Kurs zur Brustselbstuntersuchung

ich habe gestern einen kurs zur brustselbstuntersuchung gemacht. da ich ein sehr dichtes drüsengewebe habe, gehe ich seit vielen jahren regelmäßig zur vorsorge (alle 6 monate, abtasten durch gynäkologin, ultraschall, alle 2 jahre mammographie). trotzdem habe ich anfang des jahres selbst und zufällig einen  knoten in meiner brust entdeckt, der sich als bösartig erwiesen hat. als ich den knoten entdeckt habe, war er 1, 4 cm groß. das ist nicht allzu groß, aber doch über 1 cm. mein tumor ist über viele jahre sehr langsam gewachsen, d.h. bei meiner letzten vorsorge, 4 monate zuvor, war er bereits in etwa so groß. weder der tastbefund noch der ultraschall haben ihn gefunden. solche dinge passieren, tagtäglich, 1000-fach. etwa jede 10. frau erkrankt an brustkrebs. unabhängig von alter, lebensführung und familiärer vorbelastung. es kann jede treffen. das blöde ist, dass man selbst immer denkt: mich nicht! das ist ein irrtum. ich kenne in meinem umfeld zahlreiche frauen, die deshalb mit der vorsorge schluren. oder aber, weil sie angst haben, dass bei der vorsorge etwas gefunden wird.

auch ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich nie brustkrebs oder krebs generell bekomme. vielleicht mal einen herzinfarkt, aber krebs? ne, definitiv nicht. ich rauche nicht, ernähre mich gesund, mache regelmäßig sport, in der familie gibt es über generationen keinen krebs und ich bin unter 50, noch nicht in den wechseljahren. als sich in meinem körper eine zelle entschloss, zum tumor zu mutieren, war ich gerade mal knapp 40.  woher ich das so genau weiß? ein tumor wird nach der op sehr genau untersucht und gibt detaillierte aufschlüsse über seine eigenschaften. etwa, wie langsam bzw. schnell er gewachsen ist, wie aggressiv er ist, etc. meiner hat sich etwa 7 jahre zeit gelassen. man könnte jetzt sagen, ich sei so gar nicht der krebstyp. aber das ist leider eine böse falle, denn den krebstyp gibt es nicht. es kann, wie gesagt, jeden treffen.

dass ich trotz meiner peniblen vorsorge den knoten selbst entdeckt habe, hat mich erschüttert. andererseits war es auch mein glück, hätte ich gewartet, bis er bei einer der nächsten vorsorgen entdeckt bzw. wieder übersehen worden wäre, wäre es möglicherweise zu spät gewesen. für eine gute prognose und überhaupt. in dem kurs gestern habe ich unter anderem gelernt, dass eine gründliche brustselbstuntersuchung 1x pro monat etwa 45-60 minuten dauert. mal ehrlich, welcher arzt hat die möglichkeit, sich diese zeit zu nehmen? aber man hat die zeit selbst, jaaaaaaa, die stunde 1x im monat hat man! sicher gibt einem diese technik keine garantie dafür, dass man einen vorhandenen knoten immer zuverlässig entdeckt. das nicht. aber sie gibt einem die chance und das ist sehr viel!

solltet ihr euch also entschließen, einen solchen kurs zu machen, investiert ihr in euer leben. hört sich gut an, oder? ich weiß nicht, wie das an eurem wohnort gehandhabt wird, ich kann euch also nur sagen, wie es bei uns ist. bei uns gibt es 2 brustzentren, in 2 verschiedenen kliniken. sie kooperieren miteinander. in meinem brustzentrum haben sich 3 krankenschwestern aus der frauenklinik in dieser technik fortgebildet und bieten nun den kurs an. das ist großartig von ihnen, vielen dank ihr 3!!!! der kurs dauert etwa 3 stunden und kostet 25 euro. die teilnahme ist pro kurs auf 2-3 frauen beschränkt. bei uns jedenfalls.

wir waren gestern 2 frauen und schwester susanne. nach einer kurzen einführung in die anatomie der weilblichen brust wurde zunächst die richtige tasttechnik vermittelt. es gibt 3 verschiedene druckstärken, da die knoten in verschiedenen tiefen des gewebes liegen können: direkt unter haut (eher leichter zu ertasten), in mittlerer tiefe (geht auch noch gerade so) und ganz tief, fast am knochen (sehr schwer zu ertasten). dann haben wir diese technik zunächst an 2 modellen geübt. in den 2 silikonbrüsten waren jeweils in unterschiedlicher tiefe knoten verschiedener beschaffenheit und größe eingearbeitet. am ersten modell waren sie sichtbar und wir sollten einfach ein gespür für sie bekommen. es gibt kleine erbensförmige, klar umrissene, harte knoten, die fest an einer stelle sitzen und sehr leicht als fremdkörper ertastet werden. dann gibt es weiche, traubenartige, nicht klar umrissene, bewegliche knoten. die sind fies, da sie unter den fingern wegflutschen (so einen hatte ich) und dann gibt es noch welche, die ganz tief in der brust sitzen, man kann sie, wenn überhaupt, nur durch starken druck finden. aber man kann! im 2. modell sind sie von außen nicht mehr sichtbar, nur von unten. man legt sich das modell in rückenlage neben die brust und tastet wieder. wenn man einen knoten ertastet, prüft die kursleiterin, ob es auch ein knoten war oder nur drüsen- oder fettgewebe. wir haben die knoten alle ertastet. nach dieser übung tastet man dann die eigene brust ab. zunächst die achselhöhle. dann den ganzen quadranten zwischen achselhöhle, schlüsselbein bis hin zum unteren brustansatz und zum brustbein (so in etwa jedenfalls). zentimeter für zentimeter. zum abschluss werden noch die partien unter- und oberhalb des schlüsselbeins abgetastet. ich bin echt froh, den kurs gemacht zu haben, meine brüste werden künftig 1x im monat von mir ins visier genommen.

vielleicht gibt meine geschichte der einen oder anderen von euch den anstoß, es auch zu tun, ich fände das super!!!

Neues aus dem Brustkrebs-Tagebuch

wird mal wieder zeit für mein brustkrebs-tagebuch. immer nur lustige hundegeschichten, das geht ja auch nicht tstststs 🙄

meine familie ist wieder da. nach 2 wochen florida ohne mich sind sie wieder da und so gut mir die 2 wochen alleine auch getan haben, bin ich doch froh, dass sie heil wieder da sind. und so gut erholt. hat spaß gemacht, mir die reiseerlebnisse anzuhören. allerdings wurde mir auch bewusst, dass, auch wenn ich mit gekonnt hätte, es mir tatsächlich zu anstrengend gewesen wäre. hat der gute alte arzt also recht gehabt.

ich glaube, die haben mich vermisst, mein mann hätschelt mich und mein 19-jähriger sohn knuddelt mich, was er seit einer weile eigentlich nicht mehr so macht. jetzt wird geknuddelt, was das zeug hält 😛

heute nacht hatte ich einen traum. ich habe geträumt, dass ich mit meinem türkischen metzger zusammen mit anderen menschen am tisch sitze und esse und rede. nach dem essen gehe ich zur toilette und als ich wieder zurück komme, ist da nur noch eine große windschiefe bretterscheune. alle sind weg. ich öffne mühsam und rüttelnd die scheunentür, die sperrig in den angeln hängt und trete hinaus. und bin mitten in einer mir fremden stadt. die stadt ist eine mischung aus marrakesch und new york, eine orientalische und doch moderne stadt. die gassen sind sonnenhell und voller menschen. ich stehe eine weile unsicher und orientierungslos und auch fassungslos da und frage mich, wo meine mir bekannte welt geblieben ist und wo ich überhaupt bin. dann treibt mich die neugier voran und ich tauche in die sonnigen gassen mitten in die menge ein und denke mir: „wow, ich wusste gar nicht, dass new york soo toll ist. ich ziehe hierher.“

und, ihr traumdeuter unter den bloggern, wie interpretiert ihr den traum? würde mich interessieren!

in den letzten tagen merke ich, dass mein bewusstsein nicht mehr so aktiv mit brustkrebs beschäftigt ist. irgendwie ist es tiefer gerutscht und arbeitet dort weiter. weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. heute morgen dachte ich mir, dass es vielleicht nicht gut ist und ich daher nachlässig werde. aber mit was eigentlich? als hätte ich angst, dass der krebs zurück kommt, nur, weil ich nicht dauernd auf ihn achte. als könnte ich einen rückfall aufhalten, indem ich mich ständig darauf konzentriere. als würde man einen fixen punkt anschauen. und wenn man wegschaut, verschwindet der punkt unauffindbar. dabei kann ich das doch gar nicht kontrollieren. ich kann nicht kontrollieren, ob ich einen rückfall bekomme oder nicht. ich kann nur mein möglichstes tun, um mein immunsystem, meine seele, meinen geist und körper zu stärken.

ich habe das gefühl, dass sich meine wahrnehmung verschiebt. 3 monate ist es jetzt her, seit der diagnose, 2 seit der operation. es ist fast so, als würde ich schichtweise wieder auftauchen aus diesem alptraum. heute empfinde ich ganz deutlich, dass ich wieder anfange, meine nasenspitze und den kopf ins leben rauszustrecken.  schnupper schnupper. ich sag euch, ihr glaubt nicht, was man da mental und emotional so mitmacht! was für eine reise. während ich hier so meinen gedanken freien lauf lasse, fange ich an, meinen traum zu verstehen.

mein mann hat mir gestern den stern mitgebracht. den mit dem leitartikel über die an brustkrebs erkrankte Sylvie van der Vaart. ich habe den artikel gestern sehr aufmerksam gelesen. dabei ging mir folgendes durch den kopf. tja, liebe sylvie, ich kann genau verstehen, wie du das, was du sagt, meinst. so traurig es auch ist, wenn egal wer an krebs erkrankt, so hat es doch was gutes, wenn es ein promi ist. denn dann wird etwas öffentlich, was gerne verschwiegen wird. viele frauen gehen aus angst davor, dass etwas entdeckt werden könnte, nicht regelmäßig zur gründlichen vorsorge. ich kenne einige davon.

hey, ihr da, die das lest: lasst euch regelmäßig untersuchen. lasst euch zeigen, wie ihr eure brust selbst untersuchen könnt und macht es. verlasst euch nicht rein auf die mammographie. meinen tumor hat sie übersehen. macht regelmäßig eine gründliche mammasonographie. wenn eure kasse das nicht zahlt, fragt nach, was die untersuchung kostet und zahlt ggf. selbst. in meinem fall hat sie unter 100  gekostet. lasst sie von einem kundigen arzt machen. holt euch im zweifelsfall eine zweite meinung ein 😆