche und erreichen will, auch stolz zu sein, vor allem, mich darüber zu freuen und mir selbst anerkennend auf die schulter zu klopfen.

ein wichtiger punkt wird auch mein arbeitsplatz sein. meine finanzielle existenzgrundlage und der ort, an dem ich die meiste zeit meines lebens verbringe. und genau an diesem ort bin ich nicht froh. da ein wechsel sehr schwierig ist und mir meine arbeit große sicherheiten bietet, sicherheiten, die gerade jetzt in meiner situation sehr wichtig sind, werde ich diesen wichtigen punkt neu definieren müssen. ich werde mir hierfür zeit nehmen.

bei der zurückeroberung meiner zukunft liegt also die schöne aufgabe vor mir, meine zukunft neu gestalten zu können!

einfach nur ein schöner tag

heute ist einfach nur ein schöner tag. es ist ein besonderer tag, es ist nämlich der erste tag seit meiner brustkrebsdiagnose vor 8 wochen, an dem ich glücklich bin. TROTZ ALLEM. draußen ist der himmel blau, die sonne scheint, der tag ist still und schön. ich war heute morgen spazieren und habe einem alten, für mich wichtigen freund in rom, der noch nichts weiß, einen brief geschickt. nun sitze ich auf dem sofa, denke über all die positiven dinge nach, die mir in den letzten tagen widerfahren sind und freue mich einfach nur darüber, dass ich lebe, dass ich gute chancen habe weiterzuleben und dass ich in der lage bin, die dinge TROTZ ALLEM positiv zu sehen. ich möchte versuchen, nicht vor dingen angst zu haben, die noch nicht da sind und vielleicht auch nie kommen werden. es ist schön und kostbar, dieses stille glück, das ich heute empfinde.

mein vater hat mir etwas wunderschönes geschenkt. er hat einen spruch auf ein blatt papier geschrieben und ihn eingerahmt. der spruch lautet:

das leben ist ein geheimnis, das gelebt und kein problem, das gelöst werden muss.

der überlebensplan wirkt!

ladys and gentleman, der überlebensplan wirkt! jedenfalls geht es mir, seit ich ihn in gedanken formuliert und aufgeschrieben habe, deutlich besser. ich habe ihn mir heute morgen noch einmal durchgelesen und, auf gute empfehlung einer blog-gefährtin, um einen weiteren punkt ergänzt: es nicht tragisch nehmen, wenn nicht immer alles klappt.

ich hätte nicht gedacht, dass es mit arbeit verbunden ist, positiv zu denken. vielleicht fällt es einem im normalfall auch einfach nicht auf, wenn man sich so durch die alltagsprobleme schafft und nölt. irgendwie geht es dabei letztendlich meistens nicht um so viel. jetzt ist das anders. jetzt geht es um das überleben. jetzt ist das positive denken für mich plötzlich zu einem überlebensnotwendigen faktor geworden. ich muss diese denkweise hegen und pflegen, jeden tag aufs neue, sie ist mein wertvolles gut. mein überlebensplan ist ein wichtiger schritt auf diesem weg.

was ich heute getan habe:

heute morgen habe ich leider eine telefonische absage meines termins bei der psychoonkologin bekommen 😦

ein krankheitsfall. sie hat aber persönlich angerufen, was ich sehr nett fand und hat mich an ihren kollegen dr. m. verwiesen, bei dem ich nun am kommenden montag einen termin habe. das ist insofern interessant, da dr. m. derjenige war, der mich aufsuchte, als ich noch im krankenhaus lag. ich kenne ihn also schon. meine erste begegnung mit ihm war positiv, er gab mir zu verstehen, dass ich geistig auf einem guten weg der heilung sei. nun also wieder dr. m. das soll dann wohl so sein. ich möchte von ihm wissen, wie ich mit der angst vor einem rückfall und dem sterben umgehen soll. ich bin mir sicher, dass er mir helfen wird. denn diese angst muss und will ich überwinden.

ich hatte heute noch einen weiteren termin in der klinik, in der sozialstation. der leiter, herr e. ist ein mann, der zuvor 25 jahre pflegedienstleiter, u.a. auf der onkologie war und jetzt die sozialstation leitet. mit sicherheit jemand, der in seinem leben ganz viel leid und elend gesehen hat. früher fiel es mir nicht auf, weil ich kaum berührungspunkte damit hatte, aber neuerdings bin ich tief beeindruckt von dem echten sozialen mitgefühl von krankenhauspersonal. respekt und hut ab hoch zehn, kann ich nur sagen. und danke!

herr e. ist ein schatz. ich war bei ihm, um meinen grad der behinderung (50%) zu beantragen. das war schnell erledigt. dafür haben wir uns noch fast 1 stunde unterhalten, was wirklich sehr schön war. er fragte mich, wie es mir geht. ich habe ihm einiges erzählt, auch, dass ich mich entschlossen habe, psychologische hilfe in anspruch zu nehmen. das ist ja eigentlich ein eingeständnis von schwäche. so empfinde ich das jedenfalls. im gespräch mit herr e. wurde mir aber bewusst, dass es vielmehr ein zeichen von stärke ist.

er sagte mir folgendes: „das ist aber eine gute entscheidung. die tatsache, dass sie sich schon jetzt, also zu beginn, eingestehen, dass sie hilfe brauchen ist ein zeichen von stärke. sie haben eine diagnose erhalten, die traumatisch ist, für jeden. die aktive auseinandersetzung damit, und hierzu gehört auch die angst vor dem sterben und der tod, ist mutig und richtig. sie kann ihnen längerfristig helfen, besser damit klar zu kommen, freier zu werden. menschen, die es verdrängen und so tun, als wäre nichts, haben später viel häufiger psychische und seelische probleme. ihre stimmungsschwankungen sind ein gutes zeichen. sie bedeuten, dass sie sich mit der situation auseinandersetzen.“

indem er für mich etwas, das mir negativ erschien, ins positive verkehrte, führte er mir vor augen, dass ich SELBST es bin, die das tut. mein lebenswille und positives bewusstsein sein wesentlich stärker, als ich mir selbst eingestehe. mir wurde heute bewusst, dass ich dazu neige, dinge, die an sich positiv sind, negativ zu sehen. WOW! für diese erkenntnis bin ich sehr dankbar! danke, herr e.! als ich wegging, hätten wir uns fast umarmt.

als ich zurückkam, war ich mit meinem mann und hund 1 stunde bei herrlich blauem himmel und klirrender kälte spazieren und habe damit gleich 3 punkte meines überlebensplans auf einen schlag gemacht. zusammen mir all dem negativen, dass ich heute schon ins positive gewendet habe, war ich ganz schön fleißig.

ich bin heute voll die positiv-biene 😎

überlebensplan

nach einem 1-wöchigen mega-loch habe ich gestern beschlossen, dass es jetzt erstmal reicht mit schwarzen löchern. nach einer brustkrebsdiagnose kann man nur AKTIV wieder aus dem finstertal auf die sonnenalm gelangen.will ich im finstertal leben? nein. will ich auf der sonnenalm leben? ja. mit heidi, almöhi, ziegenpeter und allem drum und dran.

hier also mein überlebensplan:

1. alles nicht mehr so negativ sehen, vor allem nicht negativer, als es ist. darin bin ich nämlich eine weltmeisterin (war ich schon immer)

2. positiv denken

3. negative denkstrukturen erkennen und aktiv dagegen angehen

4. hierzu gibt es konkrete übungen

5. diese übungen muss man auch machen, nur wissen, wie sie aussehen und dass es sie gibt, reicht nicht

6. die übungen sind:

entspannungsübungen mit mentalen positiven leitsätzen:

ich habe das schlimmste erstmal überstanden (ok, an dem erstmal muss ich noch arbeiten)

ich habe alles in allem glück gehabt

es hätte viel schlimmer kommen können

ich habe eine gute prognose

es geht ab jetzt aufwärts und ich kann aktiv daran mitarbeiten

ich werde es auch tun, ab jetzt

ich bin stärker als der krebs

mein immunsystem ist stärker als der krebs

ich werde wieder gesund

der krebs wird nicht wiederkommen

ich glaube daran

7. ich höre auf, auf mein immunsystem sauer zu sein, weil es in der krebszellenabwehr versagt hat. stattdessen stärke ich es jetzt, damit es unterstützung hat und künftig NICHT mehr versagt. so werde ich es unterstützen:

konsequent gute ernährung als basis (kleine sünden ausdrücklich erlaubt!)

immunstärkendes bewegungsprogramm: yoga, nordic walking, schwimmen

versorgung des immunsystems mit unterstützenden vitaminen, enzymen, etc.

viel bewegung an der frischen luft – jeden tag, egal, was für ein wetter ist

positiv denken

8. stress aus dem weg gehen

9. jeden tag etwas tun, was ich wirklich gerne mache

10. jeden tag etwas schönes mit meinem mann machen

11. eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

12. jeden tag etwas auf mein lebenskonto packen

hört sich gut an, mein überlebensplan. es stehen nur dinge darin, die ich auch durchführen kann. einige dinge davon mache ich auch schon. ich bin also schon auf einem guten weg. einige dinge muss ich noch tun.

was ich schon davon mache:

ich gehe jeden tag mit meinem hundi an die frische luft, egal was für ein wetter ist

ich habe meine ernährung umgestellt und das klappt schon sehr gut

ich habe einen termin für eine einweisung ins nordic walking gemacht

ich habe meinen hausarzt angerufen, damit er mir ein vitamin-enzym-mineralien-cocktail zur immunstärkung und krebsabwehr zusammenstellt

ich habe am montag einen termin bei einer psychoonkologin

ich mache entspannungsübungen mit positiven leitsätzen, aber nur unregelmäßig

und das sollte ich noch tun:

täglich entspannungsübungen mit positiven leitsätzen machen

nach der bestrahlung, also ab mai, mit schwimmen anfangen

an meiner positiven einstellung arbeiten

einen unerschütterlichen glauben daran entwickeln, dass ich wieder gesund werde und bleibe. daran arbeiten

täglich dinge tun, die ich wirklich gerne mache

täglich etwas schönes mit meinem man tun

eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

11. es nicht tragisch nehmen, wenn es mal mit all den vorsätzen NICHT klappt

trüber tag

einfach nur ein trüber tag heute, mehr nicht. mir gehts mies und ich quäle mich zudem mit gedanken rum, dass ich was dagegen tun muss. und habe doch gar keine lust dazu, uff! bin ich zu ungeduldig, 6 wochen nach meiner op? verlange ich zuviel von mir und setze mich zu sehr unter druck? unterschätze ich das trauma, dass eine krebsdiagnose auslöst, auch WENN ich eine gute prognose habe? ich habe unterschwellig angst, dass ich, wenn ich mich nicht ständig zum „alles wird gut“ motiviere, in einem loch verschwinde. bubb, weg. generell ist die angst derzeit größer als alles andere. sie ist irgendwie immer da, unterschwellig, wie ein motor.

ich sag euch, das ist alles ganz schön schwer. vorher war immer ganz viel perspektive da und pläne und jetzt fällt mir der blick in die zukunft plötzlich schwer. so als würde ich dahin schauen und sagen: „och nö“. ich bin ECHT froh, dass ich mich entschlossen habe, am montag zu einer psychoonkologin zu gehen. ich hatte in meinem leben schon den einen oder anderen durchhänger, aber nichts, womit ich nicht klar gekommen wäre. aber das ding mit der zukunft und perspektive ist mir unheimlich. da möchte ich doch, dass mir jemand, der sich damit auskennt, was dazu sagt.

außerdem brauche ich einen plan. einen überlebensplan. nur mit dem hund spazieren gehen, gesund essen, bloggen, viel über BK lesen, tamoxifen schlucken, reicht nicht. morgen mache ich mir einen überlebensplan!

heute abend gehen wir mit der familie den 19ten geburtstag meines sohnes nachfeiern, zu unserem lieblingsitaliener. meine trübe stimmung lasse ich dann zu hause!