Ein Fotoworkshop und ein Kurs-Idiot

ihr erinnert euch? ich habe zu weihnachten eine neue spiegelreflexkamera geschenkt bekommen – heiß erwünscht. ein irres ding. was die alles kann! motiviert schlug ich die bedienungsanleitung in telefonbuchdicke auf, schaute mit wichtiger miene hinein, verfiel sofort in eine art geistiges wachkoma und klappte sie wieder zu. stattdessen stellte ich die kamera in den automatikmodus und knipste ein paar verschwommene bilder von meiner familie und joschi, der aussah wie ein schwarzer fleck. seitdem ruhte das technische meisterwerk selig in der fototasche im schrank.

nach langer suche hatte ich vor einigen wochen einen fotoworkshop entdeckt, der sich speziell mit der bedienung dieser kamera befasst. nicht gerade billig und eine zugfahrt von 4 stunden war auch nötig, dennoch meldete ich mich an. ich wollte einfach wissen, wie diese kamera funktioniert und wie ich die bandbreite der manuellen funktionen nutzen kann.

das war dann vor ein paar tagen. ich war die einzige frau in dem kurs. bis auf die kursleiterin. ansonsten nur männer. 17 an der zahl. so die fraktion technikfreak mit bürstenschnitt. alle hatten die bedienungsanleitung auswendig gelernt und konnten zitieren. um es auf den punkt zu bringen: ich war der kurs-vollidiot. während die kursleiterin völlig begeistert das innenleben der kamera enthüllte und alle bürstenschnitte synchron nickten, saß ich einfach nur da und verstand absolut bahnhof. von 9 bis einschließlich 14 uhr. null. nada. niente. ich saß da und merkte, wie in mir eine gewisse hysterie hochstieg. also beschloss ich, für die 200 €, die ich bezahlt habe, zu nerven. ist sonst nicht so meine art. aber ich war die kurs-nervbeule. etwa alle 2 minuten nölte ich:

„das verstehe ich nicht. können sie das nochmal erklären?“

und kommentierte alle anweisungen leicht schrill mit:

„welcher knopf?“ „bei mir blinkt aber nix!“ „wo soll ich draufdrücken?“ 🙂

es gab noch so einen assistenten, der punktuell und individuell helfen sollte. egon. egon jedenfalls saß nach etwa 1 stunde neben mir. und schaute mich bei jeder frage an, als sei ich plemplem. ich selbst kam mir vor, wie die mutti, die von schnucki eine kamera zu weihnachten geschenkt bekommen hat und nun blümlis fotografieren will und zu doof dafür ist. genauso schaute mich egon auch an. die anderen bürstenschnitte auch. ich ertappte mich dabei, wie ich mehr als einmal mit heruntergeklapptem unterkiefer die kursleiterin anstarrte.

sie indessen zeigte uns fotos, die sie mal nebenher geschossen hatte. eingefrorene aufnahmen von messerscharf konturierten rennautos vor verschwommenem hintergrund. aufnahmen von hundepfoten, auf denen man jedes einzelne haar erkennen konnte. sofort entstand vor meinem geistigen auge ein foto von joschis kontrastreicher pfote. heute ist er dran 😉

während die geduldige kursleiterin einem fachmännisch dreinnickenden bürstenpublikum die bedienung der kamera im modus P, S, A und weiß der geier was erklärte, saß ich da und fragte mich, was die buchstaben überhaupt bedeuten.

„für was steht M?“ fragte ich.

„für meister,“ antwortete sie grinsend.

und jetzt haltet euch fest, jetzt wird es voll spaßig, haha. einer der bürstenschnitte ließ nämlich verlauten:

„M steht für männer!“

was HABEN die jungs dann alle gelacht.

„Mutti!“ sagte ich breit grinsend. hat keiner verstanden.

um halb 2 gab es mittagspause. zur krönung stand ich auf und im selben moment löst sich meine kamera vom trageriemen (fragt mich nicht warum) und flog im hohen bogen durch den raum und knallte auf den teppichboden. fassungslose bürstenschnitte um mich herum. die kamera ist echt robust, es hat ihr nichts ausgemacht. das fachgesimpel am mittagstisch ignorierte ich stoisch mampfend und überlegte, ob ich die kamera einfach wieder verkaufen soll. währenddessen warf ich den bürstenschnitt-klugscheißern finstere blicke zu. ich kann das 😉

nach der mittagspause gingen wir mit der gruppe aus dem gebäude heraus und sollten das, was wir gehört hatten, in die praxis umsetzen. uns gegenseitig knipsen, autos knipsen, bäume und die kursleiterin. auf meiner speicherkarte befinden sich etwa 500 bürstenschnitt-fotos.

aber. aaa-ber. tatsächlich fing ich gegen 14.30 uhr an, ansatzweise zu verstehen, wie das funktioniert mit der manuellen bedienung. ganz, ganz langsam. man, war ich erleichtert. um 17 uhr musste ich zum zug, der kurs war auch fast zu ende und ich habe die hoffnung mitgenommen, dass es was werden könnte mit mir und meiner kamera. muss jetzt üben, bevor ich das ganze wieder vergesse und werde euch künftig öfters mal mit meinen neuen fotokünsten beglücken.

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