die diagnose

am 5. januar 2010 habe ich den knoten in meiner brust entdeckt. das ist jetzt 6 wochen her. in diesen sechs wochen steckt ein ganzes leben. und der beginn einer reise. einer berg- und talreise mit enormen höhenunterschieden, die trotz talfahrten im freien fall immer wieder hinauf führt und vor allem: weiter. das leben geht weiter, anders zwar, aber es geht eindeutig weiter. das ist ein fortschritt, denn vor ein paar wochen noch dachte ich, dass es nicht weitergeht, dass es das war für mich. ich habe mir in unserem haus ein zimmer hergerichtet. bisschen ausgemistet, möbel gerückt, ein paar bilder aufgehängt, die ich schon immer aufhängen wollte und jetzt verbringe ich hier zeit, denke nach und denke nach und denke nach und schreibe es nun auf. das tut mir gut. ich sehe es als schritt in ein leben, das plötzlich ganz anders ist, als es vorher war. neu.

ich habe den knoten zufällig entdeckt. als ich abends meinen bh auszog. das war mein glück. die ultraschall-vorsorge-untersuchung im august hatte nichts auffälliges gesehen, den tumor möglicherweise übersehen. das wechselbad der gefühle, die die verschiedenen voruntersuchungen – mammographie, sonographie, biopsie – in mir ausgelöst haben, sind mir noch sehr gegenwärtig. ein schwanken zwischen extremer hoffnung und extremer todesangst. bis zur endgültigen diagnose: ja, es ist ein tumor, ja, er ist bösartig. das war bislang der schlimmste moment. das angespannte besorgte gesicht der ärztin, ihre schmalen lippen, das angespannte gesicht meines mannes, der bei der untersuchung dabei war und der boden, der mit einem mal unter mir aufbrach und ich fühlte mich fallen, fallen, hoffnungslos. nach der biopsie dann gleich wieder ein hoffnungsschimmer: er ist zwar schon invasiv aber nur mäßig differenziert, also im 2. stadium, langsam gewachsen, nicht zu groß, die hormonrezeptoren sind positiv , solche tumore sind in der regel gut prognostiziert. aber hat er gestreut, habe ich metastasen? ich wusste, dass ich das erst während und nach der operation erfahren würde. während ich auf die operation wartete, die 1 woche später stattfinden sollte, habe ich einfach nur in der hölle gelebt. mehr nicht.

ohne die großartige unterstützung von meiner familie und freunden wäre ich vermutlich verrückt geworden. das erfüllt mich immer noch mit großer dankbarkeit. ich habe eine große sammlung von glücksbringern ins krankenhaus mitgebracht. die stationsschwestern hatten ihre freude an meinen chinesischen glückskatzen, käfern, engelchen, stoffhunden und gummitumoren (!). einige glücksbringer musste ich zwischenzeitlich wieder zurückgeben, da die besitzer nach weggabe der glücksbringer plötzlich von pech verfolgt wurden.

ich habe diesen beitrag 6 wochen nach meiner diagnose geschrieben. das ist jetzt natürlich schon ein bisschen her und rückt täglich weiter in die vergangenheit. dennoch möchte ich diesen beitrag bewusst nicht aktualisieren, da er genau meine verfassung in der anfangsphase meiner erkrankung zum ausdruck bringt. in meinem blog schreibe ich regelmäßig neue beiträge zum thema brustkrebstagebuch, anhand derer man meine aktuelle entwicklung mitverfolgen kann.

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14 Gedanken zu „die diagnose

  1. Hallo 🙂

    Die Familie und gute Freunde sind in solchen Situationen mehr als Gold wert.
    Wir haben sowas ähnliches letztes Jahr mitgemacht.Im Juni wurde bei meiner Oma Lungenkrebs festgestellt.

    Uns allen wurde der Boden unter den Füßen gerissen.
    Aber durch unseren Zusammenhalt und unserer Liebe zu meiner Oma machen wir das Beste draus.Meine Oma wohnt jetzt bei meinen Eltern und ihr geht es gut.

    Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt.

    • das ist echt superlieb von dir, ich danke dir von herzen!
      ja, es ist so, wenn ich nicht so tolle menschen um mich hätte die mich auffangen, ich weiß nicht, ob ich dann so „gut“ damit klar käme. das gibt enorm kraft.

      auch dir alles liebe und glück 🙂 🙂 🙂

  2. behalte dir deinen Mut, deine Stärke und deinen Humor. Ich habs durch – nicht Brust, sondern Knochen- seit 6 Monaten „frei“
    Deine Einstellung gefällt mir – erkenne mich in vielem wieder -darum gibts dann auch jetzt mal ein KuschelPlätzchen für dich im SynchronUniversum
    Fühl dich mal lieb gedrückt,
    unbekannter Weise
    bigi

    • liebe bigi,

      hey, ich danke dir für deine lieben worte, tut mir gut. wie super, du bist durch, juhuuu, ich kann nachvollziehen, was das bedeutet muss. und ich wünsche dir alles glück, dass es so bleibt!

      unbekannterweise drück ich dich ganz feste und lieb zurück
      katerwolf

    • *grins*

      solange es nur gummitumore sind, ist alles ok 😉

      gruezi auf meinem blog, du hast einen interessanten blog-namen, passt ein bisschen zu katerwolf 😉

      liebe grüße, danke für das toitoitoi und auch dir alles liebe, katerwolf

    • hey, du bist ja grad richtig am stöbern bei mir, das freut mich 😆

      das passiert sehr oft, leider. die meisten frauen, mit denen ich in den letzten monaten gesprochen habe, haben den knoten selbst entdeckt, zufällig, beim duschen etc.

      es kommt halt nicht nur darauf an, DASS man zur vorsorge geht sondern vor allem auch WOHIN. hätte ich meinen jetztigen gynäkologen schon früher gehabt….

      liebe grüße, katerwolf

  3. Pingback: post von wordpress.com: 2010 in review « Linker Mops

  4. hi, durch zufall gefunden nach suche nebenwirkungen tamoxifen – ich geh kaputt.
    habe diagnos seit september 12 – oktober op – dann schock – überall metastasen – das ganze skelett und leber – chemo usw…. habe auch angefangen zu bloggen letztes jahr
    http://www.brustkrebs-tagebuch.de.vu

    dir alles liebe schnölle noch ein bisschen weiter
    LG Tina

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