Rehageflüster: Das Seepferdchen

ich bin ein seepferdchen.

ich bin ein sehr zufriedenes seepferdchen.

hat sich doch gelohnt, dass ich gestern den beschwerbär gegeben habe und heute einen erfüllten reha-tag genießen darf. gestern abend habe ich mich noch ein bisschen als schwimm- und saunawolf verwirklicht und habe mich um 21 uhr zuerst ins schwimmbad gestürzt, bin eine halbe stunde geschwommen, und anschließend quetschte ich mich in eine überfüllte, von männern belagerte sauna, wo ich einen kleinen terroranschlag verübte. reingekommen, aufguss gemacht, höllenhitze verursacht und nach 3 minuten verkündet: „boah, ist das heiß hier, ich geh wieder raus!“ sowas nennt man dann wohl mistkrötenwolf :mrgreen:

heute lief ich um 7 uhr in der früh mit einer dynamischen gruppe zum frühsport an den strand. wow. wie wunder-, wunderschön die nordsee in der früh war. die sonne blitzte zwischen dicken, weißen wolken vom blauen himmel herab, die nordsee glitzerte silbern, der lange, weiße sandstrand schimmerte – ein traum! 20 motivierte turner streckten und dehnten sich, liefen im kreis und ruderten mit den armen, atmeten in der brandungszone und waren schnell aufgewärmt. dann kam der spaßige teil. in 2 gruppen aufgeteilt sollten wir bälle über den kopf und ringe zwischen den beinen von vorne nach hinten durchgeben. das ganze als wettkampf. natürlich hatten wir den trottel in der gruppe. wie immer. der ball fiel hin, der ring auch *seufz*. dennoch gewannen wir 1 von 3 runden. danach sollten wir einen großen kreis bilden und immer drei leute sollten im uhrzeigersinn slalom um die anderen laufen, bis sie wieder an ihrem platz angelangt waren. sehr lustig. vor allem, weil eine schwäbische spaßbombe aus der gruppe den anderen wie ein wildes monster hinterherlief und laute waaahhh waaahhhh geräusche machte, worauf ihre vordermänner liefen wie speedy gonzales. ich hätt mich ausschütten können vor lachen. es gibt einfach von natur aus so spaßige menschen. der trottel schaffte es übrigens als einziger, anders herum zu laufen und stellte für die entgegenkommenden läufer eine große gefahr dar 😆

danach ging es zum aquajogging. als technischer hinweis sollten wir uns einfach vorstellen, wir seien seepferdchen. gut. wir waren also 5 seepferdchen: 2 männliche, bärtige seepferdchen. 1 seepferdchen mit arthrose. 1 ganz winziges seepferdchen. ein extrem voluminöses seepferdchen. und ein riesen-seepferdchen (ich).  sehr spaßig das ganze. das arthrose-seepferdchen kommt aus stuttgart und schwadronierte im wasser herum, dass ihr, als süddeutsche, der ganze fischkopp-kram hier oben sehr befremdlich ist. sie gebrauchte tatsächlich das wort fischkopp. in einem becken voller fischköppe. die sich spontan in kampf-seepferdchen verwandelten. war nicht sehr schlau vom schwäbischen arthrose-seepferdchen.

danach lag ich 30 minuten im bademantel bewegungslos auf meinem bett und starrte an die decke, bevor ich soeben, kurz vor dem mittagessen, noch ein bisschen wassertreten durfte, kneipp-mäßig. gemeinsam mit dem zwerg-seepferdchen vom aquajogging. ein quietschfideler mann im bademantel steckte seinen kopf n den behandlungsraum und unterhielt uns spontan mit diversen anekdoten as seinem leben. so ist das hier, in der reha. man bekommt die eine oder andere lebensgeschichte zu hören. manche sind sehr traurig. manche sind sehr interessant. jeder hat seine geschichte, warum er hier ist. und manchmal bekommt man was wirklich bewundernswertes zu hören. so wie ich eben, von meinem tischnachbarn lungen-egon. bin immer noch beeindruckt. wenn man die bewegende lebensgeschichte eines über 80-jährigen hört, so lebendig vorgetragen wie eben, dann offenbart sich einem einmal mehr, wie mysteriös und faszinierend das leben ist. und wie absolut lebenswert.

so, meine lieben, ich geh dann mal meinen bestreikten rindergulasch ohne gemüse und salat (beilagen unterliegen nämlich dem streik) essen und seh euch später.

euer seepferdchenwolf 😆

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Bericht aus der Reha: Spieltag ;-)

auch in sylt ist es heiß und man merkt heute bei patienten und therapeuten gleichermaßen eine ganz leichte grundgereiztheit 😉 und mir persönlich ist heute sehr nach lästern zumute 😉

hier, in der WLan-Ecke sitzen neben mir noch weitere 3 leute an ihrem laptop. jegliche laptop-aktivität wird durch die tatsache erschwert, dass mitten in diesem raum eine hardcore-labertasche inform eines „alten knackers“ sitzt, der ohne jegliche zurückhaltung alle vollquatscht. zunächst hat er seine krankengeschichte ausführlich erzählt *iihhh*, sich dann ebenso ausführlich über die einrichtung hier beschwert, und jetzt will er von meiner nebenfrau genau wissen, was sie schreibt. sie antwortet sehr einsilbig, was ihn nicht weiter zu stören scheint.

außerdem ist hier heute spieltag 😉

ich hatte heute vormittag einen echten therapie-marathon: um 7 uhr frühsport am strand. unsere therapeutin überraschte uns mit frisbees. spiel nr. 1. zur aufwärmung sollten wir uns in gruppen aufgeteilt im kreis aufstellen und uns gegenseitig mit dem frisbee beschmeißen 😆 von etwa 30 geworfenen frisbees wurde sagenhaft 1 gefangen. stolze leistung. weiter ging es mit meinem 2. lungenfunktionstest, der zuerst wieder nicht soooo doll ausfiel und nach verabreichung eines sprays dann doch gut ausfiel. werde also künftig ab und an sprayen um meine lungenfunktion unterstützen. kann nichts schaden.

dann folgte aquajogging und spiel nr. 2: zum aufwärmen sollten wir versuchen einen großen wasserball durch geschicktes werfen immer in der luft zu halten. mit uwe und biggi in der gruppe geht sowas aber nicht. biggi ist fast ertrunken und uwe  hat den ball ratzfatz unerreichbar in das an der decke gespannte trapez befördert. soviel zum aufwärmspiel. die eigentliche aquajogging-einheit war wieder mal sehr lustig. man sollte das mal aufnehmen und irgendwo veröffentlichen. heute lief das so ab: teilnehmer waren: uwe, ein beleibter vollproll, der nackte weiber auf oberarm und brust tätowiert hat; barbie, geliftet, kennt ihr ja schon, ist eine aus dem denver-clan; biggi,  das weibliche pendant zu uwe; ich; eine hessische wuchtbrumme namens elke und frau etepetete, die alles, was sie macht, mit uuiii kommentiert. uwe war neu und der therapeut gab sich große mühe, ihm die grundkenntnisse des aquajogging näherzubringen: beinbewegungen ohne bodenkontakt, kleine armbewegungen wie beim walken und dann ab durchs becken. uwe war extrem lernresistent. unbeirrbar pflügte er mit bodenkontakt und weit von sich gestreckten armen durch das becken wie godzilla, eine beachtliche bugwelle hinter sich herziehend. nachdem der therapeut scheiterte, nahm sich biggi seiner an, pflügte neben ihm her und gab ihm von der seite generalstabsmäßig instruktionen. das ganze in berliner dialekt. sehr spaßig das ganze 😆

da ich heute den ganzen tag anwendungen habe, ist mein schatziputzi mit brust-ute unterwegs, shoppen. wir sind hier ja mittlerweile eine richtige clique, die sich aus den mädels von meinem esstisch und ein paar anderen zusammensetzt. zur clique gehören: brust-ute, brust-regine, morbus-hodgekin-manuela, leuko-robbie, bandscheiben-sanne und bandscheiben-uta. eine leidensgemischte truppe also 😉  . es ist hier sowieso alles eher gemischt, nur die derma-leute scheinen unter sich zu bleiben, let´s schupp together 😉

massai-krieger ist wieder aufgetaucht. ich weiß jetzt, wo er steckt. in hannelore. *lach* . zumindest habe ich die beiden gestern innig im strandkorb gesehen und heute morgen wieder innig im flur.

so, ihr lieben, jetzt habe ich vermutlich erstmal genug gelästert und bin schon wieder mit 1 bein in der hölle deswegen. ich spring jetzt mal in die nordsee und dann habe ich noch einen termin mit dr. psycho, meinem lieblingspsychologen. bis morgen. moin. moin.

Bericht aus der Reha: kleine Lästerstunde, Teil 2

wir haben einen neuzugang: wolle. wolle ist von beruf platzhirsch. setzte sich heute morgen gegen ende des frühstücks schwungvoll und bestimmt auf den freien platz neben mir, goss sich aus meiner kanne kaffee ein, nahm einen schluck, drehte sich zu mir um und sah mir mit zitterndem, akkurat gestutztem schnorres tief in die augen:

na, wie sind so die pläne heute?“

wer fragt, kriegt eine antwort:

„schäfchenwolken zart streicheln, adler erschießen, einzelgespräch beim psychologen und anschließend töpferkurs.“

abgang wolle.

uff, da kommt noch was nach.

der denver-clan indes ist aus irgendeinem grund muffig. jesus ist verschwunden, war heute auch nicht beim frühsport. mr. robbe erschien mit gehäkeltem!! stirnband in kackbraun zum frühsport und mr. boombastic entpuppt sich als eigentlich ganz netter zeitgenosse. hat jetzt genug auf die brust getrommelt und wird sympathisch.

heute war das aquajogging sehr spaßig (und anstrengend!). kaum waren wir mit schwimmgürtel und schwimmhanteln ausgestattet im wasser und haben unsere bahnen eingenommen, ging die tür auf und eine zuspätkommerin flatschte in badeschuhen rein.

„bin isch hier rischtisch beim aggwadschogging?“ schwäbelte sie laut näselnd.

„ja, bitte ziehen sie den schwimmgürtel an, mit den löchern nach unten bitte.“

die schwäbische krachelse schnallte sich den gürtel natürlich mit löchern nach oben um und ließ sich resolut ins becken gleiten und zwar auf eine bereits belegte bahn. war klar. dann konnte es ja losgehen. alle joggten munter durch das aqua, nur die schwäbische wuchtbrumme schlug nölend auf der stelle wasser.

„wie soll das denn gehen? isch findäh das unmöööglisch, dass wir jedesmal eine neue therapeutin hättäh!“

es folgte eine kurze instruktion in die technik seitens der kursleiterin.

„nei, des gääht net. isch geh unddäähh. isch treib ab.“

ja, bitte geh unter und ertrink auch gleich noch dazu.

da hätt ich ne idee fürs qigong später: schwäbische wuchtbrumme erschießen. ist zumindest sehr adler-schonend 😉

zwischen aquajogging und psychologen habe ich meine etage aufgemischt. heute stand nämlich meine zoladex-spritze auf dem plan. fragt mich nicht warum, aber ich habe todespanik vor dieser spritze. sonst machen mir spritzen nichts, diese schon. vermutlich weil sie rieig ist und die kanüle so einen breiten durchmesser hat. brrrrrrr, gruselig. zu hause setzt einem die schwester immer eine kleine lokale betäubung und dann ist das auszuhalten. als ich dem mir fremden arzt heute eröffnete, dass ich eine betäubung will, meinte er freundlich aber bestimmt:

„aber nein, das machen wir hier nicht. das ist auch nicht nötig, ist nur ein kleiner pieks.“

daraufhin bekam ich in seinem büro einen heulanfall. hab so geheult, dass mir die rotze lief. das überzeugte ihn, mir doch eine betäubung zu geben. als wir sein büro verließen und ins schwesternzimmer gingen, lief ich ihm schniefend hinterher, als würde ich zu meiner eigenen hinrichtung gehen. die vor der tür wartenden patienten schauten mich völlig betroffen an. vermutlich denken sie jetzt immer, wenn sie mich sehen:

„da kommt die todgeweihte.“

ansonsten ist es heute eher ruhig. ich war, wie gesagt, schon beim frühsport, beim aquajogging und beim psychologen, der mein freund wird. hat echt humor, der gute. jetzt radel ich mal nach westerland, bisschen den knackigen kite-surfern zuschauen und später geh ich noch in den geräteraum und bisschen schwimmen und sauna.  UND neuen reitversuch für morgen starten 😆

Bericht aus der Reha: Gruppendynamik ;-)

gestern abend lag mein überarbeiteter therapieplan für heute und dieses WE im fach 😆

wow, ich sag euch: wenn das 3 wochen so weiter geht, melde ich mich nach der reha zum iron man an und habe gute chancen auf eine plazierung auf den vorderen plätzen.

aber zunächst eine kurze rückblende auf den gestrigen nachmittag, an dem ich noch den alten plan abzuarbeiten hatte. auf diesem stand: entstauungs- und anschließend funktionsgymnastik. ersterer kurs war für mich für die katz. auf dem rücken liegen und zu toni braxton´s unbreak my heart die finger bewegen war mir doch zu öde. ich will es nicht kritisieren, denn für menschen mit lymphödem ist es toll. ich habe aber keins. außerdem lag neben mir eine dame fortgeschrittenen alters, die zur musik nicht nur die finger rythmisch bewegte sondern auch rythmisch furzte!!!

die funktionsgymnastik war ein besonderes späßchen. wir übten mit diesen lustigen thera-bändern. nach einem kurzen kampf um die roten bänder, es gab auch grüne und gelbe, aber natürlich wollten alle die roten bänder, sollte man mit den bändern umherlaufen, sich strecken, verdrehen und so. die gruppe an sich, mich eingeschlossen, war aber schon damit überfordert, die füße abrollen zu lassen, vor allem abwechselnd 😆 ich sage nur: die erde bebt!

es gab noch eine abschlussübung, bei der man einen gruppenhaufen in der mitte bildete, 1 ende des bandes festhielt und das andere mit weit vorgestrecktem arm in die mitte hängen ließ. dann sollte man willkürlich eins der freien enden packen und *tadaa* es entstand eine art bändersalat. nun sollte man durch drübersteigen, drunterklettern und so, diesen haufen wieder entwirren. oh mann, die gruppe bekam tatsächlich streit und sah am ende aus wie die absolventen eines hardcore-bondage-kurses. muss ich aber seit heute beides nicht mehr machen.

stattdessen mache ich seit heute morgen richtig sport. und zwar seit ganz heute morgen. um 7 uhr in der früh war der apell zum frühsport am strand, bei etwa 14 grad und starkem wind. überaschenderweise warteten ca. 30 motivierte teilnehmer am treffpunkt. ich muss sagen, der kurs war toll! 1 stunde ziemlich strammes training an der brandungsgrenze, das hatte was! das werde ich unter der woche täglich tun und freue mich drauf. nach dem frühstück gings zackig zum aquajogging, das wesentlich anstrengender war, als ich dachte. ich bin dafür auch nur so mittel talentiert, ehrlich gesagt. bei den andern hat es irgendwie besser geklappt. mit einem riesigen schwimmgürtel und schwimmhanteln ausgestattet kämpfte ich überwiegend dagegen an, nicht umzukippen und auch sonst möglichst mit dem kopf über der wasseroberfläche zu bleiben. danach, trabtrab, ging es zum psychologen, da war ich schnell fertig und habe nur meine termine für die zeit hier bekommen und dann subito zur marnitz-massage. mein masseur hieß herr wolle und war eine art berufs-scherzkeks. netter mensch. vor allem ein kompetenter mensch, der es schaffte, mit ein paar handgriffen meine normandie-zerrung, die sich als eingeklemmter nerv und wirbelblokade outete, zu beseitigen. bin jetzt absolut schmerzfrei 😆

dann den fußballkrimi angeschaut, festgestellt, dass ich serben und spanier jetzt deutlich weniger mag und jetzt lümmele ich ein wenig mit meinem laptop im klinik-internet-bereich herum, bis in einer halben stunde ein vortrag auf mich wartet.

in den letzten 2 tagen bin ich hier im verlauf meiner erfahrungen zu folgenden zwischen-erkenntnissen gelangt:

  1. in jeder sport-therapiegruppe gibt es bewegungsmäßig elfen, trolle und absolute grobmotoriker.
  2. nicht alle menschen, die fahrrad fahren, können auch fahrrad fahren.
  3. reha macht spaß, ist aber harte arbeit.
  4. hier ist bislang überwiegend schönes wetter.
  5. es gibt hier mehr frauen als männer.
  6. frauen schließen sich in der reha zu gruppen zusammen und laufen fröhlich schwatzend umher.
  7. männer bleiben in der reha überwiegend für sich und laufen eher muffig durch die gänge.
  8. männer wechseln in der reha deutlich weniger ihre klamotten.
  9. es gibt hier sehr viele bärtige männer, was darauf schließen lässt, dass sich männer in der reha womöglich nicht rasieren.
  10. männliche reha-patienten baggern weibliche reha-patientinnen an.
  11. weibliche reha-patientinnen baggern junge therapeuten an.
  12. fahrradfahren mit gegenwind ist auf sylt nicht zu empfehlen.
  13. ich bin 100% froh darüber, hier zu sein. die reha ist klasse.

heute abend wird in meinem fach der neue therapieplan für die nächste woche liegen. ich bin sehr gespannt 😉