Nachsorge: Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt…

…dann ist es heute ein heiteres, stilles lied voller glück.

heute war meine brustkrebsnachsorge. die, moment mal *zähl* achte. im januar vor 2 jahren wurde ich mit der diagnose brustkrebs konfrontiert und begann mit meiner therapie: brusterhaltende operation und im anschluss antihormontherapie und zometa als zusatztherapie. ich nehme täglich eine tablette tamoxifen ein, alle drei monate bekomme ich eine enantone-spritze und alle 6 monate eine infusion mit bisphosphonaten, zometa. ich habe 1 jahr lang mistelspritzen bekommen und habe insgesdamt 2 akupunkturbehandlungen und weiterführende TCM-behandlungen (traditionelle chinesische medizin) gemacht.

ich gehe seitdem alle drei monate zur nachsorge. es wird ultraschall der brust, der gebärmutter und der leber gemacht. blut überprüft. ein abstrich gemacht. und alle 6 monate kommt eine mammographie hinzu. außerdem gehe ich alle 4 wochen zu einem psychoonkolgen, mit dem ich über meine verborgenen ängste sprechen kann, wofür ich sehr dankbar bin. ich habe bislang insgesamt 2 rehas in anspruch genommen und werde versuchen, dieses jahr meine dritte und letzte reha genehmigt zu bekommen.

im vergangenen jahr spürte ich, dass es mir anfing, immer besser zu gehen, kraft zurückkam, die fähigkeit, wieder in die zukunft planen zu können und ein stück weit mehr belastbarkeit. lebenswille und lebensfreude waren nie mein problem, die meldeten sich schon 1 woche nach der operation zurück. problematisch war die angst, die mal mehr, mal weniger stark mein denken und handeln beeinflusste. wie eine innere uhr, die tickt. im verborgenen. mal leise, mal laut. ich habe das aber akzeptiert, denn wie, bitte schön, soll man keine angst haben, wenn man an krebs erkrankt. im vergangenen sommer, während meiner 2. reha auf föhr, habe ich ein großes stück angst losgelassen. ich merke das an einer erstmals einsetzenden entspannung und gelöstheit in mir. zum jahreswechsel spürte ich das ganz deutlich, ein schönes gefühl!

und heute war meine nachsorge. mein arzt ist ein toller typ. wenn ich ihn nicht gehabt hätte und hätte 🙂 er eröffnete mir, dass nun 2 teile meiner therapie bereits zu ende gehen. dass ich vor 2 wochen meine letzte enanatonespritze bekommen habe und im märz ist meine letzte zometainfusion. bleibt nur noch das tamoxifen. ich bin zuerst total erschrocken und sagte ihm, ob das einfach so geht und ob ich dann nicht deutlich schutzloser wäre. aber dem ist nicht so, beteuerte er mir, ich wäre damit einfach durch. und ich solle nun aufhören, mir sorgen zu machen, meine prognose sei ausgezeichnet und ich soll in die zukunft schauen.

erst als ich im auto saß und nach hause fuhr, fing ich an zu begreifen. habt ihr den stein von meinem herzen plumpsen gehört, bis zu euch? ich dachte, man müsse den plumps bis nach australien gehört haben. und während sich in mir ein stilles, strahlendes glück ausbreitete, wurde mir bewusst, dass ich in dem moment das erste mal ernsthaft daran glaubte, den krebs zu besiegen. vielleicht sogar schon besiegt habe *verwegen guck*.

es geht voran. heute ist einer der schönsten tage meines lebens.

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Brustkrebs: Belastbarkeit und Grenzen

das ist ein thema, mit dem man sich als betroffene immer wieder auseinandersetzt. wenn ich mein brustkrebstagebuch seit februar 2010 so durchblättere, wird mir klar, dass es ein zentrales thema ist. und ich sehe, dass sich phasen voller energie mit phasen der schwäche abwechseln. nur die gewichtung hat sich verändert.

zu beginn gab es einfach nur schwäche. dann kam ziemlich schnell der lebenswille wieder, und mit ihm brach eine sehr starke energie durch. zu beginn rein gesitig: ich will leben. nach und nach wandelte sich dieser gedanke zunächst zaghaft und dann immer stärker in: ich werde auch leben. mein starker wille und positive lebenseinstellung zieht sich von anbeginn durch den gesundungsprozess. ab mai 2010 habe ich langsam wieder begonnen, mich körperlich aufzubauen. mit lauftraining, schwimmen, spaziergängen, golf. mit zunehmender körperlicher stärke stieg auch mein allgemeines wohlbefinden wieder an.

im juni 2010 kam die reha. die reha sehe ich nach wie vor als einen wendepunkt. ich hatte endlich 3 wochen lang zeit, mich intensiv mit all dem, was geschehen war, auseinanderzusetzen und dabei professionelle hilfe in anspruch nehmen zu können. das war einfach ein geschenk des himmels. oder besser gesagt, der deutschen rentenversicherung 😉 . ein einschneidendes ereignis der reha war auch, dass ich nach etwa 20 jahren wieder den weg aufs pferd gefunden habe. dieser wiedereinstieg in eine alte leidenschaft war mit das beste, was mir seit meiner erkrankung passiert ist. und was soll ich sagen, ihr wisst ja, dass ich seit märz diesen jahres wieder ein eigenes pferd habe. ein riesiges glück ist das 😆

gegen ende der reha hatte ich das gefühl es „geschafft“ zu haben, obgleich mich die vorstellung, 2 wochen nach meiner rückkehr mit der beruflichen wiedereingliederung zu beginnen, sehr verunsicherte. ab mitte september 2010 arbeitete ich wieder vollzeit. und ging kräftemäßig komplett baden. völlig überfordert entschied ich mich, ab januar 2011 auf 75% zu reduzieren. tja. und seitdem merke ich, dass es irgendwie holpert und poltert. es ist nicht einfach, wieder seinen platz im leben zu finden. das alte passt nicht mehr. und das neue passt noch nicht. in mancher hinsicht passt es zwar besser, aber es ist ungewohnt und nach wie vor jeden tag eine prüfung. mal eine kleinere, mal eine größere prüfung. das, was vor allem nicht mehr passt, ist die alte belastbarkeit. die ist futsch. ich würde sagen, ich bin jetzt etwa bei 50%. ob vorübergehend oder ganz und gar, das weiß ich nicht. jedenfalls geht mir ganz schön schnell die puste aus. nach wie vor. und das ist nicht einfach.

das größte problem ist für mich die berufliche herausforderung.  ich dachte, ich könnte es zunächst etwas langsamer angehen. und ich habe nicht damit gerechnet, dass sich meine berufliche situation ausgerechnet jetzt so verändern würde, wie sie das tat und immer noch tut. und mich so sehr fordern wird. ich mache oft schlapp. trotz 75%. ich denke aber, ich würde auch mit 50% schlappmachen. ich bin mir sicher, dass es einen weg gibt, auf dem man es schafft, das richtige maß zu finden. nur, ich habe diesen weg noch nicht gefunden. da arbeite ich dran, hole mir hilfe bei diesem prozess und halte immer wieder inne. und schieße genauso oft über das ziel hinaus.

das stichwort heißt grenzen. neue grenzen wahrnehmen, setzen, akzeptieren und nicht dauernd damit hadern. *pffft*. wer jetzt sagt, das ist einfach, der kriegt eins auf die mütze 😉

aber ich will das schaffen. das ist mein ziel nummer 2. mein neues leben so in einklang zu bringen, dass es mir leicht fällt. mit den kräften so hauszuhalten, dass sie ausreichen. ziel nummer 1 heißt überleben und sehr, sehr alt zu werden, gesund alt zu werden. und ich vermute mal stark, dass ziel nummer 1 mit ziel nummer 2 zusammenhängt 😆

ich habe im leben immer ordentlich gas gegeben, früher viel gelernt und ab einem bestimmten zeitpunkt viel gearbeitet. mir sehr viel erarbeitet. nun merke ich, dass ich diese leistung nicht bringen kann. ob noch nicht oder nicht mehr, das wird die zeit zeigen. natürlich habe ich auch angst vor verlust. meine berufliche position nicht halten zu können. ich finde mich zu jung dafür. ich weiß natürlich, dass nichts so wichtig ist wie die gesundheit und das leben selbst. natürlich weiß ich das. aber mal unter uns:

leistung, belastbarkeit, verantwortung, pflichtbewusstsein, erfolg. es sind dies die dinge, die man in die wiege gelegt bekommt. und die man dann in seinem leben zementiert. wenn man dann so unterwegs ist all die jahre und sein lebenshaus aufbaut. die angst, seine materielle grundlage, vielleicht auch seinen status zu verlieren, ist unterbewusst sehr mächtig. das leben selbst ist wichtiger. die gesundheit. ich weiß, ich weiß. aber gebt ihr mir trotzdem recht, dass diese innere „materielle“ triebfeder eine starke macht hat? und gebt ihr mir auch recht, dass es schwierig ist, gerade diese strukturen zu ändern. auch wenn man nun gesundheitlich gezwungen wird, sie zu ändern, macht es das nicht unbedingt leichter. vielleicht eine zeitlang. aber kaum geht es einem besser, stellt sich der alte stachel wieder auf und sagt munter: „da geht doch noch was!“ und man denkt wieder:“ so, jetzt mache ich ein bisschen langsamer und nächstes jahr bin ich wieder voll dabei.“

es ist das bewusstsein, vielleicht nicht mehr voll dabei sein zu können, das einen immer wieder runterholt. auf den boden der tatsachen. das zu akzeptieren, ist gut und gesund. es erleichtert einem viel. und hilft einem, mit sich ins reine zu kommen. aber leicht ist das nicht.

ich bin froh, dass ich so bin, wie ich bin. und die fähigkeit habe, dinge dfferenziert betrachten zu können. und mit so viel lebenswillen und positiver energie ausgestattet zu sein. ich glaube, das mir das sehr hilft. und ich hoffe, dass das leben, das ich so unendlich liebe und genieße, mir noch sehr, sehr lange erhalten bleibt.

 

Depri-Wolf ein wenig beruhigter

nachdem ich nun panik verbreitet habe und ihr euch um mich sorgt, ihr lieben, ihr seid so lieb, will ich euch noch kurz schreiben, was mir mein arzt eben am telefon gesagt hat. ich konnte nicht mit meinem eigenen arzt sprechen, der in urlaub ist, dafür aber mit seinem kollegen. das macht insofern nichts, da die beiden ärzte in derselben praxis eng miteinander arbeiten. ich schätze meinen arzt immer sehr dafür, dass er nichts schönredet und dennoch konstrunktiv ist und kompetent. sein kollege machte am telefon den gleichen eindruck auf mich und war mit meinem fall vertraut. das ergebnis des gespräches verstehe ich so:

  • die mit zometa arbeitenden ärzte sind von den neusten erkenntnissen über das präparat ebenso überrascht und etwas ernüchtert (und vermutlich auch frustriert).
  • zometa scheint tatsächlich bei der gruppe der prä-menopausalen frauen nicht das gewünschte ergebnis zu bringen. aus diesem grund wird es in meiner praxis (und vielen anderen auch) auf diese gruppe nicht mehr weiter angewendet.
  • durch die einnahme von zoladex bzw. enantone ist man aber post-menopausal und hat einen entsprechend niedrigen östrogenspiegel. auf diese gruppe von frauen hat zometa eine wirkung. wie stark diese wirkung ist, kann man im moment nicht klar sagen. es laufen jetzt neue studien darüber.
  • die bisherige einnahme von zometa hat mir nicht geschadet. ob sie allerdings die gewünschte wirkung bringt, kann man derzeit nicht sagen. die nächste infusion steht für mich im september an und bis dahin weiß man vielleicht schon mehr. vor allem, ob ich es weiter nehmen werde.
  • es gibt keine garantie dafür, dass man gerade eine von denen innerhalb einer gruppe ist, auf die die positive wirkung zutrifft. das ist für mich ein wichtiger satz, da er vieles relativiert. mag für viele vielleicht negativ klingen. für mich rückt es einiges wieder ins rechte licht.
  • tatsächlich kann man im moment nicht mit sicherheit sagen, ob zometa die gewünschte wirkung bringt. es gibt im moment einige, voneinander abweichende meinungen und man muss da jetzt ein bisschen abwarten.
  • ich habe auch ohne zometa eine gute prognose.
  • man kann bei einer brustkrebserkrankung selbst viel für seine gesundheit tun (sport, ernährung, etc). man sollte auch auf eine gesunde und postive psyche hinarbeiten. es hilft alles zu tun, was helfen könnte. und dann muss man einfach feste darauf vertrauen, dass man überlebt. eine garantie dafür hat man nicht. aber wer hat die schon. alles nicht so einfach. aber es geht mir wieder etwas besser. trotz ernüchterung.