Rehageflüster: Kleine Lästerstunde

vielleicht habt ihr es schon gemerkt, dass ich mich diesmal mit reha-lästereien zurückhalte. ich bin zugegebenermaßen ein wenig von meiner letztjährigen reha-läster-begebenheit traumatisiert. ihr erinnert euch: ich wurde noch in der klinik von einem mitpatienten enttarnt. peinlich, peinlich.

tief in mir sitzt die angst, dass, während ich ahnungslos tratsch blogge, plötzlich eine walküre auf mich zurast, mich am kragen packt, schüttelt und brüllt: „sooooooo, ICH bin also die fette wuchtbrumme mit oberlippenbart, die in ihren kräutertee sabbert?????“

aber so ganz ohne tratsch geht es nicht. außerdem reise ich nächsten montag ab. also, los gehts, wen hätten wir den da *händereib*

fangen wir mit meiner ganz speziellen freundin an, annabelle. annabelle ist chronisch gut drauf. sie ist durchtrainiert, jüngeren datums, stets dynmischen schrittes unterwegs, die trendigen sportklamotten sitzen perfekt, der dunkle pferdeschwanz wippt frohgemut im takt. annabelle sprüht vor lebensfreude und munterkeit. im speisesaal lacht sie am lautesten. abends in der kneipe um die ecke auch. annabelle kennt jeden, liebt jeden, umarmt jeden. annabelle ruht ganz in ihrer mitte und fordert ihre gesamte umgebung auf, ebenfalls seine mitte zu suchen. sie findet alles und jeden SUPPPIII!!! wenn man annabelle dreimal hintereinander aus nächster nähe erlebt hat, möchte man ihr gerne eine große socke in den mund stecken, wahlweise ihren hals ein paarmal umdrehen.

wen hätten wir noch? ahhh ja, die reha-irre. in jeder reha gibt es eine reha-irre. dieses jahr ist es mäggie. mäggie, mit betonung auf gg, ist undefinierbaren alters und ähnelt einer mumie. sie ist ausgedörrt, gestählt, trägt eine art indianerstirnband und bewegt sich mit einer dynamik, dass es einem angst und bange wird. sie wirkt, als wäre sie in einer mission unterwegs. im zirkeltraining powert sie wie ein duracellbatteriebetriebener hase, im nordic walking ist sie immer die erste, im frühsport rast sie im kreis herum wie gedoped und stürzt sich im anschluss bei jedem wetter in die nordsee.

„kein schöner anblick mehr.“ konstatierte heute morgen eine mitpatientin trocken.

ebenfalls in jeder reha gibt es den aufreißer. im letzten jahr war es jochen, der auf dicke frauen stand. dieses jahr ist es mäx. mäx ist mittelgroß, dynamisch, und sehr läääässig, schmissig. er geht federnden schrittes durch die rehaanlage, fährt sich grinsend durchs haar und verteilt petzaugen. und legt die eine oder andere flach. vermute ich jedenfalls. da ich ihn schon mehrfach abends in wechselnder, giggelnder begleitung gesichtet habe. er erinnert mich an meinen exmann. ganz schlecht.

ich hätte noch eine terror-else anzubieten. sie ist etwa 100, hat eine sagenhafte turmfrisur und begleitet ihren etwa 200 jahre alten mann. und terrorisiert ihn. er hat klumpfüße und krücken. sie einen rollator. mit dem rollt sie wie eine furie im foyer herum und managed ihren armen mann. gerade sitzt er etwas erledigt vor der großen frontscheibe im foyer. schön im schatten einer gardine, da die sonne reinknallt. sie zieht sie auf, damit er licht hat. „du brauchst licht, LICHT!“ schmunzelnd beobachte ich, wie sie gerade zur rezeption rollt und er schnell und heimlich die gardine wieder zuzieht und unschuldigt guckt.

und ich gucke jetzt mal in den speisesaal, das mittagessen ruft. und heute nachmittag pack ich die badehose ein und hau mich sowas von an den strand.

macht es gut, ihr lieben, eure bikiniwolf

Rehageflüster: Wer nicht genießt, wird ungenießbar

„wer nicht genießt, wird ungenießbar.“

diesen wunderbaren satz habe ich eben in einem vortrag über gesundheit und psyche gehört. wie wahr. ich habe noch ein paar andere, kluge und nützliche dinge gehört. und weil ich eine liebe katerwolf bin, teile ich sie mit euch 😆

1. eine kleine übung, um in drei schritten mit ärger umzugehen:

1. ich ärgere mich über XYZ (in der situation selbst oder im nachgang sich in die situation versetzen)

2. ich habe den gedanken, dass ich mich über XYZ ärgere.

3. ich bemerke, dass ich den gedanken habe, dass ich mich über XYZ ärgere.

schnell und effektiv. habs schon ausprobiert.

2. kleiner ratgeber zur lebensplanung (ziele definieren)

1. welches ziele möchte ich unmittelbar umsetzen?

2. welches ziel möchte ich kurzfristig umsetzen?

3. welches ziel möchte ich mittelfristig umsetzen?

4. welches ziel möchte ich langfristig umsetzen?

schön aufschreiben und immer wieder draufschauen.

3. kurze übung zur konzentration

1. 5 gegenstände oder menschen wahrnehmen, die du sehen kannst.

2. fünf klänge oder geräusche hören, die dich umgeben.

3. fünf dinge wahrnehmen, die du an der oberfläche deines körpers spüren kannst.

fertig ist die maus und du bist wieder da 😆

und einen guten buchtipp haben wir bekommen. für all diejenigen geeignet, die da oben schlecht zur ruhe kommen: Andreas Knuf, Ruhe da oben! Der Weg zu einem gelassenen Geist.

dann wünsch ich euch mal einen entspannten tag, eure psychowolf

Rehageflüster: Im Frühtau zu Berge *sing*

„im frühtau zu berge, wir ziehn, vallerahhhhh…“ träller ich immer, wenn ich morgens um 7 mit dem rest der gruppe zum frühsport am strand watschel. ja, watschel. um 7 uhr morgens, vor dem frühstück, kann man nur watscheln. heute allerdings bei knallblauem himmel und sonne. wow, bitte bleib hier, liebe sonne. am strand wehte zwar ein kräftiger wind, aber es war warm und schön.

übrigens bin ich beim frühsport der gruppenspast. warum auch immer. ich kippe gerne um, etwa, wenn wir auf einem bein stehen sollen. ich mache die bewegungen asynchron. warum auch immer. am freitag wollte uns der therapeut ein wenig belustigen und rief in die runde: „ein delfin! ein delfin!“ wer dreht sich um und brüllt „wooooo???“ die kleine katerwolf, klar.

heute morgen drehte sich alles um gleichgewichtsübungen. ich habe nun in allen körperöffnungen sand. eine übung erläuterte der therapeut so: „stellen sie die füße voreinander. in einer linie. hacke rechter fuß an zehen linker fuß. so! (er zeigte es dann mit hilfe der hände, die er vor dem körper hintereinander aufstellte)

wer stand als einzige da, die hände weit von sich gestreckt? richtig, die kleine katerwolf, klar. „nur die füße. nur die füße!“ grinste der therapeut in meine richtung. gemeinsam mit 40 weiteren augenpaaren 😳

ich bin halt ein naturtalent.

habt alle einen schönen, hoffentlich sonnigen tag. ich melde mich später nochmal, mit einer kleinen tratschstunde 😉

Rehageflüster: Das Gemächt

moin, moin, da bin ich wieder. mein schatz ist heute mittag abgereist und meine gute freundin micha-maus, die mich hier besucht hat, auch. war richtig schön, ihr beiden, ich weiß, dass ihr das hier lest 😆

wir waren rund um die uhr essen und haben die insel beradelt. ich habe von meinem schatzi einen lenkdrachen geschenkt bekommen, den wir gleich am strand ausprobiert haben. etwa 5 minuten lang, dann kam mister baywatch, der uns freundlich aber bestimmt bat, den drachen wieder einzupacken, weil a) der strand zu voll war und b) er uns beide drachen-dilettanten beobachtet hatte und ob wir nicht wüssten, dass die drachenschnur fremde ohren abschneiden könnte, oder nasen 😯 danach hatte ich bei allen weiteren versuchen panische angst um meine ohren und werde sie bis an mein lebensende haben.

die liebe micha-maus, die fleißig meinen blog liest, hat mir als überraschung einen wunderschönen taschenkalender mitgebracht, in dem ich meine neues vorhaben umsetzen kann. wie süß 😆

jetzt beginnt meine letzte rehawoche, die ich noch in vollen zügen genießen möchte, streik hin, streik her. es sieht auch so aus, als würde der sommer auf die insel zurückkehren. heute nachmittag saß ich mit micha-maus noch ein letztes stündchen im strandkorb und wir plauschten über dies und das. am strand sieht man hier so manches. auch sehr merkwürdiges. zum beispiel einen familienvater mittleren alters, mit 3 kindern und schwangerer ehefrau. obenrum ganz modisch mit hoody in trendfarben gekleidet, untenrum einfach nur ne unnerbux. so eine mit eingriff. in grau. enganliegend. mit leicht aufgeschubbertem hintern. und vorne das ganze klimbimbam. wir wussten gar nicht wo wir hinschauen sollten. und starrten irgendwie die ganze zeit hin, weil er dauernd so umherlief. mit seinem schaukelnden klimbimbam. irgendwie alles überdimensioniert und nicht zusammenpassend. schief und schepp. sehr seltsam. also, so, als ob er noch ganz andere dinge da drin gehabt hätte, in seiner unnerbox. zum beispiel einen stoffhasen. oder einen bund möhren. oder einen sack voller wasser. oder einen kompletten satz billiardkugeln. es gibt schon seltsame zeitgenossen.

Rehageflüster: An der Nordseeküste *sing*

ihr lieben, vielen dank für eure lieben kommentare zu meinem letzten post. das nachdenken hat sich gelohnt. es schadet grundsätzlich nie, regelmäßig innezuhalten und ein wenig innenschau zu pflegen. manchmal bekommt man nur einen kleinen schreck. und das ist gut so. danach geht es wieder erfrischt und etwas umsichtiger weiter.

gestern kam mein lieber mann bei beeindruckendem sylter sturmwetter hier an und ich habe ihn gleich ins nächste restaurant geschleppt und mich vollgefuttert 😆 heute scheint die sonne, verrücktes nordseewetter! freue mich, dass mein schnuckel da ist, hat gute laune mitgebracht. heute morgen war ich bei sonnenschein 1 stunde am strand walken, füße und stöcke in der brandung, sonne über mir. durchatmen.

jetzt gibt es gleich mittagessen, gemüseklößchen. ich weiß schon genau, wie die dinger aussehen und schmecken werden. gurgel. heute abend geht es wieder auswärts zum futtern 😉

macht es gut, ihr lieben, ich schick euch ein paar sonnenstrahlen und eine steife brise, eure walking-queen

Rehageflüster: Nachdenklich

heute vormittag hatte ich visite. da sie streikbedingt letzte woche ausfiel und ich heute eine riesenschlange wartender vor der arzttür vorfand, hielten sich meine erwartungen in grenzen. ich rechnete mit etwa 7 minuten drin und wieder raus. umso überraschter war ich, als sich die ausgesprochen sympathische und bodenständige ärztin 20 minuten zeit für mich  nahm und ausführlich mit mir sprach.

danach hatte ich nen kloß im hals und feuchte augen. ist immer noch so, und frau katerwolf ist verdächtig still. scheint, dass die ärztin im gespräch den richtigen nerv traf. wie schon bei meiner letztjährigen reha auf föhr ging es in dem gespräch auch diesmal um das thema: runterfahren. zur ruhe kommen.

böse falle, das.

einmal mehr wurde mir bewusst, in welchem tempo ich seit der letzten reha wieder durch mein leben rase. viel zu oft erschöpft und überfordert bin. ist es ein wunder. nein, ist es nicht. ob ich es endlich mal lerne? und zwar auch über die 3 monate nach der reha hinaus? ich sollte wohl. es geht nicht immer nur um die grenzen, die man dem außen steckt. es geht auch um die grenzen, die man sich selber stecken muss. seufz. es geht schleichend und doch so schnell, dass man immer und immer wieder in die alten strukturen zurückfällt. sie kommen allzu gern in einer neuen verkleidung daher. ganz schön tückisch. so wird aus einem anfänglichen kann plötzlich ein muss. freiheiten, die man sich herausnimmt, werden plötzlich zur pflicht. und schon steckt man wieder in zwängen fest. grübel. nicht so viel darüber nachdenken? doch, sollte man. immer wieder.

die ärztin riet mir zur disziplin und dazu, jeden einzelnen tag 1 entspannungsübung zu machen. ganz konsequent. ohne wenn und aber. auch sie sprach von dem tank, der immer mehr als halbvoll sein sollte und nie auf reserve. kommt mir das bekannt vor? seufz. sie schlug mir vor, einen kalender zu führen, in den ich einmal die woche für jeden tag die zeiten eintrage, in denen ich mich aktiv entspannt habe. und ein smiley dahinter male. ich scheine eine art notorischer daniel düsentrieb zu sein.

und musste mir wieder einmal anhören, dass ich mich selbst nicht so überfordern darf. akzeptieren soll, dass ich bedingt durch meine diagnose und therapie weniger kraft zur verfügung habe. vorübergehend oder vielleicht auch auf dauer. und mit der kraft klug haushalten muss. anstatt ständig auf reserve zu gehen. hmpf. grübel.

macht es gut, eure sehr nachdenkliche katerwolf

Rehageflüster: Relaxo

„regen spült schädel frei“ lese ich gerade auf der titelseite der bildzeitung, die neben mir liegt. könnte ein verhungerter reha-patient sein. im ernst, streikbedingt ist das essen hier so mies und unzureichend, dass man tatsächlich hunger hat. das gestrige mittagsbuffet war, bis auf ein paar schälchen wackelpudding, leer. nix. einfach leer. das musste ich dann doch mal fotografieren. es gab gnädigerweise einen teller mit einer sehr überschaubaren portion kartoffelauflauf mit tiefkühlgemüse. die haben echt nen knall. ich hatte nachmittags so nen hunger, dass ich nach westerland in den supermarkt geradelt bin und mir würstchen gekauft habe, die ich direkt vor dem supermarkt aus der packung riss und wie stixi vertilgte. ein paar passanten schauten beunruhigt. gestern abend bin ich dann mit ein paar mithungrigen ums eck in die strandkneipe gegangen und wir haben uns von kopf bis fuß vollgefuttert. bis zum anschlag.

aber wenden wir uns den angenehmen dingen zu: die sonne scheint. ich war gestern mittag sogar 1 stunde am strand und habe mich in der sonne geaalt. das werde ich heute wieder tun. welch eine glückliche fügung, dass direkt vor der klinik der hundestrand liegt. so kann ich hemmungslos fremdkuscheln, wenn mir joschi fehlt. gestern habe ich eine 5 monate alte bordeaux-dogge ins paradies geknuddelt. sie wollte gar nicht mehr zu ihrem herrchen zurück.

heute morgen war ich schon um 7 zum frühsport am strand und habe mich dabei nicht mit ruhm bekleckert 😉 rechts, links und so´n kram am frühen morgen ist nicht ganz meine sache. zum abschluss, auf dem rückweg, sollten wir kleine gruppen bilden und eine frisbeescheibe in gehrichtung werfen. bis zur nächsten treppe. dabei sollte man möglichst viele würfe schaffen. in meiner gruppe waren außer mir noch 2 schlafmützen (mich eingeschlossen) und 2 hyperaktive. da wir alle nicht zugehört hatten, dachten wir, die spielregel laute: wer als erstes an der treppe ist. wie die irren rasten wir los und schmissen die frisbeescheibe durch die gegend. nach ein paar minuten erreichte uns ein schnaufender therapeut, der uns darüber aufklärte, dass wir da wohl was falsch verstanden hätten. schwer atmend drehten wir uns um: weit, weit hinter uns die anderen 🙂

so, ihr lieben, ich habe gleich visite und darf danach zur massage und auf den hydrojet. bin voll der relaxo heute. und heute nachmittag kommt mein schnuckelhase mit dem zug und bleibt bis zum wochenende. das sind schöne aussichten 😆

ich wünsche euch einen wunderschönen mittwoch, bis denne, eure relaxo-wolf

Rehageflüster: Honolulu Strandbikini

und der streik geht weiter. was soll man dazu sagen. bei allem verständnis, ich finde es seitens der klinik und der streikenden unverschämt, diesen streik auf dem patientenrücken auszutragen. bin heute morgen ziemlich stinkig zur geschäftsleitung getappt und habe mich beschwert, wobei folgende worte ausgesprochen wurden: unzumutbar. unverschämt. harter brocken. uneffizient. fraß. katzenfutter.

das wird eher nichts bringen, aber ich wollte es auch nicht den ganzen tag in mir herumtragen und mich ärgern. zum glück traf ich in der morgendlichen nordic walking gruppe auf meine lustige rehafreundin aus dem frühsport. binnen 1 minute war der morgen gerettet. diese frau könnte man sofort auf die bühne stellen. und sie ist genau der typus mensch, der mich sofort zu unfug anstachelt. hätten wir früher in der schule zusammengesessen, hätte es klassenbucheinträge gehagelt.

nach einer intensiven aufwärmphase, bei der diesmal ich der gruppentrottel war, der alle bewegungen andersherum ausführte *räusper*, stapften wir mutig samt stöcken an den strand und kämpften und bei starkem gegenwind in richtung westerland hoch. spaßsusi und ich stimmten fröhlich und lautstark die internationale an und marschierten durch die wellen. ist ja schließlich streik. derart aufgewärmt steigerten wir uns in den folgenden 40 minuten, dank der unterstützung einer mitwalkerin, zu einem trio und schmetterten sämtliche refrains uns bekannter deutscher schlager in den wind. eine herrliche sache. wir liefen zwar nach einer weile allein, keine ahnung warum, aber wir hatten spaß. honolulu strandbikini johlend schlossen wir unsere laufrunde ab. unsere therapeutin hat versprochen, uns nicht aus der walking gruppe zu entfernen.

jetzt warte ich auf mein leckeres streik-mittagessen, das wieder irgendwas mit brauner soße sein wird. wäääh. heute nachmittag darf ich noch zur massage, falls die nicht bestreikt wird und dann ist noch ein bisschen muckibude dran. ich könnte auch ein wenig durchs klinikgelände streifen, verdi suchen und beschimpfen. oder ich radel nach westerland und schau mir iceage 4 an. schau mer mal, was der tag noch bringt.

macht es gut, ihr lieben, bis morgen, euer singwolf

Rehageflüster: Bollyworose

moin, moin, ihr lieben. sonntag. ich werde heute ganz faul sein. keine pläne, keine verabredungen, kein muss, nur ein kann, falls ich will. was für ein luxus. für mich kleinen daniel düsentrieb ist das luxus. habe mir die letzten 2 tage ein bisschen die kugel gegeben. neben meinem reha-sportprogramm bin ich an beiden tagen zum reiterhof geradelt und bin 2 stunden durch heide und watt galoppiert. bin heute glücklich aber kurz vor ganzkörperlähmung. uiuiuiuiuiui, wusste gar nicht, dass ich da hinten am rücken so weit unten überhaupt muskel habe. ächz. dennoch: ich bin zutiefst zufrieden. was geht es mir gut.

vorgestern abend lag mein anwendungsplan für die kommende woche in meinem fach. okay, ich werde mich nicht mehr bei der therapieleitung über mangelnde auslastung beschweren müssen, das steht schon mal fest. beim durchlesen des plans breitete sich ein ungläubiges grinsen auf meinem gesicht aus: am montag gleich 4 ausdauereinheiten? na, denn mal los.

heute aber dümpel ich zufrieden vor mich hin. sitze grad im sonnendurchfluteten foyer und blogge zufrieden vor mich hin. ihr habt richtig gehört: sonnendurchflutet. hier scheint nämlich die sonne. nicht ständig und ausschließlich vom blauen himmel, aber sie scheint. und die flecken blauen himmels zwischen dicken, weißen wolken sind größer und häufiger als die wetterprognose vorhersagt. psssst, lieber nichts heraufbeschwören.

ich sitze nicht alleine im foyer. neben mir sitzen 2 zufallsbekanntschaften, die sich über ihre 5 millionen krankheiten austauschen. sie mimt den typus geduldige zuhörerin, er quatscht sie gnadenlos zu. und wie. offensichtlich handelt es sich bei ihm um einen hypochonder. das harmloseste, was er hat, ist eine zeckenvergiftung. dieser mann ist der volle zeckenphobiker. er schwafelt schon seit 30 geschlagenen minuten über zecken. wo er sie schon überall hatte und wie er sie wo wieder weggedröselt hat. er braucht nur das haus zu verlassen und wird offenbar sofort von zecken angesprungen, die er dann abends unter der dusche wiederfindet und vernichten muss. was für ein anstrengender zeitgenosse. die arme frau. gerade höre ich, wie er sagt:

„die ärztin hatte da gar keine ahnung von. hab ich doch gleich gewusst. ich hatte ihr doch gleich gesagt, dass das ein klarer fall von bollyworose ist.“ 

bollyworose. jou, mein lieber, da gibts kein mittel gegen.

ich wünsche euch einen wunderschönen sonntag, euer relax-wolf

Rehageflüster: Jet-Set-Muschi

ein gewagter titel, ich weiß. er beschreibt aber recht gut meinen gestrigen tag.

zunächst zum thema muschi: ich war gestern reiten, 2 stunden übers watt und durch die heide, jucheee. zudem 10 km mit dem rad zum stall, 10 km zurück. nach der reha melde ich mich zur tour de france an. mir wurde ein sehr großes, sehr langes pferd zugeteilt. meine lola ist eher das kompakte modell, und wenn ich auf ihr sitze, ist es vom sattel bis zu den ohren nicht übertrieben lang. gestern hingegen schwang ich mich in den sattel und sah mich mit einem überaus langen widerist, an den sich ein noch längerer hals anschloss, konfrontiert. ich saß eindeutig auf einer giraffe. weit vor mir der kopf, weit unter mir die erde. so weit so gut. mein pferd war ein braves, entspanntes tier, das am strand als einziges nicht zu tode erschrak, als wir an einer dicken frau mit rotem sonnenschirm vorbeiritten. der ausritt war flott und wir galoppierten viel und lange. mein pferd mit den für ein pferd dieser statur typischen langen, schaukelartigen galoppsprüngen. die ich so gar nicht gewohnt bin und daher ein ums andere mal mit meinem empfindlichsten körperteil gegen den sattelknauf stieß. autsch. nach 2 stunden war ich zwar glücklich, aber untenrum etwas derangiert. habe dann gleich ausgehandelt, dass ich heute ein kompakteres pferd mit kürzerem hals reiten darf.

die heimfahrt auf dem radel war nicht wirklich entspannt, wie ihr euch denken könnt. kaum in der klinik angekommen, tappte ich etwas breitbeinig ins schwesternzimmer, schilderte mein malheur und fragte nach vaseline oder wund- und heilsalbe.

die schwester: „sie haben sich also bei einem privaten unfall verletzt? das muss ich gleich notieren. sie müssen zum stationsarzt zur untersuchung.“

ich: „??????“ „ähm, also, ähm, ich will eigentlich nicht zum stationsarzt. ist auch nicht so schlimm. nix kaputt. brauche nur etwas bepanthen und dann ist der apfel gegessen.“

schwester: „apfel? (sagt man hier im norden wohl nicht so) Ne, also sie müssen jetzt zum arzt. ich kann ihnen das nicht so einfach geben.“

schöne sch****. ich schaute die schwester entschlossen an und sagte: „jetzt hören sie mir mal zu. ich bin nicht verletzt. ich habe mir nur die muschi angeschrammt. und ich werde auf gar keinen fall zum stationsarzt gehen und ihm meine muschi zeigen. auf gar keinen fall werde ich ihm meine muschi zeigen. mal ehrlich, würden sie ihm ihre muschi zeigen, wenn sie sich da stoßen? hä, würden sie das machen?“

fassungsloser blick der schwester. dann, langsam, ein schelmisches grinsen, ein griff in die schublade, und schwupps lag die tube bepanthen in meiner hand. soviel zum thema muschi.

und nun zum thema jet set. eine gute freundin von mir hat eine freundin, die hier ein ferienhaus hat und eine echte syltianerin ist. gut vernetzt und mit leichtem sylt-promi-satus. die habe ich gestern unbekannterweise nach dem reiten getroffen und wir haben uns gleich gut verstanden. sie geht in der sansibar ein und aus, bekommt immer einen tisch und lud mich spontan ein, sich ihr und 2 freundinnen abends anzuschließen. na, das war doch eine gelegenheit, sich diesen berühmten ort einmal anzusehen. soweit ich weiß, bekommt man als normalsterblicher touri nicht so einfach einen tisch. so kam es, dass ich mich gestern abend um acht im gastraum der sansibar wiederfand, in dem es zuging wie in einem taubenschlag und jeder jeden zu kennen schien. ein eigenes universum. es war irre laut. ich habe das bislang teuerste schnitzel meines lebens gegessen, das allerdings sehr lecker war. wir hatten einen netten abend, da alle drei mädels ausgesprochen nett und lustig waren. man konnte perfekt leute beobachten. die mehrheit der gäste war salopp in jeans und t-shirt gekleidet. es gab aber auch eine ganze batterie von spezialgästen. so die marke: geliftetes antlitz mit botox aufgepeppt, langes sommerkleid mit nerz um die schultern. womit wir wieder beim thema jet set-muschi wären. so schließt sich der kreis 😆

liebe grüße, schönen samstag, eure jet set-wolf