Sonntags-Glückswaage

alles in allem war das ne ziemlich schöne woche. gibt so einiges, das ich auf die glückswaage legen kann:

ich hatte 2 wunderschöne ausritte mit lola & joschi.

ich habe dank meines zauberschlaftees 3x gut geschlafen.

dank der akupunkturbehandlung hab ich die derzeitigen todespollen ohne medikamente im griff. bin beeindruckt.

ganz schön viel spaß mit den kommentaren zu meinem post über schweineschwänze gehabt 😉

mich gefreut, dass meine eltern uns besucht haben und dass ich sie habe.

ich habe heute einen wunderschönen sonntag mit freunden verbracht: von 12 bis 6 in der sonne zusammen gekocht, unmengen gutes gegessen, viel getrunken, im garten gesessen, viel gelacht.

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Von Schweineschwänzen und versauten Metzgern

jede familie hat ihr geheimnis. unseres ist: wir essen schweineschwänze. nicht ausschließlich. aber ein paarmal im jahr essen wir welche. und ich gestehe: neben böhmischer ente ist es mein lieblingsgericht. bei niedriger temperatur 3 stunden im ofen gebacken werden sie goldbraun knusprig und wahnsinnig lecker.

bevor ihr euch jetzt unter würgegeräuschen abwendet und mir den blog aufkündigt, haltet ein: gebackene schweineschwänze sind köstlich und wer sie noch nie probiert hat, sollte vorurteilsfrei offen sein 😉

in den vielen, vielen jahren, in denen wir schon schweineschwänze essen und gelegentlich engen vertrauten unser famliengeheimnis gelüftet haben, hat sich das phänomen eines wachsenden kreises von schweineschwänze-sympathisanten gebildet, eine art freundeskreis. wir laden sie gelegentlich ein und sie werden dann von uns abhängig. sie sind unsere schweineschwanz-sklaven 😆

ein echtes event ist die beschaffung von schweineschwänzen. denn sie sind ein rares gut. wer denkt, er kann einfach mal so in einen supermarkt latschen und schnodderig “ 10 schweineschwänze bitte, aber zackig!“ über die theke rufen, hat sich geschnitten. so läuft das nicht. man muss zum einen sehr selbstsicher sein, wenn man sie kauft. wer schon im leben die blicke anderer menschen auf sich gespürt hat, nachdem er dem metzger oder der fleischereifachverkäuferin mit zaghafter stimme „haben sie heute schweineschwänze?“ zuflüsterte, weiß, wovon ich spreche. man wird in der regel so angeschaut, als würde man täglich kleine kinder, meerschweinchen und angorahasen verdrücken. mein vater löst das problem so, dass er die bestellung sehr laut aufgibt und laut und deutlich anhängt: „das ist für die hunde!“ damit keiner auf gedanken kommt und so.

meine mama löst das mit charme. ihr kennt ja meine mama, das ist die, die immer und überall angeflirtet wird, egal, was sie macht und wo sie ist. auch beim schweineschwanzkauf. so sah sie sich erst gestern einem rudel junger metzger aug in aug, die sie kichernd mit fragen traktierten: „sind die auch lang genug?“

meine mama wäre nicht meine mama, wenn sie nicht cool gekontert hätte: „schwänze können nie lang genug sein.“ einer der metzgergesellen lief ihr daraufhin bis auf den parkplatz nach.

ihr ahnt es schon, bei uns gibt es morgen wieder eine große schweineschwanzsause – mit gästen. zwar ist meine mama diesmal für die beschaffung der ware zuständig, da ich gestern aber auch in einer metzgerei war, ergriff ich die gelegenheit und fragte den jungen, feschen metzger, ob er welche da hat. funkelnden auges schaute er mich an und in seinen augen stand: respekt!

„sie essen schweineschwänze? das essen nur kenner.“

er hatte keine. aber es entspann sich ein überaus nettes und überaus versautes gespräch über schweineschwänze, schweine, wie man als metzger die herzen von mädels erobert und welche rolle schweineschwänze dabei spielen. wir haben so laut gelacht, dass der supermarkt (kunden und verkäufer) sich nach und nach zu uns gesellten und erstaunt blickten.

morgen ist es soweit, nur noch einmal schlafen 😆

Schlüpferstürmer

Schlüpferstürmer.

Dieses Wort habe ich bei Synapse geklaut, die es gestern in einem sehr zutreffenden Kommentar auf meinen post Schlampe verwendet hat. Es passt einfach perfekt auf den Hauptprotagonisten meines heutigen posts.

Jörg.

Jörg war mein erster. Mein erster, na, ihr wisst schon. Wie ich jetzt darauf komme? Er lief mir vor ein paar Wochen zufällig über den Weg. Nach 25 Jahren. Und sofort war die Erinnerung wieder da.

Jörg war ein paar Jahre älter als ich und hatte etwas von einem französischen Poeten an sich. Schlank, eine wilde Tolle, die ihm die Augen fiel, eine markante Nase und einen fiebrigen Glanz in seinen Augen. Ich war hin und weg von ihm. Er schlug sich zur damaligen Zeit mit Gelegenheitsjobs durch, als ich ihn kennenlernte war er gerade Bauarbeiter. Seine wahre Berufung aber war die eines leidenschaftlichen Poeten und Schauspielers. Eines großen Bühnenschauspielers! Er schrieb heißblütige Gedichte voller Leidenschaft und Schmerz und liebte es, sie im dramatischen Umfeld zu rezitieren. So zum Beispiel vor seinen damaligen Bauarbeiterkollegen. In der Mittagspause gab er mit wehendem, schwarzem Umhang, großem Schlapphut und schwarz umrandeten Augen den Hamlet, während seine Jungs mit Klappstullen und Kaffee in der Thermoskanne zusahen und Kommentare abgaben, wie:

„Schwein oder nicht Schwein, DAS ist die Frage!“

Er war romantisch wie kein zweiter und liebte es, mitten in der Nacht bei Sturm und Gewitter vom Nachbarort zu Fuß zu unserem Haus zu laufen, durch den Wald und an mein Fenster zu klopfen um mir dann mit glühendem Blick,  triefend nass im Regen stehend, seine Liebe in Gedichtform darzubringen. Das hatte was. Ich war damals auch sehr froh, dass mein Vater keinen Waffenschein hatte. Mit dieser Mischung aus Romantik und Leidenschaft stürmte er zuerst mein Herz und etwas später dann auch, nun ja, meinen Schlüpfer. Er war zusagen der Erstbezwinger meines Schlüpfers.

Bevor er diesen stürmte, musste er allerdings noch eine andere Festung stürmen. Meinen Vater. Als der ihn das erste Mal sah, wusste er gleich, was Sache ist. Mein Vater wusste sich schon immer in jeder Lebenslage clever zu helfen. So auch in diesem Fall.

„Hallo, mein Junge,“ begrüßte er Jörg ein ums andere Mal, „Lass uns doch einen zusammen trinken.“

Mein Vater ist sehr trinkfest. Trinkfester als Jörg es damals war.

Ich erinnere mich besonders an einen Abend. Mein Vater füllte Jörg so ab, dass Jörg sich anschließend im Badezimmer bis auf die Unterhose auszog, wie ein Transvestit schminkte, sich auf die Waage stellte und 1 ganze Flasche Mineralwasser auf Ex trank, nur um herauszufinden, ob die Waage dann 1 Kilo mehr anzeigen würde. Anschließend schlief er in der Badewanne. Der Papa. So isser. Unter anderem dafür liebe ich ihn wie keinen zweiten.

Irgendwann waren meine Eltern für ein Wochenende weg. Das war dann die Stunde des Schlüpferstürmers. Man muss ihm zu Gute halten, dass er sich das redlich verdient hatte.

Wir blieben nicht zusammen aber behielten uns in lieber Erinnerung. Als wir uns nun wiedersahen, zufällig auf der Straße, war ein vertrautes Gefühl zwischen uns. Seine Tolle hat er nicht mehr und insgesamt auch eher wenig Haare. Und Poet ist er auch nicht geworden. Stattdessen Krankenpfleger. Aber er wirkte rundum zufrieden. Und seine Augen hatten tatsächlich noch etwas von dem fiebrigen Glanz 😉

empty nester und ungarn für anfänger

wir sind jetzt empty nester, hab ich gestern gehört. das sind paare, deren kinder ausgezogen sind. hört sich ja fast schon wieder nach jeder menge spaß an 😉

was macht denn das große vogelkind im weiten ungarn? es hat sich offensichtlich gut eingelebt. das sehe ich daran, dass es bereits seine EC karte verloren und sein auto auf eine mauer gesetzt hat. und zwar so, dass alle räder in der luft, das auto bewegungsunfähig war und von einem ungarischen pannendienst von der mauer gehievt werden musste. zur großen freude aller nachbarn. von einem ungarischen pannendienst, der gott-sei-dank folgende deutsche wörter sprach und verstand: auto. kaputt. panne. ja. nein. halbe stunde. komme. rechnung. kein problem. nix kaputt. service fahren, kontrolle.

das ist erwähnenswert, da ich während meines ungarnaufenthaltes das gefühl hatte, dass in ungarn mit ausnahme der kellner absolut niemand englisch spricht. und ungarisch ist eine sprache, in der man nicht einmal ja und nein versteht. ja heißt igen. das sagt schon alles. wenn man, so wie ich letzte woche, versucht, zwecks geldsparen mit öffentlichen verkehrsmitteln vom hauptbahnhof zum flughafen zu gelangen, lernt man alle englischsprachigen nationen dieser welt schätzen. ich brauchte für den weg mit bus, u-bahn, straßenbahn und dann doch taxi 2 1/2 stunden. wobei ich nach 2 stunden manövrierunfähig mit meinem koffer vor einem abgelegenen städtischen  friedhof strandete und kurz vor einem nervenzusammenbruch stand, da ich sicher war, meinen flieger zu verpassen. es war mir nicht möglich, mich mit hilfe des wortes airport durchzufragen. auch meine pantomimischen fähigkeiten: ausgebreitete arme und flugzeuggeräusche, halfen nichts. wenn kein taxi am friedhof vorbeigekommen wäre, das mich für eine unsumme zum flughafen brachte, hätte ich mir dort vermutlich einen grabstein bestellt. den flieger habe ich übrigens nur deshalb nicht verpasst, weil er 1 stunde verspätung hatte. das war mein glück. ansonsten hätte ich auf dem flughafen mit größter wahrscheinlichkeit eine blutrausch-attacke bekommen 😉

und die vogelmama, was macht die derweil? heute den 1. tag wieder vollzeit arbeiten, nach 6 wochen wiedereingliederung. das ist einerseits ganz schrecklich, andererseits aber auch wieder gut. fühle mich ein wenig wie in einer riesigen welle heute, mal durcheinandergewirbelt mittendrin, mal obenauf surfend. das wird.

und joschi & lola? den geht es prächtig. joschi hatte letzte woche seinen durchbruch als reitbegleithund. er hat jetzt die führung übernommen und trabt energisch und ehrgeizig vorneweg, wirft ab und an einen blick über die schulter und läuft im trab im gestreckten galopp an lolas linker flanke mit. scheint ihm mächtig spaß zu machen. ich bin froh, dass lola so gutmütig und hundelieb ist. joschi fängt sie nämlich dezent an zu terrorisieren. schnappt in der stallgasse nach ihren fesseln, wenn sie den hintern in die stallgasse dreht und knurrt sie an, wenn sie ihn beschnuppern will.

welt in ordnung soweit.