tamoxifen und nebenwirkungen – oh je!

antihormone zu nehmen, ist nicht lustig. ich nehme tamoxifen nun seit fast 8 wochen und die nebenwirkungen stehen leider nicht nur auf dem beipackzettel. wer es nicht weiß: tamoxifen ist ein antihormon und wird bei einer brustkrebserkrankung nach der operation eingesetzt, meist für einen zeitraum von 2-5 jahren, täglich in tablettenform. insbesondere frauen, die vor den wechseljahren an brustkrebs erkranken und deren tumor hormonrezeptor positiv ist, sprechen auf diese therapie gut an, mit deren hilfe sie künstlich und zackig in die wechseljahre versetzt werden. warum? hormonrezeptor positive tumore werden im wachstum durch östrogen begünstigt. um die entstehung künftiger östrogen begünstigter tumore zu verhindern, wirkt tamoxifen wie ein blocker, der verhindert, dass sich östrogen an eine zelle andocken kann. wechseljahre im schnellverfahren. ihr könnt euch vorstellen, dass das nicht lustig ist, oder?

die klassischen wechseljahre-symptome wie  z. bsp. hitzewallungen habe ich bislang noch nicht erlebt (kommt aber noch). dafür aber stimmungsschwankungen, eine besonders beliebte nebenwirkung des tamoxifen. ich bin von natur aus kein allzu launischer mensch, umso mehr beutelt mich das. die schwankungen kommen schubweise und plötzlich und schmeißen einen von einer ecke in die andere, zack bumms. die ganze letzte woche war ich von montag bis freitag gut drauf und dann gegen abend rumms. es fühlt sich etwa so an: man sieht in der ferne ein gewitter aufkommen, himmel verdunkelt sich, wind kommt auf und dann ist das unwetter schon da – im kopf. und zwar ein winterliches nordsee-unwetter. alles purzelt durcheinander. echt heftig. von einer sekunde auf die andere ist man innerlich völlig unruhig, nervös, hat herzrasen und ist so gereizt, dass man seine umgebung (mann, kind, hund, eltern) einfach mal eben so ausrotten könnte. so waren mein samstag und sonntag. alle leben noch, keine angst.

heute morgen war ich innerlich total unruhig und nervös und bin zur bestrahlung gefahren wie eine tickende zeitbombe. als im krankenhaus-parkhaus eine frau in einem winzigen peugeot denselben mit 0,1 km/h wie einen 10-tonner vor mir her fuhr, hatte ich wahnsinnig lust, sie aus dem wagen zu holen und zu vermöbeln. die bestrahlung war heute dann entsprechend schwierig, vor allem, weil ich mir in meiner unruhe eingebildet habe, das gerät sei defekt und leichte panik-anwandlungen bekam. EIN GLÜCK hatte ich danach einen termin zur akupunktur. während der arzt mich nadelte, fragte er, wie es mir geht. naja, da habe ich ihm erzählt, wie es mir geht. er fühlte meinen puls und meinte: „oh je, da mach ich mal was“. sprachs und drehte mir eine nadel in die ohrmuschel. ob ihr es glaubt oder nicht. innerhalb von 3 minuten war die panik weg. mein herz schlug ruhig, ich fühlte mich friedlich und lag mit einem etwas dümmlichen grinsen zufrieden auf der liege. wow! es geht also wieder, himmel-sei-dank!

ein guter arzt ist gold wert

ich war heute morgen bei einem arzt für traditionelle chinesische medizin (TCM), da ich in den vergangenen wochen viel positives über den zusammenhang von TCM und krebstherapie gelesen habe und ich nach möglichkeiten suche, mein standarttherapie sinnvoll zu ergänzen. insbesondere die akupunktur scheint ein bewährtes mittel zu sein, um das immunsystem zu unterstützen. mein gutes immunsystem, das mich irgendwann in den letzten jahren im stich gelassen hat, so dass sich eine böse zelle so lange teilen konnte, bis sie RICHTIG böse war und sich in einem tumor in der brust manifestierte. der arzt ist asiate und hat in china TCM studiert und ist somit kein wochenend-workshop-akupunkteur sondern ein profi auf diesem gebiet. ich war offen gestanden auch ziemlich neugierig und hoffnungsfroh obendrein, da mir der ganzheitliche heilansatz, wie er auch in TCM verfolgt wird, grundsätzlich sehr zusagt. außerdem: was auch immer mein immunsystem in dieser phase unterstützen kann, HER DAMIT!

die praxis ist groß, eher karg und funktionell eingerichtet und man merkt sofort, dass sie gut organisiert ist. da wird gearbeitet! dr. t. wurde mir im vorfeld von einer freundin als eher unemotional, aber professionell beschrieben. als ich nun vor ihm saß und ihm sagte, warum ich bei ihm sei, lächelte er mich freundlich an und nickte. mehr nicht. in dem augenblick spürte ich, dass ich an der richtigen adresse war. seltsam. aber das ist so. wenn man so schwer erkrankt, geht einem erstmal das vertrauen und die sicherheit verloren. und man bekommt in all den verschiedenen praxen alles mögliche zu hören. manches versteht man, manches nicht, zudem ist man die meiste zeit, gerade zu anfang, neben der spur und verwirrt, so dass man meist nur die hälfte mitbekommt. umso wichtiger ist die ausstrahlung eines arztes, also das, was er mit worten nicht sagt aber zu verstehen gibt. ein königreich für den arzt, der es schafft, dass man vertrauen fasst, denn es ist immer auch das vertrauen in sich selbst und darin, dass man es schaffen wird, gesund zu werden.

dr. t. ist so jemand. er sagte dann auch gar nicht so viel, aber mit dem, was er sagte, vermittelte er mir eine wichtige botschaft: ich verstehe sie. ich nehme sie ernst. ich interessiere mich für sie. ich fühle mit ihnen. sie sind ernsthaft erkrankt. ich werde ihnen helfen. ich bin interessiert daran, ihnen zu helfen. ich weiß mit welcher methode. ich beherrsche ihre anwendung. fangen wir gleich damit an.

die untersuchung war auch interessant: ausführliches gespräch, zungendiagnose und umfangreiche pulsdiagnose. danach brachte er mich 1 zimmer weiter zu seinem kollegen: „Rainer, untersuch jetzt schulmedizinisch„.15 minuten später lag ich mit warm eingepackten füßen auf einer liege und dr. t. tauchte neben mir auf wie der zauberer von oz. mit nadeln in der hand! 1 drehte er mir in die armbeuge „kribbelt?“ „jetzt?“ „gut“., 1 in das fußgelenk. dann sagte er mir, ich bräuchte viel ruhe, ich solle mir zeit nehmen, mich mit der krankheit auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten, solle mich psychologisch unterstützen lassen „starke psyche ist wichtig dabei“ und gab mir eine liste mit dingen, die ich fortan vermehrt essen und eher meiden soll. dann ließ er mich genadelt allein.

da lag ich nun, genadelt und zusätzlich mit vitalfeldern (ein teil der therapie) ummantelt. und fühlte mich wohl. stellte mir vor, wie meine energie fließt und den heilungsprozess unterstützt. 30 minuten lang. das werde ich jetzt eine weile 3x die woche machen. als ich die praxis verließ entdeckte ich neben der tür, fast in augenhöhe, auf einem podest, einen großen goldenen buddha, sitzend. beim hereinkommen hatte ich ihn gar nicht bemerkt. ich bin mir sicher, er sitzt da, damit man ihn beim herausgehen sieht und seinen guten segen mitnimmt. ein guter ort. ein guter arzt.