Schlampe

auf dem weg zur arbeit habe ich heute einen zwischenstopp im zeitschriftenladen eingelegt, ich wollte ganz schnell einfach nur geschenkpapier kaufen. so war mein plan. aber dann kam alles anders.

warum?

ganz einfach: sie kam herein.

es gibt menschen, die vergisst man nie. weil sie einem irgendwann mal etwas angetan haben, das einen sehr, sehr verletzt hat. und wenn man diese menschen dann irgendwann wiedersieht, und sei es auch 100 jahre später, erwacht sofort das mörderherz in einem. sie gehört zweifelsohne in diese kategorie. wie lange ist es her? 30 jahre? so in etwa. wir waren damals unbescholtene teenager. wild und doch unschuldig. schüchtern und doch neugierig. und sehr, sehr jungfräulich. mit erwachenden hormonen und der damit verbundenen komplikationen. es war die zeit der ersten, vorsichtigen körperkontakte, mit heißen küssen, und bisschen gefummel, aber nicht mehr. wir standen sozusagen am anfang. wollten mehr aber trauten uns nicht.

wir.

nicht sie.

es gibt solche mädchen in jeder alterklasse. und später frauen. ich hatte im leben schon mehrfach die ehre. damals waren wir eine clique und es gab etwa gleich viele mädchen und jungs und jeder hatte sich jemanden ausgeguckt, den er zum objekt seiner begierde machte. in meinem fall war es arthur. natürlich hieß er nicht arthur, aber ich nenne ihn jetzt mal arthur. arthur sah aus wie ein orientalischer märchenprinz und ich war unsterblich in ihn verliebt. wir küssten und fummelten, arthur wollte mehr aber drängte mich nicht und ich wollte mir noch bisschen zeit lassen. es war sommer. es war ein heißer sommer. und wir verbrachten mit der clique viel zeit am see, an dem einer der eltern ein wochenendhaus hatte. irgendwann machten wir eine party und irgendjemand brachte sie mit. sie war ein bisschen älter als wir. und sie sah irgendwie anders aus. sie bewegte sich anders, schaute die jungs anders an und alle jungs schauten nur noch sie an. bei uns mädchen schrillten sofort alle alarmglocken. sie ließ das völlig kalt. stattdessen lief sie in einem flatterrock und bikinioberteil auf dem grundstück herum und fing damit an, auf einen baum zu klettern. ein junge nach dem andern wollte dann auch auf den baum klettern. wir mädchen beobachteten das missmutig vom haus aus. bis wir herausfanden, warum alle jungs klettern wollten.

sie hatte kein höschen an. und sie kletterte oben. und die jungs unter ihr.

so war das damals. nicht nur arthur verlor bei ihr seine unschuld. und nicht nur ich verlor arthur an sie.

und jetzt stand sie neben mir im zeitungsladen. 30 jahre später. kurz überlegte ich, ob sie die berühmte duisburger leggins-hure war. sorry, aber das musste jetzt sein 😉 . sie schaute mich an und schien mich nicht zu erkennen. sah gut aus, leicht schlampig zwar, aber gut, teuer sah sie aus. und sie hatte es offensichtlich eilig. ich erwog in gedanken, ob ich die gelegenheit nutzen sollte, mit ihr abzurechnen. in dem zeitungsladen. morgens um 8. aber dann kam mir eine andere idee. ich war nämlich vor ihr dran. und anstatt zu bezahlen und mit meiner geschenkpapierrolle abzudüsen, überlegte ich es mir anders.

„ach, ich weiß nicht, ob ich dieses papier nehmen soll. hm, finden sie es passt zu jemandem, der gerade 50 wird?“

begann ich in seelenruhe ein beratungsgespräch mit der verkäuferin. 15 minuten später verließ ich seltsam schadenfroh mit etwa 15x umgetauschten geschenkpapier, mehrfach durchdiskutierten passenden farbbändern und tesafilm, den ich mit der verkäuferin auch ausführlich auf die klebekapazität hin geprüft hatte, den laden. ich kam 15 minuten später zur arbeit. aber das war es mir wert. schlampe.

Beobachtungen im Freibad

ich war vorgestern das erste mal nach etwa 30 jahren in unserem freibad. irgendwie hat es mich nie dahin gezogen, da ich lieber rausfahre, an irgendeinen see oder weiher in der umgebung. meine neu errungene reha-power allerdings treibt mich an, auch zum schwimmen, und so bin ich gestern mittag mit dem vorsatz, 1000 m im 50 m becken zu bezwingen, hoffnungsfroh ins freibad aufgebrochen. ich hatte einfach nur ein langes, blaues, überwiegend leeres 50 m becken im kopf. ich hatte nicht im kopf: dass schulferien sind 😆

früher, als teenager, bin ich im sommer täglich ins freibad gegangen. gleich nach der schule, während der ferien, während der schule 😉 und traf mich dort mit meiner clique. wir verbrachten ganze sommer giggelnd und kreischend am beckenrand und ließen uns von den jungs um die taille packen und ins wasser zerren oder standen zitternd auf dem 10 m sprungturm und kletterten mit schlotternden knien wieder runter, weil wir uns dann doch nicht trauten, herunterzuspringen. es war die zeit der ersten richtigen verliebtheiten und schwärmereien. ich ging ins schwimmbad, weil ich gerade irgendjemanden anschmachtete und hoffte, endlich seine aufmerksamkeit zu ergattern und ihn in mich verliebt zu machen. ich erinnere mich an einen sommer, ich war 14, als ich für einen großen, schlaksigen, schwarzhaarigen draufgänger marke freibad-django schwärmte, der mich mit den worten beeindruckte:

„mein vater ist DJ. er legt platten auf.“

wie aufregend!!!!! später stellte sich heraus, dass sein vater fliesenleger war. der witz des jahres, das mit den platten, haha, ehrlich, ich lach mich tot. von django bekam ich meinen 1. richtigen zungenkuss (der allererste beim flaschendrehen mit edwin zählt nicht, weil eklig), in den umkleidekabinen, unter einem handtuch. stefan, ein mitschüler von mir, der im geheimen in mich verliebt war, haute ihm daraufhin auf der schwimmbadtreppe 2!!!! blaue augen. mann, war ich stolz! django wechselte noch in dieser freibadsaison zu meiner freundin ulrike, die nicht nur küssen, sondern auch schon fummeln wollte. was für ein liebeskummer! ich habe django etwa 30 jahre später mal wiedergesehen, so auf der straße. gleich wiedererkannt. hat sich nämlich null weiterentwickelt 😉

so war das früher im freibad, als ich noch teenager war, es war aufregend und schön! gestern war es anders. stopp! oder war es noch genauso und ich bin einfach nur 30 jahre älter? vermutlich das letztere. horden kreischender teenager überall. ein geräuschpegel kurz vor trommelfellplatzen. ich suchte mir ein einigermaßen ruhiges wiesenplätzchen, breitete mein handtuch aus, setzte mich drauf und schaute mich erstmal um. boah. warum versammeln sich im freibad menschen, denen man im normalfall nie und nirgends begegnen möchte? vor allem nicht in horden? weiß das jemand? um mich herum saßen 1000 jahre knast. volltätowierte, glatzköpfige bodybuilder mit bösen, dunklen sonnenbrillen nebst weilblichem pendant mit arschgeweih. muskelbepackte, fremdenlegion-geeignete mitbürger mit migrationshintergrund und interessantem gesprächsstoff:

„guggst du hier, alter, krass.“

spindeldürre, solariumverbruzelte, tätowierte muttis mit heerscharen von spindeldürren kindern, die alle dschessica, wainona, schantall, bruhhhs und määändy heißen. familien, die ihren ganzen hausstand dabei hatten: klappstühle, riesige kühlboxen, sonnenschirme, tische, alles.

ich ging erstmal schwimmen. mit schätzungsweise 1000 anderen menschen, die alles daran setzten mich zu ertränken, indem sie wahlweise versuchten von den springböcken auf meinen kopf zu springen, mich beim rumtoben mit dem fuß auszuknocken oder mir beim ego-kraulen ihre arme ins gesicht zu flatschen. ookaaay, 200 m schwimmen ist auch viel. ich ging also wieder zu meinem badetuch um ein wenig die sonne zu genießen. kaum saß ich, war es vorbei mit der ruhe. eine clique von etwa 15 jugendlichen schlug ihr lager neben mir auf. ich schätze mal, so 15, 16 jahre alt. alle in der brunft. jöih, das war ein späßchen. 13 jungs, 2 mädels. alle waren auf die 2 mädels spitz und gaben röhrende geräusche von sich. und was passierte dann? es gab natürlich auch hier einen gruppen-django, einen jugendlichen platzhirsch mit verspiegelter pilotenbrille, der beide mädels für sich beanspruchte. der einen cremte er den rücken ein, der anderen die beine und dann ging er mit beiden gemeinsam zum schwimmbecken, während er sie beide um die taille fasste. die anderen 12 jungs starrten ihnen hinterher und schauten dumm aus der wäsche.

ach herrjeh, wie herrlich eigentlich. manche dinge ändern sich nie, nie, nie.

gestern war ich wieder da, zum frühschwimmen. keine horden, leeres schwimmbecken. nur so leute wie ich, mittelalt und ruhe suchend. hm, würde mich nicht wundern, wenn es die gleichen sind, die früher kreischend mit mir am beckenrand standen und in umkleidekabinen knutschten 😉