Bericht aus der Reha: kleine Lästerstunde, Teil 2

wir haben einen neuzugang: wolle. wolle ist von beruf platzhirsch. setzte sich heute morgen gegen ende des frühstücks schwungvoll und bestimmt auf den freien platz neben mir, goss sich aus meiner kanne kaffee ein, nahm einen schluck, drehte sich zu mir um und sah mir mit zitterndem, akkurat gestutztem schnorres tief in die augen:

na, wie sind so die pläne heute?“

wer fragt, kriegt eine antwort:

„schäfchenwolken zart streicheln, adler erschießen, einzelgespräch beim psychologen und anschließend töpferkurs.“

abgang wolle.

uff, da kommt noch was nach.

der denver-clan indes ist aus irgendeinem grund muffig. jesus ist verschwunden, war heute auch nicht beim frühsport. mr. robbe erschien mit gehäkeltem!! stirnband in kackbraun zum frühsport und mr. boombastic entpuppt sich als eigentlich ganz netter zeitgenosse. hat jetzt genug auf die brust getrommelt und wird sympathisch.

heute war das aquajogging sehr spaßig (und anstrengend!). kaum waren wir mit schwimmgürtel und schwimmhanteln ausgestattet im wasser und haben unsere bahnen eingenommen, ging die tür auf und eine zuspätkommerin flatschte in badeschuhen rein.

„bin isch hier rischtisch beim aggwadschogging?“ schwäbelte sie laut näselnd.

„ja, bitte ziehen sie den schwimmgürtel an, mit den löchern nach unten bitte.“

die schwäbische krachelse schnallte sich den gürtel natürlich mit löchern nach oben um und ließ sich resolut ins becken gleiten und zwar auf eine bereits belegte bahn. war klar. dann konnte es ja losgehen. alle joggten munter durch das aqua, nur die schwäbische wuchtbrumme schlug nölend auf der stelle wasser.

„wie soll das denn gehen? isch findäh das unmöööglisch, dass wir jedesmal eine neue therapeutin hättäh!“

es folgte eine kurze instruktion in die technik seitens der kursleiterin.

„nei, des gääht net. isch geh unddäähh. isch treib ab.“

ja, bitte geh unter und ertrink auch gleich noch dazu.

da hätt ich ne idee fürs qigong später: schwäbische wuchtbrumme erschießen. ist zumindest sehr adler-schonend 😉

zwischen aquajogging und psychologen habe ich meine etage aufgemischt. heute stand nämlich meine zoladex-spritze auf dem plan. fragt mich nicht warum, aber ich habe todespanik vor dieser spritze. sonst machen mir spritzen nichts, diese schon. vermutlich weil sie rieig ist und die kanüle so einen breiten durchmesser hat. brrrrrrr, gruselig. zu hause setzt einem die schwester immer eine kleine lokale betäubung und dann ist das auszuhalten. als ich dem mir fremden arzt heute eröffnete, dass ich eine betäubung will, meinte er freundlich aber bestimmt:

„aber nein, das machen wir hier nicht. das ist auch nicht nötig, ist nur ein kleiner pieks.“

daraufhin bekam ich in seinem büro einen heulanfall. hab so geheult, dass mir die rotze lief. das überzeugte ihn, mir doch eine betäubung zu geben. als wir sein büro verließen und ins schwesternzimmer gingen, lief ich ihm schniefend hinterher, als würde ich zu meiner eigenen hinrichtung gehen. die vor der tür wartenden patienten schauten mich völlig betroffen an. vermutlich denken sie jetzt immer, wenn sie mich sehen:

„da kommt die todgeweihte.“

ansonsten ist es heute eher ruhig. ich war, wie gesagt, schon beim frühsport, beim aquajogging und beim psychologen, der mein freund wird. hat echt humor, der gute. jetzt radel ich mal nach westerland, bisschen den knackigen kite-surfern zuschauen und später geh ich noch in den geräteraum und bisschen schwimmen und sauna.  UND neuen reitversuch für morgen starten 😆