Innere Antreiber oder: Warum es gut ist, nicht perfekt sein zu wollen.

knapp 1 woche nach meiner reha, geht mir das eine oder andere durch den kopf.

habt ihr schon mal von den sogenannten „inneren antreibern“ gehört? die psychologisch geschulten unter euch vielleicht schon. es handelt sich um individuelle verhaltensmuster, die unser handeln beeinflussen, uns „antreiben“ und oftmals mit der frage konfrontieren: „warum mache ich das bloß?“ es gibt deren viele, als beispiele lassen sich anführen: sei perfekt! oder: sei stark! oder: ich will von allen geliebt werden!

in der reha habe ich einiges darüber gehört und ich weiß nun, wie mein persönlicher, innerer antreiber heißt: sei perfekt! das passt tatsächlich gut, muss ich sagen. ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei allem den drang habe, es darin zur perfektion zu bringen. auf dem siegertreppchen unter den ersten 3 sein zu wollen. annerkennung zu bekommen. und ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei nahezu allem, das ich tue, unter druck stehe. gestresst bin. da sitzt in mir also gut versteckt ein galeerentreiber, der mich bei allem zu höchstleistungen antreibt und, wenn ich das nicht schaffe, tadelnd und enttäuscht den kopf schüttelt.

in der reha hat man uns aufgefordert, diesem inneren antreiber einen persönlichen leitsatz entgegenzustellen. meiner heißt: hakuna matata! und: ich gehe gelassen und heiter durch den tag! für so einen stressbeutel wie mich nicht gerade einfach. aber durchaus hilfreich. ich habe bereits in der reha ein paar dinge umgestellt. zum beispiel: sport. sport ist eine der besten kräfte im kampf gegen krebs. bei mir sah das in den letzten 1 1/2 jahren jedoch so aus, dass ich anfing, für die olympiade zu trainieren. ganz nach dem motto: je ausgepowerter ich von der joggingrunde nach hause komme, desto besser. nun habe ich gelernt, dass das falsch für mich ist. ich soll weiterhin 4 x die woche ausdauertraining machen. aber. nur in dem maße, dass ich nach jeder ausdauereinheit noch so fit bin, dass ich die gleiche trainingseinheit glatt noch einmal machen könnte. so habe ich mein laufen gegen nordic walking stöcke eingetauscht und laufe nun 3-4 x wöchentlich dynamisch klackernd durch den wald. nach 1 stunde bin ich ausreichend müde aber eben nicht erschöpft.

einen wichtigen, fest verankerten platz in meinem tagesablauf hat jetzt die regeneration. das war für mich ein schlüsselerlebnis in der reha. wenn man wie daniel düsentrieb durch den tag rauscht, hat man für regeneration keine zeit. sie findet meist dann statt, wenn man sich irgendwann völlig erledigt auf dem sofa wiederfindet und abends schon um 8 vor der glotze einschläft. ist gar nicht gut. nun beginne ich meinen tag jeden morgen mit den 5 tibetern oder dem yoga-sonnengruß. das ganze nimmt 10 bis 15 minuten in anspruch und danach starte ich ausgeruht und mit kraft in den tag. und wenn ich müde bin, bin ich müde. dann heißt das: ausruhen, liebe katerwolf. und nicht: oh gott, du bist schlapp, hilfe, schnell die laufschuhe an und ab in den wald, damit da wieder pepp reinkommt!

tja, man hat nur dieses 1 leben zeit, zu lernen, was gut für einen ist. in der regel wird man immer und immer wieder damit konfrontiert, bis man es lernt. oder eben nicht. besser, man kapiert es einfach mal. okay, okay, eventuell lebt man viele male und hat demzufolge viele leben lang zeit dafür. aber das ist mir zu kompliziert, ich konzentriere mich lieber auf das hier und jetzt. und bin voller guter vorsätze und bislang fleißig. und dabei heiter und gelassen 😆

der reha-psychologe hat uns das prinzip des persönlichen energie-haushaltens übrigens sehr plausibel erklärt:

„stellen sie sich vor, sie fahren auto. plötzlich leuchtet die kontrolllampe auf und signalisiert: sie fahren auf reserve. was passiert mit ihnen dann? sie erschrecken und denken: ohjeh, hoffentlich reicht der tank noch bis zur nächsten tankstelle. und sind fortan gestresst. nun stellen sie sich vor, sie selbst sind auf reserve. was passiert? sie ruhen sich ein bisschen aus und tanken die reserve nach. dann sind sie aber immer noch auf reserve. und sind demzufolge in einem dauer-sress-zustand. lernen sie einfach, nicht so lange zu fahren, bis sie auf reserve sind. tanken sie rechtzeitig und regelmäßig nach. am besten täglich. so dass sie morgens mit vollem tank starten und abends mit vollem tank einschlafen. dann schlafen sie auch besser.“

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Der innere Schweinehund

den habe ich heute in den hintern getreten und ihn an die luft gesetzt. den ungewaschenen, müffelnden, faulen gesellen 😆 ganz schön dumm aus der wäsche hat er geschaut. recht so, mein knecht!

ich habe heute die katerwolfsche laufsaison eingeläutet.

nachdem mir mein arzt im vergangenen jahr als begleitende maßnahme meiner brustkrebstherapie geraten hat, mit dem laufen anzufangen, war ich zunächst geschockt. ich.hasse.joggen. habs dann aber zügig eingesehen und anfang mai begonnen. zu meiner überraschung kam ich deutlich schneller voran, als ich dachte und war innerhalb von etwa 4 wochen soweit, dass ich 5-6 kilometer durchlaufen konnte, ohne das gefühl zu haben, unterwegs zu verenden. hinzu kam eine etwas zermürbende phase, meinen hund joschi zum laufbegleithund zu erziehen. ich habe dazu das eine oder andere geschrieben, und wer mag findet diese geschichten in meinem archiv. ich bin viel gelaufen letztes jahr, 3-4 x die woche immer 40-60 minuten, mit wachsender begeisterung. denn ich spürte sehr deutlich, wie enorm gut mir das tat. physisch und psychisch.

irgendwann im november wurde es mir draußen zu ungemütlich und ich tauschte laufen gegen schwimmen und pflügte 2-3 x die woche 1000 m durch das sportbecken. irgendwann im februar hörte ich dann auf, weil ich mit dem laufen beginnen wollte. irgendwann im märz merkte ich, dass ich weder schwamm noch lief 😉 okay, ich bin die ganze zeit über 2-3 x die woche geritten, reiten ist eine feine sache, aber ausdauer und kondition baut man damit nicht unbedingt auf. und das soll ich ja nun mal tun: ausdauersport.

es ist erstaunlich, wie viele ausreden man so findet, wenn man etwas nicht machen will. ich habe im märz ganz schön viele gefunden. heute mittag habe ich dann beschlossen, dass es jetzt reicht. ich kann sowas. so habe ich 2011 auch mit dem rauchen aufgehört. wenn mir etwas wirklich wichtig und notwendig erscheint, kann ich eine bemerkenswerte disziplin entwickeln. zunächst habe ich ernsthaft erwogen, heute abend mit der laufgemeinschaft zu starten, die sich bei mir um die ecke trifft. ein blick ins internet ließ mir jedoch die haare zu berge stehen. ich glaube, da handelt es sich um eine art private terroreinheit, denn die laufen 8-12 km in 6 min/km. das macht *grübel* 46 minuten auf 8 km. urgh, so viel brauche ich für 5 km. nö, nö, lass mal. hab so schon stress genug im moment. vielleicht in 1 monat oder so. mal sehen. laufen kann man auch wunderbar alleine. gleich nach der arbeit bin ich in meine laufklamotten gestiegen, habe mir meinen ipod mit laufmusik auf die ohren geklemmt, joschi an die laufleine geschnallt und ab ging der katerwolf.

joschi ging ab wie die post, er hat es offenbar auch vermisst und hoppelte wie ein hase neben mir her, in seinem luftigen sommer-outfit 😉

ich muss sagen, das hat total gut getan. bin sogar mit einem breiten grinsen im gesicht durch den wald gelaufen, so gut getan hat es. bin auch total angetan, dass ich zwar nicht mehr so fit bin, wie im vergangenen herbst, aber doch noch fit genug. ich denke, ich werde schnell wieder bei meiner vorjahreskondition angekommen sein.

 

Tamoxifen und Nebenwirkungen

im schnitt landen täglich 20-40 menschen mit der suchanfrage „tamoxifen und nebenwirkungen“ auf meinem blog. auf der einen seite erschreckend, auf der anderen seite aber auch sehr realistisch. jede 10. frau erkrankt an brustkrebs. ich habe im vergangenen jahr einen beitrag zu genau diesem thema verfasst. die dort beschriebenen nebenwirkungen waren für den damaligen zeitpunkt aktuell. ich nehme tamoxifen nun ziemlich genau 1 jahr. zeit, diesen beitrag zu aktualisieren.

wie geht es mir mit tamoxifen jetzt, nach 1 jahr? was machen die nebenwirkungen?

sie haben sich verändert. ich habe ende januar 2010 mit der einnahme von tamoxifen begonnen. recht schnell nach dem beginn der therapie , etwa nach 2 wochen, hatte ich mit massiver innerer unruhe, stimmungsschwankungen und mitunter auch schwindel zu kämpfen. die befürchteten hitzewallungen traten zunächst nicht auf. als ich anfang januar 2010 die diagnose brustkrebs bekam, war ich anfang 47. die wechseljahre standen bei mir noch nicht ins haus. das war mitunter auch der grund, dass meine therapie im april um die monatliche einnahme von zoladex ergänzt wurde. zometa bekam ich bereits im märz zum ersten mal – fast gänzlich ohne nebenwirkungen. ca. 1 monat nach meiner 1. zoladexspritze setzten die hitzewallungen ein – aber hallo. ob diese nun durch das zoladex verursacht wurden oder auf das tamoxifen zurückzuführen waren, weiß ich nicht. vermutlich war es beides. was ich aber genau sagen kann, ist, dass am tag der zoladexspritze die hitzewallungen immer ziemlich stark sind. die hitzewallungen haben mich bis zum herbst heftig begleitet.

dafür wurden andere unannehmlichkeiten, wie innere unruhe und stimmungsschwankungen, deutlich milder. seit herbst 2010 habe ich die misteltherapie hinzugenommen. die hitzewallungen sind jetzt fast verschwunden. tagsüber ganz und nachts sind sie sehr viel schwächer und seltener geworden. ob das nun an der misteltherapie liegt, ist schwer zu sagen. nach allem, was ich gehört habe, ist die misteltherapie die einzige komplementärtherapie von der man weiß, dass sie helfen kann. das gleiche gilt für sport. misteln und sport können sich auf den weiteren verlauf der erkrankung günstig auswirken. man weiß zwar nicht genau warum. was man aber weiß, ist, dass beides dem brustkrebs nicht schadet. was man von anderen ergänzenden therapien, wie etwa der einnahme hochdosierter vitaminpräparate und nahrungsergänzungsmttel, nicht behaupten kann.

insgesamt kann ich sagen, dass jetzt, nach 1 jahr tamoxifen und fast 1 jahr zoladex, folgende nebenwirkungen fast ganz verschwunden sind: hitzewallungen, innere unruhe, stimmungsschwankungen.

was hingegen ein problem geblieben und eher schlimmer geworden ist, sind die schlafstörungen. sie sind massiv und sehr belastend. sie kommen in phasen, die in etwa so aussehen: 3 wochen schlechter schlaf, 1 woche einigermaßen guter schlaf, wenn es hoch kommt, 1 richtig gute nacht dazwischen. gerade jetzt habe ich wieder die nicht-schlaf-phase. letztes wochenende habe ich in 3 tagen insgesamt 5 stunden geschlafen, davon 1 nacht überhaupt nicht. seitdem werde ich wieder um 3 uhr wach und schlafe nicht mehr ein. das ist insgesamt ungemein belastend. vor allem wenn man, wie ich im moment, beruflich viel leisten muss. ich bin übermüdet aber auch überdreht und unterschwellig und immer wieder auch offen sehr gereizt und aggressiv. nicht schön. nichts hat bislang geholfen: weder sport, noch misteln, keine warme milch, beruhigungstee, entspannungsübungen, vor dem schlafengehen lüften oder ein heißes bad und wärmeflasche im bett. beruhigungsmedikamente vertragen sich allesamt nicht mit tamoxifen und setzen die wirkung herab. ganz schlecht. es gibt 1 schlafmttel, das tamoxifen nicht beeinträchtigt, stilnox, und das habe ich in der schublade und nehme es, wenn nichts mehr geht. das heißt, wenn ich 2 wochen kaum geschlafen habe. und dann nur 1 x, da es ein medikament ist, dass schnell und effektiv abhängig macht. ich habe die hoffnung, dass es stimmt, dass die nebenwirkungen von tamoxifen nach 1 1/2 bis 2 jahren schwächer werden. „das sagt man so im allgemeinen,“ meint mein arzt. irgendwann werde ich wieder schlafen. und eins muss ich sagen: man nimmt viel in kauf, wenn man auch nur den hauch einer chance sieht, dass man keinen rückfall bekommt und gesund bleibt. ach ja, eins ist mir auch noch aufgefallen. seit ich tamoxifen nehme, ist meine sehkraft deutlich, ich kann fast sagen, drastisch, schlechter geworden. man weiß, dass tamoxifen zu veränderungen auf dem netzhaut-hintergund führen kann. aus diesem grund gehe ich alle 3 monate zur kontrolle zum augenarzt. meine netzhaut ist jedoch völlig ok. ob tamoxifen auch zur verschlechterung der sehkraft führen kann, weiß man nicht. man weiß so viel nicht. das finde ich oft sehr beunruhigend. man muss sehr stark sein mit einer solchen diagnose. und zuversichtlich und optimistisch. ein glück bin ich das. meistens.

 

Man kann sich ruhig selbst mal auf die Schulter klopfen

und genau das habe ich heute gemacht.

ich habe es mir irgendwann in meinem horrorjahr 2010 angewöhnt, mir ab und an selbst auf die schulter zu klopfen. so richtig mit der hand *klopf klopf klopf*. egal wo ich gerade bin und wer wo blöd guckt. als ich letztes jahr meine operation und anschließende primärtherapie so tapfer gemeistert habe. und viele male im weiteren verlauf der sekundärtherapie. immer dann, wenn ich das gefühl hatte, dass ich die situation heldenhaft durchlebte. *klopf klopf*

ich habe mir auf die schulter geklopft, als ich vergangenen september bei der feierlichen semestereröffnung meines sohnes zugegen war. er ist im september ausgezogen (auch das noch,*schulter klopf*) um nach ungarn medizin studieren zu gehen. sein traum seit kindertagen. als ich ihn bei der feierlichen eröffnung von der empore aus im anzug inmitten der stolzen studentenschar sah, genau da klopfte ich mir auf die schulter. *klopf klopf klopf*. die tränen kullerten mir dabei beide wangen runter und die eltern, die um mich herum standen, sahen mich verwundert an. egal. ich war stolz. so stolz. auf ihn. auf mich. dass wir das trotz allem geschafft haben. dafür hat sich vieles gelohnt. *klopf klopf*

ich habe mir an silvester auf die schulter geklopft. als ich feststellte, dass 2011 ist und ich lebe. im januar 2010, dem monat meiner diagnose, wusste ich nicht mal, wie ich das jahr überhaupt überleben sollte. *klopf klopf*

und gestern habe ich mir auch auf die schulter geklopft. weil ich mich getraut habe, meine arbeitszeit auf 30 stunden zu reduzieren. um mehr zeit zu haben. für die guten dinge des lebens und für mich. seit dem 3. januar ist es soweit. *klopf klopf*

und gerade eben habe ich es wieder getan *klopf klopf*. weil ich tatsächlich die disziplin aufbringe, um 2 nicht einfach nach hause zu gehen sondern sport zu treiben. momentan neben 2x die woche reiten, 2x die woche 1000 m zu schwimmen. als alternative zum laufen, was ich in dieser jahreszeit ablehne. es ist eine überwindung, aber ich machs und wenn ich im wasser meine bahnen ziehe, geht es mir gut. und danach erst 😉

ich bin ganz schön stolz auf mich *klopf klopf klopf*

Tamoxifen, Antihormontherapie & Co

immer wieder erreichen mich anfragen von betroffenen, ich solle öfters darüber schreiben, wie es mir während der therapie ergeht. tatsächlich schreibe ich nicht so häufig darüber, weil ich manchmal denke, das mag keiner auf dauer lesen. und vergesse darüber, dass es sehr wohl viele gibt, die das gerne lesen, da sie sich auf diese art informieren können. daher werde ich von nun an regelmäßiger über den therapieverlauf berichten. keine angst, meine lustigen geschichten aus dem leben kommen dabei nicht zu kurz, dafür habe ich noch zu viele auf lager 😆

heute vor einem jahr….

auf den tag genau heute habe ich im vergangenen jahr den knoten in meiner brust entdeckt. und befand mich von einer auf die andere sekunde in einem orkan, der mich lange in alle richtungen schmiss, auf und ab, hin und her. am 22. januar war die operation und anfang februar begann meine antihormontherapie. zunächst mit der einnahme von tamoxifen, kurze zeit später die bestrahlung, im märz die erste zometa-infusion und ab april zusätzlich zoladexspritzen. unmittelbar nach der operation, im februar, habe ich mich komplementär zu einer akupunkturbehandlung entschlossen (insgesamt 35 sitzungen, 3x wöchentlich, inklusive verlängerung). ich meine, dass mir die behandlung sehr geholfen hat, in jeglicher hinsicht. mitte juni bin ich nach sylt in die reha gefahren, was mich enorm nach vorne gebracht hat. nicht nur körperlich, durch intensive sporteinheiten, sondern auch seelisch, durch großartige therapiesitzungen beim klinikpsychologen, durch für mich wichtige kontakte, die ich dort knüpfte und durch die ungemein wohltuende atmosphäre sylts. die nordseeklinik westerland leistet hervorragende arbeit, hut ab! rückblickend kann ich sagen, dass die reha den umschwung zum guten brachte. wer mehr über meine reha erfahren möchte: ich habe aus der reha gebloggt (mitunter sehr amüsant) und alle berichte unter der kategorie brustkrebs abgelegt.

seit august ergänze ich die therapie durch mistelspritzen, hauptsächlich um den nebenwirkungen von tamoxifen und zoladex entgegenzuwirken.

ich bin 2010 durch eine große bandbreite von nebenwirkungen hindurch gegangen: hitzewallungen, stimmungsschwankungen, schlaflosigkeit, unruhe, gereiztheit, große müdigkeit, appetitlosigkeit, keine lust mehr auf körperliche nähe, um nur einige zu nennen. ich hatte glück, keine chemo machen zu müssen, da mein tumor nicht gestreut hatte. dafür habe ich die bestrahlung nicht sehr gut vertragen. ich war völlig erledigt und verbrachte tage auf dem sofa oder eierte mit dem hund ums haus. es ist mir ein rätsel, wie es manche frauen schaffen, während der bestrahlung arbeiten zu gehen. ich habe aber zahlreiche getroffen, die die bestrahlung kaum als belastend erlebt haben. grundsätzlich habe ich immer wieder erlebt, dass die eine frau das eine, die andere frau das andere besser verträgt. es lässt sich schwer auf einen nenner bringen. mein persönlicher horror heißt: zoladex. wenn ich diesen riesen-oschi von spritze schon sehe, wird es mir anders. das ganze letzte jahr war ich nach der spritze regelmäßig 2 tage völlig schlapp und musste in der regel zu hause bleiben. zoladex ist grässlich. aber ich bin andererseits doch froh, dass es das gibt! die letzten beiden male war es besser und ich habe grund zur hoffnung, dass ich mich daran gewöhne. die schwester lässt die örtliche betäubing nun doppelt so lange einwirken, so dass ich die injektion kaum noch spüre. und nach der letzten spritze war ich nur noch 1 tag schlapp und am nächsten konnte ich schon wieder reiten gehen.

zometa habe ich bislang 2x bekommen und es jedesmal erstaunlich gut vertragen. es gibt viele, die vor allem die erste infusion schlecht wegstecken und tagelang heftige gliederschmerzen haben.

wie geht es mir jetzt mit der therapie, nach fast 1 jahr? grundsätzlich kann ich sagen: das hängt immer ganz davon ab ob ich gerade meine gut-schlaf- oder schlecht-schlafphase habe. seit 1 woche schlafe ich wieder gut. enstprechend gut und stark fühle ich mich. davor hatte ich eine ausgeprägte 3 wochen anhaltende schlecht-schlafphase mit im schnitt 3 stunden schlaf pro nacht. entsprechend mies ging es mir in dieser zeit. ich bin dann müde, unkonzentriert, nicht belastbar, verheult und tendenziell depri. das richtige mittel gegen die schlaflosigkeit habe ich noch nicht gefunden. sport scheint zu helfen. und zwar sport, der müde macht, zum beispiel 3x die woche 40-60 minuten joggen oder, wie jetzt, 3 x die woche 40-60 minuten schwimmen. es ist nicht so, dass ich danach immer schlafe wie ein stein aber ich fühle mich dann ausgeglichener, auch wenn ich schlecht schlafe. derzeit handhabe ich das mit der schlaflosigkeit so: ich genieße und nutze die gut-schlafphasen und akzeptiere zähnknirschend die schlecht-schlafphasen in dem bewusstsein, dass sie vorüber gehen, irgendwann. und das es schlimmeres gibt.

das reiten tut mir gut, eindeutig. selbst wenn ich mich völlig erschlagen fühle während ich zum pferd fahre, danach fahre ich immer zufrieden und pfeifend zurück. das schreiben tut mir ebenfalls gut. manchmal fühle ich mich grässlich und wenn ich anfange darüber zu schreiben, fängt es mir währenddessen an gutzugehen. es macht sinn danach zu suchen, was einem in dieser situation weiterhilft, was einen gut fühlen lässt. grundsätzlich habe ich begonnen, mich an dem zu orientieren, was mir gut tut und mich von dem abzuwenden, was mir nicht gut tut. das ist sehr hilfreich und gar nicht mal so schwer. wenn man erstmal damit begonnen hat, erwacht das innere alarmsystem von ganz alleine und macht laut und deutlich *biieeep* *biieep* *biieep*, wenn man sich in gefahr begibt. kennt ihr „raab in gefahr“? ich nenne es dann „katerwolf in gefahr“.

ich habe 2010 krankheitsbedingt insgesamt 6 monate in der arbeit ausgesetzt. ende juli fing ich meine stufenweise wiedereingliederung an. ich hatte mich für eine schnelle wiedereingliederung entschieden und zwar 2 monate lang. ende september habe ich wieder begonnen vollzeit zu arbeiten. das würde ich heute nicht mehr so machen. es war zu schnell und ich hatte mich überschätzt. die 3 monate vollzeit im letzten jahr waren für mich sehr belastend, da ich zum einen gemerkt habe, dass die dafür erforderliche belastbarkeit noch nicht da ist und zum anderen das schlechte gewissen tickte, dass ich nicht so belastbar bin, wie es erforderlich war. hinzu kam, dass ich abends meist zu müde war um noch sport zu machen. ich schlief sehr schlecht, nachts plagte mich die innere mentale foltermaschine und ich kam in einen unguten kreislauf rein. was ich aber merkte! bereits in der reha legte man mir nahe, beruflich für einen bestimmten zeitraum kürzer zu treten. so habe ich mich entschlossen, ab 2011 für 2 jahre teilzeit zu arbeiten. seit gestern also. ich bin über diese entscheidung sehr froh. insgesamt schaue ich neugierig dem noch frischen jahr entgegen.

soviel für heute, liebe grüße, katerwolf 😆

Dies & Das, Ananas

reimt sich 😆

ansonsten:

wenn ich aus dem fenster schaue, kann ich es kaum fassen. ich kann mich nicht erinnern, so ein wetter im dezember in meiner heimatstadt jemals erlebt zu haben. ihr? es ist wunderschön, ABER ich habe muffe, dass es weiterschneit und mein sohn am donnerstag nicht mit dem flieger aus ungarn kommen kann. drückt die daumen, dass das wetter uns keinen streich spielt. darüber wäre ich sehr, sehr traurig.

gestern bin ich wagemutig im dichten schneegestöber zum pferd gefahren. kam mir vor wie auf einem anderen planeten. kaum ein auto unterwegs, überall schneeberge. ich bin erstaunlich gut durchgekommen, obwohl der stall auf dem land hinter 7 bergen liegt. lola ging schnaubend auf hufspitzen aus dem stall, freute sich insgesamt aber offensichtlich sehr über die abwechslung. wir waren alleine auf weiter flur. ich schwöre, die anderen pferde waren neidisch. joschi kam auch auf seine kosten. wurde mehrfach gestriegelt, pfoten ausgekratzt und diverse pferdeleckerli abgestaubt. starb dann allerdings vor eifersucht, als ich mit lola in der halle verschwand. ohne ihn. anstatt wie gewohnt im wald. mit ihm. schaute offen missgünstig, als ich lola eine warme pferdedecke überzog. ohjeh, da bahnt sich was an. nach pfoten auskratzen, ihr wisst schon.

joschi vergisst derzeit ein wenig seine tibetischen hochlandwurzeln. läuft 2-3-beinig durch den schnee und wäre lieber im süden.

seit ich aus südafrika zurück bin, also seit nunmehr 4 wochen, habe ich sehr viel arbeit und komme darüber hinaus zu wenig. auch zum bloggen. freue mich auf ein paar freie tage und zeit. zeit. zeit. auch zum bloggen.

seit mitte september arbeite ich wieder voll. und tue mich zuweilen schwer. die alte belastbarkeit lässt noch auf sich warten. ob sie jemals wiederkommt? wie auch immer: ich bin froh, dass ich ab januar auf 3/4 reduziert habe.  ich brauche mehr zeit. auch zum sport, der in den letzten 4 wochen litt. und dabei so essentiell wichtig ist für meine weitere genesung. auch deshalb bin ich froh, im januar mehr zeit zu haben.

ich habe in den letzten 4 wochen insgesamt etwa 5 stunden geschlafen. so kommt es mir zumindest vor. tamoxifen und zoladex machen es möglich. die extremen schlafstörungen sind sehr belastend. ich habe schon alles mögliche probiert. medikamentös ist das bei gleichzeitiger einnahme von tamoxifen eine heikle sache.  die ich daher einfach meide. aber auch ausdauersport und autogenes training und tiefenentspannung und heiße milch und weiß der geier, helfen nicht. ich habe aber herausgefunden, dass diese schlafstörungen zyklisch verlaufen. in etwa so: 3-4 wochen furchtbar mies schlafen. dann kommt eine etwa 2 wöchige gute schlafphase. man munkelt, dass man sich nach etwa 1-2 jahren an tamoxifen und zoladex gewöhnt und die nebenwirkungen nachlassen. ich glaube also daran. und dann wäre auch land in sicht. ende januar habe ich 1 jahr geschafft. das wird.

trotz nichtschlafen und trotz diagnose brustkrebs geht es mir erstaunlich gut. und es geht mir immer besser.  in mir manifestiert sich immer deutlicher das bewusstsein: ich lebe nicht nur noch sondern ich habe überlebt. und bin immer mehr davon überzeugt, dass es auch so bleibt. und darüber freue ich mich jeden tag aufs neue. egal was sonst ist. ich stehe auf und genieße den tag.  sympathisiere mit dem gedanken, mir ein t-shirt mit dem aufdruck I survived breastcancer zu machen und zu tragen. ist vermutlich aber zu makaber.

geständnis des tages: ich habe angefangen die twilight-bücher zu lesen. und bin jetzt süchtig. bin ein wenig traurig, dass mein mann kein vampir ist.  für manche dinge wird man nie zu alt. wunderbar!

Kleiner Schwimmteufel

ich habe heute meinen inneren schweinehund überwunden und war nach der arbeit in unserem frisch renovierten, nun heiter buntem hallenschwimmbad. ich soll doch sport machen! ganz, ganz viel sport! in erster linie ausdauersport. mindestens 3x die woche 40 minuten. seit wir aus südafrika zurück sind, gehe ich zwar 2-3 x die woche reiten, was riesigen spaß macht, ausdauertechnisch aber eher nicht so zählt. und bei dem wetter joggen? och nö.

aber genug ist genug. drum habe ich heute gleich nach der arbeit den schwimmbeutel gepackt und bin losgebraust. und geschwommen. 40 minuten. jawoll. und das hat sehr, sehr gut getan. und der schweinehund hat sich in irgendetwas zufrieden schnurrendes verwandelt. sehr schön.

als ich so meine bahnen durch das 50-meter-becken pflügte, nahm ich durch meine schwimmbrille die eine oder andere wunderliche szene wahr. so zum beispiel 2 sehr betagte damen mit disco-bademützen. turbanartige, schwarze bademützen mit allerlei strass und flitter obenauf. spitz pass auf! oder einen ebenso betagten herrn, der ein einkaufsnetz auf dem kopf hatte und sich durch dasselbe die haare föhnte. später sah ich ihn schick gekleidet und mit bemerkenswerter elvis-frisur aus der umkleide stolzieren.

und da kam eine erinnerung in mir hoch. an meine mama. vor 2 jahren sind wir öfters zusammen schwimmen gegangen. ich habe eine junge mama. die noch jünger aussieht, als sie ist. sie ist schön. war immer schön, ist schön, wird immer schön bleiben. sie wirkt sehr auf männer. „das wird so sein, bis der deckel zugeht“, sagt sie selbst.

ich bin ja nun auch nicht mehr die jüngste, aber jünger als meine mama schon. nichtsdestotrotz ist es nach wie vor der fall, dass, wenn ich mit meiner mama irgendwo auftauche, alle männer nach ihr schauen. ich werde höchstens wohlwollend zur kenntnis genommen. wer es nicht weiß, würde nie auf die idee kommen, dass sie meine mama ist. „wie heißt denn deine freundin?“ werde ich in der regel gefragt. meine liebe mama. meine auch überaus humorvolle, spontane, zu allen schandtaten bereite, lebenslustige und hoffnungslos verrückte mama. war vor 2 jahren also mit mir zum ersten mal schwimmen.

während ich bereits nach 5 minuten fertig aus der umkleide in die schwimmhalle eilte, ließ sie sich zeit. ich wartete. in meinem ältesten, leicht aus der form geratenem badeanzug, schwimmbrille und straff auf dem hinterkopf zusammengeknoddelten haaren. ist ja egal, war ja nun zum schwimmen da! und nicht zum casting für germanys next badenixe. und da kam meine mama in die schwimmhalle. in einem schwarzen badeanzug mit roten blumen drauf, die haare schön, geschminkt und fröhlich in die runde schauend. wir glitten ins becken und machten uns an die arbeit. ich zumindest. mit zielgerichtetem blick teilte ich das wasser bahn für bahn während meine mama mit zierlichen schwimmbewegungen adrett im becken herumschwamm. nach einer weile machte sie mir handzeichen, dass ich zu ihr schwimmen soll und verkündete:

„ich habe einen verehrer.“

ich (fassungslos): „wie jetzt? hier? wo?“

sie: „schau mal, der alte sack da drüben!“

ich verdrehte hals und kopf und schaute in die angedeutete richtung. tatsächlich. da schwamm ein kraulender greis und warf ihr eindeutig lüsterne blicke zu.

ich (immer noch fassungslos): “ hä? wie kommst du denn hier zu einem verehrer?“

sie: „ist doch ganz einfach. er schwamm an mir vorbei und machte mir ein petzauge. ich lächelte zurück und da raunte er mir zu: „na, du kleiner schwimmteufel?““

ich (komplett fassungslos): „was? das glaub ich nicht! ich kann 100 jahre ins schwimmbad gehen und ich schwöre, zu mir sagt keiner „du kleiner schwimmteufel.““

sie: „du bist aber auch immer so verschlossen.“

daran musste ich heute denken im schwimmbad. ich muss unbedingt wieder mit meiner mama schwimmen gehen. macht deutlich mehr spaß als alleine.