Überleben im Cluburlaub: Der Primat und der Nörgler

Wir reisen heute tatsächlich ab, was für eine Tragödie! Zum Abschluss nun zwei besonders interessante Kategorien: Der Primat und der Nörgler. Beide kommen im Cluburlaub häufiger vor, als einem lieb ist. Den Primat erkennt man, je nach Preisklasse des Clubs, an seiner auffälligen Kleidung. Sie reicht von Oberhemd mit riesigen Aufnähern teurer Labels zu Designerjeans noch teurerer Labels mit weißen Nähten; Jogginganzüge zu Badelatschen; bis hin zu Sportshorts, Unterhemd und Adidas- Latschen. Sehr beliebt sind auch Shirts mit mannshohen Lettern des heimatlichen Fußballvereins, der die Club-Primaten gleich in feindliche Lager einteilt. Mag die Bekleidung auch unterschiedlich sein, so verbindet den Primat ein charakteristisches Zeichen: ein völlig debiler, stumpfer Gesichtsausdruck. „Häääh??“  Grunz. Eierkratz. Der Primat bleibt gottseidank unter sich und paart sich auch nur mit der von daheim mitgebrachten Dumpfschnecke. Anders Der Nörgler. Er bleibt nicht unter sich. Leider. Fleißig durchstreift er das Clubgelände und sucht nach Dingen, die nicht funktionieren. Und findet sie auch. In ausreichender Menge. Türen, die nicht schließen, tückische Stufen, Ruhezonen, in denen Menschen ihre Bücher zu laut umblättern, etc. Er ist grundsätzlich mit nichts zufrieden. Der Flug war grauselig, das Hotelzimmer ist es auch, das Personal unfreundlich, und dann das Essen, eine Zumutung! Will man ihn etwa vergiften? Und dann spricht in der Türkei keiner fließend Deutsch! Aber das ist ein Irrtum, denn viele Türken sprechen sehr gut Deutsch, er versteht sie nur nicht, weil sie Hochdeutsch sprechen. Tagsüber ist ihm zu kalt, nachts zu heiß. Nachts ist es ihm zu laut, da es doch tatsächlich Menschen gibt, die gute Laune haben und zum Spaß im Urlaub sind. Und überhaupt, zuhause ist es doch immer noch am schönsten. Leider bleibt er nicht dort, sondern reist in die Ferne, um dies allen dort weilenden Menschen Kund zu tun. Der Nörgler würde sich mit allen Kategorien gerne paaren-wenn er könnte. Es will sich nur keiner mit ihm paaren. Deshalb poppt er seine heimische Erna und rächt sich an allen anderen, indem er sie mit seiner Mängelliste zu Tode langweilt. So, ihr Lieben, jetzt schnell die Koffer packen, frühstücken und ab in den Flieger. So long!

Überleben im Cluburlaub: erziehungsfreie Pestbeulen

Aus gegebenem Anlass folgt nun eine Zusatzkategorie, die erziehungsfreie Pestbeule: „Oooohhhhnee, ooo-hoooo-ne, ooooohneee hab ich gesagt!“ schallt es vom Mittagsbuffet zu uns herüber. Kurzer Blick über die Schulter: ein etwa 9-jähriger Rotzlöffel lehnt am Hamburgergrill und erteilt dem netten Türken hinter dem Grill feldwebelmäßig Anweisungen, dass es ohne Zwiebel, Tomaten, Soße und alles sein soll. Ohne Bitte ohne Danke, einfach nur unfreundlich. Der nette Türke entschuldigt sich und legt einen neuen Hamburger auf den Grill. Der Gatte, sichtlich not amused über den Ton des jungen Mannes, schlendert zu ihm, beugt sich zu ihm herab und flüstert ihm ins Ohr: „Freundlich, bitte!“ Verständnisloser Blick seitens des Jungen.

Kurze Zeit später am Pool: ein Mädchen will nicht aus dem Wasser. Mutter versucht freundlich lange Zeit alles Mögliche. „Marie-Clare-Emma-Luise, würdest du bitte jetzt aus dem Wasser kommen, Mami ist sonst gaaanz, gaaanz traurig!“ Kind ignoriert das geflissentlich. Als es schließlich nicht drumherum kommt, gehts los: Wutanfall, Zornesausbruch, wildes Beschimpfen der Mama, Sachen herumschmeiß. Deutschland, deine Kinder.

Eine Weiterentwicklung der kleinen, verzogenen Pestbeule ist der Jung-Teenager mit IPhone. Dieser ist im Club in Gruppen anzutreffen, meist trohnt eine Bienenkönigin in der Mitte, umgeben vom Fußvolk, und keiner spricht. Warum? Das ist out. Stattdessen schicken sich alle untereinander Nachrichten aufs IPhone.

Und weil es hier so schön reinpasst, die Kategorie der Urlaubs-Familienvater. Dieser trägt tagsüber seine Brut auf dem Arm, wahlweise führt er sie an der Hand, gerne begleitet von der Kindsmutter, einem jungen Klon- Blondie in Ralph Lauren Sport Outfit. Irgendwie spürt man, dass er das zuhause eher selten tut. Dort ist Blondie nebst Brut mehrheitlich alleine zu Hause, während Paps von Meeting zu Meeting und ab und an von Zweitblondie zu Drittblondie düst. Nicht so im Urlaub, das wird alles nachgeholt! Paps watschelt hier im jugendlichen Outfit mit Baseballkappe verkehrtherum auf der Omme durch die Clubanlage und erklärt den Kids lautstark die Welt. „Siehst du, Ole, das dort drüben ist die Brottheke. Wollen Paps und Ole mal ein Brot holen gehen? Komm, Ole, jetzt gehen Paps und Ole mal pullern. Sollen wir den Pullermann mal rausholen?“

Abends, wenn Blondie und Nachkömmlinge schon schlafen, mutiert der Urlaubs-Familienvater zur Kategorie der Aufreißer und macht an der Clubbar einen los. Baggert, trinkt und tanzt Hiphop auf der Tanzfläche. Bevorzugte Sexpartner dieser Kategorie ist alles, was willig ist. Zu später Stunde entdeckt man ihn beim obligatorischen Cluburlaub-Resteficken.

Überleben im Cluburlaub: Die verhungerte Aerobic-Schnepfe

Diese Kategorie kommt im Club besonders häufig vor. Im engen Sportdress dominiert sie die Sporträume und erinnert stark an diese präparierten Dingens von dem Hagen. Die verhungerte Aerobic-Schnepfe cyclet, arobict, stept, joggt, fatburnt bis die Schwarte kracht. Ihr rigides Sportprogramm unterbricht sie nur, um mittags und abends ein paar Salatblätter und trockene Hähnchenbrust zu vertilgen und gleich darauf diese Kalorien wieder zu verbrennen. chaka! Es gibt sie in allen Haarfarben und Größen, sie ist abends meist teuer und schick gekleidet und schleppt überdimensionale Louis Vitton Handtaschen mit sich herum.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe mag tagsüber asketisch erscheinen, mit Einfall der Dämmerung verwandelt sie sich sehr gerne in die Kategorie Highheel-Tante, wahlweise Highheel- Schabracke. Auf 12 Zentimetern schleppt sie ihr minimalistisches Körpergewicht  nebst Riesen-Handtasche in den Speisesaal, lässt die Puppen fliegen, indem sie einen Mini-Nachtisch isst und verwandelt sich anschließend in die Kategorie Aufreißerin, vor der keiner sicher ist. Hier gibt es einige davon. Sobald man den Gatten zwecks Pipigang ein paar Minuten alleine am Tisch zurücklässt, schwupps wird er besetzt und man selbst nach der Rückkehr an den Tisch mit bösen Blicken traktiert.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe ist die natürliche Feindin der lustigen Wuchtbrumme und passt sexuell sehr gut zum Aufreißer, zum Urlaubs-Familienvater (nachdem Frau und Brut im Hotelzimmer entsorgt sind und Paps noch ein Bierchen trinken geht) und je später der Abend fortgeschritten ist, zu jedem männlichen Wesen, dass nicht bei 3 auf dem Baum ist.

Überleben im Cluburlaub: Die lustige Wuchtbrumme

Die lustige Wuchtbrumme hört man, bevor man sie sieht. Sie kündigt sich durch ihr unüberhörbares Lachen an-ihrem markantesten Kennzeichen. Die lustige Wuchtbrumme tritt meist in Gruppen auf. Gerne blond, aber auch brünett. Sie ist mollig, trägt tagsüber an Pool und Wasser lustige Palmenfrisuren und bunte Bikinis. Immer fröhlich und gut aufgelegt macht sie jede Begegnung zu einer lustigen Sache. Beim Aquajogging fällt ihr und ihren Gefährtinnen allerlei Unanständiges zur Schwimmnudel ein, beim Aerobic trampelt sie sich laut gackernd durch die Choreografi, als Liegennachbarin am Strand erfährt man von ihr nützliche Dinge wie etwa: “ Wenn da vorne die Tante aus dem Ruhrpott ins Wasser springt, ist das Becken leer.“

Die lustige Wuchtbrumme trinkt gerne über den Tag verteilt kleine Sektchen und alkoholische Getränke mit lustigen Namen. Daher ist sie, wenn man sie abends beim Essen sieht, angeschickert und noch lustiger. Sie erzählt dann Witze und lacht selbst am Lautesten darüber. Sport macht sie nur, damit sie mittags und abends am Buffet ne Extraportion Nachtisch essen kann. Ich liebe lustige Wuchtbrummen und suche beim Sport und am Strand gerne ihre Nähe. Diese Clubgattung ist die natürliche Feindin der verhungerten Aerobic-Schnepfe und des Sportfanatikers. Als Sexpartner eignet sich am besten der ebenfalls angereiste Gatte, der meist schlanker und schweigsamer ist und verschmitzt vor sich hinlächelt, wenn Sie mal wieder vom Leder zieht.

Überleben im Cluburlaub: Who is who

Halte es ja doch nicht aus, bis wir zuhause sind, zu verlockend ist die Nähe des IPads. Los gehts!

Ein Cluburlaub ist nicht nur sehr erholsam, aktiv und kalorienreich, er bietet auch ein breites Spektrum an Feldforschungsmöglichkeiten. Da erwacht die Ethnologin in mir! Was sich da so tummelt, ist höchst amüsant und lässt sich wunderbar in Kategorien unterteilen: Der Sportfanatiker; die lustige Wuchtbrumme; die verhungerte Aerobic-Schnepfe; die Highheel-Tante mit der Unterkategorie die Highheel-Schabracke; der Individualist; der Einsame; der Aufreißer; der Primat; der Nörgler; der Club-Idiot; der Urlaubs-Familienvater; der Vielfraß; der Golfer und  der gestresste Planarbeiter.

Es macht großen Spaß, diese Gattungen zu studieren, und ich werde heute noch mit der Beschreibung der ersten Kategorie der Sportfanatiker beginnen. Zunächst muss ich aber noch mehrmals essen, mein Sportprogramm durchziehen und am Strand rumchillen. Bis später also!

Grüße vom Vielfraß

Hey ho, meine lieben 🙂

Ich habe mir grad das IPad des Gatten geschnappt und lass euch mal ein paar Grüße aus der Türkei zukommen. Richtig schön hier, bin mich prima am erholen. Nach vielen Jahren wieder einen Cluburlaub zu machen, hat was von einer Feldforschung, man kann wunderbare Studien betreiben, und ihr könnt euch schon mal auf meinen Bericht: Überleben im Cluburlaub freuen 😉

Bis dahin werde ich noch 5 Tage von morgens bis abends futtern, Aquafit im Meer und Yoga auf dem Chill-Out Hügel am Meer machen, literweise Rotwein trinken, Bücher verschlingen, aufs Meer hinausschauen und die Seele baumeln lassen. Macht es juut und bis denne, eure Clubwolf

Husky-Safari in Finnland: Nachklapp

eigentlich war ich ja schon fertig, aber gerade habe ich eine liebe mail von unserem wildnisführer erhalten, die mich inspiriert hat, einen nachklapp zu schreiben. da er auch nichts dagegen hat, unter seinem echten namen zu erscheinen, oute ich ihn als ralph.

ralph schreibt mir also: „Pekka heisst er richtig und der Nationalpark Pallas-Ylläs. Die Reihenfolge ist etwas anders: Die Hunde bekommen ihre Suppe zuerst, dann wir Kaffee, Tee, dann die Hunde ihr Abendessen, dann Sauna, dann unser Abendessen.“

so, jetzt wisst ihr es. und könnt heute abend ein wenig üben, den namen des nationalparks auszusprechen. da fällt mir ein, ich habe eine finnische hinweistafel fotografiert, so als dokumentation dieser bemerkenswert unverständlichen sprache. wer kann das übersetzen, hm? wer das schafft, kriegt eine auszeichnung und zwar das goldene band der zungenbrecher 😆

 

Husky-Safari in Finnland: Letzter Tag

am nächsten morgen standen wir in dem bewusstsein auf, dass unser letzter safari-tag angebrochen war 😦

wir beschlossen, ihn zu genießen, statt trübsaal zu blasen und gingen mit eifer an unsere morgendliche routinearbeiten. das wetter meinte es nicht richtig gut mit uns, denn draußen blies ein ordentlicher sturm schneeflocken durch die gegend. die hunde lagen teils mit einer dünnen schneeschicht in ihren mulden und blinzelten uns an. als erfahrene tourenhunde wussten sie jedoch ganz genau, dass ihr letzter tag angebrochen war, und sie ließen sich alle motiviert anschirren und anspannen. kurze zeit später starteten wir in das weiße ungetüm, das uns von allen seiten umgab. normalerweise würde man bei so einem wetter keinen fuß vor die tür setzen. verrückte wie wir, die sich auf so einen abenteuerurlaub einlassen, tun dies jedoch, sogar stundenlang hinten auf dem hundeschlitten 🙂

mannomann, blies uns der wind um die ohren. dank unserer perfekten ausrüstung blieben wir jedoch warm und trocken, da nicht mal ein fitzelchen haut dem wetter fläche bot. beeindruckend. wir mussten eine andere route nehmen, als geplant, da eine brücke eingestürzt war. unsere letzte etappe war in der tat abenteuerlich und auch anstrengend. die hunde kämpften sich wacker durch den tiefschnee und trotzten wind und wetter. ich merkte jedoch das erste mal auf der tour, dass sie müde wurden. bis dato war ich fast immer mit einem fuß auf der bremse gefahren, um meinen vordermann nicht zu überholen, nun schob ich fast durchgängig mit, um den schlitten zu entlasten. dennoch hat auch dieser letzte wegabschnitt sehr großen spaß gemacht! man fühlte sich ein wenig wie in einer expedition zum nordpol.

im letzten drittel schaffte ich es dann noch, vom schlitten zu fallen. plötzlich tauchte vor mir ein tiefhängender birkenast auf. es gab nur eine möglichkeit, ihm auszuweichen: durch eine schnelle, tiefe hocke. ich also in die knie, drunter durch, als sich mein schlitten gefährlich zur seite neigte. plumps. wie eine reife birne kippte ich vom schlitten und versank im tiefschnee. ich staunte selbst darüber, wie schnell ich mich aus demselben wieder rausmanövrierte, hinter meinem hintermann auf den schlitten aufsprang und mein gespann erreichte, dass, dank des tiefschnees, nicht richtig weit gekommen war und von meiner vorderfrau aufgehalten werden konnte. gefühlte 1 minute später stand ich also wieder grinsend auf meinem schlitten 😉

am späten nachmittag trafen wir alle wohlbehalten, glücklich und müde im basislager harriniva ein. wir brachten unsere hunde in ihre zwinger und sie waren sichtlich froh, wieder zu hause zu sein und wurden stürmisch begrüßt. unser rückflug war erst am nächsten tag gegen mittag und unser wildnisführer peter sagte uns, dass wir am nächsten morgen nochmal zu den hunden könnten. juhuuuuuu *freu*. so machten auch wir uns auf zu unsere hütten, gaben die ausrüstung ab und gingen uns ein wenig ausruhen. hi hi, ausruhen. tatsächlich legten wir uns auf unsere betten und hatten das gefühl, nie mehr aufstehen zu wollen, zu können. jeder einzelne knochen wog gefühlte 100 kilo. dann das große staunen: wasser, das aus dem wasserhahn floss, elektrisches licht, eine klospülung. wir fühlten uns ein wenig wie „wilde“, die das erste mal in die zivilisation kommen 😉

am abend trafen wir uns alle zum abschiedsessen, sehr lecker und ließen den abend bei bester stimmung in der gut frequentierten hausbar ausklingen. zu finnischen metal-klängen. umgeben von vielen zipfelmützen. wie schön!

wir waren froh, dass wir am nächsten morgen noch einmal eine ausgiebige hunderunde machen durften. ich besuchte natürlich „meine“ hunde und knuddelte ihnen ein loch ins fell. aber auch die anderen hunde waren extrem liebebedürftig und ein jeder buhlte um aufmerksamkeit. mit erfolg 😆

am ende hieß es dann aber unweigerlich abschied nehmen. schweren herzens sagten wir tschüss und verließen harriniva mit dem festen vorsatz, wiederzukommen. in diesem sinne: bis bald 😆

 

 

Husky-Safari in Finnland: Hundeliebe

ja, hundeliebe. nachdem es mir am vorabend gelungen war, meinen scheuen hessu dazu zu bringen, sich an mich drücken und durchkuscheln zu lassen, erwartete mich an diesem morgen eine überraschung. hessu begrüßte mich. zaghaft wippte seine buschige rute hin und her und er schaute mich lieb an, als ich auf der bildfläche erschien. er kam sogar auf mich zu und ließ sich vertrauensvoll streicheln. wow. mein herz machte ploff und hessu nahm einen großen platz darin ein. ich baute in den paar tagen eine starke bindung zu diesem wolfsgleichen hund auf und vermisse ihn immer noch.

 

 

 

stolz wie oskar schirrte ich mein hundegespann an und schippte schnell noch einen hundehaufen in die mülltüte. halt, habe ich euch schon davon erzählt? ne, hab ich glatt vergessen, oder besser: verdrängt. zum morgendlichen ritual gehörte nämlich auch, den hundeplatz vollständig von hundekot zu säubern. und 30 hunde machen von nachmittags um halb 4 bis morgens um 10 jede menge davon. also schnappt sich einer einen großen müllsack und 2 andere schippen die hundehaufen hinein. *brrrrrr würg* für menschen wie mich, die von natur aus mit einem schwachen magen gesegnet sind, ist das ein horror. aber, auch das gehört dazu und auch hier gilt: einer für alle, alle für einen. drum schippte ich und lernte einen weiteren, sehr nützlichen aspekt von sturmhauben kennen. fest über mund und nase gedrückt bekommt man zwar nicht so gut luft, dafür kübelt man aber auch nicht in den schnee. einige pragmatiker aus der gruppe fanden gegen ende sogar eine gewisse befriedigung in dieser tätigkeit: „das hat doch was befriedigendes, wenn ein haufen gefroren ist und man ihn mit einer schipp-ladung in den sack befördert!“ froh zu sein, bedarf es wenig. für mich war das allerdings der unangenehmste teil der huskytour.

an diesem tag erwartete uns schneetreiben und wind. die hunde kämpften auf den ungeschützten seeflächen dagegen an und ich staunte fasziniert einmal mehr über ihre unbändige kraft und willensstärke. unglaubliche tiere sind das!

 

 

als wir am nachmittag in unserer letzten hütte ankamen, waren wir allesamt ganz schön müde. die hunde rollten sich gleich in ihre schlafmulden. ich scheuchte meine vier noch einmal kurz auf und legte extrastroh in ihre mulden, worauf sie mich lieb anschauten.

ich freute mich an diesem abend ganz besonders auf die sauna und heizte gleich nach dem abschirren die 2 saunaöfen an. ich wollte die sauna an diesem abend so richtig heiß bekommen. eine der vielen dinge, die peter uns während der tour beigebracht hat, war, dass man einen saunaofen am effektivsten heiß bekommt, wenn man ihn mit vielen schmalen holzscheiten anheizt. und nicht, wie am ersten abend, mit dicken holzknüppeln, die nur mäßige hitze erzeugen, dafür nachhaltig sauna und alles drumherum zuqualmen. 1 stunde später saßen wir zufrieden schwitzend in der sauna und unsere müden knochen dankten es uns. annika und ich kühlten uns nach dem ersten saunagang, nur mit einem handtuch um die körpermitte, den dicken stiefeln an den füßen und einer wollmütze auf dem kopf, vor der sauna aus und beschlossen, ein paar schritte zu gehen. magisch zog es uns, wie immer, zu den hunden. die allerdings reagierten anders als erwartet auf unseren überraschungsbesuch. mit gesträubtem fell, bösem bellen, knurren und fletschen gaben sie uns unmissverständlich zu verstehen: „noch 1 schritt näher und es rappelt.“ annika und ich waren etwas geschockt und brachen unsere spontan-expedition unvermittelter dinge wieder ab. ob es an unserer bizarren bekleidung und der dunkelheit lag, oder ob sie einfach ihre ruhe haben wollten? ich vermute, von allem ein bisschen. na gut, dann eben wieder zurück in die sauna.

unsere letzte hütte war für mich die schönste von allen. sie wirkte älter als die anderen, bestand aus dicken, dunklen holzbalken und schien für die ewigkeit gebaut. und soooo gemütlich war sie. am abend waren wir alle ein wenig wehmütig, da wir wussten, dass es unser letzter abend in der wildnis war. am nächsten tag sollte es schon zurück zum basislager gehen. tja, da musste dann der rest der von mir mitgebrachten schnapsflasche dran glauben. der mir dann auch kurze zeit später eine tiefe nachtruhe bescherte.

Husky-Safari in Finnland: Über allen Gipfeln ist Ruh…

am nächsten, mittlerweile zweiten morgen in der wildnis, waren wir mit der morgendlichen routine schon gut vertraut. zügig waren die öfen angeheizt und während die anderen das hundefrühstück austeilten, briet ich in der hütte rühreier mit speck. ein wenig später, als wir alle hungrig um den tisch saßen, staunte ich einmal mehr darüber, welch große mengen wir uns einverleibten. wildnis macht hungrig, sag ich nur. ohne zu bummeln packten wir, räumten auf, hackten noch ein bisschen holz für die mittagspause und auf gings zum hundeanschirren und anspannen. ich liebte das. wir alle liebten das. es macht einfach großen spaß, morgens zu den hunden rauszukommen und sich mit ihren ganz speziellen eigenheiten beim geschirranlegen auseinanderzusetzen. macarena machte sich auch am zweiten tag strack wie ein brett und pekkah warf sich mit solch einer inbrust auf die anzuschirrenden pfoten, dass ich mir fast einen bruch an ihm hob 😉 yucca schlängelte sich wie gewohnt geschmeidig in sein geschirr und hessu ließ es sich, ebenfalls wie immer, mit misstrauischem blick anlegen. ich war immer ziemlich schnell fertig und konnte dann noch ein wenig zuschauen, wer noch am knoddeln war, das machte auch immer spaß.

 

und schon ging es los, auf unsere nunmehr dritte tagesetappe. die sonne hatte sich erstmal verzogen und das wetter war eher trübe. das tat unserer freude am fahren aber keinen abbruch. natürlich ist die landschaft wunderschön, wenn die sonne scheint, aber sie ist auch schön, wenn sie nicht schneit und man hat nicht minder spaß beim fahren. es ist erstaunlich, wie sich die umgebung dort verändert, wenn die sonne hinter einer dicken wolkenschicht verborgen ist. plötzlich ist alles um einen herum weiß, oben, unten, drumherum.

 

 

mir kam in den sinn, dass man ohne die nötige erfahrung und den ebenso nötigen wildnisführer binnen minuten komplett die orientierung verlieren würde. wir aber hatten das glück, dass unser versierter wildnisführer peter zielstrebig vor uns herfuhr und wir voller vertrauen hinterher. ich merkte, dass ich mich am dritten tag auf dem schlitten sicherer fühlte. ich hatte deutlich mehr gefühl für die balance, vor allem in den kurven. wir hatten am vormittag ein paar ordentliche steigungen zu bewältigen, bei denen wir kräftig nachschieben mussten und entsprechend anspruchsvolle talfahrten. ich war nicht mehr so schisserig wie die 2 tage zuvor und bremste vor der letzten kurve nicht mehr sooo stark, so dass mein schlitten samt hunden mit schmackes in die ebene einfuhr. meine hunde flitzten wie pfeile, ein wunderbares gefühl. bis zur mittagspause hatten wir etwa 20 km zurückgelegt, und peter zauberte auf dem wildnisfeuer einen sehr schmackhaften finnischen eintopf.

 

 

zufrieden mampfend ruhten wir unsere müden glieder aus, mensch wie hund.

 

 

nach der erholsamen mittagsrast ging es weiter. ich muss zugeben, dass ich diesen nachmittag ganz schön meine knochen merkte, ist ja nicht so, dass so eine tour nicht auch anstrengend ist. auf den see-etappen entlastete ich abwechselnd beine und arme und entdeckte so, dass man sich während der fahrt auch entspannen kann. am nachmittag kamen wir ohne weitere verluste an unserer dritten hütte an. wieder ein wunderschöner ort, wie man ihn sich idyllischer kaum vorstellen kann. es gab eine wunderbar geräumige, gemütliche hütte und ein extra saunahaus mit integrierter, kleiner schlafkammer. die ich mir gleich als ego-single-platz klar machte.

 

gemeinschaftshütte

 

katerwolf-ego-hütte

 

ich musste mir wegen meiner ego-hütte zwar fortan das eine oder andere einzelkind-gespräch anhören, aber das war mir egal. besser ausgeschlafenes ego-einzelkind, als unausgeschlafener, übellauniger katerwolf. die huskys kümmerte das ohnehin nicht, sie warteten ungeduldig auf ihr nachtessen, über dass sie sodann hungrig herfielen.

 

 

wir menschenkinder bekamen währenddessen ein schönes himmelsgeschenk: die wolken rissen auf, die sonne brach durch und bescherte uns magische ausblicke. wir blieben noch lange draußen, an diesem nachmittag und sahen zu, wie der tag langsam dem abend wich.

 

 

ich nutzte die zeit auch für eine ausgiebige hunde-kraulrunde und ließ mir besonders mit dem scheuen hessu viel zeit. nach anfänglichem zögern lehnte er seinen warmen hundeleib an mich und ließ sich gründlich durchkuscheln. mein süßer hessu.

 

 

abends saßen wir nach getaner arbeit und einem ausgiebigen saunagang zufrieden und müde in der hütte beisammen, ließen die erlebnisse des tages revue passieren und erzählten uns geschichten. es gab immer etwas zu erzählen, unsere gruppe harmonierte sehr gut, es herrschte eine entspannte, ruhige stimmung. keiner hatte den drang, sich besonders hervortun zu müssen, worüber ich sehr froh war. es gab immer viel zu lachen, ich erinnere mich zum beispiel daran, dass peter uns erzählte seine dicke fellmütze sei aus marderhund-pelz gefertigt. ich verstand ihn falsch und fortan hieß das tier bei uns nur noch mörderhund. annika erfreute uns eines abends mit einer spontanen buchinterpretation, die bühnenreif war. sie entdeckte in eben dieser hütte ein finnisches buch über hundeerziehung. es gab auch ein paar bilder mit sprechblasen darin. diese vorlage genügte ihr, uns den inhalt des buches näherzubringen. so vertiefte sie sich in eine bebilderte seite und teilte uns fröhlich mit: „wenn dein hund böse ist, nenne ihn ole und sperr ihn in den kofferraum.“ wir kringelten uns ausgiebig über ihre spontane showeinlage. zu einigem grinsen und kopfschütteln führte auch meine ausgeprägte tendenz, dinge zu verlegen, zu verlieren und ausgiebig zu suchen. in der gruppe fiel das besonders auf. am zweiten abend fing ich an, auch dinge von den anderen zu verlegen. zum beispiel annikas hose. und am dritten tag hatte ich annika angesteckt und sie suchte genauso wie ich. gut, war ich nicht mehr alleine!

als ich vor müdigkeit kaum noch die augen offen halten konnte, machte ich mich, nicht vollständig muffe-frei, in meine ego-hütte auf. hm, die lag ja doch ganz schön einsam. ich wollte dann aber auch nicht kneifen und als obermuffti dastehen, also tappte ich pfeifend los, und als ich dann in der kleinen hütte stand, schlüpfte ich ganz schnell in meinen schlafsack. die hütte war durch den saunagang noch wohlig aufgewärmt, so dass ich nur ganz kurz zeit hatte, über finnische frauenmeuchelmörder und mörderhunde nachzudenken, bevor ich in tiefen schlaf fiel. ich musste einmal nachts raus, was echt gruselig war. ich schlief aber wieder ein. als ich in der früh aufwachte, war es in der hütte so kalt, dass ich mich gar nicht aus dem schlafsack raustraute. ich vergrub mich noch eine gute stunde bis zum scheitel in seine tiefen und kletterte erst raus, als peter an die tür klopfte. ein neuer tag stand vor der tür!