Frauenbewegtes Singen

singen macht spaß! auch wenn man es nicht kann. Ich bin zugegebenermaßen kein großes gesangstalent, was aber nicht heißt, dass ich nicht gerne singe. in meiner letzten reha im sommer habe ich mich spontan der reha-singgruppe angeschlossen und wöchentlich mit wachsender begeisterung deutsche lieder und weltmusik gesungen. Ich stellte fest: singen macht glücklich. nicht zwingend die zuhörer, aber egal, ganz nach dem prinzip: alles, was einem gut tut. seitdem geistert es immer mal in meinem kopf herum, für einen chor fehlt mir allerdings die zeit. gestern entdeckte ich zufällig, dass es in meiner unmittelbaren nachbarschaft eine offene singgruppe gibt. wenn das mal kein wink des schicksals ist! Ich rief sofort meine sing-freundin alma an. sing-freundin deshalb, weil wir beide gerne deutsche schlager anstimmen. vor allem, wenn wir einen über den durst getrunken haben. nach einer privaten weinprobe bei unserem lieblingsgriechen, der uns wahres talent zusprach, dachten wir sogar ernsthaft darüber nach, eine mädchenband zu gründen. die muschicat dolls. mein mann wollte sich in diesem fall eine nichtsingende zweitfrau suchen.

alma jedenfalls war sofort einverstanden, am gleichen abend hinzugehen. im stillen freuten wir uns schon darauf „hoch auf dem gelben wagen“ zu schmettern. als wir wenig später den ort des geschehens betraten, sahen wir uns allerdings mit einer beachtlichen anzahl amazonenartiger frauen konfrontiert. öhm. sehr frauenbewegt, würde ich mal sagen. wäre ich nicht reha-erprobt, hätte ich erstmal probleme gehabt, die tsunami der vorurteile in meinem kopf zu bewältigen. ich bin aber reha-erprobt, mich schreckt so etwas nicht, denn vorurteile in bezug auf äußeres erscheinungsbild schminkt man sich in einer reha ganz schnell ab. die gruppenleiterin war mega-frauenbewegt, wow, aber auch sehr authentisch und sympathisch.

erwartungsvoll standen wir mit schlenkernden armen im kreis und beäugten uns. zunächst gab es ein paar auflockernde stimm- und atemübungen, bei denen alma und ich noch sichtlich um contenance bemüht waren. vor allem, als man sich paarweise ansingen musste, um seine chakren zu öffen und mein gegenüber mich anstrahlte, als sei ich der messias. dann ging es endlich zur sache und wir stimmten unser erstes lied an. irgendein indianisches heillied. nix „theo, wir fahrn nach lodsz.“ etwas irritiert tönten wir eiohu wa-ka-lu e-o e-o wahakila, oder so. öhm. dabei wurde geklatscht und geschunkelt.

zugegebenermaßen braucht man für so etwas starke nerven und man muss sich innerlich vollständig davon freimachen, wie das wär, wenn einen jemand dabei beobachten würde, und solche sachen. ihr versteht schon: wenn einen zum beispiel die kollegen dabei beobachten würden, wie man klatschend und stampfend im kreis steht und indianische bowwowluwau, oder wie das heißt, macht. sonst steht man das nicht durch.

wir machten uns frei von dieser vorstellung. mit erfolg. außerdem ist es eh wurscht, wer was wann wo wie von einem denkt. hauptsache man hat spaß. jawoll. wir sangen ein hakuna matata lied nach dem andern. langsam kam immer mehr stimmung auf, von allen seiten tönte es vollbrustig: uwaha uwaha eialaeiala. und so. alma neben mir ging voll ab und machte mir dabei verschmitzt petzaugen.

auch ich röhrte zufrieden wa-ka-hu-la e-o e-o und fragte mich insgeheim, ob mein mann, nur ein paar häuser weit entfernt, unser gejohle hört. und wisst ihr was? es machte großen spaß. sehr großen spaß sogar. von zeit zu zeit muss man einfach was beklopptes tun. wer rastet, der rostet.

als alma und ich nach hause gingen, schunkelten wir fröhlich summend vor uns hin und beschlossen, wir kommen wieder.

meinem mann, der uns kurz darauf die tür öffnete, stand die nackte angst in den augen. er war gerade von der arbeit nach hause gekommen, saß zufrieden vor der glotze und hatte nun große angst, wir würden ihm etwas vorsingen. das haben wir ihm erspart. erstmal. wir müssen noch ein wenig üben 😉

Buchtipp: Wilde Huskys, mutige Frauen

ich habe gerade ein wunderbares buch meiner lieben mitbloggerin glasperlenfee zu ende gelesen und mein mann gleich hinterher. mit der gleichen begeisterung.

nicht träumen, machen! heißt der reisebericht der sehr abenteuerlustigen und mutigen glasperlenfee, in dem sie ihre erlebnisse einer mehrwöchigen husky – und kanutour in alaska beschreibt. dies tut sie nicht nur ungemein spannend und ehrlich, sondern auch mit einer gesunden prise humor. macht großen spaß zu lesen.

ich war ganz erstaunt, als mir glasperlenfee davon berichtete, denn, während ich ihren blog verfolgte, habe ich nichts dergleichen vermutet. zumindest nicht, dass sie bei -30 Grad mitten in der alaskawildnis auf einem zugefrorenen see im schlafsack übernachtet. ich sage nur: stille wasser… 😉

nun bin ich froh, das buch bestellt und gelesen zu haben und möchte es euch wärmstens empfehlen. kann man übrigens direkt bei der autorin bestellen.

wo mein plötzliches interesse für huskytouren herrührt? ihr ahnt es sicher schon. ihr ahnt richtig. anfang märz werden mein mann und ich eine woche mit huskys und schlitten die finnische winterwildnis erkunden. ohne fließend wasser, ohne strom, in gemeinschaftshütten, bei -18 grad. kann schon sein, dass wir ne meise haben. aber die zwitschert ganz fröhlich, die kleine meise 😆

Qigong im Park oder: Amazonen proben den Ernstfall

qigong im park. ein kostenloses angebot für alle, die einmal hineinschnuppern möchten.

stand vor einigen tagen in unserer zeitung. auja, habe ich mir gedacht und hatte dabei die tolle qigong-erfahrung aus der reha im kopf und streichelte schon mal in vorfreude mental schäfchenwolken und trug regenbogen umher. als ich im park ankam, bot sich mir an besagtem treffpunkt ein bild des grauens. eine stattliche gruppe stattlicher frauen bevölkerte den übungsplatz und blickte mir kämpferisch entgegen. mir war sofort unwohl. too much frauenbewegte frauenpower, dachte ich mir so insgeheim. man nennt sowas auch wuchtbrummen, was nicht unbedingt mit dem körpergewicht zu tun hat sondern vielmehr mit einer gewissen physischen und psychischen ausstrahlung. davon waren etwa 50 stück! versammelt. in der mitte eine mopsige, lockige vor energie sprühende, kleine person, die ich sofort als kursleiterin enttarnte.

der kurs begann mit einem etwa 5 minütigem schütteltraining. ihr glaubt nicht, was da so auf dem platz alles geschüttelt und gerüttelt wurde 😉

als nächstes wurde eine mindestens 5 millionen alte übung namens schwimmender drache angekündigt und vorgeführt. sehr komplizierte geschichte. guten mutes stieg die gruppe in die übung ein und wiederholte tapfer die bewegungen. während ich leicht verwirrt mit der koordinierung von armen und beinen und links und rechts beschäftigt war, wagte ich einen kleinen blick in die runde.

*pruuuusssssst*

etwa 50 drachen kurz vor dem ertrinkungstod 🙂

es folgten ein paar weitere, kleinere übungen, während der ich ein wenig gelegenheit hatte, die anwesenden wuchtbrummen etwas näher in augenschein zu nehmen. uiuiuiuiui, ich wusste gar nicht, dass man solche frisuren noch trägt *boshaft grins*. besonders beeindruckt war ich von einer etwa 2 meter großen ober-wuchtbrumme mit einer besonders schrecklichen frisur: grau und kurz, oben auf dem kopf allerdings war das haar länger und in einer akuraten rolle zu einem art helm geföhnt. respekt, schwester 😉

ich vermisste meine mutter, wenn sie dabei gewesen wäre, wir hätten uns totgelacht. meine gedanken wurden durch die nächste übung unterbrochen. nun sollte man in einer leichten seitwärtsdrehung mit den händen ein herz formen und dieses herz mit ausgestreckten armen seiner jeweiligen nachbarin zustrecken.

gebt so eure liebe weiter an eure nächsten und empfangt sie eurerseits.“ forderte uns mopsi auf.

herr hilf! ich hasse sowas. da ich kein spielverderber sein wollte, drehte ich mich also nach rechts und nahm meine nachbarin ins visier. eine riesige amazone, die förmlich vor liebe überschäumte, als sie mir diese entgegenstreckte. ich nahm eine etwas distanzierte haltung und blick an, streckte ihr rasch meine arme entgegen und schwupps drehte ich mich zur anderen seite. dort stand eine weitere walküre, die mich bereits mit leicht vorwurfsvollem blick und ausgestreckten armen erwartete. ich lächelte sie zaghaft an und sie schaute mich so verliebt an, dass ich echt muffe bekam. das ging ne weile so hin und her und war echt spießrutenlaufen, anders kann ich es nicht bezeichnen. allen außer mir schien das unbändigen spaß zu machen. und während ich so zusah, wie sich der amazonenverbund giggelnd mit liebe überhäufte musste ich mir so mächtig auf die lippen beißen, dass ich keinen lachkrampf bekomme, dass ich angst hatte, hinterher ne dicke lippe zu haben. die hätte ich mit sicherheit bekommen, wenn ich losgelacht hätte. vor meinem inneren auge lief ein film ab, in dem ich von einer horde johlender amazonen durch den park gejagt wurde.

im weiteren verlauf war ich dann noch wasser, ein same, ein baum, erde, holz und metall und hatte langsam die schnauze voll.

zu guter letzt sollte man sich noch umarmen, nö du., also JETZT ist mal gut. ich griff mir meine tasche und verduftete und war froh entkommen zu sein. werde mich wohl nach einem anderen qigong-kurs umschauen.