Zurück in heimischen Gefilden

so, da bin ich wieder. es kommt mir vor, als wäre es hier heißer als in der türkei :twist:

der urlaub war übrigens trotz meiner cluburlaub-lästereien, die ihr so süß kommentiert habt, sehr schön. wir haben es uns gutgehen lassen. ich habe viel aufs meer geschaut, war ab und an auch mal drin, habe gut und reichlich gefuttert, das eine oder andere mal getanzt und ab und an sport gemacht. aber wirklich nur ab und an. in dem club gab es einen chill-out-hügel. das war das tollste überhaupt. auf einer düne am strand war eine art überdachte holzterrasse mit lounge-sitzkissen, von denen man wunderbar aufs meer hinausschauen konnte. am nachmittag gab es chill-out-musik und wein. das saß ich dann jeden nachmittag, trank das eine oder andere gläschen eisgekühlten rosé und lauschte dem gesang, dem meeresrauschen, dem wind…

und den welpen.

hähh, was für welpen? an dem einen morgen, als ich mich tatsächlich um achte in der früh zum yoga-sonnengruß auf den chill-out hügel hochkämpfte, bekamen wir spontanen besuch. ironie des schicksals: wir machten gerade den herabschauenden hund, als wir durch die beine hindurch 5 kleine punkte sahen, die vom strand her zu uns heraufrasten. 5 mini-kleine, sehr dünne hundewelpen. kamen aus dem nichts, sprangen auf die terrasse und fielen winselnd und schmusend über uns her. völlig irre. es entspann sich eine diskussion darüber, was man mit ihnen machen sollte, ob man sie ignorieren, wegjagen oder doch lieber füttern sollte. 3x dürft ihr raten, welche entscheidung sich durchsetzte. es bildete sich eine aus touris und clubmitarbeitern bestehende hunde-mutter-theresa-gruppe. wir fütterten, schmusten und bespielten die kleine mannschaft. sie sahen irgendwie erbärmlich aus, dünn, mit dicken, aufgeblähten bäuchen und verdächtig großen pfoten, schlappohren und wackelschwänzen. ein mix aus allem, würde ich sagen. herzerweichend. es dauerte genau 2 tage, da beschlossen gatte und ich, die kleine braune mitzunehmen. lili eroberte unser herz im sturm. wir brachten sie zum tierarzt, ließen sie entwurmen, impfen und untersuchen und freuten uns, dass sie gesund war. auch die übrigen welpen wurden von anderen paten und der couragierten club-hundemami, einer mitarbeiterin, zum arzt gebracht und versorgt. da wir in der nähe die mutter der welpen vermuteten, legten wir auch ihr regelmäßig futter zwischen die dünen. die welpen wurden immer propperer, schon nach wenigen tagen verloren sie ihre aufgeblähten bäuche, bekamen glänzendes fell und strotzten vor energie. am vorletzten tag schließlich passierte etwas ganz wunderbares. plötzlich erschien die welpenmama auf der terrasse und schaute uns sehr schüchtern und ängstlich an. wir lockten sie ein wenig und sie kam tatsächlich zu uns, fasste vertrauen, ließ sich schmusen und gab uns ihre pfoten. ich habe noch nie einen dankbareren hund gesehen, ehrlich. sicher hatte sie als straßenhund bislang nichts gutes erlebt und doch fasste sie so schnell vertrauen. UND, was besonders schön war, mit ihren neugewonnenen kräften fing sie die jungen wieder an zu säugen. großes kino.

happy end? gab es in diesem fall. die club-hundemama konnte durchsetzen, dass sie mama und welpen mit ins mitarbeiterhaus nehmen durfte, um sie weiter aufzupäppeln. die welpen sind bereits gut vermittelt. die mama wird, wenn sie sich erholt hat, sterilisiert und darf, wenn sie brav ist, bleiben. die welpen waren übrigens 4 wochen alt.

und hat joschi jetzt ein kleines, türkisches hundemädchen hier? nein, hat er leider nicht. die ausfuhrbestimmungen sind sehr kompliziert. der hund ist nach dem ganzen prozedere 8 monate alt, wenn er ausreisen darf. der arzt riet uns davon ab und meinte, mit 8 monaten sei er bereits geprägt und das wäre für alle beteiligten zu schwierig und man solle dies auch unserem mittlerweile 10-jährigen joschi nicht zumuten. dass sie nun vor ort gut vermittelt ist und sogar mit ihren geschwistern zusammen, ist ein großes glück. die kleine lili wird nun ein trüffel-such-hund.

Überleben im Cluburlaub: Der Primat und der Nörgler

Wir reisen heute tatsächlich ab, was für eine Tragödie! Zum Abschluss nun zwei besonders interessante Kategorien: Der Primat und der Nörgler. Beide kommen im Cluburlaub häufiger vor, als einem lieb ist. Den Primat erkennt man, je nach Preisklasse des Clubs, an seiner auffälligen Kleidung. Sie reicht von Oberhemd mit riesigen Aufnähern teurer Labels zu Designerjeans noch teurerer Labels mit weißen Nähten; Jogginganzüge zu Badelatschen; bis hin zu Sportshorts, Unterhemd und Adidas- Latschen. Sehr beliebt sind auch Shirts mit mannshohen Lettern des heimatlichen Fußballvereins, der die Club-Primaten gleich in feindliche Lager einteilt. Mag die Bekleidung auch unterschiedlich sein, so verbindet den Primat ein charakteristisches Zeichen: ein völlig debiler, stumpfer Gesichtsausdruck. „Häääh??“  Grunz. Eierkratz. Der Primat bleibt gottseidank unter sich und paart sich auch nur mit der von daheim mitgebrachten Dumpfschnecke. Anders Der Nörgler. Er bleibt nicht unter sich. Leider. Fleißig durchstreift er das Clubgelände und sucht nach Dingen, die nicht funktionieren. Und findet sie auch. In ausreichender Menge. Türen, die nicht schließen, tückische Stufen, Ruhezonen, in denen Menschen ihre Bücher zu laut umblättern, etc. Er ist grundsätzlich mit nichts zufrieden. Der Flug war grauselig, das Hotelzimmer ist es auch, das Personal unfreundlich, und dann das Essen, eine Zumutung! Will man ihn etwa vergiften? Und dann spricht in der Türkei keiner fließend Deutsch! Aber das ist ein Irrtum, denn viele Türken sprechen sehr gut Deutsch, er versteht sie nur nicht, weil sie Hochdeutsch sprechen. Tagsüber ist ihm zu kalt, nachts zu heiß. Nachts ist es ihm zu laut, da es doch tatsächlich Menschen gibt, die gute Laune haben und zum Spaß im Urlaub sind. Und überhaupt, zuhause ist es doch immer noch am schönsten. Leider bleibt er nicht dort, sondern reist in die Ferne, um dies allen dort weilenden Menschen Kund zu tun. Der Nörgler würde sich mit allen Kategorien gerne paaren-wenn er könnte. Es will sich nur keiner mit ihm paaren. Deshalb poppt er seine heimische Erna und rächt sich an allen anderen, indem er sie mit seiner Mängelliste zu Tode langweilt. So, ihr Lieben, jetzt schnell die Koffer packen, frühstücken und ab in den Flieger. So long!

Überleben im Cluburlaub: Der Individualist und der Einsame

Sehr schöne Kategorie, das. In jedem Cluburlaub trifft man den einen oder anderen Individualisten. Er ist, hm, einfach anders. Man erkennt ihn sofort, sei es an seiner leicht exzentrischen Kleidung oder daran, dass er sich abseits hält. Er hält sich von größeren Gruppierungen fern, ist kultiviert, liest Platon und macht sein Ding. Der Indivudalist verfügt in der Regel über Bildung und Humor und ist eine Bereicherung, da man mit ihm, wenn man abends zufällig mit ihm am Achtertisch landet, über viel mehr als den Golfabschlag an Loch 3 reden kann.

Auf den ersten Blick kann man ihn leicht mit der Kategorie Der Einsame verwechseln. Mit dem Unterschied, dass sich der Individualist freiwillig absondert, Der Einsame hingegen einsam kommt und meist einsam bleibt. Weil er das braucht oder weil man ihn nicht ertragen kann. Der Einsame tut einem manchmal leid, so dass man abends am Achtertisch besonders nett zu ihm ist. Und damit belohnt wird, dass er sich im Alleingang 2 Flaschen Wein reinpfeift, 2 Päckchen Zigaretten schlotet und einem detailliert seine gesamte Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen offenbart. Über Stunden.

Es gibt hier zuweil Überschneidungen mit Dem Club-Irren. Den muss man sich so vorstellen wie den Dorfidioten. Hier gibt es momentan 2. Der Club-Irre sieht meist sehr exzentrisch aus, man hält ihn zunächst für einen Individualisten, stellt jedoch zeitnah fest, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat. Er trägt gerne bunte Hosen und individuelle Kopfbedeckungen. Mit ihm will man nicht wirklich am Tisch sitzen, weil er einem ganz, ganz merkwürdige Dinge erzählt, bei denen man nicht weiß ob man drüber lachen soll oder nicht. Zum Beispiel über seine Theorie, dass man bei einem Hammam-Besuch fremdgewaschen wird, vor allem, an welchen Körperstellen.

Wie schon Der Urlaubs-Familienvater, können sowohl Der Einsame als auch Der Clubirre zur Kategorie Der Aufreißer mutieren. Mitunter mit einer beachtlichen Trefferquote. Besonders amüsant ist dann die Beobachtung, wie der Clubirre an den Kategorien Highheel-Tante und Aerobic- Schnepfe herumgräbt, da ihn diese irrtümlicherweise für einen reichen, alleinstehenden, leicht exzentrischen Herren halten.

Der Aufreißer ist übrigens zu einer hohen Prozentzahl weiblich. Es ist erstaunlich, wie viele Allein- und in kleinen Gruppenreisende Schlampen es im Club gibt. Die bevölkern jeden Abend aufgebrezelt bis unter die Augenbrauen die Poolbar und gehen an alles, was auch nur ansatzweise männlich und allein ist. Letzteres ist kein Hindernis, denn begehrte Objekte sind auch Gatten, die nur mal eben kurz alleine sind. Es gibt Gerüchte, dass vor 2 Monaten ein seriöser Familienvater mittleren Alters kurz zur Toilette wollte und nie mehr zurückkehrte. Man munkelt, er sei das Sexspielzeug einer Gruppe Golferinnen aus Zürich geworden.

Überleben im Cluburlaub: erziehungsfreie Pestbeulen

Aus gegebenem Anlass folgt nun eine Zusatzkategorie, die erziehungsfreie Pestbeule: „Oooohhhhnee, ooo-hoooo-ne, ooooohneee hab ich gesagt!“ schallt es vom Mittagsbuffet zu uns herüber. Kurzer Blick über die Schulter: ein etwa 9-jähriger Rotzlöffel lehnt am Hamburgergrill und erteilt dem netten Türken hinter dem Grill feldwebelmäßig Anweisungen, dass es ohne Zwiebel, Tomaten, Soße und alles sein soll. Ohne Bitte ohne Danke, einfach nur unfreundlich. Der nette Türke entschuldigt sich und legt einen neuen Hamburger auf den Grill. Der Gatte, sichtlich not amused über den Ton des jungen Mannes, schlendert zu ihm, beugt sich zu ihm herab und flüstert ihm ins Ohr: „Freundlich, bitte!“ Verständnisloser Blick seitens des Jungen.

Kurze Zeit später am Pool: ein Mädchen will nicht aus dem Wasser. Mutter versucht freundlich lange Zeit alles Mögliche. „Marie-Clare-Emma-Luise, würdest du bitte jetzt aus dem Wasser kommen, Mami ist sonst gaaanz, gaaanz traurig!“ Kind ignoriert das geflissentlich. Als es schließlich nicht drumherum kommt, gehts los: Wutanfall, Zornesausbruch, wildes Beschimpfen der Mama, Sachen herumschmeiß. Deutschland, deine Kinder.

Eine Weiterentwicklung der kleinen, verzogenen Pestbeule ist der Jung-Teenager mit IPhone. Dieser ist im Club in Gruppen anzutreffen, meist trohnt eine Bienenkönigin in der Mitte, umgeben vom Fußvolk, und keiner spricht. Warum? Das ist out. Stattdessen schicken sich alle untereinander Nachrichten aufs IPhone.

Und weil es hier so schön reinpasst, die Kategorie der Urlaubs-Familienvater. Dieser trägt tagsüber seine Brut auf dem Arm, wahlweise führt er sie an der Hand, gerne begleitet von der Kindsmutter, einem jungen Klon- Blondie in Ralph Lauren Sport Outfit. Irgendwie spürt man, dass er das zuhause eher selten tut. Dort ist Blondie nebst Brut mehrheitlich alleine zu Hause, während Paps von Meeting zu Meeting und ab und an von Zweitblondie zu Drittblondie düst. Nicht so im Urlaub, das wird alles nachgeholt! Paps watschelt hier im jugendlichen Outfit mit Baseballkappe verkehrtherum auf der Omme durch die Clubanlage und erklärt den Kids lautstark die Welt. „Siehst du, Ole, das dort drüben ist die Brottheke. Wollen Paps und Ole mal ein Brot holen gehen? Komm, Ole, jetzt gehen Paps und Ole mal pullern. Sollen wir den Pullermann mal rausholen?“

Abends, wenn Blondie und Nachkömmlinge schon schlafen, mutiert der Urlaubs-Familienvater zur Kategorie der Aufreißer und macht an der Clubbar einen los. Baggert, trinkt und tanzt Hiphop auf der Tanzfläche. Bevorzugte Sexpartner dieser Kategorie ist alles, was willig ist. Zu später Stunde entdeckt man ihn beim obligatorischen Cluburlaub-Resteficken.

Überleben im Cluburlaub: Die verhungerte Aerobic-Schnepfe

Diese Kategorie kommt im Club besonders häufig vor. Im engen Sportdress dominiert sie die Sporträume und erinnert stark an diese präparierten Dingens von dem Hagen. Die verhungerte Aerobic-Schnepfe cyclet, arobict, stept, joggt, fatburnt bis die Schwarte kracht. Ihr rigides Sportprogramm unterbricht sie nur, um mittags und abends ein paar Salatblätter und trockene Hähnchenbrust zu vertilgen und gleich darauf diese Kalorien wieder zu verbrennen. chaka! Es gibt sie in allen Haarfarben und Größen, sie ist abends meist teuer und schick gekleidet und schleppt überdimensionale Louis Vitton Handtaschen mit sich herum.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe mag tagsüber asketisch erscheinen, mit Einfall der Dämmerung verwandelt sie sich sehr gerne in die Kategorie Highheel-Tante, wahlweise Highheel- Schabracke. Auf 12 Zentimetern schleppt sie ihr minimalistisches Körpergewicht  nebst Riesen-Handtasche in den Speisesaal, lässt die Puppen fliegen, indem sie einen Mini-Nachtisch isst und verwandelt sich anschließend in die Kategorie Aufreißerin, vor der keiner sicher ist. Hier gibt es einige davon. Sobald man den Gatten zwecks Pipigang ein paar Minuten alleine am Tisch zurücklässt, schwupps wird er besetzt und man selbst nach der Rückkehr an den Tisch mit bösen Blicken traktiert.

Die verhungerte Aerobic-Schnepfe ist die natürliche Feindin der lustigen Wuchtbrumme und passt sexuell sehr gut zum Aufreißer, zum Urlaubs-Familienvater (nachdem Frau und Brut im Hotelzimmer entsorgt sind und Paps noch ein Bierchen trinken geht) und je später der Abend fortgeschritten ist, zu jedem männlichen Wesen, dass nicht bei 3 auf dem Baum ist.

Überleben im Cluburlaub: Die lustige Wuchtbrumme

Die lustige Wuchtbrumme hört man, bevor man sie sieht. Sie kündigt sich durch ihr unüberhörbares Lachen an-ihrem markantesten Kennzeichen. Die lustige Wuchtbrumme tritt meist in Gruppen auf. Gerne blond, aber auch brünett. Sie ist mollig, trägt tagsüber an Pool und Wasser lustige Palmenfrisuren und bunte Bikinis. Immer fröhlich und gut aufgelegt macht sie jede Begegnung zu einer lustigen Sache. Beim Aquajogging fällt ihr und ihren Gefährtinnen allerlei Unanständiges zur Schwimmnudel ein, beim Aerobic trampelt sie sich laut gackernd durch die Choreografi, als Liegennachbarin am Strand erfährt man von ihr nützliche Dinge wie etwa: “ Wenn da vorne die Tante aus dem Ruhrpott ins Wasser springt, ist das Becken leer.“

Die lustige Wuchtbrumme trinkt gerne über den Tag verteilt kleine Sektchen und alkoholische Getränke mit lustigen Namen. Daher ist sie, wenn man sie abends beim Essen sieht, angeschickert und noch lustiger. Sie erzählt dann Witze und lacht selbst am Lautesten darüber. Sport macht sie nur, damit sie mittags und abends am Buffet ne Extraportion Nachtisch essen kann. Ich liebe lustige Wuchtbrummen und suche beim Sport und am Strand gerne ihre Nähe. Diese Clubgattung ist die natürliche Feindin der verhungerten Aerobic-Schnepfe und des Sportfanatikers. Als Sexpartner eignet sich am besten der ebenfalls angereiste Gatte, der meist schlanker und schweigsamer ist und verschmitzt vor sich hinlächelt, wenn Sie mal wieder vom Leder zieht.

Überleben im Cluburlaub: Der Sportfanatiker

Wenn man Cluburlaub macht, begegnet man unweigerlich der Kategorie Sportfanatiker. Den Sportfanatiker erkennt man an seinem Sport-Outfit und an seinem dynamischen Gang. Damit meine ich, er hat sein Sport-Outfit immer an und ist immer dynamisch unterwegs. Schaut man frühmorgens aus dem Hotelzimmer, etwa um das Wetter zu prüfen, sieht man ihn schon durch die Clubanlage joggen. Später, beim Frühstück, kommt er dynamisch und ernst dreinschauend angeschossen, belädt sich mit Müsli, Obstsalat und Fruchtshake, vertilgt alles hektisch und schon düst er wieder vondannen, einen Kometschweif hinter sich herziehend. Zur nächsten Sporteinheit. Der Sportfanatiker ist ein Einzelkämpfer, schließt sich im Club aber gerne auch mit Gleichgesinnten zusammen. Ähnlich spaßfreie Gesellen, wie er selbst.

Zu welchem Sportprogramm auch immer man selbst erscheint, der Sportfanatiker ist schon da, weiß welche Matten und Hanteln und Stricke man braucht und macht sich schon warm. Während man selbst bei Step 1 mit seinen plötzlich 10 Armen und Beinen kämpft, hüpft er dynamisch auf und ab und sieht entsetzlich motiviert aus. Neben ihm kommt man sich grundsätzlich wie der Gruppenspast vor. Kommt man mit ihm ins Gespräch, will er wissen, ob man schon Aerobic, Bogenschießen, Hot Iron, Fatburner und Indoor Cycling gemacht hat und wie es war. Wenn man das verneint, ist man eh untendurch und wird wie Luft behandelt. Am liebsten macht er fanatisch Indoor Cycling, da geht er so richtig ab. Zum Warmwerden genau das Richtige. Während der Cycling- Otto Normalo nach dieser Brutaloeinheit keuchend in der Ecke liegt, sprintet der Sportfanatiker wie der Roadrunner die Treppe runter, schnappt sich ein paar Hunteln und geht 2 Stunden am Strand joggen.

Abends sitzt er dann gestählt am Achtertisch, schaut olympisch umher und schweigt. In der Clubdisco ist er eher nicht anzutreffen, er muss früh schlafen gehen, Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Freundschaften im Club pflegt er, abgesehen von anderen Sportfanatikern, auch mit der Kategorie verhungerte AerobicSchnepfe und gestresster Planabarbeiter. Mit dem Vielfraß steht er auf Kriegsfuß, ebenso mit dem Primat. Als Club-Sexpartner kommt am ehesten die AerobicSchnepfe in Frage.

Überleben im Cluburlaub: Who is who

Halte es ja doch nicht aus, bis wir zuhause sind, zu verlockend ist die Nähe des IPads. Los gehts!

Ein Cluburlaub ist nicht nur sehr erholsam, aktiv und kalorienreich, er bietet auch ein breites Spektrum an Feldforschungsmöglichkeiten. Da erwacht die Ethnologin in mir! Was sich da so tummelt, ist höchst amüsant und lässt sich wunderbar in Kategorien unterteilen: Der Sportfanatiker; die lustige Wuchtbrumme; die verhungerte Aerobic-Schnepfe; die Highheel-Tante mit der Unterkategorie die Highheel-Schabracke; der Individualist; der Einsame; der Aufreißer; der Primat; der Nörgler; der Club-Idiot; der Urlaubs-Familienvater; der Vielfraß; der Golfer und  der gestresste Planarbeiter.

Es macht großen Spaß, diese Gattungen zu studieren, und ich werde heute noch mit der Beschreibung der ersten Kategorie der Sportfanatiker beginnen. Zunächst muss ich aber noch mehrmals essen, mein Sportprogramm durchziehen und am Strand rumchillen. Bis später also!

Grüße vom Vielfraß

Hey ho, meine lieben 🙂

Ich habe mir grad das IPad des Gatten geschnappt und lass euch mal ein paar Grüße aus der Türkei zukommen. Richtig schön hier, bin mich prima am erholen. Nach vielen Jahren wieder einen Cluburlaub zu machen, hat was von einer Feldforschung, man kann wunderbare Studien betreiben, und ihr könnt euch schon mal auf meinen Bericht: Überleben im Cluburlaub freuen 😉

Bis dahin werde ich noch 5 Tage von morgens bis abends futtern, Aquafit im Meer und Yoga auf dem Chill-Out Hügel am Meer machen, literweise Rotwein trinken, Bücher verschlingen, aufs Meer hinausschauen und die Seele baumeln lassen. Macht es juut und bis denne, eure Clubwolf

All inclusive Urlaub – inklusive Renate und Willie

der wunderbare artikel von anna-lena weckt in mir erinnerungen: sommer 2006. eine bekannte, spanische insel. ein bekannter ferienclub. all inclusive. mein mann, ich und unsere 3 patchwork-kinder.  alle drei in der pubertät. wir hatten nur gutes gehört und waren voller vorfreude.

wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon auf dem weg vom flughafen zum club düstere vorahnungen und fluchttendenzen. eine endlose, graue geröllwüste erstreckte sich nach allen seiten. ab und an ziegen. fressen die ziegen dort steine? die geröllwüste wurde durch künstlich bewässerte grüne parks unterbrochen, die fast ausschließlich zu ferienanlagen gehörten.

so auch zu unserer. von außen sah es eigentlich nett aus. ein großes, helles hauptgebäude, ein großer pool und kleine, schöne bungalows überall. „na„, dachte ich mir, „hab dich nicht so. ist doch schön, wird sicher super hier.“ wir bezogen unseren bungalow, packten schnell aus und machten uns auf den weg zum strand, es war ja noch früh! der strand, tja. er war menschenleer. seltsam, wieso nur? wir bahnten uns zwischen gefühlten 1000 liegen auf der sonnenterrasse, die einem flüchtlingsboot glich, den weg zum strand. kaum waren wir unten, wussten wir warum: der wind blies uns fast von den füßen und wir waren binnen sekunden gesandstrahlt. oha. schwimmen durfte man nicht. also wieder zurück auf die sonnenterrasse.

hier versammelte sich auf einem haufen all das, was man nie, nie im leben auf einem haufen sehen will. nicht mal einzeln will man das sehen. und schon gar nicht im badeanzug. geschweige denn oben ohne. im stringtanga. nach einigem suchen fanden wir 2 liegen und ließen uns darauf nieder. zu den nachbarliegen war etwa 5 cm abstand. wir legten uns hin und wagten einen vorsichtigen blick in die runde. 1000 augenpaare starrten zurück. schließlich löste sich eine frau aus der menge und kam auf uns zu. die erde bebte. voll das alphatier, im stringtanga, blonde dauerwelle, dick mit ordentlich holz vor der hütte. d.h. auf der fußmatte vor der hütte (ich weiß, ist gemein, aber ihr habt die walküre nicht erlebt!). zielstrebig bahnte sie sich ihren weg durch die menge und ließ sich mit baumelnden melonen auf der liege meines mannes nieder.

„tach, ich bin die renate. ich komme aus bochum und bin schon zum fünfzehnten mal hier. mit dem willie. WILLIE, komma her.“

willie kam. klein, schütteres haupthaar, ausgemergelt aber mit bierbauch, sportbadehose und adiletten an den füßen.

„tach, ich bin der willie. die bessere hälfte von renate.“

sprachs und ließ sich auf meiner liege nieder. ungefragt. hey, mein mann und ich sind sehr kommunikativ und gesellig, aber bei einer halbnackten renate samt willie auf der liege ist auch mal gut.

„und iiiiiihr? wie oft seid ihr schon hiergewesen? na los, erzählt mal!“

„gar nicht. und ich bin etwas müde und möchte mich jetzt gerne etwas ausruhen.“

das kam irgendwie nicht gut an. nachdem wir als außenseiter entlarvt wurden, erstarb das gespräch schnell und renate zog samt willie ab und tratschte mit allen über uns. ich hatte in den nächsten 14 tagen den einen oder anderen kampf um die liegen mit renate, da ich zu den menschen gehöre, die badetücher, die morgens schon um 6 auf liegen verteilt werden, herunterzunehmen und die liege zu okkupieren, wenn um 10 immer noch keiner erscheint. ich habe dort dinge gesehen, das glaubt ihr nicht. zum beispiel das: einen mann, der gegen mittag zu seiner mit handtuch belegten liege kam und einen fremden darauf vorfand. es entspann sich ein disput, der darin gipfelte, dass der erstbesitzer die liege mit muskulösen, behaarten armen packte und versuchte, den feindlichen eroberer, wie ein primat schreiend, herunterzuschütteln. isch schwör!

der wind blieb, ist ja auch die insel der starken winde, frau schlau ;-). es regnete auch. das erste mal im august seit 5000 jahren. es war kühl. ich trug 14 tage abends meine 2 pullis übereinander, die ich dabei hatte. ich versuchte mich im all inclusive-sportprogramm. pilates, yoga und tiefenentspannung sowie bauch beine po machen bei starkwind in einem zugigen, offenen pavillon mit meerblick nur begrenzt spaß. merkt euch das. also, was kann man in einem all inclusive club sonst noch so machen? richtig, essen. also aß ich. und aß und aß und aß. mein magen dehnte sich täglich. ich fing an renate zu ähneln.

mein mann segelte den ganzen tag (das durfte man, zumindest ab und an) und war abends so müde, dass er gegen halb 9 dringend schlafen musste. echt ne party, leute. also bin ich abends alleine in die open air disco mit riesiger, ovaler bartheke gegangen. zunächst schaute ich mir die animateur-show an, der man nirgends entkam und erfreute mich allabendlich an animateuren in tierkostümen, die irgendwelche fürchterlichen sachen sangen. und dann ging die party richtig los. YES. jeden abend zur gleichen musik: YMCA, diana ross und falco. echt geil. zu YMCA stürmten alle auf die tanzfläche und machten unter anleitung der animateure diesen YMCA-tanz. kennt ihr den? und dann wurde getrunken, was reingeht. mit steigendem alkoholpegel sank die schamgrenze. was da so auf der tanzfläche und der bar abging ist bar jeder beschreibung. hab meinen lebtach nicht so viele vokuhilas und blonde dauerwellen beim balzen gesehen, wie dort. ich dachte eigentlich, die seien ausgestorben. aber nein, es gibt da diese enklave auf einer spanischen geröllinsel, da ist das noch voll hip.

unfassbar. warum tun menschen so etwas? ich versteh das nicht. ich bin ein lebensfroher, unternehmungslustiger mensch, aber in dieses urlaubsfeeling kam ich nicht rein. sorry, leute. balzende renates und willies beim YMCA-hütchentanz, ne, geh fort!

unsere kinder hatten einen eigenen bungalow und machten die nacht zum tag. ich glaube, wenigstens sie hatten spaß. es war nicht unser letzter cluburlaub. wir waren später in der türkei in einem anderen club und hatten sehr viel spaß, alle. da waren aber auch sehr viele einheimische und die mischung machts. aber auf die vokuhilainsel fahr ich im leben nicht mehr.