Das Leben ist eine Sinuskurve

ich weiß, hatte ja schon tschüss gesagt, und die koffer stehen gepackt im flur und gleich gehts los. ich alter blog-suchti will aber noch etwas mit euch teilen 😆

ich war heute morgen noch bei meinem china-arzt und er hat mir einen sehr schönen gedanken mit auf den weg gegeben. ich erzählte ihm, dass es mir wieder besser geht und ich aus meinem mehrtägigen tief aufgetaucht bin. er lächelte mich lieb an und erzählte mir in etwa folgendes:

„natürlich ist man lieber immer oben. aber das leben ist ein kreislauf. und wenn man sich diesen kreis genauer ansieht, stellt man fest, dass er eigentlich eine sinuskurve ist. und eine sinuskurve hat höhen und täler, hochs und tiefs. der kreislauf funktioniert nur, indem es nach einem hoch wieder bergab geht und erst dann geht es wieder hoch. wenn es bergab geht, fühlt man häufig eine art traurigkeit. in dem moment muss man sich einfach entspannen, loslassen und zulassen. und daraus entsteht die notwendige entspannung. und die noch wichtigere regeneration. dafür sind die täler da. erst nach der phase der regeneration geht es wieder bergauf auf die höhe. das ist der trick dabei.“

was für ein schöner und tröstlicher gedanke. gefällt mir außerordentlich gut, denn er gibt den tälern im leben einen ganz anderen sinn.

macht es gut und immer schön loslassen 😉

Das zweite Leben

ich komme gerade von einem fotoworkshop in köln zurück. vermutlich denkt ihr: was macht die katerwolf denn da alles? hat die den turbo eingeschaltet? hab ich *grins*. ich habe einfach das unbändige gefühl dinge nachholen zu müssen. zeit , dieses kostbare gut, zu nutzen für all die dinge, die ich in diesem leben noch machen will. und das sind nicht gerade wenige. vielleicht ist das ein typisches verhalten von menschen, die ihr leben, aus welchen gründen auch immer, zunächst für verloren hielten und es dann wiederbekommen haben. das zweite leben. nach dem dahintuckern im 1. gang letztes jahr, kommt nach und nach immer mehr energie zum vorschein, die ich dankbar annehme und umsetze. und dafür hab ich jetzt mal kräftig hochgeschaltet. natürlich achte ich dabei penibel darauf, was mein inneres warnsystem sagt und wenn es biep biep zentrale an katerwolf einen gang runterschalten quäkt, wird brav einen gang runtergeschaltet.

als ich letztes jahr, unmittelbar nach meiner diagnose, damit anfing in mich hineinzuhorchen und mich zu fragen, ob es in meinem leben irgendetwas gibt, das mir aus diesem finsteren tal heraushelfen könnte, irgendeine orientierung, einfach irgendetwas, blickte ich für eine weile entsetzt und beunruhigt auf eine uferlose leere in mir. das war keine schöne, wenn auch wichtige erfahrung. denn genau diese leere zwang mich darüber nachzudenken, wie ich diese leere wieder füllen, wie mein weiteres leben ausstatten wollte. es war ein wenig so, als würde man ein neues haus beziehen und durch die leeren räume wandern und sich fragen: „was kommt hier für ein sofa rein, welches bett nehme ich und welche bilder hänge ich auf?“ nun ja, das haus blieb eine weile leer. sehr leer. zunächst erschreckte mich das, nach einer weile änderte sich mein blickwinkel aber und ich empfand diesen umstand als positiv, als chance. wann hat man schon mal die gelegenheit, seinem leben eine neue richtig zu geben, eingefahrene gleise zu verlassen, neue prioritäten zu setzen? in der regel meist erst dann, wenn einen ein schweres schicksal trifft. eine schwere krankheit. verlust eines geliebten menschen.

ich stellte fest, dass mein lebenshaus in den vergangenen 15 jahren zu einem völlig überfüllten sammelsurium von dingen geworden war, die mich kaum noch atmen ließen. und ich stellte ebenfalls fest, dass viele dieser dinge, die ich einst aus notwendigkeit übernommen hatte, mittlerweile überfällig geworden waren und nun verstaubt herumstanden und platz wegnahmen. sich für einen flohmarkt anboten 😉

es ist sehr schwer, sein leben neu zu ordnen. meist fehlt einem der mut, die zeit, die inspiration, alles. man hat angst, seine umgebung, deren festgefügtes rädchen man ist, vor den kopf zu stoßen. also rattert man weiter im großen uhrwerk. aber für nahezu jeden kommt mindestens einmal im leben die zeit, in der man spürt, dass das eigene rädchen sich nur mühsam dreht, knarzt und knirscht. und insgeheim fängt man an im stillen zu überlegen, wie man das ändern könnte, wie man da wieder rauskommt.

vielleicht ist das eine der ganz wenigen positiven sachen an schweren krankheiten. man traut sich aus so einer situation heraus vielmehr, sein leben anzupacken, auszumisten und neu einzurichten. es wird von außen viel eher akzeptiert und toleriert. und in der regel ist man auch viel eher bereit, widerstand in kauf zu nehmen und die angst vor konsequenzen zu verlieren. wenn nicht jetzt, wann dann?

vielleicht erinnert ihr euch daran, wie ich letztes jahr über diese leere in mir schrieb. ich widerum erinnere mich an die tollen kommentare, die ihr dazu hinterlassen habt. sie alle gingen in die richtung: genieß die leere! das habe ich dann gemacht. noch im juni, als ich auf sylt in der reha war, saß ich so manche stunde in meinem strandkorb und rief schüchtern in mich hinein:

„harge?“ (okay, der war für insider. wer das nicht versteht, der möge sich bitte dieses hier ansehen 😉 )

ich erinnere mich sehr gut an den moment, als zum ersten mal jemand antwortete. ich bin regelrecht erschrocken. denn wer mir da antwortete, war niemand anderes als ich selbst. offenbar hatte ich jahre lang still einer ecke gesessen und mich nicht getraut zu sagen, dass ich da bin. so kanns gehen. in diesem augenblick aber stand ich auf und trat schüchtern aus dem schatten heraus. und wurde überrascht und überglücklich begrüßt. es war auch das einzige mal in meinem leben, dass ich mich völlig ernst und laut mit mir selbst unterhielt. ich saß im strandkorb, über dem meer ging die sonne unter und ich hielt mit mir selbst einen plausch wie mit der besten freundin, die man seit jahren nicht mehr gesehen hat. das war ein moment.

danach füllte sich der leere raum in mir nach und nach. als erstes hängte ich eine hängematte hinein. und in dieser baumelte ich und blinzelte dem neuen leben entgegen. danach füllte sich der raum nach und nach mit neuem und altem. ich weiß, dass als nächstes 3 alte leidenschaften hinzukamen: schreiben, reiten und fotografieren. wie die drei musketiere tauchten sie auf, schwenkten ihren hut und riefen: „madame, zu diensten!“

erst gestern, als ich lange, viel zu lange im zug saß (ich.hasse.die.deutsche.bahn), dachte ich darüber nach, dass ich mir drei beschäftigungen ausgesucht habe, die mir früher, zum teil sogar sehr viel früher zu einem zeitpunkt meines lebens, geholfen und freude geschenkt haben. vielleicht ist das so, dass man sich instinktiv daran orientiert, was einen irgendwann einmal glücklich gemacht hat. man begibt sich innerlich zurück an einen ort des glücks und findet so wieder die alte quelle wieder, die in einem sprudelt.

man, man, man, eigentlich wollte ich euch von dem fotoworkshop berichten, den ich gestern in köln gemacht habe. und jetzt habe ich über etwas ganz anderes geschrieben. der text floss einfach so aus mir raus. das musste wohl sein. und das mit dem fotoworkshop, ach, das kommt dann eben ein anderes mal.

habt einen schönen sonntag, eure katerwolf

Etwas mit auf den Weg für 2011

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
heute weiß ich: das nennt man
`VERTRAUEN`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
das emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man
`AUTHENTISCH-SEIN`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
`REIFE`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mit Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
`EHRLICHKEIT`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit,
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, was mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das `gesunden Egoismus`,
aber heute weiß ich, das ist
`SELBSTLIEBE`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt, das nennt man
`DEMUT`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick,
wo ALLES stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es
`BEWUSSTHEIT`.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mein Denken armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute
`HERZENSWEISHEIT`.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
DAS IST DAS LEBEN!

Charlie Chaplin zu seinem 70. Geburtstag