Beobachtungen im Freibad

ich war vorgestern das erste mal nach etwa 30 jahren in unserem freibad. irgendwie hat es mich nie dahin gezogen, da ich lieber rausfahre, an irgendeinen see oder weiher in der umgebung. meine neu errungene reha-power allerdings treibt mich an, auch zum schwimmen, und so bin ich gestern mittag mit dem vorsatz, 1000 m im 50 m becken zu bezwingen, hoffnungsfroh ins freibad aufgebrochen. ich hatte einfach nur ein langes, blaues, überwiegend leeres 50 m becken im kopf. ich hatte nicht im kopf: dass schulferien sind 😆

früher, als teenager, bin ich im sommer täglich ins freibad gegangen. gleich nach der schule, während der ferien, während der schule 😉 und traf mich dort mit meiner clique. wir verbrachten ganze sommer giggelnd und kreischend am beckenrand und ließen uns von den jungs um die taille packen und ins wasser zerren oder standen zitternd auf dem 10 m sprungturm und kletterten mit schlotternden knien wieder runter, weil wir uns dann doch nicht trauten, herunterzuspringen. es war die zeit der ersten richtigen verliebtheiten und schwärmereien. ich ging ins schwimmbad, weil ich gerade irgendjemanden anschmachtete und hoffte, endlich seine aufmerksamkeit zu ergattern und ihn in mich verliebt zu machen. ich erinnere mich an einen sommer, ich war 14, als ich für einen großen, schlaksigen, schwarzhaarigen draufgänger marke freibad-django schwärmte, der mich mit den worten beeindruckte:

„mein vater ist DJ. er legt platten auf.“

wie aufregend!!!!! später stellte sich heraus, dass sein vater fliesenleger war. der witz des jahres, das mit den platten, haha, ehrlich, ich lach mich tot. von django bekam ich meinen 1. richtigen zungenkuss (der allererste beim flaschendrehen mit edwin zählt nicht, weil eklig), in den umkleidekabinen, unter einem handtuch. stefan, ein mitschüler von mir, der im geheimen in mich verliebt war, haute ihm daraufhin auf der schwimmbadtreppe 2!!!! blaue augen. mann, war ich stolz! django wechselte noch in dieser freibadsaison zu meiner freundin ulrike, die nicht nur küssen, sondern auch schon fummeln wollte. was für ein liebeskummer! ich habe django etwa 30 jahre später mal wiedergesehen, so auf der straße. gleich wiedererkannt. hat sich nämlich null weiterentwickelt 😉

so war das früher im freibad, als ich noch teenager war, es war aufregend und schön! gestern war es anders. stopp! oder war es noch genauso und ich bin einfach nur 30 jahre älter? vermutlich das letztere. horden kreischender teenager überall. ein geräuschpegel kurz vor trommelfellplatzen. ich suchte mir ein einigermaßen ruhiges wiesenplätzchen, breitete mein handtuch aus, setzte mich drauf und schaute mich erstmal um. boah. warum versammeln sich im freibad menschen, denen man im normalfall nie und nirgends begegnen möchte? vor allem nicht in horden? weiß das jemand? um mich herum saßen 1000 jahre knast. volltätowierte, glatzköpfige bodybuilder mit bösen, dunklen sonnenbrillen nebst weilblichem pendant mit arschgeweih. muskelbepackte, fremdenlegion-geeignete mitbürger mit migrationshintergrund und interessantem gesprächsstoff:

„guggst du hier, alter, krass.“

spindeldürre, solariumverbruzelte, tätowierte muttis mit heerscharen von spindeldürren kindern, die alle dschessica, wainona, schantall, bruhhhs und määändy heißen. familien, die ihren ganzen hausstand dabei hatten: klappstühle, riesige kühlboxen, sonnenschirme, tische, alles.

ich ging erstmal schwimmen. mit schätzungsweise 1000 anderen menschen, die alles daran setzten mich zu ertränken, indem sie wahlweise versuchten von den springböcken auf meinen kopf zu springen, mich beim rumtoben mit dem fuß auszuknocken oder mir beim ego-kraulen ihre arme ins gesicht zu flatschen. ookaaay, 200 m schwimmen ist auch viel. ich ging also wieder zu meinem badetuch um ein wenig die sonne zu genießen. kaum saß ich, war es vorbei mit der ruhe. eine clique von etwa 15 jugendlichen schlug ihr lager neben mir auf. ich schätze mal, so 15, 16 jahre alt. alle in der brunft. jöih, das war ein späßchen. 13 jungs, 2 mädels. alle waren auf die 2 mädels spitz und gaben röhrende geräusche von sich. und was passierte dann? es gab natürlich auch hier einen gruppen-django, einen jugendlichen platzhirsch mit verspiegelter pilotenbrille, der beide mädels für sich beanspruchte. der einen cremte er den rücken ein, der anderen die beine und dann ging er mit beiden gemeinsam zum schwimmbecken, während er sie beide um die taille fasste. die anderen 12 jungs starrten ihnen hinterher und schauten dumm aus der wäsche.

ach herrjeh, wie herrlich eigentlich. manche dinge ändern sich nie, nie, nie.

gestern war ich wieder da, zum frühschwimmen. keine horden, leeres schwimmbecken. nur so leute wie ich, mittelalt und ruhe suchend. hm, würde mich nicht wundern, wenn es die gleichen sind, die früher kreischend mit mir am beckenrand standen und in umkleidekabinen knutschten 😉