Von Schweineschwänzen und versauten Metzgern

jede familie hat ihr geheimnis. unseres ist: wir essen schweineschwänze. nicht ausschließlich. aber ein paarmal im jahr essen wir welche. und ich gestehe: neben böhmischer ente ist es mein lieblingsgericht. bei niedriger temperatur 3 stunden im ofen gebacken werden sie goldbraun knusprig und wahnsinnig lecker.

bevor ihr euch jetzt unter würgegeräuschen abwendet und mir den blog aufkündigt, haltet ein: gebackene schweineschwänze sind köstlich und wer sie noch nie probiert hat, sollte vorurteilsfrei offen sein 😉

in den vielen, vielen jahren, in denen wir schon schweineschwänze essen und gelegentlich engen vertrauten unser famliengeheimnis gelüftet haben, hat sich das phänomen eines wachsenden kreises von schweineschwänze-sympathisanten gebildet, eine art freundeskreis. wir laden sie gelegentlich ein und sie werden dann von uns abhängig. sie sind unsere schweineschwanz-sklaven 😆

ein echtes event ist die beschaffung von schweineschwänzen. denn sie sind ein rares gut. wer denkt, er kann einfach mal so in einen supermarkt latschen und schnodderig “ 10 schweineschwänze bitte, aber zackig!“ über die theke rufen, hat sich geschnitten. so läuft das nicht. man muss zum einen sehr selbstsicher sein, wenn man sie kauft. wer schon im leben die blicke anderer menschen auf sich gespürt hat, nachdem er dem metzger oder der fleischereifachverkäuferin mit zaghafter stimme „haben sie heute schweineschwänze?“ zuflüsterte, weiß, wovon ich spreche. man wird in der regel so angeschaut, als würde man täglich kleine kinder, meerschweinchen und angorahasen verdrücken. mein vater löst das problem so, dass er die bestellung sehr laut aufgibt und laut und deutlich anhängt: „das ist für die hunde!“ damit keiner auf gedanken kommt und so.

meine mama löst das mit charme. ihr kennt ja meine mama, das ist die, die immer und überall angeflirtet wird, egal, was sie macht und wo sie ist. auch beim schweineschwanzkauf. so sah sie sich erst gestern einem rudel junger metzger aug in aug, die sie kichernd mit fragen traktierten: „sind die auch lang genug?“

meine mama wäre nicht meine mama, wenn sie nicht cool gekontert hätte: „schwänze können nie lang genug sein.“ einer der metzgergesellen lief ihr daraufhin bis auf den parkplatz nach.

ihr ahnt es schon, bei uns gibt es morgen wieder eine große schweineschwanzsause – mit gästen. zwar ist meine mama diesmal für die beschaffung der ware zuständig, da ich gestern aber auch in einer metzgerei war, ergriff ich die gelegenheit und fragte den jungen, feschen metzger, ob er welche da hat. funkelnden auges schaute er mich an und in seinen augen stand: respekt!

„sie essen schweineschwänze? das essen nur kenner.“

er hatte keine. aber es entspann sich ein überaus nettes und überaus versautes gespräch über schweineschwänze, schweine, wie man als metzger die herzen von mädels erobert und welche rolle schweineschwänze dabei spielen. wir haben so laut gelacht, dass der supermarkt (kunden und verkäufer) sich nach und nach zu uns gesellten und erstaunt blickten.

morgen ist es soweit, nur noch einmal schlafen 😆

Rezept: Böhmische Ente *schmacht*

man kann seine wurzeln ja nicht verleugnen und böhmische wurzeln sind nun mal böhmische wurzeln. so ist eine meiner absoluten lieblingsspeisen die böhmische ente. pures soulfood. eigentlich ein herbst- und winteressen aber ich habe auch schon bei 30 grad im schatten böhmische enten verdrückt. sie schmeckt göttlich, das muss man einfach mal sagen an dieser stelle. kaum neigt sich der sommer dem ende zu, häufen sich im hause katerwolf die anfragen und ich führe dann eine entenliste.

gestern habe ich offiziell die entensaison eröffnet und habe 3 enge kolleginnen eingeladen, die mich während meiner langen, krankheitsbedingten abwesenheit loyal und effektiv vertreten haben. das enten start off sozusagen 😉

wir haben sehr lecker gespeist, sehr viel gespeist und danach alle 4 geschlafen wie ein stein. auf die vorspeise haben wir verzichtet und statt dessen mit einem glas crémant vor der bratröhre gestanden, der ente beim brutzeln zugeschaut und sehnsüchtig geschnuppert. ok, ein bisschen eis hat danach noch reingepasst!

für alle entenfans hier das rezept.

man nehme:

1 ente (ich nehme die tiefgefrorenen polnischen von aldi, haben sich bewährt)

1 apfel

salz, pfeffer, ganzer kümmel

honig

bier

mirabellenschnaps (der kommt nicht an den braten, ist direkt nach verzehr der ente im schnapsglas aber standard).

zubereitung:

die ente über nacht auftauen lassen. am nächsten morgen gut waschen, trockentupfen und anschließend innen und außen gut mit salz einreiben und 4-5 stunden ziehen lassen. danach wird die ente gepfeffert und kräftig mit ganzem kümmel bestreut. in die ente stopfe man nun einen geviertelten apfel. der ofen wird bei 200 grad ober- und unterhitze vorgeheizt. den vogel legt man mit der brust nach unten in einen bräter und schiebt das ganze in den ofen. nun bereitet man ein schüsselchen mit warmen wasser vor und streut salz und kümmel hinein und zerlassene butter, verrührt das ganze und stellt es zur seite. nach ca. 45 minuten sticht man mit der gabel an verschiedenen stellen in die ente, damit das fett ablaufen kann. anschließend wird die ente mit 2-3 kellen der flüssigkeit begossen und anschließend mit dem pinsel eingerieben. diese prozedur wiederholt man nun etwa alle 15 minuten. wobei ich das mit dem pinsel nur beim 1. und letztenmal mache. wenn sich genug bratensaft im bräter angesammelt hat, kann man auch aus diesem saft schöpfen.

nach etwa 1 stunde dreht man die ente im bräter um, mit der brust nach oben. weiter gehts. nach 2 stunden verquirlt man noch etwas honig in der flüssigkeit und pinselt die ente von oben kräftig damit ein. je nach größe braucht die ente nun noch 15-30 minuten. ich hatte eine sehr große ente und sie brauchte genau 2 1/2 stunden. etwa 10 minuten vor ende der bratzeit begießt man die ente mit 1/2 glas bier.

wenn die ente fertig ist, aus dem bräter nehmen, in portionen zerteilen und auf einem teller anrichten. den bratensaft so wie er ist verwenden. er schmeckt köstlich über knödeln und kraut. zur ente schmecken am besten kartoffel- oder semmelknödel und sauer- und rotkraut. man kann auch beides reichen. vor dem verzehr alles kräftig mit dem bratensaft übergießen. ein bierchen dazu und ein schnaps danach runden das ganze hervorragend ab.

guten appetit!