Schwarzer Regenmantel

meine gestrige geschichte und vor allem auch die kommentare dazu haben in mir erinnerungen wachgerufen und die frage, warum man sich damals eigentlich immer so komisch gefühlt hat. so, als wäre man immer und überall fehl am platz, hässlich, unbeholfen und genervt von allem, vor allem von eltern. ich meine mich zu erinnern, dass ich jahrelang liebeskummer hatte. klar, pubertät. 13 jahre alt. schreckliches alter. ich nenne es: schwarzes regenmantel-alter.

ich hatte also diesen fürchterlichen rundschnitt auf dem kopf. ich weiß nicht mehr, ob das hormonell bedingt ist, dass man mit 13 immer leicht bis stark fettige haare hat. ich weiß aber, dass ein fettiger rundschnitt echt scheiße aussieht, er klebt am kopf fest und das gesicht scheint dann nur noch aus nase zu bestehen. die vor mitessern nur so strotzt. ich habe damals immer einen kamm mit mir rumgeschleppt um mir bei jeder gelegenheit den fettschopf zu kämmen, damit der rundschnitt etwas fluffiger wird. was trug ich, als ich 13 war? röhrenjeans von wrangler. ich meine, echte röhrenjeans, in die man mit dem schuhlöffel rein kam und den reißverschluss auf dem rücken liegend mit der zange zumachte. es ist ein großes wunder, dass unsere generation nicht komplett unfruchtbar wurde durch die ständig massiv eingeklemmten gebärutensilien untenrum. standard war zudem der obligatorische grüne armee-parker. möglichst paar nummern zu groß. an den füßen camel-boots. das waren so unförmige dinger mit gerippter, beiger gummisohle. sahen erst ab schuhgröße 41 so richtig gut aus 😉

so schlappte ich durch die gegend: rundschnitt, grüner armee-parker, riesige flatsch-schuhe an den füßen und überwiegend muffiger gesichtsausdruck. und genervt von meinen eltern, die eigentlich immer schrecklich lieb waren.

eines tages war ich mit meiner mutter shoppen. ich weiß nicht mehr, ob sie darauf bestand oder ich es unbedingt so wollte (unsere erinnerung stimmt hier nicht überein), jedenfalls kauften wir einen mantel. einen schwarzen, trenchcoatartigen, glänzenden regenmantel. sehr auffälliges teil. vor allem für einen teenager, der eigentlich nichts lieber wäre als unsichtbar. fortan schlappte ich also in diesem schwarzen regenmantel durch die gegend. und ich erinnere mich vor allem daran: meine schöne mutter, die gut gelaunt durch die stadt läuft und hinter ihr: eine bohnenstange mit rundschnitt in einem schwarzen regenmantel. mit finsterem gesichtsausdruck. und ich hasste es, wenn meine mutter mich dann in der öffentlichkeit ansprach. entsprechend war meine reaktion 😉

zum glück für alle beteiligten, inklusive mir, bin ich dieser phase entwachsen.

es muss aber ein bild gewesen sein, dass sich auch meiner mutter tief einprägte. noch heute fragt sie mich, wenn ich depri und schlecht gelaunt bin:

„na, hast du heute deinen schwarzen regenmantel-tag?“