Brustkrebs, 4 Jahre nach der Diagnose

Hey, ihr da, meine lieben Blogleserinnen und Blogleser! Obwohl ich auf diesem Blog kaum noch unterwegs bin, sehe ich, dass er noch sehr rege gelesen wird. Und nach wie vor erreichen mich häufig persönliche Anfragen per mail, die sich auf meine Erfahrungen mit meiner Brustkrebserkrankung beziehen. Da dachte ich, ich schreibe einfach mal wieder was, ok? 🙂

Habe heute daran gedacht, dass seit meiner OP im Januar 2010 tatsächlich schon über 4 Jahre vergangen sind. 4 Jahre, seit mein Leben neu begonnen hat. So sehe ich das immer noch. Die Diagnose damals hat mich so kalt erwischt und war so ein harter Einschnitt, dass mir das damals sehr die Augen geöffnet hat. Über mich. Über das Leben. Den Tod. Die Vergänglichkeit. Über die einzigartige, kostbare Schönheit des Lebens. Und darüber, wie schnell alles vorbei sein kann. Das Schicksal einiger Weggefährtinnen, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe, sei es durch meinen Blog, sei es durch die Rehas oder im privaten Umfeld, verdeutlicht mir einmal mehr, wie viele Frauen betroffen sind und wie ähnlich es uns allen geht. Jede macht ihre eigenen Erfahrungen und hat ein unterschiedliches Empfinden. Das Gefühl, „aufgewacht zu sein“ bzw. ein neues Leben angefangen zu haben, das habe ich jedoch von sehr vielen gehört.

Ich nähere mich dem Ende meiner Therapie. Ende Januar war die OP, Anfang Februar begann die AH-Therapie mit Tamoxifen, das ich immer noch nehme und Zoladex, das ich seit Mai 2013 wieder nehme. Aber nicht wegen Brustkrebs sondern wegen der Blutungen, die ich etwa zur gleichen Zeit im Jahr 2013 bekam. Die Zometa-Therapie ist abgeschlossen, Tamoxifen werde ich voraussichtlich noch bis Anfang 2015 nehmen. Und dann? Wir werden sehen. Ich hoffe, dass der Brustkrebs oder irgendein anderer Krebs nie mehr zurückkommen werden. 

Ich denke nicht mehr dauernd an die Erkrankung. Zumindest nicht mehr aktiv. Im Unterbewusstsein ist es natürlich da. Aber die Angst hat viel von ihrem Schrecken verloren. Das Vertrauen wird immer größer und gleichsam der Glaube ans weitere Überleben. Ich hoffe, das bleibt so. Ich hoffe, ich bleibe gesund.

Ich finde, ich habe für mich einen guten Weg gefunden, mit der Erkrankung umzugehen. Habe mir Hilfe geholt, wo es mir sinnvoll erschien, bei meinen Ärzten, bei meinem Psychoonkologen, bei Familie und Freunden. Ich habe mein Arbeitspensum reduziert und meiner Freizeit mehr Raum gegeben. Ich habe mich von einigen „alten Zöpfen“ getrennt und mir ein paar neue, schöne wachsen lassen. So habe ich wieder mit dem Reiten angefangen und die Tatsache, dass ich kurze Zeit später ein Pferd geschenkt bekam, bestärkt mich darin, richtig entschieden zu haben. Ich habe einen zweiten Hund 🙂 Ich reise viel. Und ich bin unendlich dankbar, dass ich das alles so machen kann. Weil ich lebe und weil ich das Glück habe, die nötige Unterstützung zu haben. 

Früher habe ich das nicht so wahrgenommen. War viel und oft unzufrieden, deprimiert. Das ist jetzt anders. Ich nehme mein Privileg, gut leben zu können und überhaupt leben zu können, deutlich intensiver wahr. Früher habe ich mit meinem Leben ab und an „Schindluder betrieben.“ Jetzt ernähre ich mich besser, mache Sport, lebe mit einem Mann zusammen, der mir gut tut und gönne mir Dinge, die ich früher auf „irgendwann später“ geschoben hatte. Weil ich erlebt habe, dass es manchmal kein „später“ gibt. Schneller als man denkt. Ich bin duldsamer mit mir selbst, bin netter zu mir selbst. Und bin nicht mehr sauer auf meinen Körper, weil er so krank geworden ist, mich im Stich gelassen hat. Irgendwann muss man damit aufhören, sich selber auszubeuten, sondern damit anfangen, sich Gutes zu tun. Vielleicht versteht ihr, was ich damit meine?

Ab und an haut es mich um. Ich bin einfach nicht mehr so belastbar wie früher. Aber ich lerne es zu akzeptieren. Heute habe ich meine Enantonespritze bekommen und bin für den Rest der Woche krankgeschrieben, weil es mich beutelt. Aber das ist so. Ich lebe. Ich bin glücklich.

Es ist schön, dass die Sonne scheint.

Nachsorge: Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt…

…dann ist es heute ein heiteres, stilles lied voller glück.

heute war meine brustkrebsnachsorge. die, moment mal *zähl* achte. im januar vor 2 jahren wurde ich mit der diagnose brustkrebs konfrontiert und begann mit meiner therapie: brusterhaltende operation und im anschluss antihormontherapie und zometa als zusatztherapie. ich nehme täglich eine tablette tamoxifen ein, alle drei monate bekomme ich eine enantone-spritze und alle 6 monate eine infusion mit bisphosphonaten, zometa. ich habe 1 jahr lang mistelspritzen bekommen und habe insgesdamt 2 akupunkturbehandlungen und weiterführende TCM-behandlungen (traditionelle chinesische medizin) gemacht.

ich gehe seitdem alle drei monate zur nachsorge. es wird ultraschall der brust, der gebärmutter und der leber gemacht. blut überprüft. ein abstrich gemacht. und alle 6 monate kommt eine mammographie hinzu. außerdem gehe ich alle 4 wochen zu einem psychoonkolgen, mit dem ich über meine verborgenen ängste sprechen kann, wofür ich sehr dankbar bin. ich habe bislang insgesamt 2 rehas in anspruch genommen und werde versuchen, dieses jahr meine dritte und letzte reha genehmigt zu bekommen.

im vergangenen jahr spürte ich, dass es mir anfing, immer besser zu gehen, kraft zurückkam, die fähigkeit, wieder in die zukunft planen zu können und ein stück weit mehr belastbarkeit. lebenswille und lebensfreude waren nie mein problem, die meldeten sich schon 1 woche nach der operation zurück. problematisch war die angst, die mal mehr, mal weniger stark mein denken und handeln beeinflusste. wie eine innere uhr, die tickt. im verborgenen. mal leise, mal laut. ich habe das aber akzeptiert, denn wie, bitte schön, soll man keine angst haben, wenn man an krebs erkrankt. im vergangenen sommer, während meiner 2. reha auf föhr, habe ich ein großes stück angst losgelassen. ich merke das an einer erstmals einsetzenden entspannung und gelöstheit in mir. zum jahreswechsel spürte ich das ganz deutlich, ein schönes gefühl!

und heute war meine nachsorge. mein arzt ist ein toller typ. wenn ich ihn nicht gehabt hätte und hätte 🙂 er eröffnete mir, dass nun 2 teile meiner therapie bereits zu ende gehen. dass ich vor 2 wochen meine letzte enanatonespritze bekommen habe und im märz ist meine letzte zometainfusion. bleibt nur noch das tamoxifen. ich bin zuerst total erschrocken und sagte ihm, ob das einfach so geht und ob ich dann nicht deutlich schutzloser wäre. aber dem ist nicht so, beteuerte er mir, ich wäre damit einfach durch. und ich solle nun aufhören, mir sorgen zu machen, meine prognose sei ausgezeichnet und ich soll in die zukunft schauen.

erst als ich im auto saß und nach hause fuhr, fing ich an zu begreifen. habt ihr den stein von meinem herzen plumpsen gehört, bis zu euch? ich dachte, man müsse den plumps bis nach australien gehört haben. und während sich in mir ein stilles, strahlendes glück ausbreitete, wurde mir bewusst, dass ich in dem moment das erste mal ernsthaft daran glaubte, den krebs zu besiegen. vielleicht sogar schon besiegt habe *verwegen guck*.

es geht voran. heute ist einer der schönsten tage meines lebens.

Tamoxifen und Gewichtszunahme

bislang habe ich immer nur darüber gelesen und davon gehört. dass man von tamoxifen, und während der antihormontherapie allgemein, zunimmt. ich selbst war immer eher der typ langer spargel. konnte mein leben lang futtern, was ich wollte und blieb immer schlank. ein traum. ich musste vielmehr aufpassen, dass ich nicht zu dünn wurde. im vergangenen jahr, nach meiner diagnose und der operation nahm ich stark ab. aus dem spiegel schaute mich ein tendenziell ausgezehrtes wesen an. ich futterte letzten sommer jeden abend eis und schoki, um wieder was auf die rippen zu bekommen. um weihnachten herum hatte ich wieder mein altes gewicht und aß in der folge wieder normal.

irgendwann im frühjahr dieses sommers, ziemlich genau 1 jahr nach beginn der antihormontherapie, fiel mir auf, dass meine hosen zwickten. ich hatte eindeutig zugelegt. was ich bei mir so nicht kenne. und seit dem frühjahr habe ich wieder zugelegt. seltsam. ich esse super gesund: viel gemüse und obst. und süßes esse ich, von meiner letztjährigen fresskur abgesehen, von jeher nicht, da mir davon schlecht wird. ich mache viel sport. von daher ist es mir unverständlich, warum ich zugenommen habe. so 5 kilo werden das schon sein. ich bin immer noch schlank, aber die  neuen rundungen sind ungewohnt. wenn es nicht mehr wird, ist es ok. aber ich traue der sache nicht. und vermute ganz stark, dass die antihormontherapie sich nun entfaltet. so mit lahmgelegten eierstöcken und zurückgefahrener östrogenproduktion und so. hunde, die man sterlisiert, werden auch fett (sorry für den vergleich).

branka, unsere liebe, langjährige bosnische haushaltshilfe, kehrte gestern aus ihrem 2-monatigen heimataufenthalt zurück, schaute mich, lieb wie immer, an, stutze und sagte schließlich in ihrem unverwechselbarem deutsch: “ katerwolf dick!“ na super. danke auch. ich bin nicht dick. habe aber muffe, dass ich mich nun nach und nach in eine dicke katerwolf verwandle. seufz. mal sehen. in ein paar tagen gehts ab in die reha. bei ausreichend bewegung und gesunder ernährung sollte ich eigentlich nicht weiter zunehmen. und falls doch, werde ich das auch noch überleben. meine ebenfalls an brustkrebs erkrankte freundin bemerkte gestern treffend: „ne, nicht? sag mir nicht, dass man von der scheiße auch noch fett wird!“

in dem sinne wünsche ich euch einen wunderbaren freitag, eure dickwolf

Fett und aggressiv

keine angst, ich dreh jetzt nicht komplett durch 😉

aber wie ihr sicher gemerkt habt, beutelt es mich in letzter zeit ganz schön, was soll ich sagen! also diese phase ist mir bislang neu. ich könnte diese phase in etwa so wiedergeben: stimmungsschwankungen in allen variationen und in schnellem wechsel. auf den vordersten rängen tummeln sich zweifel, klarheit, verwirrung, klarer durchblick, angespanntheit, entspannung, selbstmitleid, mitleid mit anderen, körperliches unwohlsein (schlapp, gemischt mit „fühle mich wie eine qualle“), gut gelaunt und zufrieden, aggressiv und ich spüre in mir eine große trauer über den verlust des vergangenen….ich könnte jetzt munter weitertippen. man, man, man, die ganze palette. ich habe kürzlich sogar bei germanys next topmodel geheult, als alex zur titanic-titelmusik ihren freund wiedergesehen hat. so schlimm ist es. meine mitmenschen habe ich extrem lieb oder könnte sie vermöbeln, meist in rascher folge hintereinander. meinen hund auch.

wie es der zufall so will, habe ich gestern mit zwei frauen am tisch gesessen, beide um die 50, die beide eine brustkrebserkrankung hinter sich haben. die eine vor 8, die andere vor 10 jahren. ich wusste es nicht, sie sprachen mich darauf an, da sie wussten, dass ich im vergangenen jahr operiert wurde. es hat mir sehr gut getan, mit 2 frauen reden zu können, die den ganzen mist bereits hinter sich haben und nicht mitten drin stecken. was mir besonders auffiel, war die starke kraft, die die beiden ausstrahlten und eine ganz schöne entschlossenheit und lebensfreude und humor! das kenne ich auch bei mir, aber im moment verlässt es mich zwischendurch mal, zumindest kommt es mir so vor. jedenfalls erzählten sie mir in kurzen worten ihre geschichte (beide haben den knoten, wie ich, selbst entdeckt), ihren weg der genesung, ihre therapie (beide antihormontherapie mit tamoxifen und enantone gyn), ihr befinden während der therapie und wie es ihnen jetzt, nach der therapie geht. super. sie denken kaum noch daran und haben absolut keinen zweifel, dass die krankheit wiederkommen könnte.

während ich zuhörte wurde mir klar, dass sie genau die gleichen phasen durchlebt hatten wie ich bisher. auch die aktuelle grusel-quallen-phase. mit allen von mir oben geschilderten eigenschaften. beide sagten übereinstimmend, das gefühl „nicht mehr ganz sich selbst zu sein“ habe erst nach beendigung der therapie aufgehört. dann aber ganz. das stimmt auch mit dem überein, was ich bei der lieben masca gelesen habe.

aha. das geht also vorbei. puhhh.

das hat mich sehr, sehr beruhigt. denn in mir schimmerte folgender gedanke durch: mädchen, du darfst nicht vergessen, was für hammer-medikamente du tagtäglich und monatlich in dich reinmampfst und was die mit dir machen. so, wie es dir geht, das sind zum größten teil einfach ganz normale nebenwirkungen der medikamente. schließlich wirst du gerade unter anderem künstlich und turbomäßig durch die wechseljahre gejagt. wenn ich darüber nachdenke, hat diese blöde phase unmittelbar nach der umstellung von zoladex auf das neue präparat enantone gyn begonnen. ich vermute also mal, dass es daher kommt. das zoladex hat mich auch schon ordentlich gebeutelt, das enantone beutelt mich also auch.

zumindest eine besondere eigenschaft der antihormontherapie ist bislang an mir vorübergegangen. gewichtszunahme von 5-10 kg. das habe ich von vielen gehört, vor allem während der reha. aber wer weiß, vielleicht kommt das ja auch noch 😉

„ich werde jetzt fett!“

verkündete ich daher meinem liebenden gatten am abend.

„du meinst fett und aggressiv?“

war die schmunzelnde antwort.

Tamoxifen, Antihormontherapie & Co

immer wieder erreichen mich anfragen von betroffenen, ich solle öfters darüber schreiben, wie es mir während der therapie ergeht. tatsächlich schreibe ich nicht so häufig darüber, weil ich manchmal denke, das mag keiner auf dauer lesen. und vergesse darüber, dass es sehr wohl viele gibt, die das gerne lesen, da sie sich auf diese art informieren können. daher werde ich von nun an regelmäßiger über den therapieverlauf berichten. keine angst, meine lustigen geschichten aus dem leben kommen dabei nicht zu kurz, dafür habe ich noch zu viele auf lager 😆

heute vor einem jahr….

auf den tag genau heute habe ich im vergangenen jahr den knoten in meiner brust entdeckt. und befand mich von einer auf die andere sekunde in einem orkan, der mich lange in alle richtungen schmiss, auf und ab, hin und her. am 22. januar war die operation und anfang februar begann meine antihormontherapie. zunächst mit der einnahme von tamoxifen, kurze zeit später die bestrahlung, im märz die erste zometa-infusion und ab april zusätzlich zoladexspritzen. unmittelbar nach der operation, im februar, habe ich mich komplementär zu einer akupunkturbehandlung entschlossen (insgesamt 35 sitzungen, 3x wöchentlich, inklusive verlängerung). ich meine, dass mir die behandlung sehr geholfen hat, in jeglicher hinsicht. mitte juni bin ich nach sylt in die reha gefahren, was mich enorm nach vorne gebracht hat. nicht nur körperlich, durch intensive sporteinheiten, sondern auch seelisch, durch großartige therapiesitzungen beim klinikpsychologen, durch für mich wichtige kontakte, die ich dort knüpfte und durch die ungemein wohltuende atmosphäre sylts. die nordseeklinik westerland leistet hervorragende arbeit, hut ab! rückblickend kann ich sagen, dass die reha den umschwung zum guten brachte. wer mehr über meine reha erfahren möchte: ich habe aus der reha gebloggt (mitunter sehr amüsant) und alle berichte unter der kategorie brustkrebs abgelegt.

seit august ergänze ich die therapie durch mistelspritzen, hauptsächlich um den nebenwirkungen von tamoxifen und zoladex entgegenzuwirken.

ich bin 2010 durch eine große bandbreite von nebenwirkungen hindurch gegangen: hitzewallungen, stimmungsschwankungen, schlaflosigkeit, unruhe, gereiztheit, große müdigkeit, appetitlosigkeit, keine lust mehr auf körperliche nähe, um nur einige zu nennen. ich hatte glück, keine chemo machen zu müssen, da mein tumor nicht gestreut hatte. dafür habe ich die bestrahlung nicht sehr gut vertragen. ich war völlig erledigt und verbrachte tage auf dem sofa oder eierte mit dem hund ums haus. es ist mir ein rätsel, wie es manche frauen schaffen, während der bestrahlung arbeiten zu gehen. ich habe aber zahlreiche getroffen, die die bestrahlung kaum als belastend erlebt haben. grundsätzlich habe ich immer wieder erlebt, dass die eine frau das eine, die andere frau das andere besser verträgt. es lässt sich schwer auf einen nenner bringen. mein persönlicher horror heißt: zoladex. wenn ich diesen riesen-oschi von spritze schon sehe, wird es mir anders. das ganze letzte jahr war ich nach der spritze regelmäßig 2 tage völlig schlapp und musste in der regel zu hause bleiben. zoladex ist grässlich. aber ich bin andererseits doch froh, dass es das gibt! die letzten beiden male war es besser und ich habe grund zur hoffnung, dass ich mich daran gewöhne. die schwester lässt die örtliche betäubing nun doppelt so lange einwirken, so dass ich die injektion kaum noch spüre. und nach der letzten spritze war ich nur noch 1 tag schlapp und am nächsten konnte ich schon wieder reiten gehen.

zometa habe ich bislang 2x bekommen und es jedesmal erstaunlich gut vertragen. es gibt viele, die vor allem die erste infusion schlecht wegstecken und tagelang heftige gliederschmerzen haben.

wie geht es mir jetzt mit der therapie, nach fast 1 jahr? grundsätzlich kann ich sagen: das hängt immer ganz davon ab ob ich gerade meine gut-schlaf- oder schlecht-schlafphase habe. seit 1 woche schlafe ich wieder gut. enstprechend gut und stark fühle ich mich. davor hatte ich eine ausgeprägte 3 wochen anhaltende schlecht-schlafphase mit im schnitt 3 stunden schlaf pro nacht. entsprechend mies ging es mir in dieser zeit. ich bin dann müde, unkonzentriert, nicht belastbar, verheult und tendenziell depri. das richtige mittel gegen die schlaflosigkeit habe ich noch nicht gefunden. sport scheint zu helfen. und zwar sport, der müde macht, zum beispiel 3x die woche 40-60 minuten joggen oder, wie jetzt, 3 x die woche 40-60 minuten schwimmen. es ist nicht so, dass ich danach immer schlafe wie ein stein aber ich fühle mich dann ausgeglichener, auch wenn ich schlecht schlafe. derzeit handhabe ich das mit der schlaflosigkeit so: ich genieße und nutze die gut-schlafphasen und akzeptiere zähnknirschend die schlecht-schlafphasen in dem bewusstsein, dass sie vorüber gehen, irgendwann. und das es schlimmeres gibt.

das reiten tut mir gut, eindeutig. selbst wenn ich mich völlig erschlagen fühle während ich zum pferd fahre, danach fahre ich immer zufrieden und pfeifend zurück. das schreiben tut mir ebenfalls gut. manchmal fühle ich mich grässlich und wenn ich anfange darüber zu schreiben, fängt es mir währenddessen an gutzugehen. es macht sinn danach zu suchen, was einem in dieser situation weiterhilft, was einen gut fühlen lässt. grundsätzlich habe ich begonnen, mich an dem zu orientieren, was mir gut tut und mich von dem abzuwenden, was mir nicht gut tut. das ist sehr hilfreich und gar nicht mal so schwer. wenn man erstmal damit begonnen hat, erwacht das innere alarmsystem von ganz alleine und macht laut und deutlich *biieeep* *biieep* *biieep*, wenn man sich in gefahr begibt. kennt ihr „raab in gefahr“? ich nenne es dann „katerwolf in gefahr“.

ich habe 2010 krankheitsbedingt insgesamt 6 monate in der arbeit ausgesetzt. ende juli fing ich meine stufenweise wiedereingliederung an. ich hatte mich für eine schnelle wiedereingliederung entschieden und zwar 2 monate lang. ende september habe ich wieder begonnen vollzeit zu arbeiten. das würde ich heute nicht mehr so machen. es war zu schnell und ich hatte mich überschätzt. die 3 monate vollzeit im letzten jahr waren für mich sehr belastend, da ich zum einen gemerkt habe, dass die dafür erforderliche belastbarkeit noch nicht da ist und zum anderen das schlechte gewissen tickte, dass ich nicht so belastbar bin, wie es erforderlich war. hinzu kam, dass ich abends meist zu müde war um noch sport zu machen. ich schlief sehr schlecht, nachts plagte mich die innere mentale foltermaschine und ich kam in einen unguten kreislauf rein. was ich aber merkte! bereits in der reha legte man mir nahe, beruflich für einen bestimmten zeitraum kürzer zu treten. so habe ich mich entschlossen, ab 2011 für 2 jahre teilzeit zu arbeiten. seit gestern also. ich bin über diese entscheidung sehr froh. insgesamt schaue ich neugierig dem noch frischen jahr entgegen.

soviel für heute, liebe grüße, katerwolf 😆

Brustkrebs: 3. Nachsorge

gestern war meine 3. nachsorge. die 3. bedeutet, dass seit meiner operation nun schon 9 monate vergangen sind. wahnsinn, wie die zeit vergeht.

eins vorneweg: mein arzt war sehr zufrieden und meinte, er gehe davon aus, dass bei meinem befund der krebs nicht mehr zurückkommen wird. dennoch sei weiterhin eine engmaschige nachsorge sehr wichtig und ich solle weiterhin so fleißig sport treiben und mein immunsystem stärken. da musste ich dann doch auch gestehen, dass ich die letzten 2 wochen wetterbedingt nicht die allerfleißigste joggerin war und bekam zu hören:

„mütze und handschuhe an und raus gehts zum laufen!“

jawoll, mach ich, brauch ja ab und an mal einen tritt in den hintern diesbezüglich. ich denke, es ist eine große versuchung und gefahr, dass man, wenn man beschwerdefrei ist, nachlässig wird. das gilt es zu vermeiden!!!!!!

was passiert bei einer 3. nachsorge eigentlich? (jetzt kommt die sendung mit der maus 😉 )

es gibt ein ausführliches gespräch zum allgemeinbefinden und es wird besprochen, welche rezepte nötig sind etc. ich schreibe mir immer ein paar tage vorher schon eine liste mit fragen, die mir auf dem herzen liegen. wenn man vor dem arzt sitzt, vergisst man vor lauter aufregung gerne die hälfte. diesmal wollte ich wissen, ob es möglich ist, dass ich meine monatliche zoladexspritze reisebedingt einmalig schon in 3 wochen bekomme. wenn wir bis nach der südafrikareise warten, wäre eine zeit zu überbrücken, in der ich eventuell nicht ausreichend geschützt wäre. das geht und ich bekomme die spritze 3 tage vor der abreise. am tag der abreise gibt es noch eine thrombosespritze, da sich durch die einnahme von tamoxifen unter bestimmten umständen die thrombosegefahr erhöht. dazu gehören langstreckenflüge.

beunruhigt war ich auch, weil sich meine augen dieses jahr so verschlechtert haben. kann das mit tamoxifen zusammenhängen? tamoxifen kann schädigungen der netzhaut bewirken und aus diesem grunde gehe ich alle 3 monate zur augenkontrolle. da meine netzthaut dieses jahr bei allen untersuchungen in ordnung war, kann die schlechte sehkraft nicht daher kommen. ist wohl altersbedingt.

manchmal höre ich die flöhe husten und dann surfe ich in brustkrebsforen herum und stoße auf besorgniserregende dinge. wenn man in foren herumsurft, stößt man fast unweigerlich fast immer auf besorgniserregende dinge. ich mache das zwar sehr selten, aber ab und an muss ich mir das geben. so habe ich das letzte mal herausgefunden, dass viele brustkrebspatientinnen nach etwa 7 jahren, also 2 jahre nach beendigung der 5-jährigen antihormontherapie, einen rückfall erleiden. das habe ich seitdem das eine oder andere mal in meinem kopf herumgewälzt und habe meinen arzt darauf angesprochen. er erläuterte mir, ich solle ruhig bleiben. die höchste rückfallquote sei innerhalb der ersten 2 jahre. dann nimmt das ab. nach weiteren 3 jahren nimmt es noch weiter ab. und bei solchen fällen wie mir sei es sehr, sehr unwahrscheinlich, dass noch etwas nachkommt. ich sei angepasst an meinen befund therapiemäßig optimal abgedeckt und verhalte mich vorbildlich, also soll ich mir einfach mal keine sorge machen. ich habe ihn gebeten, mir diesen satz noch 2x zu sagen. einfach, weil es sich so gut anhört 😉

die untersuchung umfasste: ultraschall der brust und leber sowie der gebärmutter. abtasten der brust und achselhöhlen. blutentnahme, urintest, 1x wiegen und messen.

das nächste mal ist dann wieder mammografie der brust dran (das wird alles 6 monate gemacht) und röntgen der lunge (das wird in meinem fall 1x im jahr durchgeführt). so und jetzt kann ich erstmal in 2 wochen beruhigt in urlaub fahren 😆

Mir.ist.heiß. Tamoxifen und Hitzewallungen

womit wir wieder mal bei den nebenwirkungen des antihormonpräparates tamoxifen angelangt sind. brustkrebspatientinnen, die vor den wechseljahren an brustkrebs mit positiven hormonrezeptoren erkranken, sprechen gut auf eine antihormontherapie an. aber darüber habe ich in den letzten monaten ausreichend berichtet. mit hilfe des präparats tamoxifen wird man künstlich, vorzeitig und schnell in den zustand der wechseljahre geschickt. egal, ob man 25 oder 45 ist, man kommt unweigerlich in die wechseljahre. ein hauptmerkmal sind hitzewallungen. ich nehme tamoxifen seit anfang februar 2010 und habe in den ersten 6 monaten eigentlich keine hitzewallungen gehabt. ich habe schon befürchtet, dass das tamoxifen bei mir vielleicht gar nicht wirkt. etwa zu dieser zeit hat mir mein gynäkologe angeraten, unabhängig davon den sogenannten Cyp2d6 test zu machen, der auskunft darüber gibt, ob man das tamoxifen überhaupt verstoffwechselt oder nicht. im  falle eines negativen ergebnisses kann man nämlich auf ein anderes präparat umsteigen. ich verstoffwechsle das tamoxifen nicht zu 100% optimal aber ausreichend, soweit das ergebnis.

seit etwa 1 monat habe ich nun hitzewallungen. UND WIE! es ist ein komisches gefühl, einfach so in die wechseljahre zu kommen. vor allem, wenn die natur sich im normalfall noch ein paar jährchen zeit gelassen hätte. und jetzt? ich sag nur:

MIR.IST.HEIß.

völlig unvorbereitet wird neuerdings mein innerer glutofen angeschmissen und taucht mich in gluthitze ein. urgh. man kann es etwa mit dem gefühl vergleichen, zu nah an einem brutheißen kachelofen zu sitzen und definitiv viel zu dick angezogen zu sein. nachts strample ich mich 100x frei, liege wie ein heißer lavastein herum, nur um mich paar minuten später fröstelnd wieder zuzudecken. 10 minuten später gehts wieder los. argh. ich versuch es einfach mal mit humor zu nehmen. so auch heute in der mittagspause, als ich in einer sehr vollen apotheke einkaufen war. vor mir die verkäuferin, um mich herum menschen, die darauf warteten, endlich dran zu kommen. plötzlich WUSCH und ich sah aus wie ein rotgeflecktes, schwitziges schmuddel. alle haben es gemerkt und schauten mich an. es war auch unübersehbar.

„ganz schön heiß hier, was?“

ließ ich grinsend in die runde los.

sehr seltsam das ganze. ich hab nie viel geschwitzt, im moment allerdings habe ich das gefühl, wechselwäsche mit mir herumtragen zu müssen – für den notfall. ich habe vor etwa 1 monat mit der misteltherapie angefangen, die diese nebenwirkungen positiv beeinflussen soll. so GANZ merk ich noch nichts davon. aber gut ding braucht gut weil. und wenigstens bin ich dann irgendwann mit den wechseljahren durch, wenn auch vorzeitig und hab dieses übel nicht noch vor mir. es gibt nichts, das nicht für was gut wäre 😉