EM-Oma

heute morgen an der roten ampel. neben mir steht ein kleiner, schwarzer citroen. ein klassisches EM-fan-outo: 2 flatternde deutschlandwimpel auf dem dach, wimpel am rückspiegel, außenspiegelüberzug, fussballmaskotchen auf der rückbank. am steuer: eine schätzungsweise 109-jährige oma. sitz so da, steuer umklammert, der kopf wippt rhythmisch im takt. ich sitze auch so da und überlege mir:

was sie wohl für musik hört? wippt sie im takt zu andré rieu?

ist das ihr auto? oder hat sie es vom enkel geliehen?

im leben ist alles meist anders, als es scheint. von daher denke ich, dass es in wahrheit so ist: die oma ist ein überzeugter metal-fan und wippt im takt zu metallica. sie fährt im sommer aufs wacken-festival zum headbanging. das auto gehört ihr und die fan-emblems hat sie selbst gehäkelt. sie verfolgt die EM beim public viewing, voller leidenschaft, und fährt anschließend hupend und grölend in ihrem fan-mobil den autokorso mit 😆

Überleben im Cluburlaub: Der Sportfanatiker

Wenn man Cluburlaub macht, begegnet man unweigerlich der Kategorie Sportfanatiker. Den Sportfanatiker erkennt man an seinem Sport-Outfit und an seinem dynamischen Gang. Damit meine ich, er hat sein Sport-Outfit immer an und ist immer dynamisch unterwegs. Schaut man frühmorgens aus dem Hotelzimmer, etwa um das Wetter zu prüfen, sieht man ihn schon durch die Clubanlage joggen. Später, beim Frühstück, kommt er dynamisch und ernst dreinschauend angeschossen, belädt sich mit Müsli, Obstsalat und Fruchtshake, vertilgt alles hektisch und schon düst er wieder vondannen, einen Kometschweif hinter sich herziehend. Zur nächsten Sporteinheit. Der Sportfanatiker ist ein Einzelkämpfer, schließt sich im Club aber gerne auch mit Gleichgesinnten zusammen. Ähnlich spaßfreie Gesellen, wie er selbst.

Zu welchem Sportprogramm auch immer man selbst erscheint, der Sportfanatiker ist schon da, weiß welche Matten und Hanteln und Stricke man braucht und macht sich schon warm. Während man selbst bei Step 1 mit seinen plötzlich 10 Armen und Beinen kämpft, hüpft er dynamisch auf und ab und sieht entsetzlich motiviert aus. Neben ihm kommt man sich grundsätzlich wie der Gruppenspast vor. Kommt man mit ihm ins Gespräch, will er wissen, ob man schon Aerobic, Bogenschießen, Hot Iron, Fatburner und Indoor Cycling gemacht hat und wie es war. Wenn man das verneint, ist man eh untendurch und wird wie Luft behandelt. Am liebsten macht er fanatisch Indoor Cycling, da geht er so richtig ab. Zum Warmwerden genau das Richtige. Während der Cycling- Otto Normalo nach dieser Brutaloeinheit keuchend in der Ecke liegt, sprintet der Sportfanatiker wie der Roadrunner die Treppe runter, schnappt sich ein paar Hunteln und geht 2 Stunden am Strand joggen.

Abends sitzt er dann gestählt am Achtertisch, schaut olympisch umher und schweigt. In der Clubdisco ist er eher nicht anzutreffen, er muss früh schlafen gehen, Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Freundschaften im Club pflegt er, abgesehen von anderen Sportfanatikern, auch mit der Kategorie verhungerte AerobicSchnepfe und gestresster Planabarbeiter. Mit dem Vielfraß steht er auf Kriegsfuß, ebenso mit dem Primat. Als Club-Sexpartner kommt am ehesten die AerobicSchnepfe in Frage.

Überleben im Cluburlaub: Who is who

Halte es ja doch nicht aus, bis wir zuhause sind, zu verlockend ist die Nähe des IPads. Los gehts!

Ein Cluburlaub ist nicht nur sehr erholsam, aktiv und kalorienreich, er bietet auch ein breites Spektrum an Feldforschungsmöglichkeiten. Da erwacht die Ethnologin in mir! Was sich da so tummelt, ist höchst amüsant und lässt sich wunderbar in Kategorien unterteilen: Der Sportfanatiker; die lustige Wuchtbrumme; die verhungerte Aerobic-Schnepfe; die Highheel-Tante mit der Unterkategorie die Highheel-Schabracke; der Individualist; der Einsame; der Aufreißer; der Primat; der Nörgler; der Club-Idiot; der Urlaubs-Familienvater; der Vielfraß; der Golfer und  der gestresste Planarbeiter.

Es macht großen Spaß, diese Gattungen zu studieren, und ich werde heute noch mit der Beschreibung der ersten Kategorie der Sportfanatiker beginnen. Zunächst muss ich aber noch mehrmals essen, mein Sportprogramm durchziehen und am Strand rumchillen. Bis später also!

Schnurrbartträger und Stiefeletten

juhuuuuu, ich habe heute nacht wunderbar geschlafen, juhuuuuu, da sieht der tag doch gleich besser aus. vor allem wenn draußen blauer himmel ist, die sonne scheint und ich den ganzen, wunderbaren samstag vor mir habe mit ausschließlichen wohlfühl-aktivitäten. reiten. auf ein geburtstagsfest gehen. sich freuen.

vergessen ist der gestrige zombie-tag nach einer fast schlaflosen nacht. wir waren gestern abend übrigens noch auf einem großen empfang. dabei ist mir folgendes aufgefallen:

es gibt noch ganz schön viele schnurrbartträger.

die investition in einen gut sitzenden anzug lohnt sich. dort nicht gesichtet.

nicht jede krawatte passt zu jedem hemd.

stiefeletten sehen nur an schlanken unterschenkeln gut aus.

knappe kleidungsstücke sehen nur in der passenden größe an der passenden figur gut aus.

ich scheine für alte säcke attraktiv zu sein.

regionaler dialekt ist bei feierlichen ansprachen hinderlich.

auf veranstaltungen, die als unparteiisch eingestuft sind, sollte man in seiner rede auf parteipolitisches gegifte verzichten. vor allem, wenn man stiefeletten und knappe kleidung auf nicht dazu passenden körperteilen trägt.

es ist eine freude, eine rednerin zu erleben, die es 30 minuten lang schafft, in gutem deutsch, lockerem stil und ohne auch nur ein äh und öhm die aufmerksamkeit von rund 1000 menschen zu halten. das war die andere rednerin als ihre vorgängerin.

man sollte sich auf offiziellen empfängen nie so weit betrinken, dass es peinlich wird. so sachen, wie breit grinsend vor einem stehen bleiben, mit verwaschenem blick zu nuscheln: „ääähhhh, sie sin doch die, ach was weeeß ich, irgendwas mit doppelnamen, is auch egal,“ kommt nicht gut rüber. auch nicht wenn man eine frau ist. auch nicht, wenn die getränke umsonst sind.

es ist erstaunlich, wie lange und in welcher menge sich menschen in einer schlange anstehen, wenn es etwas umsonst gibt. auch wenn es sich dabei um lauwarme wiener handelt, die seit stunden im wasser liegen und mit pappbrot auf papptellern serviert werden.