Bericht aus der Reha: die Düne und ich

heute ist samstag und „fast“ ein freier tag. heute morgen hatte ich um 10 uhr die erste qigong-stunde meines lebens. und soll ich euch was sagen? das hat echt spaß gemacht! während man so dasteht, seinen blick in die unendlichkeit schweifen lässt und sein qi fließen lässt, wird man irgendwie gelassen. dann gibt es ein paar echt coole übungen mit noch cooleren namen. eine heißt zum beispiel: verächtlicher blick über die schulter auf schädliche dinge der vergangenheit.

mega-cool, oder?

da fiel mir außer meinem tumor doch glatt noch so manch anderes ein 😉 der verächtliche blick hat großen spaß gemacht 😆

ansonsten habe ich heute lauter schöne dinge gemacht: vormittags nach westerland (eher hässlich) gelaufen und mir eine winddichte jacke und ein fleece-stirnband gekauft, da seit 3 tagen eine steife brise weht. nach dem mittagessen bin ich mit dem fahrrad aufgebrochen und übers eher gemütliche wenningstedt ins noble kampen gefahren und dann immer weiter und weiter und weiter durch eine grandiose, fast unwirklich schöne dünenlandschaft richtung list. da ich noch nie hier und auch auf sonst keiner norddeutschen insel war, war ich sehr beeindruckt. kein mensch weit und breit, nur diese dünen, wind, ich kam mir vor wie auf einem anderen stern.

auf einer einsamen bank nahm ich mir eine kurze auszeit und dachte mir:  ich habe 24 stunden zeit, kraft zu sammeln. ich muss mich sonst um nichts kümmern. was für ein luxus.

auf dem rückweg habe ich eine strandsauna entdeckt, aus der gerade ein paar nackedeis zum abkühlen in die nordsee liefen. mutig, mutig. aber auch sehr verlockend. das werde ich morgen, an meinem ebenfalls freien tag, ausprobieren. vor der sauna stand ein schild: lufttemperatur 14 grad, wassertemperatur 13 grad.

2 stunden radeln bei dem wind hier ist nicht ohne. ich schätze mal, dass ich heute um 9 uhr in der falle liege.

läster: neben mir sitzt grad ein ehepaar. er ist zur reha hier, sie als begleitung. in wirklichkeit ist sie aber nur mitgekommen, um ihn weiter tyrannisieren zu können:

„jetzt lies doch mal langsamer. so siehst du doch gar nichts. mein gott, du machst mich noch wahnsinnig. jetzt mach doch mal richtig. kannst du das nicht mal richtig machen? eine sache richtig machen?“

jou, die saßen gestern abend schon hier und es ging genauso wie jetzt. der arme. es gibt kein entkommen. ich bin heute mittag an ihm vorbeigegangen, da war er grad alleine, ohne drachen. er schaute mich an und machte mir grinsend mehrere petzaugen. ich petzte zurück. das hat er sich verdient 😉