Verliebte Pferde, glückliche Hunde

hach, ich liebe sie einfach, meine beiden. hier seht ihr meine schwer in ihren schicken, argentinischen boxnachbar verliebte lola und darunter meinen joschi mit einem teil seiner hundegang in lolas box. jedem das seine: joschi jagt mäuse, einer frisst altes brot, der andere möhrchen. könnt ja sonst ein pferd wegfressen 😉

 

 

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Husky-Safari in Finnland: Tiefschneepflug

erster morgen in der wildnis. auch der start in den tag folgt bei dieser tour einem festen ritual. um 7 uhr steht der wildnisführer auf und lässt uns noch ein bisschen im schlafsack schnorcheln (danke, lieber peter), um halb acht kommt der weckruf. dann aber raus aus dem schlafsack und hinaus in den tag. erstmal öfen anheizen und wieder wasser für die morgendliche hundesuppe erhitzen. dann, nach bedarf, eine kurze waschung mit der waschschüssel. und dann sind die lieben hundis dran, die sich draußen aus ihren schlafmulden erheben, sich strecken, bisschen jaulen und auf ihr frühstück warten. ein allmorgendliches phänomen für die gruppe: schlafen die hunde tatsächlich bei diesen temperaturen draußen im schnee? ja, sie tun es. ganz zufrieden. in den schneemulden liegt etwas stroh und am morgen sind die mulden durch die körpertemperatur der hunde immer etwas tiefer. an manchen morgen waren die hunde mit einer dünnen schneeschicht bedeckt.

guten morgen, sonnenschein! (im vordergrund meine 3 hunde pekkah, yucca und macarena)

ich war ab dem 2. tag bei der morgendlichen hundefütterung nicht dabei, da ich zur eier-speckbraterin der gruppe avancierte. so konnte ich noch bisschen länger in der warmen stube bleiben. nach der hundefütterung kam die hungrige menschengruppe zurück und wir aßen alle beachtliche mengen zum frühstück. peter achtete penibel darauf, dass wir alle ausreichend und regelmäßig aßen. er hatte erfahrung mit gruppenteilnehmern, die auf ihre linie zu achten meinten und erlebte stattliche männer, die ihm entkräftet vom schlitten kippten. die kälte und körperliche anstrengung fordert ihren tribut, ausreichend essen und trinken hilft! nach dem frühstück wurde gepackt, was bei den wenigen dingen recht schnell ging, die hütte wurde für die nächste gruppe sauber gemacht, die schlitten beladen und dann die hunde angeschirrt und eingespannt. das einspannen war eine spaßige angelegenheit. denn es gab hunde in der gruppe, die sich problemlos anschirren ließen und freiwillig kopf und vorderläufe durch das geschirr steckten. ich hatte 2 davon in meiner gruppe, hessu und yucca. andere hunde widerum waren da etwas widerspenstiger und machten sich steif, warfen sich hin und flutschten einem immer wieder durch die hände wie ein stück schmierseife. sehr lustig, das ganze. auch davon hatte ich 2 in der gruppe. meine macarena stand zwar brav da wie ein lamm, machte aber die vorderläufe so strack, das ich sie manuell umknicken musste, um sie durch das geschirr zu schieben. wenn ich die spannung kurz nachließ, machte es zurr und der lauf war wieder strack. pekkah hingegen schmiss sich mit seinem ganzen gewicht auf die pfote, die ich gerade durch das geschirr stecken wollte. völlig entspannt lag er da, schwer wie ein betonklotz und ließ sich von mir hoch- und umschichten *ächz*

freiwilliges anschirren

anschirren mit widerstand

aber wir schafften es jedesmal, die hunde alle vor den schlitten zu bekommen und gegen 10 uhr standen alle bereit zur abfahrt. die hunde voller kraft und ungeduld, wir voller vorfreude und aufregung. tatsächlich ist dieser „start“ eine der schönsten dinge an der safari. es herrscht solch eine aufbruchstimmung und gebelle und gejaule, dass es ansteckend ist. das gespann hinter mir gehörte unserem youngster der gruppe. er hatte das glück, 4 rabauken im gespann zu haben. es war das gespann, dass es schaffte, sich vor dem start, in der pause und während des laufens immer wieder im geschirr zu verheddern, sich rauszuziehen und die leithunde hatten eine beeindruckende dominanznummer am laufen. hierbei schmiss sich die leithündin auf den rücken, stemmte ihre vorderpfoten gegen den hals des leitrüden neben ihr und machte todesgeräusche. „hallo???? sieht hier jemand, dass ich gleich totgebissen werde? kann hier jemand mal eingreifen?“ peter klärte uns jedoch darüber auf, dass das nur show sei, die hunde wären da ganz gut drin. na, entzückend. ihr glaubt nicht, dass sich hunde durch das geschirr ziehen können?

sie können!

und hier die rabaukenbande meines hintermanns

der leitrüde auf dem bild (links) beherrschte ein perfektes „aa-waaa-waa-waaa“, das sich anhörte wie das klagen an der klagemauer. herrlich, ich musste mich jedesmal kaputtlachen. der hund hinten rechts, rambla, war eine kleine pest auf 4 pfoten. ein echter gauner, der es schaffte, sich sogar während des laufens vom karabinerhaken zu lösen und ein heilloses durcheinander zu veranstalten. hört sich schrecklich an, aber alle liebten rambla. man konnte ihm einfach nicht ernsthaft böse sein. aber jetzt zurück zum morgendlichen start. sobald man den fuß von der bremse nahm und die hunde losstürmten, spannte die seele ihre flügel aus und alles war gut. ich dachte immer mal: „gibt es was schöneres?“ sicher tut es das, ich weiß, aber es gab momente während der tour, in denen man dachte, es gibt nichts, das schöner ist.

hier ein etwas verwackelter versuch, einen start zu dokumentieren:

wir hatten an diesem zweiten tag großes glück mit dem wetter. unter strahlend blauem himmel brausten wir über ebenso strahlend weißen schnee und freuten uns des lebens.

kurz vor mittag durften wir bei sahnewetter einen blick auf die hügel des nationalparks „ich -bin-ein-nationalpark-mit-einem-unaussprechlichen-finnischen-namen“ werfen und kamen aus dem staunen nicht mehr heraus. lappland ist wirklich ein wunderschönes stückchen erde.

was für ein prachtvoller tag! nach einer esstechnisch äußerst befriedigenden mittagsrast fuhren wir zeitweilig durch anspruchsvolles gelände, dass unsere beinmuskulatur auf eine harte probe stellte. es gab etliche knifflige kurven mit steigungen und gefälle zu meistern und ich meine mich zu erinnern, dass ein jeder in der gruppe seinen schlitten an diesem nachmittag in den tiefschnee manövrierte. ich dummerweise in einer steigung. als ich abstieg, um den festgefahrenen schlitten anzustoßen, löste er sich mit einem unerwarteten ruck, die hunde rasten natürlich gleich los, und ich hatte keine chance mehr aufzuspringen. wie war das noch, „niemals den schlitten loslassen?“ , ja, genau, also krallte ich mich am griff fest und fuhr ein wenig auf den knien hinterher. als die hunde an fahrt gewannen, glitt ich auf den bauch und schleifte hinterher. das muss sehr, sehr lustig ausgesehen haben. für meinen hintermann. für mich war es nur mittellustig, da ich richtig schiss hatte, dass mir der schlitten durchgeht, und zwar ohne mich. meine hundis drehten sich mehrfach um, schielten um den schlitten herum und bedachten mich mit einem amüsierten blick. ich schwöre, ich habe in ihren augen schadenfreude gesehen. „halt doch aaaaaan!“ brüllte ich meiner vorderfrau zu. erst als sie anhielt, bremsten glücklicherweise auch meine hunde und meine vorderfrau bekam sie am halsband zu fassen, so dass ich wieder aufsteigen und weiterfahren konnte. ich konnte nicht anders, als den rest der fahrt vor mich hinzugrinsen. in meine sturmhaube hinein 😉

der nachmittag barg noch mehr überraschungen und ich verbuchte ihn am ende als unseren persönlichen idiotentag. „wir sind gleich an der hütte,“ verkündete peter, „seid vorsichtig, die einfahrt ist diesmal kompliziert!“ und schon kam eine eindrucksvolle rechtskurve. das nächste, woran ich mich erinnere, ist die schmale birke, gegen die mein schlitten krachte und sich komplett festfuhr *räusper*. ich drehte mich rasch um, um meinen hintermann zu warnen, was ich allerdings zu sehen bekam, war ein unbemannter schlitten mit 4 froh aussehenden huskys, der um die kurve schoss 😉 😉 😉

das war der nachmittag, der uns abends bei kerzenschein viel gesprächsstoff bot. wir verbrachten die nacht in einer geräumigen hütte, in der peter uns ein so vorzügliches abendessen auftischte, dass wir es kaum fassen konnten. wenn peter nicht mehr wildnisführer sein will, kann er ein restaurant aufmachen! die nacht war ein wenig durchwachsen, da wir diesmal alle in einem raum schliefen. für mich war das schnarchtechnisch etwas schwierig. ich lag direkt neben dem göttergatten, der friedlich vor sich hinschnarchte (wie der rest der männer auch) und nervte ihn die halbe nacht mit aufforderungen, sich umzudrehen, mit dem scnarchen aufzuhören usw. am nächsten morgen sah ich mich mit dem unmut der männlichen grupenteilnehmer konfrontiert, die sich darüber beschwerten, ich hätte sie die ganze nacht mit meinem gebrabbel genervt und außerdem hätte absolut niemand geschnarcht. ungerecht, jawoll. die haben geschnarcht. aber solche begebenheiten machen nicht wirklich was, gehört dazu! wenn der morgen erwacht, ist alles wieder gut.

und hier noch, auf wunsch einer leserin, ein paar bilder von pekkah. sanni, für dich!

3 Wochen Indien: Jaisalmer, die Stadt der Botschaften

dann wollen wir uns mal wieder erfreulicheren dingen zuwenden 😆

meiner indienreise zum beispiel. wir befinden uns nun schon im letzten drittel dieser wunderbaren reise und wie schon auf der realen reise wird es mir auch jetzt, beim schreiben darüber, weh ums herz, dass es bald vorüber sein wird. vorher sind aber noch so viele fantastische dinge passiert! jaisalmer (gegründet 1156) ist eins davon. jaisalmer, die goldene stadt. jaisalmer, die westlichste stadt zur pakistanischen grenze, weit im westen des landes. ich habe jaisalmer die stadt der botschaften genannt. steht so in keinem reiseführer, aber für mich passt das. warum, zeig ich euch ein wenig später. wenn man sich jaisalmer nähert, fährt man stunden über stunden durch die wüste. flaches, gelbes land, wo man hinschaut. man kann sich gar nicht so recht vorstellen, dass etwas von interesse kommen könnte. und dann, ganz plötzlich, zack:

jaisalmer.

von außen wirkt jaisalmer wie eine festung, abweisend, stark. doch wenn man die festungsmauern hinter sich gelassen hat, verwandelt sich die stadt in eine schatzkammer. in einen traum aus sandstein. durchzogen von engen, labyrinthartigen gassen, die von steilen, hochaufragenden, schmalen gebäuden gesäumt werden. kunstvoll gearbeitete fassaden mit filigranen mustern lassen das sonnenlicht hindurch, dass von den hellen fassaden reflektiert wird.

jaisalmer ist mächtig gechillt, wenn ich das mal so sagen darf. in jaisalmer wird gott krischna verehrt und man grüßt sich nicht mit dem standartgruß namaste, sondern mit jay shri krischna, gepriesen sei gott krischna. überall sieht man seine priester, so wie auf dem foto oben. die stadt ist voller spiritueller touristen auf der sinnsuche. und voller touristen, die eindeutig super bekifft sind. man sieht ein paar extrem lustige gestalten. auch die kühe wirken seltsam entspannt 😉 und es gibt sehr, sehr viele kühe in jaisalmer, heilige kühe, die in einer besonders engen beziehung zu krischna stehen. ich würde sagen, kühe haben in jaisalmer narrenfreiheit.

und fische, auch heilig 😉

wir ließen uns alle auf dieser entspannten welle treiben, schlappten überall herum, aßen in großen mengen pulvertrockene rosinenschnecken aus der german bakery und freuten uns an den prachtvollen fassaden und begegnungen, die jaisalmer zu bieten hat. man trifft wahrlich eigene charaktere. so zum beispiel ihn hier, den jaisalmer-coverboy. er wurde mal für geo abgelichtet und lässt sich nun widerum liebend gerne mit seinem konterfei auf dem cover ablichten. man beachte auch seine tasche.

wie schon weiter oben erwähnt, war jaisalmer für mich persönlich die stadt der botschaften, die mir überall ins auge fielen. und sehr amüsierten. so zum beispiel

oder

in jaisalmer ist es sitte, hochzeitsereignisse mit diesen wundervollen fassadengemälden anzuzeigen. man kann dort die namen und das hochzeitsdatum, umgeben von glückssymbolen, lesen:

das symbol auf dem bild ist übrigens kein hinweis darauf, dass hier eine nazihochzeit stattgefunden hat, sondern ein swastika, das wohl berühmteste indische glückssymbol.

am ende eines prachtvoll ausgefüllten tages traute ich mich das erste mal seit über 1 woche wieder mehr zu essen als toast mit fresh lime soda. auf der hotelspeisekarte stand aus mir unerfindlichen gründen: kartoffelbrei. das war insofern ein glücksfall, als ich seit 2 tagen kartoffelbrei-mit-würstchen-fantasien hatte. ich bestellte kartoffelbrei und 1 schale curd. das ist hausgemachter joghurt, den man allerorts bekommt. kurze zeit später verschlang ich einen eimer voller kartoffelbrei, der auch schmeckte wie kartoffelbrei, den joghurt und – oh wunder – danach ging es bei mir magenmäßig steil bergauf. nachts schliefen wir übrigens einzeln oder paarweise in diesen kleinen türmchen, was unsere gruppe zu wahren begeisterungsstürmen trieb 😆

als wir jaisalmer am nächsten morgen verließen, besuchten wir vor den toren der stadt noch eine heilige städte, wo ich dieses, von mir sehr geliebte, foto aufgenommen habe:

3 Wochen Indien: Leopardentatze und Sichelohren

dreht katerwolf jetzt durch? wieder vomex geschluckt? och nö, keine angst. vielmehr geht es hier um unsere 2. trekkingtour und die erfüllung eines lang gehegten katerwolf-traumes.

erstaunlicherweise hatten wir am tag nach der 1. mammutwanderung keinen muskelkater. wenn man einige tage sehr viel im bus sitzt, tut einem so eine wanderung richtig gut. insofern freuten wir uns alle auf die zweite. diesmal ging sohan mit. unsere hähme vom vortag wollte er nicht auf sich sitzen lassen. unser weg führte uns durch leopardengebiet. alle äugten verstohlen in die hecken. als wir dann an einem bachlauf tatsächlich einen frischen tatzenabdruck sahen, wurde es mir etwas mulmig. es blieb aber bei der einen tatze. stattdessen sahen wir eine grandiose landschaft und gegen ende der wanderung indisches dorfleben. wie immer ein quell der freude.

zufrieden mit dem vormittag saßen wir nach unserer mittagsstärkung im bus richtung ranakpur, unserer nächsten station. eine im bus war aufgeregter als alle anderen. ich. schon zu beginn der reise hatte ich sohan gesagt, dass ich gerne mal ein marwari-pferd reiten würde und ob er da eine möglichkeit sieht. sohan wäre nicht sohan, wenn er nicht sofort eine heiße reit-connection gehabt hätte. in ranakpur, direkt an dem hotel, in dem wir übernachten sollten. 3 tage lang gab es harte preisverhandlungen via handy. reiten in indien ist erstaunlich teuer. denn marwari-pferde sind rar und luxusgüter, schließlich handelt es sich um die legendären kriegspferde der ehemaligen herrscher indiens. man sagt den marwari-pferden einzigartigen mut, stolz und schnelligkeit nach. mythen und legenden ranken sich um diese pferde. entsprechend groß war meine aufregung. kurz bevor wir das hotel erreichten, waren wir uns preislich einig geworden. mein ausritt sollte am gleichen tag um halb vier stattfinden. das hieß für mich, dass ich die besichtigung des wohl berühmtesten jaintempels verpassen würde. aber manchmal muss man im leben prioritäten setzen. so fuhr unsere gruppe mit dem bus zum tempel und ich stakste etwas schüchtern zum reitstall. was für prachtvolle pferde dort standen! größer, als ich erwartet habe, schlank, edel, glänzend, weiß, gescheckt, oder schwarz bzw. braun mit weißen blessen auf dem kopf. mit den typisch langen köpfen und *tadaa* sichelohren. ich hatte das, ehrlich gesagt, bislang für ein märchen gehalten. aber sie haben tatsächlich sichelohren. fasziniert starrte ich auf die ohren meines reitpferdes tara.

und hier kommen die ohren von ganga, dem begleitpferd

der ausritt selbst war einfach großartig. für einen reiter ist es eine große ehre, ein marwari-pferd zu reiten. es sind in der tat sehr stolze, mutige, nervöse aber brave tiere, die schnell wie der wind durch schwierigstes gelände stürmen, dass einem der wind um die ohren pfeift. als wir nach 2 stunden wieder zurückkamen schien mein breites grinsen im gesicht wie festgetackert und ich verfütterte all die stücke würfelzucker, die ich seit anfang der reise gehortet hatte.

etwa zeitgleich kam auch unsere gruppe zurück. seltsam entrückt wandelten alle im garten umher. ich erfuhr, dass sie ein unvergleichliches erlebnis im tempel gehabt hatten. nicht nur, dass das bauwerk ungemein beeindruckend war, nein, sohan hatte einen priester bestellt, der eine eigene zeremonie für die gruppe durchführte. mit segnung und allem drum und dran. ich brauchte sie mir nur anzuschauen um zu spüren, dass das sehr, sehr besonders und berührend gewesen sein muss. indien. indien. indien. was für ein unglaubliches, einzigartiges land.

3 Wochen Indien: Im Vomex-Rausch

am nächsten morgen ging es gleich in der früh weiter nach udaipur. mir war immer noch schlecht. schien ein dauerzustand zu werden. allen anderen ging es wieder gut. so kam es, dass ich dankbar den vorschlag eines mitreisenden annahm, vomex zu schlucken. 2 stück. und so kam es auch, dass ich nun weiß, dass ich entweder kein vomex vertrage oder 2 zu viel waren. keine ahnung. jedenfalls merkte ich nach ca. 1/2 stunde, dass es mir seltsam wurde. sehr seltsam. mir war schwindlig und ich fühlte mich merkwürdig körperlos. regelrecht unsichtbar. als wäre die verbindung zwischen körper und kopf getrennt. ich fiel in eine art bewegungsstarre. während um mich herum alle dachten, dass ich friedlich schlafe, kämpfte ich tapfer ums überleben. jawoll. ich weiß noch, dass ich eine schier endlose zeit einfach dasaß und mich darauf konzentrierte, weiterzuatmen. und mich reinzusteigern, an einer atemlähmung zu versterben. irgendwann machte ich die augen auf und tat kund, wie es mir ging. super, keiner glaubte mir. mittlerweile war ich wieder soweit, dass ich glaubte, doch zu überleben und fühlte mich einfach nur noch bedröhnt.

den rest des tages verbrachte ich leicht debil und glücklich. und als wir bei einem zwischenstopp diverse festungen und tempel besichtigten, schwebte ich heiter umher und band mir einen bunten turban um den kopf. mit der konsequenz, dass mich überall ein tross mächtig zufriedener inder begleitete. derart tiefenentspannt traute ich mich, die 3 sätze, die mir sohan, unsere reiseleiter während diverser busstunden beigebracht hatte, zum besten zu geben: „ap kesi hai?“ fragte ich eine gruppe giggelnder teenie-mädels. „wie geht es ihnen?“ fassungsloses staunen. dann große freude. ich erzählte noch, dass es mir gut geht und dass ich aus deutschland komme. fragte nach den namen, der rapide wachsenden gruppe und stellte mich selbst vor. damit hatte es eine besondere bewandnis. es gibt nämlich aktuell eine super berühmte bollywoodschauspielerin, die den gleichen vornamen hat wie ich. was in indien eine seltenheit ist. fortan hieß ich also wie sie. was zur ungemeinen begeisterung allerorts führte. in indien ist es so, dass menschen in der lage sind, problemlos ihre begeisterung und freude zu zeigen. das ist wunderbar. so wurde mein hindi-bemühen entsprechend belohnt. mit johlen, pfeifen, händeschütteln, standing ovations. hach, was war das schön. ich möchte das hier auch: standing ovations und begeisterungsstürme, wenn ich etwas gut gemacht habe.

mein fanclub:

ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass ich sehr sprachbegabt bin. bin ich nämlich. ich lerne sehr schnell fremde sprachen. so bat ich unseren reiseleiter sohan von anfang an, mir etwas hindi beizubringen. für sohan war ich fortan das sprachwunder auf 2 beinen. ich machte rasch fortschritte und sohan präsentieret mich allerorts wie einen zirkuselefanten. wenn wir zum beispiel ein geschäft betraten, bat er mich, meine gelernten sätze zum besten zu geben. in kürze war ich in der lage, einen souveränen basic-smalltalk durchzuführen. eine besondere überraschung war der satz: „apki muchhe bahut pyari hai“. was soviel heißt, wie: „sie haben einen sehr schönen schnurrbart“. viele rajasthani sind stolz auf ihre beachtlichen schnurrbärte. mit diesem satz stahl ich mich in so manches rajasthani-herz.  in der hindi-sprache reicht es aber auch, nur einen einzelnen buchstaben falsch zu betonen, und schon hat der satz eine neue bedeutung. zur unermesslichen freude zweier herren und sohan blamierte ich mich einmal mit: „ich habe einen sehr schönen schnurrbart.“ und einmal mit „sie haben aber einen besonders schweren schnurrbart.“ am ende der 3 wochen plapperte ich munter drauflos und wäre ich noch ein paar wochen geblieben, hätte ich wohl wirklich recht gut hindi gelernt. diese ganze sprachgeschichte knüpfte ein band der sympathie zwischen sohan und mir und wir wurden richtig gute freunde.

so sieht übrigens ein besonders schöner rajasthani-schnurrbart aus:

und mit diesem herren hat es eine finstere geschichte auf sich. sein vater hatte einen noch längeren. den längsten. 😉 und mit dem war er im guiness buch der rekorde. stolz zeigte er seinen schnurrbart herum, rollte ihn gegen eine spende ganz auf und hatte so ein ganz gutes auskommen. eines tages fand man ihn. das heißt: seinen rumpf. jemand hatte seinen kopf samt schnurrbart abgesäbelt und mitgenommen. gruselig, oder?

mein vomex-rausch hatte überdies den vorteil, dass ich die restlichen stunden der busfahrt zufrieden vor mich hingrinsend das straßengeschehen um uns herum betrachtete und fotografierte. indiens straßen sind nämlich eine geschichte für sich. ihr glaubt nicht, mit wem oder was man sich so die straße teilt. folgende schnappschüsse habe ich durch die frontscheibe des busfensters geknipst:

am späten nachmittag erreichten wir udaipur, die weiße stadt. oder besser noch: der traum in weiß. aber dazu morgen mehr.

3 Wochen Indien: Geselliges Kacken und unsichtbare Tiger

man möge mir diese überschrift verzeihen, aber so ist das nun mal im leben, man kommt in die absonderlichsten situationen. wie gestern berichtet, ereilte mich am abend ein jahrhundertdurchfall inklusive brechattacken. eklig, ich weiß, aber auch so ist das leben nun mal. blöderweise ereilte es mich, nachdem der rest der reisegruppe schon damit durch war. und nicht, wie ich, einer mehrstündigen busfahrt ins auge blicken musste. so kam es, dass ich um 8 uhr morgens im bus saß und nur eine frage in meinem hirn kreiste: „werde ich es schaffen, mir nicht in die hose zu kacken?“ ich setzte mich auf den platz ganz vorne neben der bustür, um im notfall schnell draußen zu sein, biss mir auf die zähne und sah missgünstig in die mittlerweile wieder entspannten gesichter meiner mitreisenden. neben zahlreichen anderen, wunderbaren eigenschaften verfügte sohan, unser reiseleiter, über die gabe, ohne großen federlesens zu verstehen, was sache war. so auch in diesem fall. als ich ihm unmittelbar, nachdem wir die stadt verlassen hatten und den bus über eher verkehrsarmes, offenes land fuhren signalisierte, dass ich raus musste, reagierte er perfekt: „sofort?“ ich: „ja.“ kurzes signal an den busfahrer und brrrrems am straßenrand.

ich stürzte heraus und raste am straßenrand entlang, bis ich eine lücke im zaun fand und sprang hinter die erstbeste, niedrige hecke. gerettet! während ich nun erleichtert tat, was ich tun musste, hörte ich in der ferne musik. bollywoodmusik. und ein tuckern. etwa so: „tucker tucker. ajawalaahuachumchumdideldum. tucker tucker.“ bollywood und tuckern kamen näher und wurden lauter. noch näher, noch lauter. und dann, als die geräuschquelle unmittelbar auf meiner höhe war, blieb sie sehen. hm. ich blickte den kleinen abhang hoch und erblickte etwas, das ich nicht für möglich hielt: einen indischen traktor. bunt angemalt, mit allerlei götterbildern und segenssprüchen. über und über mit bunten wimpeln behängt. mit geschätzten 25 insassen, die auf, in und am traktor saßen, hingen, was auch immer. aus einem lautsprecher jodelte in voller lautstärke bollywoodmusik. das hier beschriebene stellt eine typisch indische szene dar. jeder, der schon mal in indien war, kennt das. das besondere an dieser situation war nur, dass ich hinter einer hocke saß und nicht aufhören konnte zu kacken und der traktor direkt über mir stand und alle insassen begeistert und fröhlich auf mich herabblickten, lachten und ununterbrochen hello! hello! riefen. oh. mein.gott. was macht man in solch einer situation? ich tat das, was mir spontan einfiel. ich entspannte mich. ich war in indien, andere länder, andere sitten. so brachte ich zu ende, was ich zu ende bringen musste, winkte währenddessen ein paarmal hoch und rief hello! und als ich fertig war, legte ich die hände vor meiner brust zum indischen gruß namaste! zusammen, verließ unter lautem beifallsgeklatsche und gejohle den schauplatz und ging zum bus zurück. wie john wayne in seinen besten jahren.

indien. so etwas kann einem in indien durchaus passieren.

der rest der fahrt verlief zum glück ereignislos. unser tagesziel war der tigernationalpark ranthambore. in diesem reservat leben etwa 35 tiger. kurz vor der reise hatten wir darüber eine fernsehdoku gesehen und waren mächtig gespannt, ob wir einen tiger sehen würden. unsere gruppe war in optimisten und pessimisten gespalten. erstere hoffte auf eine tigersichtung, letztere war skeptisch. maria, eine mitreisende, die zeit ihres lebens im betrugsdezernat gearbeitet hatte, brachte es auf den punkt: „ich hätte eine frage: hat überhaupt schon mal jemand einen tiger dort gesehen?“ hihi, köstlich, da sprach die langjährige erfahrung mit betrügern aus der frau. alle grinsten sich einen. in ranthambore angekommen, checkten wir kurz im hotel ein und schon wartete der safarijeep auf uns. alle waren mächtig aufgeregt und hatten tigerfantasien.

ich mach es jetzt mal kurz: wir haben keinen tiger gesehen. auch am nächsten morgen haben wir keinen tiger gesehen. wir saßen gefrustet im jeep und lauschten leicht genervt den erläuterungen des rangers, der in recht unverständlichem englisch dozierte: parrrrrrot. manki. dirrrrr.“ was auch immer das war. wollte keiner so recht wissen. alles starrte angestrengt ins dickicht auf der suche nach streifen. in den zahlreichen jeeps, die uns begegneten, saßen ebenfalls gefrustete touris aller nationalitäten. den gesichtern nach zu urteilen, hatte keiner einen tiger gesehen. „mir reichts. ich will jetzt zu McDonalds!“ tönte es aus einem jeep, der uns überholte.

wenn wir am ende der reise nicht eine gruppe getroffen hätten, die einen tiger gesehen hat, hätten wir wohl alle die meinung marias geteilt und an eine große, indische tigerverschwörung geglaubt. die reisegruppe aus dem südwesten, die allesamt nicht aus der lustigen kaste stammten, hatte den tiger volle 30 minuten lang gesehen. sie zeigten uns schadenfroh ihre fotos. man konnte einen munteren, riesigen tiger sehen, der herumlief, lag und irgendwelche antilopenbeine durch die gegend schleppte. ein wunder, dass er keinen kopfstand machte. keiner aus unserer gruppe hat es den südwestlern gegönnt. keiner.

der ranthambore-nationalpark ist aber auch tigerlos ein wunderschönes stückchen erde und wir haben immerhin ein paar affen und hirsche und vögel gesehen.

 

 

3 Wochen in Indien: Zu Besuch bei der schwarzen Göttin

schrieb ich in meinem letzten post, dass der tag mit einer großen überraschung endete? nun ja, der nächste begann mit einer solchen. und zwar, als beim frühstück nur etwa 5 (von 18) mitreisenden erschienen. der rest lag halbtot mit durchfall und erbrechen im bett. mein lieber mann hatte mich bereits nachts auf trab gehalten, als er würgend und elend mindestens 20 x aufs klo raste. und wir hatten in diesem wunderbaren palasthotel das glück gehabt, eine suite zu ergattern, in der sich das bad am langen ende einer zimmerflucht befand. das kann in solchen situationen ganz schön weit sein.

es sah so aus, dass sich fast die ganze gruppe am vortag eine lebensmittelvergiftung zugezogen hatte. nun ist es aber so, dass man in indien einfach zu 98 % damit rechen muss, durchfall und magenprobleme zu bekommen. das gehört zu einer indienreise dazu und man muss es mit einkalkulieren. geht ja auch wieder vorbei! ich hatte wundersamerweise nichts. man kann ja auch mal glück haben. außerdem war an dem tag mein geburtstag!

auf dem tagesprogramm standen der besuch des stadtpalstes, eines sehr alten jain-tempels und, als krönender abschluss, die besichtigung des durga-tempels, der schwarzen göttin. ich war sehr aufgeregt deswegen, habe ich als studentin der ethnologie doch vor langer zeit meine magisterarbeit über eben diese göttin geschrieben. die als blutrünstige göttin bekannte durga, auch kali genannt. die kriegsgöttin, die man auch in zeiten der schweren not anbetet.

wir schauten noch einmal nach unserem krankenlager und zogen mit unserer bescheidenen gruppe los. 2 schritte aus dem hotel und zack waren wir wieder mittendrin im geschehen. im gewühl des kleinen, trubeligen, pulsierenden karauli. hup hup! hello! hello!

nach nur 3 tagen wurde uns das allgegenwärtige chaos langsam vertrauter. ebenso wie der dreck und gestank. das hört sich vielleicht  etwas merkwürdig an, aber es ist wirklich so. indien ist laut, dreckig, heiß, anstrengend und es stinkt an manchen orten erbärmlich. aber indien ist auch wunderschön, bunt, freundlich, herzlich, faszinierend, in seiner schönheit mit nichts zu vergleichen, das ich kenne. und so gewöhnt man sich an den lärm und dreck und passt halt auf, wo man hintritt und was man isst und dass man zur seite geht, wenn es hinter einem hup hup macht und dass man freundlich zurückwinkt und lacht, wenn man ein hello! hört. was so ziemlich den ganzen tag der fall ist. und dann macht die große herztür klapp und geht auf und all das schöne, das indien bereit hält, strömt hinein und macht einen ganz schön glücklich.

aber jetzt ein paar bilder. zunächst der wunderbare, kleine, überaus kunstvolle jain-tempel im stadtzentrum. ein echtes juwel. von außen eher unscheinbar, im innern prachtvoll wie kaum etwas, das ich zuvor gesehen habe. leider etwas schwierig zu fotografieren, da eher dunkel, ich hab es aber probiert. ach ja, noch ein kleiner schwank dazu: sohan, unser reiseleiter, stammt ja bekanntlich aus der lustigen kaste. immer und allerorts. so erklärte er uns, dass man in jain-tempeln vereinzelt auf die darstellung nackter männer trifft. dabei handelt es sich um eine besondere gruppe heiliger männer, die nackt dahergehen. auch heute noch trifft man, wenn auch sehr vereinzelt, auf nackte jains. „diese heiligen zeigen ihr instrument!“ belehrte uns sohan augenzwinkernd *kicher*

unser weg führte uns weiter zum prachtvollen stadtpalast. wenn man die unzähligen stadtpaläste rajasthans gesehen hat, einer beeindruckender als der andere, bekommt man eine ahnung davon, wie es früher, zu zeiten der moghulkaiser und maharadschas gewesen sein muss. wie man sich 1001 nacht vorstellt, genau so!

ein wenig ermattet fuhr unsere kleine truppe im anschluss mit dem bus zum etwas außerhalb gelegenen durga-tempel. wie so oft, verflog die müdigkeit in dem moment wieder, als wir aus dem bus stiegen. das war ein phänomen auf dieser reise. sobald man aus dem bus stieg, macht es zack und man war drin. egal, wie müde und erschlagen man vorher noch war. manchmal schleppte man sich, wegen zu heiß, zu weit weg, zu anstrengend, gefühlte 1000 stufen zur dachterasse eines palastes hoch, fragte sich, wie man das überhaupt schaffte, und man überlebte es. habe ich schon gesagt, dass indien anstrengend ist? indien ist anstrengend. aber indien ist so unglaublich schön, dass man das gerne auf sich nimmt. ach, ich wiederhole mich.

zurück zum durga-tempel. der weg zu einem tempel ist meist unverkennbar von unzähligen ständen, die devotionalien verkaufen, gesäumt. das ist eine besonders farbintensive und wohlriechende angelegenheit: blumen, bunte wimpel, rotes pulver, mit dem man den berühmten roten punkt auf die stirn malt, räucherwerk und prozessionen von pilgern.

am tempel angekommen, erwartete uns ein treiben, das seinesgleichen sucht. wo man hinschaute, war der göttinenkult in vollem gange. mit einer intensität, die mich richtiggehend verstörte. menschen schmissen sich klagend auf den boden, schleppten ihre kranken kinder hinter sich her, an allen ecken und enden wurde die göttin angerufen, wah, ein unwirkliches szenario für eine gewöhnliche mitteleuropäerin. es hatte etwas wildes, ursprüngliches. eine aus unserer gruppe nahm das alles so mit, dass sie sich spontan in einen am rand stehende tonne übergeben musste 😉

ich ließ mich mit der menge der gläubigen in das tempelinnere gleiten. im innern nahm die intensität noch deutlich zu. uff, so etwas hatte ich noch nie erlebt. es kam mir fast vor, als würde ich zeuge eines alten, dunklen kultes werden, in dem wilde eingeborene tief im dschungel eine dunkle gottheit verehren. ja ja, ich weiß, vermutlich zu viel indiana jones gesehen, aber ich sag euch, das war echt sehr besonders. im räumlich engen tempelinnern gab es einen, durch ein seil abgetrennten schrein, für die göttin. 2 priester liefen geschäftig hin und her und fingen die devotionalien, die die gläubigen in den schrein warfen, auf und legten alles in körbe. in kurzen abständen warfen alle die arme hoch und riefen voller inbrunst ihre anbetung. eine sehr, sehr emotionale angelegenheit, kann ich nur sagen. ich stand ein wenig schüchtern umher, oder besser, im weg herum und war ganz von der rolle. dann stand ich vor ihr, vor kali, der schwarzen göttin, auge in auge. leise und schüchtern sagte auch ich meine anbetung. das musste dann einfach sein. als ich den tempel wieder verließ, begrüßten mich am ausgang ein paar kleine, fröhliche kinder und malten mir den roten segenspunkt auf die stirn. ich war gesegnet. ich war im tempel der schwarzen göttin und ich war gesegnet. und das an meinem geburtstag. wenn das mal kein gutes omen ist! wir warfen noch einen letzten blick auf den tempel und die ihn umgebende, wunderschöne flusslandschaft und fuhren zurück.

 

ein weiterer, ereignisreicher tag ging zu ende und mit all den vielen eindrücken angefüllt kamen wir im dunkeln ins hotel zurück. wo uns eine halbwegs wieder lebende resttruppe erwartete. dafür fiel es mich spätabends noch an. boah, musste das sein. ich verbrachte eine nicht enden wollende nacht und war erstaunt, wie kotzübel es einem doch gehen kann und wie weit ein klo sein kann. interessante erfahrung, wenn es oben und unten gleichzeitig rauskommt, muss ich sagen.