die operation

eigentlich ging das alles ganz schön schnell. 2 wochen nach der entdeckung des knotens war bereits der op-termin. in welche klinik ich gehe und wer mich operieren sollte, war mir schon zu beginn klar, denn es gibt bei uns eine klinik mit sehr gutem ruf und eigenem brustzentrum. trotz der immensen angst begann ich mich auf den termin zu freuen. zum einen, weil der tumor endlich entfernt würde, zum anderen, weil ich gewissheit bekäme, ob er gestreut hatte oder nicht. genau diese angst brachte mich schier um. als ich am 21.01. in die klinik aufgenommen wurde, hatte ich tatsächlich das gefühl durchzudrehen. äußerlich sah man mir kaum etwas an, da ich mich beherrschte um nicht völlig die kontrolle zu verlieren. ich erinnere mich aber an einen moment, kurz vor der op, als ich errnsthaft erwog, zu fliehen. irgendwohin. wo mich keiner findet. natürlich eine saublöde idee. der tumor würde ja mitkommen. den gleichen gedanken hatte ich übrigens schon einmal im leben. vor 18 jahren. als ich mit wehen im kreissaal lag.

22.01. tag der op. früh morgens wurde ich mit dem taxi zu einer kooperierenden klinik gebracht, in der man als op-vorbreitung eine nuklearmedizinische behandlung durchführen sollte. bevor wir losfuhren, geschah etwas sehr schönes: vor meiner klinik stieg ich gerade ins taxi, es war noch dunkel, kalt, einsam. plötzlich klopfte es an mein wagenfenster und jemand öffnete die tür. es war mein arzt, der mich in 2 stunden operieren würde. er sagte: „guten morgen, ich dachte mir doch, dass ich sie kenne. wir sehen uns gleich. bis später.“ das war ein geschenk. ich fühlte für diesen augenblick trost und zuversicht. solche geschenke kommen seit der diagnose immer wieder. seltsam, oder? als würde man in solch einer zeit der not nicht alleine gelassen werden. vielleicht kommen geschenke dieser art auch sonst zu einem, man nimmt sie lediglich nicht wahr, weil einem im alltag einfach die nötige sensibilität fehlt.

der nuklear-termin war für 8, die op für 10 uhr angesetzt. ich hatte mir alles zurecht gelegt: 8 uhr untersuchung. dauer etwa 30 minuten. zurück um 9, beruhigungstablette nehmen, 30 minuten warten, bis ich ausreichend zugedröhnt wäre, dass sie mir von mir aus auch ein anderes organ entnehmen können, 9.30 uhr abholung zur op.  es kam anders. das gerät, mit dem man mich untersuchen sollte, hatte technische probleme. so kam ich erst um 9.20 uhr zurück, stopfte schnell die beruhigungstabletten in mich rein, zog meine op-kleider an, legte mich aufs bett und wartete, bis man mich abholte. hellwach. ich wurde abgeholt, 5 minuten später. hellwach. auf meine frage, wann die tablette wirken würde, sage man mir, in etwa 20-30 minuten. so muss man sich gefühlt haben, als die titanic anfing zu sinken. ich weiß jetzt, was panik ist, echte panik. ich wurde in den op gerollt. hellwach. auf den op-tisch umgelegt. hellwach. dort fing ich vor angst so zu zittern an, dass ich dachte vom op-tisch zu fallen. der anästhesist fragte mich, ob alles ok sei. als ich ihn daraufhin fragte, ernsthaft, ob man vor angst sterben kann, wollte er wissen, ob ich keine beruhigungstablette genommen hätte. doch. wann? vor 10 minuten. hmpf.

und dann kam mein zweites geschenk für diesen tag. schwester gabriella. sie stellte sich mir vor und erzählte mir, dass wir am gleichen tag geburtstag hätten, am 9. november, das wäre sicher ein glücksbringer. sie ging kurz raus, kam zurück und sagte: „ich habe gesehen, dass sie in karlsbad geboren sind. in karlsbad tschechien?“ “ ja.“ “ so eine überraschung, ich bin in ostrawa, tschechien, geboren!“ nun wusste ich, dass gabriella mein speziell für mich vom himmel gesandter op-glücksengel war.

was mich nicht davon abhielt dem anästhesisten mitzuteilen, ich hätte angst, die 1 von 1000 patientinnen zu sein, die während der narkose wachwerden und keiner merkt es. das letzte, woran ich mich erinnere, sind seine worte: “ ok, ich glaube, das reicht jetzt. schwester, bitte die narkosespritze.“ an diese worte erinnerte ich mich, als ich 2 stunden später im aufwachraum zu mir kam. neben mir stand mein mann, mein riesentrostpflaster der letzten wochen. und vor meinem bett stand mein nachbar. was mich sehr verwirrte. es stellte sich aber zu meiner beruhigung heraus, dass er anästhesist und bei der op dabei gewesen sei. so fragt er mich nun immer, wenn ich ihn zufällig sehe, wie es mir gut und lächelt mich mitfühlend an, was mir immer gut tut, da er ES weiß.

etwa 2 stunden nachdem ich auf meine station und mein zimmer gebracht wurde, kam die assistentin des arztes um mir zu sagen, dass die lymphknoten nicht befallen waren und ich daher keine metasthasen hätte. was für ein satz! was für ein unglaublicher satz! mein mann, mein sohn und meine eltern, die bei mir waren, riefen darauf einstimmig: “ so, heute abend werde ich mich total volllaufen lassen.“

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15 Gedanken zu „die operation

  1. ich hab endlich mal die Zeit, bei dir reinzulesen. Wollte das nicht mal eben zwischendurch machen.

    Ich glaube, ich habe noch viel zu lesen hier heute abend. Auf jeden Fall hier schonmal alles Gute!

    Tapferer Katerwolf 🙂

  2. An Zittern auf dem Weg zu einer OP kann ich mich auch noch erinnern, jetzt, wo ich das lese. Konnte meine Knie nicht ruhig halten. War aber nur ne normale Unterleibs-OP.

    Boah, ich leide mit dir und freue mich mit dir.
    Das ist ja soooo heftig.

    • ja, ist es. aber weißt du, es ist auch schon verrückt, wie sehr ich schon wieder im leben bin und gute zeiten habe. ich bin immer wieder fasziniert, wie anpassungsfähig und lebensorientiert man letztendlich doch ist. gott-sei-dank!!!!!!

      danke für die lieben worte und alles liebe dir, katerwolf

  3. ich lese hier gerade nach und nach durch und kann ein bißchen mitfühlen, da meine mutter vor nun ~2 jahren die gleiche diagnose bekommen hat. auch op und jetzt hormontabletten, die nächsten ~4 jahre noch. mein risiko ist damit auch 1o% höher als das durchschnittliche. morgen früh geht’s zum frauenarzt, routine-jahres-dings. trotzdem immer blöd.

    ich freue mich sehr, daß es dir besser geht, jetzt!

    • hallochen,
      sei sorgfältig bei deiner vorsorge und weißt du, so ein kurs zur brustselbstuntersuchung ist nicht die welt und 1x im monat dann auch machen, das schaftt man!

      ich wünsche deiner mama unbekannterweise alles liebe und toitoitoi!!!

      danke dir für deinen lieben kommentar und hab einen guten wochenstart, katerwolf

  4. Pingback: post von wordpress.com: 2010 in review « Linker Mops

  5. hallöchen,
    bin beim durchstöbern, nach informationen, auf deine seite gestoßen. ich gehöre nun leider auch zum „club“. hätte es eigendlich wissen müssen, denn meine schwester und meine mutti sind auch an bk erkrankt. leider hatte es meine schwester nicht geschafft. allerdings erfreut sich meine mutti bester gesundheit …jippppiiiiejeee…von nebenwirkungen des tamoxifen mal abgesehen. ist schon ein schock, die diagnose gestellt zu bekommen. bei mir sollte nur vorsorglich eine sich veränderte zyste entfernt werden. noch in der klinik sagte man mir, daß alles in ordnung sei und ich mir keine sorgen machen muss. dann 3 wochen später der knaller. sorry, ist doch krebs. da kommt man sich echt vor, als wenn man im falschen film ist. glücklicher weise konnte mein mann bei der „übergabe“ der diagnose dabei sein, denn ich wäre, alleine dasitzend, zusammengebrochen. mein erster gedanke war, wie sage ich es meiner mutti…schon komisch ne? ich hatte ne heidenangst davor. echt schiss, das sie es nicht verkraften würde. sie hat mir dann aber gesagt, das sie es schon von anfang an geahnt hatte. tja, so sind eben mütter…sie wissen eben immer schon vorher alles, wenn man selber noch unbeschwert durch’s leben tingelt.
    ich wünsche dir und allen anderen weiterhin eine k….freie zeit.

    • hallochen zurück und danke für deinen kommentar 😆

      tut mir leid, dass du nun auch zum club gehörst, gibt ja deutlich bessere clubs, mein ich, oder? ich wünsche dir von herzen, dass du alles gut überstehst (aus deinem kommentar geht nicht hervor, wann deine diagnose war und an welchem punkt du dich nun befindest). du hast glück, dass du deinen mann bei dir hast, der dir offensichtlich eine stütze zu sein scheint. und dass du humor hast, das hilft 😆

      wenn ich dir irgendwie weiterhelfen kann? ansonsten sind in meiner blogroll auch andere bk-blogs, in die reinzulesen in jedem fall lohnt: masca, dreams, kampf dem saul, sue, carpe tempus.

      alles liebe und toitoitoi, katerwolf

      • meine diagnose bekam ich als verspätetes „geburtstagsgeschenk“, knapp ’nen monat später.ist nun 2 monate her. ich hatte am freitag bergfest in der strahli (klinik). stecke also noch mitten drin, stehe sozusagen an forderster front. nehme es meistens locker, habe aber auch manchmal ganz miese zeiten dabei.
        ich versuche aber, mich nicht unterbuttern zu lassen. habe ja schließlich noch viel vor.
        verbleibe mit besten grüßen und einem schönen regenfreien sonntag

        ps…denn hier geht die welt schon wieder unter…man,man,man

  6. Hallo lieber Katerwolf

    Auch ich muss mich seit kurzem zu diesem „Club“ dazugehörend fühlen. Lymphknoten o.k., nicht invasiv und alles wohl gut behandelbar. Wurde am 15. Juli operiert, jedoch musste ich eine Woche später bei der Nachuntersuchung erfahren, dass der Resektionsrand zu knapp entnommen wurde, es bestand die Wahrscheinlichkeit zu 40%, dass noch krankhaftes Gewebe vorhanden ist. Erst an dem Tag bin ich schier zusammengebrochen. Ich dachte, alles um mich herum stürzt ein. Zum Glück war mein Lebenspartner bei mir, als ich diese Diagnose erfuhr. Du gibts mir ja bereits recht, wie wichtig und „Goldwert“ eine liebe und verständnisvolle Familie und Freunde sind. Morgen habe ich nun meine 2. Nachuntersuchung. Ich hoffe, dass ich, dass wir es geschafft haben! Dann geht es bei mir mit Strahlentherapie und Anti-Hormontherapie weiter. Ich denke mal, ich muss mich wohl „überraschen“ lassen. Da ich auch viel Sport treibe, u.a. Thai Chi, kenne ich auch einen Chinesen, welcher eine TCM-Praxis hat. Meine Psyche ist wohl doch ganz schön angeschlagen und mein Immunsystem leidet darunter. Ich denke, hinsichtlich Stärkung des Immunsystems bin ich bei ihm richtig. Ab wann konntest bzw. durfest Du wieder richtig Sport treiben (joggen, schwimmen usw.)?
    Also, lieber Katerwolf, ich werde wohl hier öfters vorbeischauen und wünsche Dir natürlich alles erdenklich Gute. Finde ich echt cool, wie Du anderen Mut machst! Mach weiter so! :o)))
    Liebe Grüsse Anett

    • liebe anett, wie schön, dass du mir schreibst 😆

      hört sich doch „trotz allem“ gut an, was du schreibst und ich drücke dir alle daumen und zehen, dass du dem krebs ne lange nase zeigst :lol

      bin mal gespannt, wie dir die TCM therapie bekommt, mir tut das jedenfalls sehr gut.

      mit dem sport habe ich mich erstmal schwer getan, mich hatte die bestrahlung sehr geschlaucht. meine bestrahlung war ende april zu ende. ich habe im mai langsam mit dem joggen angefangen, war aber sehr mühsam. in der reha, mitte juni, kam für mich dann sportlich der durchbruch und ich war nach der reha körperlich so fit wie kaum zuvor.

      alles liebe und ich freu mich, wieder mal von dir zu hören, katerwolf

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