Es fühlt sich nach Frühling an

ich wünsche euch einen wunderschönen, sonnigen Rosenmontag.

eure katerwolf

Joschi, König der Baumstämme

und das hier muss heute auch noch rein in den blog. mir fällt dazu nur ein:

froh zu sein, bedarf es wenig

gib mir nen baumstamm

und ich bin könig


Auftrieb

Meine Freundin Rikka war 2 Tage zu Besuch bei mir. Rikka und ich sind alte Freundinnen, wir haben uns gleich im 1. Semester unseres Studiums angefreundet und seitdem viel zusammen erlebt. Unsere Freundschaft hat bislang alles überdauert. Auch meinen Umzug vor 11 Jahren und Rikka lebt nun seit 2 Jahren in Südafrika. Wir hatten das letzte Jahr weniger Kontakt als sonst, als sie aber erfuhr, dass ich an Brustkrebs erkrankt bin, hat sie den Kontakt wieder verstärkt.

Früher waren wir beide Party-Queens und haben wilde Nächte zusammen durchgetanzt und durchgetrunken, wir haben uns in die falschen Kerle verliebt, sie sogar geheiratet, uns wieder von ihnen getrennt und währenddessen gemeinsam gelitten. Als ich weggezogen bin, haben wir uns immer wieder mal besucht und dann, wie in alten Zeiten, mal mehr, mal weniger gefeiert. Das waren wir uns schuldig 😉 Mit zunehmendem Alter konnten wir zumindest nicht mehr so lange feiern und gingen dann stattdessen auch schon mal lieber lange spazieren und quatschen die halbe Nacht beim Rotwein auf dem Sofa 😉

Als Rikka gestern kam, war klar, dass wir diesmal nicht tanzen gehen würden. Sie kam, um nach mir zu sehen, mich zu trösten. Statt bis 3 Uhr morgens bei Rotwein zu quatschen, ging ich völlig erschlagen um 9 Uhr abends mit Leitungswasser ins Bett. So ändern sich die Zeiten. Heute morgen kam sie mit mir zur Bestrahlung. Pffft, wir wären beide gerne woanders zusammen hingegangen. Als wir aus der Klinik kamen, schien die Sonne vom blauen Himmel und wärmte uns so wonnig und sehnsüchtig und wir überlegten, wie wir den Tag genießen könnten. Dabei stellten sich die meisten Sachen als zu anstrengend für mich dar. Dann hatte ich eine Idee: Seit dem Schrecken meiner Diagnose vor 3 Monaten denke ich mich immer wieder an schöne Orte. Ich lasse mich dort mental nieder und ruhe mich aus, sammle Kraft. Diese Visualisierungen sind auch Bestandteil vieler Entspannungsübungen, die ich seitdem mache um mich innerlich zu beruhigen. Dabei lande ich fast immer am gleichen Ort. Einem kleinen Weiher bei uns in der Nähe, vielleicht 30 Minuten entfernt. Er liegt inmitten einer lieblichen Landschaft mit Streuobstwiesen, Feldern, Hügeln und kleinen Dörfchen ganz idyllisch auf einer Anhöhe. Es sind nie viele Menschen dort und wenn man Glück hat, ist man sogar ganz alleine. So wie heute. Wir fuhren hin. Als wir aus dem Auto stiegen, umhüllte uns sofort die friedliche Atmosphäre des Ortes. Entlang des Weihers führt ein Pfad die Felder hinauf und wir liefen ihn entlang, bis er sich in der Wiese verlor und stiegen dann querfeldein einen Hügel hinauf bis wir oben waren. Die Sonne hatte schon so viel Kraft! So legten wir unsere Jacken auf die Wiese und legten uns ins Gras. Auf die Ellbogen aufgestützt lagen wir da und gaben uns ganz dem Zauber der wunderschönen Landschaft hin: Felder und Wiesen, wohin man blickte; unter uns verträumt der kleine Weiher und weiter unten im Tal idyllisch das Dorf. Weit und breit kein Mensch, alles still und friedlich. Wir verweilten sicher 2 Stunden dort, schauten hinab ins Tal und redeten uns alles mögliche von der Seele.

Irgendwann wurde dann doch der Hintern kalt und wir traten den Rückweg an. Während wir den Hügel herabstiegen, ging es uns mächtig gut, wir waren völlig zufrieden mit der Welt, so wie sie gerade ist. Das muss ein echter Seelenort sein. Ich spürte in mir das erste Mal seit 3 Monaten richtig viel Kraft. Hey, ist das was?

joschi im zoo

bei uns darf man hunde mit in den zoo nehmen. da hat sich die zooleitung mal echt was gutes ausgedacht. früher bin ich schrecklich gerne mit meinem sohn in den zoo gegangen. da er mit 19 nun doch eher zu alt dafür ist, nehme ich jetzt eben joschi mit. den freut das sehr. er liebt den zoo. die tiere haben offensichtlich auch ihren spaß daran, zumindest erwachen sie immer aus ihrer lethargie, wenn sie joschi sehen und wollen ihn wahlweise anstarren, ärgern, jagen oder fressen. joschi hat zwar so gar keinen jagdtrieb, aber es macht ihm doch diebischen spaß, das eine oder andere tier ein bisschen herumzuscheuchen. es gibt ein paar tiere, die es ihm besonders angetan haben, und wenn wir an ihr gehege kommen, weiß er schon genau, was sache ist. heute, an diesem schönen, sonnigen karfreitag war ich mit joschi, meiner guten freundin anne (auch ihre kinder gehen nicht mehr in den zoo) und ihrem hund max im zoo. blöderweise hatten wir die idee, mit den hunden gleich zu anfang eine ewig lange hängebrücke zu überqueren, eine zugegebenermaßen extrem blöde idee. beide hunde hatten todesschiss auf der brücke, krochen flachgedrückt im schneckentempo voran und am anderen ende warteten unmengen von eltern mit ihren kleinen kindern, die auch rüber wollten. als wir endlich am anderen ende ankamen, wurden wir feindselig angestarrt.

ich bin immer wieder erstaunt, wie intensiv die zootiere auf einen hund regieren. da wird gestarrt, was das zeug hält. vor allem die zahlreichen jungtiere, die mitunter zum erstenmal im leben einen hund sehen:

heute waren gott und die welt unterwegs. vorrangig diverse familien „flotter“, alle mit glimmstengel im mund, deren unzählige kinder auf solch klangvolle namen hören wie: kevin, connor, dschakkelin, dschäniffer, dschessica, dschänni, wynona, owen usw. etwa 100 von ihnen waren gleichzeitig im streichelzoo und die tiere trugen imaginäre schilder um den hals, auf denen stand: „holt uns hier raus. hilfe.

joschi und max indes bahnten sich ihren weg zielgerichtet zum affenhaus. das ist immer das hunde-highlight! wenn man das affenhaus betritt, sieht man als erstes ein großes gehege mit kleinen wuscheligen äffchen, die beim anblick der hunde sofort zur scheibe stürzen und dahinter rumspringen wie flummis. joschi und max sprangen kläffend von der anderen seite dagegen und freuten sich ein loch in den bauch. nächstes gehege: schimpansen. die sind einfach nur obercool. kommen ganz relaxed nach vorne, setzen sich direkt an die scheibe, schauen die hunde mitleidig an und zeigen ihnen den vogel. die kinder, die das mitbekamen, haben sich vor lachen die bäuche gehalten. ich warte auf den tag, bis die schimpansen joschi den stinkefinger zeigen. als nächstes kommt ein großes gehege mit pavianen in allen größen. mit denen ist es ein besonderes späßchen, denn paviane sind echte zornbrocken, die man durch rythmisches kläffen zum komplett-ausfall bringen kann. so wie heute. direkt nebenan sind die imposanten berggorillas. joschi und max, eben noch halbstark, passierten das gehege, als wäre da nichts drin. haha, echte helden 😆

und wir haben heute etwas gelernt: es ist echt super, dass jaguare in rundum geschlossenen gehegen und hinter panzerglas gehalten werden. vor allem, wenn man mit wuscheligen hunden vorbei geht, die jaguare zuerst an die scheibe locken und dann größenwahnsinnig durch die scheibe anspringen und verbellen.

ach ja, und der hier hat es uns besonders angetan, 2 tage ist er alt, gib ihm ein nest und er ist ein osterkamel:

Lieber Frühling

lieber frühling, kannst du bald mal wieder vorbeischauen? so mit sonne, ohne regen und warm? wär echt dufte von dir, wenn du das machst, ich danke dir schon mal. abgesehen davon, dass blauer himmel schöner als grauer ist, wollte ich dir noch sagen, dass dieses wetter für besitzer von wuscheligen hunden, die 3x täglich raus müssen, ziemlich kacke ist.

ich habe heute nacht mal wieder vom tod geträumt. seit meinem gespräch mit dem psychoonkologen weiß ich aber, dass solche träume nach einer krebsdiagnose normal sind, da die psyche die damit zusammenhängenden ängste verarbeitet. und nicht bedeuten, dass ich bald sterben muss. puh, glück gehabt! dennoch treibt einen so ein traum unterbewusst um. so habe ich mir heute morgen statt zahnpasta tagescreme auf die zahnbürste geschmiert und auch die zähne damit geputzt. etwa 1 sekunde lang yak! da ich zu spät aufgestanden bin, habe ich den unglücklichen hund im schnellverfahren kurz die straße rauf und runter hinter mir her geschleift und bin mit wehenden fahnen zur bestrahlung gefahren. danach mit wehenden fahnen zur akupunktur. die behandlung in der praxis für traditionelle chinesische medizin ist 3x die woche meine oase. ich liege 30 minuten von kopf bis fuß genadelt auf einer gemütlichen liege, höre chinesische musik und mache in der regel immer meine mentale übung aktivierung der selbstheilungskräfte. danach fühle ich mich jedesmal gestärkt und ausgeruht. heute konnte ich mich nicht konzentrieren, da ich aus irgendeinem grund dauernd an osterhasen (!) denken musste. schon seltsam, was einen manchmal so umtreibt.

gerade hat meine familie angerufen, dass sie gut angekommen sind – in florida. und dass es dort schön ist und dass sie mich vermissen. hm. ich gönne es ihnen ja. aber. ach, nichts aber. ich fahre jetzt zu meinen allerliebsten eltern zum essen und danach schaue ich mir unsere erde im fernsehen an. mir macht es nichts aus, dass ich alleine bin; ich werde gesund; mir geht es mit jedem tag besser; joschi hat nach dem spaziergang im regen nicht etwa 1 kilo sand auf dem sofa verteilt. ich bin ganz stark.