Tamoxifen und Nebenwirkungen

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Anfang letzter Woche war ich an einem Punkt angelangt, jetzt mal langsam einen Schlussstrich unter die letzten 3 Jahre zu ziehen. Klar, im Hinterstübchen bleibt er hocken, der Krebs, aber es kommt die Zeit, in der man sich nicht mehr groß damit beschäftigen will. Ich habe eine gute Prognose, habe die letzten 3 Jahre getan, was ich tun konnte, habe mich nicht unterkriegen lassen, Therapie gemacht, regelmäßig zum Psychoonkologen, Sport, gute Ernährung, 3 Rehas, Job reduziert, mir ein paar Träume erfüllt. Alles gut. Alles richtig gemacht. Und daher gedacht: „Jetzt ist mal gut. Das wars. Ja, vielleicht wars das jetzt“.

Letzten Donnerstag dann die Nachsorge. Brust gut. Mammographie, Ultraschall, Blutwerte gut. Alles gut. Dann der Ultraschallblick in den Unterleib. Rotinecheck alle 6 Monate wegen der bekannten Tamoxifen-Nebenwirkung Gebärmutterschleinhautverdickung.  Erschrockenes Gesicht meines Gynäkologen: „Was haben wir denn da? Wann hatten Sie Ihre letzte Regel?“ Ich: „2010.“ Er: „Aha. Ok. Dann ist da jetzt was drin, das raus muss.Zügig.“

In meiner Gebärmutter hat sich in den letzten 6 Monaten ordentlich Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und ein dicker Polyp sitzt auch drin. Nun muss ich am 4.3. unters Messer, Ausschabung und 4 Tage später dann das Ergebnis. Es muss abgeklärt werden, ob es „nur“ ein Polyp ist. Oder vielleicht doch etwas anderes. Krebs.

Warum? Blöde Frage, ich weiß.

Wisst ihr, ich habe meine Diagnose 2010 echt meisterhaft bewältigt. Meine Psyche war bis letzten Donnerstag ganz schön stabil. Das Leben wieder zugelassen. Jetzt wieder ein Damoklesschwert über meinem Kopf. Wenn man einmal in der Situation war, zu hoffen, dass man „nur“ einen harmlosen Knoten in der Brust hat und dann erfährt, dass es ein bösartiger Tumor ist, dann ist das Prinzip Hoffnung nicht so wahnsinnig stark ausgeprägt, wenn ein neuer Verdacht auftaucht. Das habe ich am Donnerstag gemerkt. Die mühsam aufgebaute Psyche klappte zusammen wie ein Kartenhaus. Jetzt sitze ich da, versuche mich abzulenken, bange vor Montag, bange vor Donnerstag. Denke Sachen, wie: „Was ist, wenn es wieder Krebs ist. Und wenn ja, warum? Ich dachte, ich hätte eine gute Prognose. Was, wenn der Krebs nach nur 3 Jahren zurückgekehrt ist? Wird er mich dann bald ganz auffressen?“

Ich bin dünnhäutiger geworden. Alles Scheiße gerade. Hab die Hose gestrichen voll.

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Nachsorge: Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt…

…dann ist es heute ein heiteres, stilles lied voller glück.

heute war meine brustkrebsnachsorge. die, moment mal *zähl* achte. im januar vor 2 jahren wurde ich mit der diagnose brustkrebs konfrontiert und begann mit meiner therapie: brusterhaltende operation und im anschluss antihormontherapie und zometa als zusatztherapie. ich nehme täglich eine tablette tamoxifen ein, alle drei monate bekomme ich eine enantone-spritze und alle 6 monate eine infusion mit bisphosphonaten, zometa. ich habe 1 jahr lang mistelspritzen bekommen und habe insgesdamt 2 akupunkturbehandlungen und weiterführende TCM-behandlungen (traditionelle chinesische medizin) gemacht.

ich gehe seitdem alle drei monate zur nachsorge. es wird ultraschall der brust, der gebärmutter und der leber gemacht. blut überprüft. ein abstrich gemacht. und alle 6 monate kommt eine mammographie hinzu. außerdem gehe ich alle 4 wochen zu einem psychoonkolgen, mit dem ich über meine verborgenen ängste sprechen kann, wofür ich sehr dankbar bin. ich habe bislang insgesamt 2 rehas in anspruch genommen und werde versuchen, dieses jahr meine dritte und letzte reha genehmigt zu bekommen.

im vergangenen jahr spürte ich, dass es mir anfing, immer besser zu gehen, kraft zurückkam, die fähigkeit, wieder in die zukunft planen zu können und ein stück weit mehr belastbarkeit. lebenswille und lebensfreude waren nie mein problem, die meldeten sich schon 1 woche nach der operation zurück. problematisch war die angst, die mal mehr, mal weniger stark mein denken und handeln beeinflusste. wie eine innere uhr, die tickt. im verborgenen. mal leise, mal laut. ich habe das aber akzeptiert, denn wie, bitte schön, soll man keine angst haben, wenn man an krebs erkrankt. im vergangenen sommer, während meiner 2. reha auf föhr, habe ich ein großes stück angst losgelassen. ich merke das an einer erstmals einsetzenden entspannung und gelöstheit in mir. zum jahreswechsel spürte ich das ganz deutlich, ein schönes gefühl!

und heute war meine nachsorge. mein arzt ist ein toller typ. wenn ich ihn nicht gehabt hätte und hätte 🙂 er eröffnete mir, dass nun 2 teile meiner therapie bereits zu ende gehen. dass ich vor 2 wochen meine letzte enanatonespritze bekommen habe und im märz ist meine letzte zometainfusion. bleibt nur noch das tamoxifen. ich bin zuerst total erschrocken und sagte ihm, ob das einfach so geht und ob ich dann nicht deutlich schutzloser wäre. aber dem ist nicht so, beteuerte er mir, ich wäre damit einfach durch. und ich solle nun aufhören, mir sorgen zu machen, meine prognose sei ausgezeichnet und ich soll in die zukunft schauen.

erst als ich im auto saß und nach hause fuhr, fing ich an zu begreifen. habt ihr den stein von meinem herzen plumpsen gehört, bis zu euch? ich dachte, man müsse den plumps bis nach australien gehört haben. und während sich in mir ein stilles, strahlendes glück ausbreitete, wurde mir bewusst, dass ich in dem moment das erste mal ernsthaft daran glaubte, den krebs zu besiegen. vielleicht sogar schon besiegt habe *verwegen guck*.

es geht voran. heute ist einer der schönsten tage meines lebens.

Ich hatte heute Nacht einen fiesen Albtraum

gegen den albtraum, den ich heute nacht hatte, ist nightmare on elm´s street ponyhof. ich habe seit gut einem jahr immer wieder albträume, in denen ich große angst habe. kein wunder, ich weiß auch wo sie herkommen. eine krebsdiagnose ist furchtbar schwer zu verarbeiten. tagsüber damit klarzukommen ist zwar schwerstarbeit aber es gelingt mir alles in allem sehr gut. da ich mich bewusst damit auseinandersetze:

ich habe eine gute prognose. die wahrscheinlichkeit, dass ich an etwas anderem versterbe ist vermutlich größer. ich tue alles mögliche dafür um gesund zu bleiben. ich bin schon ein gutes stück des weges gegangen. mein leben hat sich zum positiven verändert. ich schaffe es immer besser, den alltag, arbeit etc. in mein leben zu integrieren. ich habe trotz allem viel spaß und freude. ich bleibe gesund.

aber auch wenn ich mich bewusst mit den ängsten auseinandersetze, wie etwa beim vierwöchigen gesprächstermin beim psychoonkologen, irgendwo sucht die angst sich doch ihr ventil. vornehmlich nachts. dann sucht das unterbewusstsein in allen winkeln und findet in der regel was. vermutlich ist das auch wichtig oder normal. manchmal, wenn ich schlecht träume, werde ich wach, bin erschrocken, und dann schüttle ich das als begründeten angsttraum ab. aber ab und an ist es echt fies. heute nacht zum beispiel.

ich hatte im traum gerade die praxis meines behandelnden arztes verlassen, als ich merkte, wie sich eine fiese gang an meine fersen heftete. so superfiese, finstere ghettotypen, schwärzer als die nacht mit ebenso schwarzer gesinnung. (kann ich jetzt auch nichts dafür, dass die typen schwarz waren im traum, ok?). ich spürte, dass sie hinter mir her waren und ging schneller. ich ging immer weiter, immer schneller, irgendwann war ich in einer unbekannten stadt, irgendwo, die angst wurde immer größer und fast hatten sie mich. in letzter minute klingelte ich an einer fremden haustür und wurde hereingelassen. die rettung. die leute, die sehr nett waren, haben mich eine weile versteckt und irgendwann beschlossen wir, die gefahr müsse nun vorbei sein. ich muss ganz schön weit geflohen sein, da ich nun nach hause fliegen musste. in der folgenden traumsequenz fuhr ich in der mittagspause in die einkaufspassage unserer stadt und da waren sie wieder. sie kamen mir entgegen, die gesichter unter einer kapuze halb verborgen und als sie an mir vorbeigingen, warfen sie mir extrem finstere blicke zu. da wusste ich, dass ich noch in gefahr bin.

boah, wie grauenhaft, bin heute völlig daddelig deswegen. außerdem bin ich diesmal heilfroh, wenn nächste woche mein 4. nachsorgetermin ist und ich danach hoffentlich beruhigt bin und weiß, dass erstmal alles in ordnung ist. ich glaube, ich werde meinen arzt fragen, ob er mich von kopf bis fuß durchleuchten kann, bis in den letzten winkel, um zu wissen, dass sich auch wirklich nirgends etwas versteckt.

bin morgen auf dienstreise, die abwechslung wird mir gut tun 😆