Die Sonntags-Glückswaagschale

inspiriert von rana und ihrem ebenso schönen wie nützlichem beitrag über glück, habe ich beschlossen, immer sonntags ein bisschen glück in die waagschale zu legen. glück, dass mir die woche über zuteil wurde. wenn eine woche ihren lauf nimmt, gibt es viele momente, in denen man sich über etwas ärgert. und oftmals erscheint es mir dann, dass diese überwiegen. was natürlich unsinn ist. denn wenn man genau hinschaut, passieren jede woche viele schöne dinge, die die waagschale wieder ins gleichgewicht bringen. es tut gut, sich diese schönen dinge bewusst vor augen zu führen.

*tadaaa* hier mein glück dieser woche:

ich durfte beruflich für 1 tag nach paris fahren, was sehr schön war.

ich habe diese woche ein paar nette begegnungen mit menschen gehabt, so zum beispiel mit einem sehr netten taxifahrer.

ich habe an einem reitworkshop teilgenommen und wirklich was gelernt. und spaß hat es obendrein gemacht.

ich habe gestern abend auf einer veranstaltung einige meiner studenten vom vorjahr getroffen (als ich wegen meiner diagnose mitten im semester mein seminar abbrechen musste), die sich sehr gefreut haben, dass es mir wieder besser geht.

heute habe ich mit meinem mann einen herrlichen, langen, sonnigen hundespaziergang gemacht und anschließend waren wir bei freunden zu einem leckeren mittagessen eingeladen.

eine schöne woche war das 😆

die spreu trennt sich vom weizen

ich bin heute nachdenklich. gut drauf, keine angst! aber seit heute morgen mache ich mir so meine gedanken über den brustkrebs an sich. klar, ich bin ohnehin noch in der phase, in der ich fast ständig darüber nachdenke, aber ich merke, dass sich die qualität der gedanken ändert. ich glaube, ich habe ein bisschen distanz gewonnen.

ich war in meinem leben schon häufig krank, auch mal ernsthafter. jetzt erlebe ich, dass es ein riesenunterschied ist, ob man an etwas erkrankt, von dem man weiß, dass es nach einer bestimmten zeit geheilt ist oder an etwas, von dem man letztendlich nie weiß und wissen wird, ob es geheilt ist oder nicht. das ist schon ganz schön bedrohlich. kein wunder, dass ich nachdenklich bin! während man seine therapie macht, zur bestrahlung geht (ich glückspilz muss ja nicht zur chemo), tamoxifen nimmt und was man sonst noch so macht, leistet die psyche eine mordsarbeit indem sie versucht, sich an eine situation anzupassen, mit der man grundsätzlich erstmal völlig überfordert ist. tod. sterben. mit sicherheit die 2 top-themen, mit denen man sich nicht auseinandersetzen will. höchstens vielleicht, wenn man 99 1/2 jahre alt ist und auf ein erfülltes leben zurückblicken kann.

und plötzlich musst du dich damit auseinandersetzen. ich bin zutiefst beeindruckt und fasziniert, wie stark die psyche,wie groß der lebenswille und wie mächtig das bedürfnis, glücklich zu sein, ist. meine diagnose ist jetzt 3, die operation erst 2 monate her, was für eine kurze zeitspanne. vor 3 monaten noch dachte ich, mein leben sei zu ende und jetzt, 3 monate später, spüre ich immer öfter wieder hoffnung und zuversicht, doch noch mit 99 1/2 jahren auf ein erfülltes leben zurückblicken zu können.  trotz des ständig im untergrund tuckernden angstmotors. ich nehme ihn wahr, aber er jagt mir nicht mehr so ein grauen ein. der psychoonkologe, bei dem ich war, hat mir eine knacknuss mit auf den weg gegeben: „niemand weiß, wann er stirbt. sie, genausowenig wie ich, der im moment vermeintlich gesund ist. nehmen wir mal an, sie bekommen in 13 jahren einen rückfall. wie wollen sie die zeit von jetzt bis dahin verbringen: voller angst davor oder voller freude? sie können sich entscheiden!“ das hört sich gar nicht so schwer an, wenn man gesund ist und keine krebsdiagnose hat. aber er hat recht. im moment muss ich diese entscheidung jeden tag aufs neue treffen. dafür braucht es viel mut, kraft, zuversicht, hoffnung und glaube.

mein leben hat seit der diagnose eindeutig eine neue qualität bekommen. ich nehme viele dinge bewusster wahr und weiß gerade die kleinen dinge wieder viel mehr zu schätzen. gestern war ein sonniger, warmer tag. mein mann kam früher von der arbeit und schlug einen gang in die stadt vor. so spazierten wir mit einem überglücklichen joschi in die stadt, setzten uns auf 2 sonnige stühle in der altstadt und tranken 1 glas wein. ich saß in der sonne, ließ mir die sonne auf den pelz scheinen, schlürfte an meinem rotwein und dachte: „wie schön, dass ich lebe.

dann ist es so, dass mir so manches, was mir früher super wichtig war, plötzlich schnurz ist. ich gebe im moment lieber 300 € für akupunktur aus als für klamotten. was bringt schon ein schlapper, kranker, vernachlässigter körper im teuren fummel? nicht viel. also investiere ich jetzt lieber in meine gesundheit.

ich habe heute post bekommen. es gibt da einen besonderen freund von mir. er ist inder, jesuitenpater und lehrt in rom an der gregorianischen universität. ich habe ihn vor ca. 15 jahren auf einer konferenz in genf kennengelernt, seitdem sind wir in kontakt geblieben. ich mag ihn sehr gerne. vor ca. 3 wochen habe ich ihm geschrieben, da mir wichtig war, dass er weiß, was mit mir ist. heute kam die antwort. hier ein paar asuzüge aus seinem brief: „ich begreife deine gefühle und stimmung…du musst großen mut und vertrauen haben. mit hoffnung kann man viel gewinnen….ich werde dich in meine gebete einschließen.“ nachdem ich den brief fertiggelesen hatte, dachte ich an die bekannte, die mir kürzlich sagte: „naja, wenigstens war es dafür gut, dass ich jetzt zur vorsorge gegangen bin.“

was ich mit all dem sagen will: das leben ist ein geheimnis, das gelebt und kein problem, das gelöst werden muss. la vie est belle!

die zurückeroberung meiner zukunft

seit ich mir vorgenommen habe, aktiv an meinem heilungsprozess mitzuarbeiten, die angst vor einem rückfall und dem tod zu besiegen und hierfür alle kräfte zu mobilisieren, die zur verfügung stehen, geht es mir jeden tag ein stückchen besser. denn ich weiß jetzt, dass es möglich ist. es gibt hilfsmittel, die einem tatsächlich auch helfen. an brustkrebs zu erkranken ist schrecklich. ich habe aber eine große und reelle chance, dass der krebs nicht mehr zurückkommt und dass ich gesund bleibe und vor allem: ALT, STEINALT werde. wenn es einen jung und mitten im leben erwischt, hat man plötzlich das gefühl, dass die zukunft ausradiert wird. sich die zukunft wieder zurückzuerobern, dass ist der weg, der jetzt vor mir liegt.

mir wird jeden tag bewusster, dass dieser prozess mit arbeit verbunden ist und dass ein wesentlicher bestandteil darin liegt, positiv zu denken und entsprechend zu handeln. jeden tag aufs neue. es gibt ein großartiges buch, das mich seit meiner diagnose ständig begleitet. wieder gesund werden. eine anleitung zur aktivierung der selbstheilungskräfte für krebspatienten und ihre angehörigen von o. carl simonton. ich habe mir vor einigen tagen eine neuauflage bestellt, die um eine audio-cd mit einer praktischen übungsanleitung erweitert ist. heute morgen habe ich erstmals eine übung gemacht und war sehr gespannt, wie die aktivierung der selbstheilungskräfte aussehen mag – und war überrascht. ich wurde aufgefordert, meine vorstellungskraft zu aktivieren und mir bildlich vorzustellen, wie ich auf der einen seite gesund und voller kraft und lebensfreude bin und auf der anderen seite krank und elend. eine starke übung, denn die bilder, die ich gesehen habe, waren sehr klar und deutlich.  sofort wurde mein geist mobilisiert, gesund zu sein! als nächstes wurde ich angeleitet, mir vorzustellen, wie ich meine ziele erfolgreich erreiche und mir hierfür selbst anerkennend auf die schulter klopfe.

ich habe folgende bilder gesehen:

1. jemand schüttelt mir  anerkennend die hand für den erfolg, den ich in meiner arbeit bislang geleistet habe und überreicht mir einen strauß blumen. das ist insofern traurig, da dies in meiner arbeit nicht passiert. zumindest nicht von der seite, von der ich es erwarte.

2. ich erhalte anerkennung für meinen zweitjob, meinen lehrauftrag an der universität, den ich seit 3 jahren habe. diese vorstellung fiel schon leichter aus, denn hier bekomme ich tatsächlich viel anerkennung und positives feedback. das bild sah konkret so aus, dass ich in einer runde mit studenten und kollegen sitze und schaue in strahlende gesichter.

3. ich selbst sitze in der sonne und bin einfach zufrieden und glücklich. bislang eher ein bild mit seltenheitswert.

4. ich gehe lachend und glücklich mit meinem mann arm in arm über eine sonnige wiese. sollte ich auch öfters tun, anstatt mich über kleinigkeiten aufzuregen!

5. ich umarme meinen sohn und gratuliere ihm zu seinem bestandenen medizinexamen. er ist jetzt 19 und will im herbst mit dem studium beginnen, was nicht so ganz einfach wird, da sein durchschnitt nicht reicht. er möchte aber unbedingt medizin studieren.

6. ich gewinne ein golfturnier und alle freuen sich mit mir und applaudieren wie verrückt, da sie wissen, was ich hinter mir habe. dieser doch so schöne sport war für mich das letzte jahr nur frust, da ich schlecht gespielt habe, meist letzte war und fast völlig den spaß daran verlor.

7. ich sehe mich selbst, gesund, stark, strahlend und voller licht. JAAAAA! die göttin des lichts 😆

diese übung hat mich sehr überrascht. zum einen, weil mir nicht bewusst war, dass ich SO viele und vor allem solche ziele habe. zum anderen, weil mir bewusst wurde, dass ich voller zweifel bin und nicht so recht daran glaube, dass ich meine ziele erreiche. unabhängig von meiner krankheit. hm. wie kommts? tatsächlich habe ich in meinem leben schon sehr viel erreicht und viel erfolg gehabt. aber weiß ich selbst das richtig zu schätzen? bin ich wirklich stolz auf mich? macht es mich glücklich? ich muss ehrlich sagen: nein. ein wichtiger ansatzpunkt. ich muss also lernen, auf das, was ich im leben erreiche und erreichen will, auch stolz zu sein, vor allem, mich darüber zu freuen und mir selbst anerkennend auf die schulter zu klopfen.

ein wichtiger punkt wird auch mein arbeitsplatz sein. meine finanzielle existenzgrundlage und der ort, an dem ich die meiste zeit meines lebens verbringe. und genau an diesem ort bin ich nicht froh. da ein wechsel sehr schwierig ist und mir meine arbeit große sicherheiten bietet, sicherheiten, die gerade jetzt in meiner situation sehr wichtig sind, werde ich diesen wichtigen punkt neu definieren müssen. ich werde mir hierfür zeit nehmen.

bei der zurückeroberung meiner zukunft liegt also die schöne aufgabe vor mir, meine zukunft neu gestalten zu können!

der überlebensplan wirkt!

ladys and gentleman, der überlebensplan wirkt! jedenfalls geht es mir, seit ich ihn in gedanken formuliert und aufgeschrieben habe, deutlich besser. ich habe ihn mir heute morgen noch einmal durchgelesen und, auf gute empfehlung einer blog-gefährtin, um einen weiteren punkt ergänzt: es nicht tragisch nehmen, wenn nicht immer alles klappt.

ich hätte nicht gedacht, dass es mit arbeit verbunden ist, positiv zu denken. vielleicht fällt es einem im normalfall auch einfach nicht auf, wenn man sich so durch die alltagsprobleme schafft und nölt. irgendwie geht es dabei letztendlich meistens nicht um so viel. jetzt ist das anders. jetzt geht es um das überleben. jetzt ist das positive denken für mich plötzlich zu einem überlebensnotwendigen faktor geworden. ich muss diese denkweise hegen und pflegen, jeden tag aufs neue, sie ist mein wertvolles gut. mein überlebensplan ist ein wichtiger schritt auf diesem weg.

was ich heute getan habe:

heute morgen habe ich leider eine telefonische absage meines termins bei der psychoonkologin bekommen 😦

ein krankheitsfall. sie hat aber persönlich angerufen, was ich sehr nett fand und hat mich an ihren kollegen dr. m. verwiesen, bei dem ich nun am kommenden montag einen termin habe. das ist insofern interessant, da dr. m. derjenige war, der mich aufsuchte, als ich noch im krankenhaus lag. ich kenne ihn also schon. meine erste begegnung mit ihm war positiv, er gab mir zu verstehen, dass ich geistig auf einem guten weg der heilung sei. nun also wieder dr. m. das soll dann wohl so sein. ich möchte von ihm wissen, wie ich mit der angst vor einem rückfall und dem sterben umgehen soll. ich bin mir sicher, dass er mir helfen wird. denn diese angst muss und will ich überwinden.

ich hatte heute noch einen weiteren termin in der klinik, in der sozialstation. der leiter, herr e. ist ein mann, der zuvor 25 jahre pflegedienstleiter, u.a. auf der onkologie war und jetzt die sozialstation leitet. mit sicherheit jemand, der in seinem leben ganz viel leid und elend gesehen hat. früher fiel es mir nicht auf, weil ich kaum berührungspunkte damit hatte, aber neuerdings bin ich tief beeindruckt von dem echten sozialen mitgefühl von krankenhauspersonal. respekt und hut ab hoch zehn, kann ich nur sagen. und danke!

herr e. ist ein schatz. ich war bei ihm, um meinen grad der behinderung (50%) zu beantragen. das war schnell erledigt. dafür haben wir uns noch fast 1 stunde unterhalten, was wirklich sehr schön war. er fragte mich, wie es mir geht. ich habe ihm einiges erzählt, auch, dass ich mich entschlossen habe, psychologische hilfe in anspruch zu nehmen. das ist ja eigentlich ein eingeständnis von schwäche. so empfinde ich das jedenfalls. im gespräch mit herr e. wurde mir aber bewusst, dass es vielmehr ein zeichen von stärke ist.

er sagte mir folgendes: „das ist aber eine gute entscheidung. die tatsache, dass sie sich schon jetzt, also zu beginn, eingestehen, dass sie hilfe brauchen ist ein zeichen von stärke. sie haben eine diagnose erhalten, die traumatisch ist, für jeden. die aktive auseinandersetzung damit, und hierzu gehört auch die angst vor dem sterben und der tod, ist mutig und richtig. sie kann ihnen längerfristig helfen, besser damit klar zu kommen, freier zu werden. menschen, die es verdrängen und so tun, als wäre nichts, haben später viel häufiger psychische und seelische probleme. ihre stimmungsschwankungen sind ein gutes zeichen. sie bedeuten, dass sie sich mit der situation auseinandersetzen.“

indem er für mich etwas, das mir negativ erschien, ins positive verkehrte, führte er mir vor augen, dass ich SELBST es bin, die das tut. mein lebenswille und positives bewusstsein sein wesentlich stärker, als ich mir selbst eingestehe. mir wurde heute bewusst, dass ich dazu neige, dinge, die an sich positiv sind, negativ zu sehen. WOW! für diese erkenntnis bin ich sehr dankbar! danke, herr e.! als ich wegging, hätten wir uns fast umarmt.

als ich zurückkam, war ich mit meinem mann und hund 1 stunde bei herrlich blauem himmel und klirrender kälte spazieren und habe damit gleich 3 punkte meines überlebensplans auf einen schlag gemacht. zusammen mir all dem negativen, dass ich heute schon ins positive gewendet habe, war ich ganz schön fleißig.

ich bin heute voll die positiv-biene 😎

überlebensplan

nach einem 1-wöchigen mega-loch habe ich gestern beschlossen, dass es jetzt erstmal reicht mit schwarzen löchern. nach einer brustkrebsdiagnose kann man nur AKTIV wieder aus dem finstertal auf die sonnenalm gelangen.will ich im finstertal leben? nein. will ich auf der sonnenalm leben? ja. mit heidi, almöhi, ziegenpeter und allem drum und dran.

hier also mein überlebensplan:

1. alles nicht mehr so negativ sehen, vor allem nicht negativer, als es ist. darin bin ich nämlich eine weltmeisterin (war ich schon immer)

2. positiv denken

3. negative denkstrukturen erkennen und aktiv dagegen angehen

4. hierzu gibt es konkrete übungen

5. diese übungen muss man auch machen, nur wissen, wie sie aussehen und dass es sie gibt, reicht nicht

6. die übungen sind:

entspannungsübungen mit mentalen positiven leitsätzen:

ich habe das schlimmste erstmal überstanden (ok, an dem erstmal muss ich noch arbeiten)

ich habe alles in allem glück gehabt

es hätte viel schlimmer kommen können

ich habe eine gute prognose

es geht ab jetzt aufwärts und ich kann aktiv daran mitarbeiten

ich werde es auch tun, ab jetzt

ich bin stärker als der krebs

mein immunsystem ist stärker als der krebs

ich werde wieder gesund

der krebs wird nicht wiederkommen

ich glaube daran

7. ich höre auf, auf mein immunsystem sauer zu sein, weil es in der krebszellenabwehr versagt hat. stattdessen stärke ich es jetzt, damit es unterstützung hat und künftig NICHT mehr versagt. so werde ich es unterstützen:

konsequent gute ernährung als basis (kleine sünden ausdrücklich erlaubt!)

immunstärkendes bewegungsprogramm: yoga, nordic walking, schwimmen

versorgung des immunsystems mit unterstützenden vitaminen, enzymen, etc.

viel bewegung an der frischen luft – jeden tag, egal, was für ein wetter ist

positiv denken

8. stress aus dem weg gehen

9. jeden tag etwas tun, was ich wirklich gerne mache

10. jeden tag etwas schönes mit meinem mann machen

11. eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

12. jeden tag etwas auf mein lebenskonto packen

hört sich gut an, mein überlebensplan. es stehen nur dinge darin, die ich auch durchführen kann. einige dinge davon mache ich auch schon. ich bin also schon auf einem guten weg. einige dinge muss ich noch tun.

was ich schon davon mache:

ich gehe jeden tag mit meinem hundi an die frische luft, egal was für ein wetter ist

ich habe meine ernährung umgestellt und das klappt schon sehr gut

ich habe einen termin für eine einweisung ins nordic walking gemacht

ich habe meinen hausarzt angerufen, damit er mir ein vitamin-enzym-mineralien-cocktail zur immunstärkung und krebsabwehr zusammenstellt

ich habe am montag einen termin bei einer psychoonkologin

ich mache entspannungsübungen mit positiven leitsätzen, aber nur unregelmäßig

und das sollte ich noch tun:

täglich entspannungsübungen mit positiven leitsätzen machen

nach der bestrahlung, also ab mai, mit schwimmen anfangen

an meiner positiven einstellung arbeiten

einen unerschütterlichen glauben daran entwickeln, dass ich wieder gesund werde und bleibe. daran arbeiten

täglich dinge tun, die ich wirklich gerne mache

täglich etwas schönes mit meinem man tun

eine liste mit dingen erstellen, die ich gerne mache

11. es nicht tragisch nehmen, wenn es mal mit all den vorsätzen NICHT klappt

trüber tag

einfach nur ein trüber tag heute, mehr nicht. mir gehts mies und ich quäle mich zudem mit gedanken rum, dass ich was dagegen tun muss. und habe doch gar keine lust dazu, uff! bin ich zu ungeduldig, 6 wochen nach meiner op? verlange ich zuviel von mir und setze mich zu sehr unter druck? unterschätze ich das trauma, dass eine krebsdiagnose auslöst, auch WENN ich eine gute prognose habe? ich habe unterschwellig angst, dass ich, wenn ich mich nicht ständig zum „alles wird gut“ motiviere, in einem loch verschwinde. bubb, weg. generell ist die angst derzeit größer als alles andere. sie ist irgendwie immer da, unterschwellig, wie ein motor.

ich sag euch, das ist alles ganz schön schwer. vorher war immer ganz viel perspektive da und pläne und jetzt fällt mir der blick in die zukunft plötzlich schwer. so als würde ich dahin schauen und sagen: „och nö“. ich bin ECHT froh, dass ich mich entschlossen habe, am montag zu einer psychoonkologin zu gehen. ich hatte in meinem leben schon den einen oder anderen durchhänger, aber nichts, womit ich nicht klar gekommen wäre. aber das ding mit der zukunft und perspektive ist mir unheimlich. da möchte ich doch, dass mir jemand, der sich damit auskennt, was dazu sagt.

außerdem brauche ich einen plan. einen überlebensplan. nur mit dem hund spazieren gehen, gesund essen, bloggen, viel über BK lesen, tamoxifen schlucken, reicht nicht. morgen mache ich mir einen überlebensplan!

heute abend gehen wir mit der familie den 19ten geburtstag meines sohnes nachfeiern, zu unserem lieblingsitaliener. meine trübe stimmung lasse ich dann zu hause!

die entdeckung der langsamkeit

ich, die zeit ihres lebens mit vollgas durchs leben gedüst ist, meist noch mit mehreren dingen gleichzeitig jonglierend, bin seit meiner erkrankung, also seit 2 monaten, zur lahmen ente mutiert, die zudem nur noch eins nach dem anderen machen kann. früher konnte ich keinen gang runter schalten und plötzlich kann ich keinen mehr hoch schalten. das ist eine erfahrung! wenn ich mit meinem hund spazieren gehe, bin ich vor allem eine bergauf-lahme-ente und eine auf bänckchen-sitz-ente, eine puh-ist-der-weg-noch-lang-ente.

finde ich das jetzt so schlimm? eigentlich nicht. früher bin ich an vielem vorbei gerast, achtlos, keine zeit dafür. zum beispiel steht in unserem wald an einer wegkreuzung eine holzbank unter einer uralten majestätischen eiche. ich gehe seit jahren mehrmals die woche daran vorbei und denke mir, wie schön der platz ist, vor allem wenn er von der sonne beschienen wird. zeit, um mich auf diese bank zu setzen, habe ich mir tatsächlich noch nie genommen. jetzt nehme ich sie mir. was für ein genuss! gerade heute habe ich mich auf die bank gesetzt, das gesicht in die sonne gestreckt, und mir gewünscht, dass ich wieder gesund werde und dass mein brustkrebs nie mehr zurück kommt. ein perfekter ort, um sich etwas zu wünschen, das einem so wichtig ist. der perfekte ort für eine „kosmische bestellung“. ich merke, dass mir im augenblick kleine rituale helfen, wieder zuversicht zu fassen. das ist eins davon. das lahme-ente-sitzt-in-sonne-auf der-bank-und schickt-eine-kosmische-bestellung-ab-ritual.

drückt mir alle die daumen, dass mein wunsch erfüllt wird!