*Krächz*

das trifft es auf den punkt:

*krächz*

nach einer kurzen halswehattacke im urlaub vor 14 tagen hustet der katerwolf. trocken und konstant. am vergangenen wochenende entwickelte sich der trockene husten zu seinem etwas feuchteren bruder mit massiven hustenattacken. wow, beeindruckend. ich habe dieses wochenende gearbeitet und zahlreiche veranstaltungen betreut. mir sind die blicke der besucher nicht entgangen, die mich leicht panisch anschauten und sich überlegten, welche ansteckende pest ich wohl haben könnte.

gestern morgen, nach einer üblen nacht, bin ich dann doch zum onkel doktor getappt. fazit: beginnende bronchitis gepaart mit allergischem bronchialen asthma aufgrund des pollengeschwaders gräser. na wunderbar. so ein scheiß. als bewährte gräserpollenheuschnupfennase hat sich die allergie dieses jahr zur abwechslung auf die bronchien geschlagen. ein glück bin ich in 4 wochen an der nordsee! ich verließ die praxis bewaffnet mit heuschnupfenpillen, heuschnupfenspray, hustenlösenden pillen und cortisonhaltigem bronchialspray.

kommt mir jetzt bloß nicht mit homöopathie. habe ich jahrelang probiert. genauso wie akupunktur. heute nacht jedenfalls, nachdem sich auch meine nasenschleimhäute mit den bronchien verbündeten und ich irgendwann in einem niesenden, schnaufenden, hustenden röchelnirwana herumwaberte, tappte ich ins bad und pfiff mir alle besagten medikamente rein. eins nach dem andern. und schlief endlich ein. bin eben erst aufgewacht. die bronchien sind heute etwas vernünftiger, die nase zu, die stimme weg.

*krächz krächz*

Lebe glücklich, lebe froh…

…wie der mops im haferstroh.

diesen spruch hatte mir mal eine mitschülerin in mein poesiealbum geschrieben. weiß auch nicht, warum er mir heute dauernd in den sinn kommt. vielleicht, weil es mir derzeit einfach gut geht, ich mich zufrieden, entspannt und ausgeruht fühle. ich habe die letzten 4 (!) nächte für meine verhältnisse richtig gut geschlafen, das ist ein fest, leute, ein echtes fest! gestern hatte ich auch wieder meinen monatlichen termin beim psychoonkologen. ich habe etwa 6 monate nach meiner diagnose, als mir bewusst wurde, dass die mit der diagnose entstandene angst vor einem rückfall und dem sterben nicht von alleine weggehen würde, seine hilfe in anspruch genommen. das war das beste, was ich damals tun konnte, denn er hat mir schnell und effektiv geholfen. ich schätze ihn sehr. seitdem sehen wir uns etwa alle 4 wochen. und auch jetzt, nach 1 1/2 jahren, gehe ich zu ihm. obwohl die angst nur noch eine sehr untergeordnete rolle in meinem leben spielt, sehe ich die termine bei ihm auch weiterhin als wichtigen baustein im prozess meiner vollständigen genesung.

als ich gestern bei ihm war, ließ ich die letzten 2 jahre revue passieren, erinnerte mich an meinen ersten termin bei ihm und daran, wie es mir damals ging. es wurde mir einmal mehr bewusst, wie gut es mir jetzt geht. welchen weg ich seitdem gegangen bin. damals hatte ich das gefühl, das jahr nicht zu überleben, war nicht in der lage, über einen zeitraum von ein paar wochen voraus zu denken. so stark hatte die diagnose mein vertrauen in mein weiteres überleben erschüttert. wie wunderschön ist es hingegen, zu spüren, wo ich jetzt bin. ich lebe. und ich erlebe mein kostbares, wunderschönes leben. und habe nicht vor, dass so schnell zu ändern. denke selbstbewusst, dass ich vielleicht doch 100 werden könnte. wäre auch mit ende 80 zufrieden. und wenn ich so denke, beschleicht mich nicht mehr dieser dumpfe zweifel darüber. ich traue mich wieder, daran zu glauben. und noch eins wurde mir gestern bewusst: dass ich sehr viel angst losgelassen habe. das merke ich daran, dass ich anfange, mich zu entspannen. nicht mehr das gefühl habe, ständig in bewegung bleiben zu müssen, damit ich keine sekunde versäume, ums überleben zu kämpfen. ich kann jetzt entspannen und durchatmen und habe das gefühl, dass alles gut werden könnte, alles gut wird, alles gut ist.

daher lasse ich heute quietschvergnügt den gedanken in mir wohnen: lebe glücklich, lebe froh, wie der mops im haferstroh 😆

ich bin übrigens nicht die einzige, die heute so denkt. auch meine lieben tiere joschi und lola sind zufrieden. heute vormittag war der tierarzt bestellt, lola musste geimpft werden. mein mann kam mit und joschi witterte deshalb das große abenteuer. lola stand überaus munter und glücklich in ihrer box und ließ geduldig die 2 spritzen über sich ergehen. die tierärztin, die lola schon seit 14 jahren kennt, untersuchte sie einmal rundum und attestierte  ihr eine stabile gesundheit.  joschi war, wie immer, eifersüchtig, stierte auf die spritze und sprang eifrig um uns herum und vorneweg und hin und her.

„wie alt ist dieses muntere kerlchen denn?“ fragte die tierärztin. „10!“ antworteten wir. „großartig, der macht aber einen sehr gesunden und guten eindruck!“ nachdem die ärztin wieder weg war, führten wir zunächst lola ein bisschen auf dem hof herum, sie muss heute und morgen ruhen und darf wegen der spritzen nicht geritten werden, und im anschluss drehten wir mit joschi eine lange, sonnige (und matschige) runde über die felder. alles prima. alle gesund. alles gut. habt einen schönen freitag!

Das Glücksbuch

ich habe schon lange keine sonntags-glückswaage mehr gepostet, ich weiß. aber seit der reha führe ich eine tägliche glücksbilanz. dort haben wir nämlich ein buch der glücksmomente begonnen. weil das eine tolle sache ist, will ich euch kurz davon erzählen:

ihr braucht ein leeres heft oder buch und einen stift. und ein bisschen zeit, nur ein klein wenig. mehr nicht. und dann schreibt ihr jeden abend, wenn ihr im bett liegt, eure glücksmomente des tages in euer glücksbuch hinein. ein bisschen ausschmücken hilft, also nicht nur: toller sonnenuntergang. sondern auch kurz niederschreiben, warum das ein glücksmoment war.

ich mache das nun seit 4 wochen und es macht großen spaß. zum einen, weil ich die idee an sich schon toll finde und zum andern, weil es mich jeden abend aufs neue erstaunt, was da so zusammenkommt. selbst nach einem ganz, ganz bescheidenen tag, an dem man trübsinnig in das buch starrt und sich überlegt, ob an diesem doofen tag überhaupt etwas schönes passiert ist, fällt einem doch etwas ein. etwas ganz, ganz kleines. und das kommt in das buch. wenn man sich das buch ab und an mal durchliest, staunt man darüber, wie viele glücksmomente man schon erlebt hat.

versucht es mal, wenn ihr lust habt 😆

Ich lebe noch :-)

wollte ich nur mal gesagt haben: ich lebe noch. auch wenn ich derzeit minimal-bloggen betreibe. nach 5 wochen pause wieder arbeiten fordert seinen tribut 😉 . aber es läuft gut. muss mich bisschen einfummeln, aber alles in allem ist alles prima. nur eben ganz schön viel zu tun. familie, privatzoo und freunde haben mich auch vermisst und brauchen nun auch zeit.

es tut so gut zu fühlen, dass meine batterien so richtig voll, voll, voll aufgeladen sind nach der reha und ich meist heiter aufwache und abends im bett zufrieden den tag revue passieren lasse. das tut einfach gut. und damit es so bleibt, macht die kluge katerwolf jeden morgen ihre übungen, gönnt sich im büro eine „autogenes-training“-auszeit, läuft 3 x die woche leichtfüßig mit ihren nordic walking stöcken durch den heimischen forst und für die seele gibt es viele, wohltuende ausritte auf der lieben lola, mit dem lieben joschi, über vom goldenen septemberlicht beschienene felder.

kann so weitergehen. la vie est belle. und ich genieße es, wie lange diese gute phase auch dauern mag 😆

alles liebe, hakuna matata, ich schicke euch gute wünsche, eure katerwolf

Innere Antreiber oder: Warum es gut ist, nicht perfekt sein zu wollen.

knapp 1 woche nach meiner reha, geht mir das eine oder andere durch den kopf.

habt ihr schon mal von den sogenannten „inneren antreibern“ gehört? die psychologisch geschulten unter euch vielleicht schon. es handelt sich um individuelle verhaltensmuster, die unser handeln beeinflussen, uns „antreiben“ und oftmals mit der frage konfrontieren: „warum mache ich das bloß?“ es gibt deren viele, als beispiele lassen sich anführen: sei perfekt! oder: sei stark! oder: ich will von allen geliebt werden!

in der reha habe ich einiges darüber gehört und ich weiß nun, wie mein persönlicher, innerer antreiber heißt: sei perfekt! das passt tatsächlich gut, muss ich sagen. ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei allem den drang habe, es darin zur perfektion zu bringen. auf dem siegertreppchen unter den ersten 3 sein zu wollen. annerkennung zu bekommen. und ich verstehe nun ein bisschen mehr, warum ich bei nahezu allem, das ich tue, unter druck stehe. gestresst bin. da sitzt in mir also gut versteckt ein galeerentreiber, der mich bei allem zu höchstleistungen antreibt und, wenn ich das nicht schaffe, tadelnd und enttäuscht den kopf schüttelt.

in der reha hat man uns aufgefordert, diesem inneren antreiber einen persönlichen leitsatz entgegenzustellen. meiner heißt: hakuna matata! und: ich gehe gelassen und heiter durch den tag! für so einen stressbeutel wie mich nicht gerade einfach. aber durchaus hilfreich. ich habe bereits in der reha ein paar dinge umgestellt. zum beispiel: sport. sport ist eine der besten kräfte im kampf gegen krebs. bei mir sah das in den letzten 1 1/2 jahren jedoch so aus, dass ich anfing, für die olympiade zu trainieren. ganz nach dem motto: je ausgepowerter ich von der joggingrunde nach hause komme, desto besser. nun habe ich gelernt, dass das falsch für mich ist. ich soll weiterhin 4 x die woche ausdauertraining machen. aber. nur in dem maße, dass ich nach jeder ausdauereinheit noch so fit bin, dass ich die gleiche trainingseinheit glatt noch einmal machen könnte. so habe ich mein laufen gegen nordic walking stöcke eingetauscht und laufe nun 3-4 x wöchentlich dynamisch klackernd durch den wald. nach 1 stunde bin ich ausreichend müde aber eben nicht erschöpft.

einen wichtigen, fest verankerten platz in meinem tagesablauf hat jetzt die regeneration. das war für mich ein schlüsselerlebnis in der reha. wenn man wie daniel düsentrieb durch den tag rauscht, hat man für regeneration keine zeit. sie findet meist dann statt, wenn man sich irgendwann völlig erledigt auf dem sofa wiederfindet und abends schon um 8 vor der glotze einschläft. ist gar nicht gut. nun beginne ich meinen tag jeden morgen mit den 5 tibetern oder dem yoga-sonnengruß. das ganze nimmt 10 bis 15 minuten in anspruch und danach starte ich ausgeruht und mit kraft in den tag. und wenn ich müde bin, bin ich müde. dann heißt das: ausruhen, liebe katerwolf. und nicht: oh gott, du bist schlapp, hilfe, schnell die laufschuhe an und ab in den wald, damit da wieder pepp reinkommt!

tja, man hat nur dieses 1 leben zeit, zu lernen, was gut für einen ist. in der regel wird man immer und immer wieder damit konfrontiert, bis man es lernt. oder eben nicht. besser, man kapiert es einfach mal. okay, okay, eventuell lebt man viele male und hat demzufolge viele leben lang zeit dafür. aber das ist mir zu kompliziert, ich konzentriere mich lieber auf das hier und jetzt. und bin voller guter vorsätze und bislang fleißig. und dabei heiter und gelassen 😆

der reha-psychologe hat uns das prinzip des persönlichen energie-haushaltens übrigens sehr plausibel erklärt:

„stellen sie sich vor, sie fahren auto. plötzlich leuchtet die kontrolllampe auf und signalisiert: sie fahren auf reserve. was passiert mit ihnen dann? sie erschrecken und denken: ohjeh, hoffentlich reicht der tank noch bis zur nächsten tankstelle. und sind fortan gestresst. nun stellen sie sich vor, sie selbst sind auf reserve. was passiert? sie ruhen sich ein bisschen aus und tanken die reserve nach. dann sind sie aber immer noch auf reserve. und sind demzufolge in einem dauer-sress-zustand. lernen sie einfach, nicht so lange zu fahren, bis sie auf reserve sind. tanken sie rechtzeitig und regelmäßig nach. am besten täglich. so dass sie morgens mit vollem tank starten und abends mit vollem tank einschlafen. dann schlafen sie auch besser.“

Wieder zuhause!

ich bin wieder zuhause. nach 4 wochen reha. ein wenig fühle ich mich, als käme ich vom andern stern. nun ja, komm ich ja auch. vom planet reha. in der reha ticken die uhren völlig anders. leise. ganz, ganz leise. zuhause machen sie wieder TICK TACK TICK TACK. aber das muss auch so sein. die reha ist dafür da, einem kraft auf allen ebenen zu geben. kraft für einen selbst und kraft, den alltag wieder zu meistern. ohne, dass er zur last wird, weil immer ab einem bestimmten zeitpunkt die kraft nicht mehr reicht. wenn man so etwas kraftzehrendes hinter sich hat wie eine brustkrebserkrankung.

nun bin ich also zuhause und freue mich an der neu gewonnenen kraft, die in mir blüht wie eine große sonnenblume. ein schönes gefühl. und eine aufgabe. denn ich möchte, dass es so bleibt. und ich nicht wieder nach 6 monaten da stehen und das gefühl haben will, auf letzter reserve zu laufen. ich habe in meiner 2. reha etwas grundlegendes begriffen: zur gesundheit gehört ein gleichgewicht der kräfte und ein standbein davon ist die regeneration. das ist ein faktor, den ich nur zu gerne außer acht lasse. ich powere mich gerne aus. jedoch, so habe ich nun gelernt, reicht sport und kondition alleine nicht aus, um bei kräften zu bleiben. dazu gehört eben auch die ebenso konsequente entspannung des geistes UND zeit, seine seele einfach mal baumeln zu lassen.

so habe ich mir noch in der klinik, gemeinsam mit der ärztin einen maßgeschneiderten katerwolf-survival-plan aufgestellt. und der sieht so aus: 3-4 x die woche ausdauertraining (nordic walking, schwimmen, stepaerobic, wonach mir gerade der sinn steht) und zwar nur so viel, wie mir gut tut. nicht bis zur erschöpfung, was ich sonst gerne mache, weil ich nur dann das gefühl habe, auch wirklich etwas getan zu haben. also relaxed und in maßen, dafür aber konsequent und regelmäßig. jeden tag entspannung. so stehe ich nun etwas früher auf und beginne meinen tag mit einem yoga-sonnengruß, den 5 tibetern oder der yoga-atmung. nimmt nur 15 minuten in anspruch und danach geht es mir ganz prima. 2x am tag autogenes training, von dem ich zuerst dachte, dass es peinlich, da so klischeebehaftet ist, dann aber schnell merkte, dass es tatsächlich eine sehr einfache, nicht zeitintensive und überall praktizierbare, sehr effektive entspannungsmethode ist. die darüber hinaus auch gut hilft, nachts wieder einzuschlafen, wenn man sich schlaflos im bett herumwälzt.

auch die ernährung habe ich ein weiteres stück umgestellt, was mir aber sehr leicht fällt. alles in allem habe ich einen guten und praktizierbaren werkzeugkasten mitbekommen. der rest liegt an mir.

nun habe ich noch 1 woche urlaub, was ein außerordentlicher luxus ist. ich habe nun zeit, all das, was hier so liegengeblieben ist, zu ordnen, und zwar in ruhe. heute ist der große pferdeumzug in den neuen stall und ich bin schon totaaaal aufgeregt und freue mich drauf. hoffentlich lebt sich lola schnell in der neuen umgebung ein.

ich schick euch allen eine liebe umarmung, eure katerwolf

 

Rehageflüster: Bilanz

heute ist mein letzter tag. und als hätte ich sie bestellt, scheint die sonne (endlich. zitat eines einheimischen: der mieseste sommer seit 11 jahren). ich habe meinen letzten tag ausgiebig ausgekostet. noch ein paar anwendungen gehabt, am strand gewesen und eine schöne, lange fahrradrunde entlang des deiches gemacht. während mir dabei der immer noch stürmische nordseewind um die ohren blies, dachte ich, wie gut es mir doch geht. wie außerordentlich gut mir die reha getan hat.

nach 4 wochen intensivster katerwolf-pflege fühle ich mich stark, kraftvoll, voller energie. in mir ist heiterkeit und friede. ich fühle mich ausgeglichen an körper, geist und seele. wann kann man sowas schon von sich behaupten! ein kostbares gefühl. vor einigen tagen schrieb ich, dass sich in mir etwas gelöst hat, dass ich eine grenze überschritten habe. dieses gefühl ist immer noch in mir. es kribbelt. es fühlt sich an, als würde ich nun auf der anderen seite stehen. den blick nach vorne gewandt. dem leben zugewandt. ich fühle mich deutlich angstfreier und sorgloser. deutlich zuversichtlicher und stärker als vorher. ich habe nicht mehr nur das gefühl, überleben zu müssen, weil nichts anderes in frage kommt, sondern dass es tatsächlich auch so sein kann. es ist schwierig, dieses gefühl in worte zu fassen. aber wenn ich meine einstellung zum brustkrebs jetzt und vor 4 wochen vergleiche, fällt es mir nun deutlich leichter, an mein überleben zu glauben. es geschieht mühelos. so, als hätte ich einer schwierigen phase den rücken zugekehrt.

allein das war die reha wert.

auf wiedersehen, föhr, machs gut und danke für alles 😆

Rehageflüster: Der Schimmelreiter

nein, das watt hat mich nicht verschluckt. ich lebe noch. und das sehr gut. mein längeres schweigen hängt damit zusammen, dass meine familie da war. was sehr schön war. wir haben viel unternommen und die gemeinsame zeit genutzt und genossen. am sonntag sind sie wieder zurückgefahren und ich habe mir endlich meinen wunsch erfüllt, ins watt auszureiten. 2 1/2 stunden. wie schön das war! während ich auf meiner schimmelstute in vollem tempo durch das watt preschte, wasser und schlamm auf mich spritzte, links das wasser, rechts der endlose strand, über mir der blaue himmel, dachte ich mir einfach nur:

„was ist das leben doch wunderschön. ein kostbares juwel. eine schatztruhe, aus der man schöpfen kann.“ (okay, ab und an ist das leben auch so richtig mies *mit dem kopf nick* aber nach regen kommt sonne *noch mehr mit dem kopf nick*).

beim ausritt war auch ein etwa 14-jähriges mädchen auf einem welsh-pony dabei. dieses pony war kaum größer als ein schäferhund und hieß wie ich. das mädchen ritt unmittelbar vor mir und quatschte in einem fort. total irre. ich schaltete irgendwann auf durchzug, ihr pferd war, unter der quasselstrippe befindlich, in einer denkbar ungünstigeren position. sie quasselte nicht nur, sondern trommelte dauernd mit der reitgerte auf dem armen tier herum und riss ihm im maul. das pony aber sah, sobald wir den schützenden wald verließen und die weite des watts betraten, seine chance. und nutzte sie. zuerst einmal ging es durch. ich hätte nie im leben gedacht, dass so ein kleines pony so schnell rennen kann. im geraden weg auf das meer rannte es los wie speedy gonzales. wir anderen sahen erstaunt dem am horizont rasch kleiner werdenden, schwarzen punkt hinterher.

dann kam es zurück. genauso schnell. bre kurz vor uns stehen und stieg und buckelte und sprang hoch wie ein flummi. und schmiss seine reiterin sehr professionell ab. frau quasselstrippe packte daraufhin die wut und sie stieg wieder in den sattel. das pony verhielt sich artig, hatte aber offensichtlich noch nicht fertig und schmiss seine reiterin kurz darauf ein zweites mal ab. sehr gekonnt. mitten ins wasser. respekt. ich hätte dem pferdchen gerne beifall geklatscht. das war ne 1 A vorstellung. und es tat das einzig richtige: sich der nervbeule zu entledigen. die bekam daraufhin nämlich die rote karte, musste das pferd wechseln und – oh wunder – hielt auf dem rückweg konsequent die klappe. ich hoffe, dass wir wieder so ein schönes wochenende bekommen, dann wage ich es ein zweites mal.

die letzten 2 tage war ich ein fleißiges reha-bienchen. ich habe geturnt, habe mich entspannt, tief geatmet, hab die beinchen geschwungen und die ärmchen gedreht, mein seidentuch fertig gemalt und an einem schreib-workshop teilgenommen. jaaa, das alles kann man hier machen. die reha ist wirklich toll. und die machen hier auf föhr richtig gute arbeit. danke. danke. danke.

und gestern ist etwas sehr schönes passiert. irgendwann im laufe des morgens, ich kam grad mächtig entspannt aus dem strech und relax-training raus, spürte ich plötzlich etwas in meiner brust und in meinem kopf. ein ungewohntes, sehr wohliges gefühl. irritiert griff ich reflexartig mit beiden händen zur brust und zum kopf. und dann fühlte ich, wie sich etwas in mir löste. wie ein fester knoten, an dem man seit einer halben ewigkeit erfolglos herumschaffte und der sich mit einem mal löst. ich bin total glücklich darüber. es ist nicht nur entspannung, es ist mehr. ich glaube, ich habe einen großen teil angst losgelassen. die angst zu sterben. die sich wie ein knoten in brust und kopf verhärtete und mich abgrenzte. diese grenze hat sich nun aufgelöst. seit gestern habe ich das gefühl, dass alles gut ist. gut wird. ich fühle mich sehr befreit. mir ist klar geworden, dass ich durch meine angst sehr blockiert war. mehr, als mir bislang bewusst war. schön, zu spüren, dass man wirklich loslassen kann. ob das so bleibt? wie lange das so bleibt? keine ahnung. heute geht es mir so richtig gut 😆

Rehageflüster: Leben heißt mehr als überleben

jeden morgen, wenn ich am stationszimmer vorbeilaufe, bleibe ich am „mitteilungsbrett“ stehen und lese einen zettel mit leitsätzen, der dort hängt. was darauf steht, ist so schön, dass ich mir die seite heute kopiert habe, da ich es gerne mit euch teilen möchte. ich bin mir sicher, dass auch ihr euren leitsatz darauf findet. meinen habe ich kursiv gesetzt. viel spaß 😆

ich habe die wahl glücklich oder unglücklich zu sein, leben heißt mehr als überleben.

ich habe das recht, zu allem nein zu sagen, wenn ich mich nicht zu einer sache bereit fühle oder unsicher bin.

ich darf alle meine gefühle wahrnehmen, dazu gehören wut, angst, trauer, freude und liebe.

ich habe das recht, neugierig und mutig zu sein.

ich bin wahrscheinlich nicht schuldig, auch wenn ich mich so fühle.

ich habe das recht fehler zu machen.

ich brauche nicht zu lächeln, wenn ich eigentlich weine.

ich darf ein gespräch, eine begegnung beenden, wenn menschen mich klein machen und verletzen.

ich darf gesünder sein als die menschen in meiner umgebung.

ich bin auch dann in ordnung, wenn ich entspannt und fröhlich bin und freude habe.

ich habe das recht, mich zu verändern und zu wachsen.

ich bin auch dann wichtig, wenn ich mich abgrenze und darauf achte.

ich darf auf jemanden ärgerlich sein, den ich liebe.

ich kann auf mich achten, und zwar unabhängig von den jeweiligen umständen.

ich brauche nicht perfekt zu sein, um glücklich zu sein.

ich brauche nicht perfekt zu sein. punkt. niemand ist es.

Rehageflüster: Erkenntnis des Tages

bogenschießen ist scheiße.

bei allen klappt es. sogar bei den kleinen dicken. auch bei denen, die kaum laufen können. und die mit nur 1 lungenflügel. nur bei mir nicht. ich bin die einzige, die es schafft, dass die pfeile schlangenlinienförmig fliegen. ich schieße mir jedesmal den arm blau. sowohl oben als auch unten. die trainer schauen mich genauso an, wie die therapeutin aus dem seidenmalkurs. mitleidig.

ich gehe heute nachmittag fahrradfahren. das klappt ganz gut :mrgreen: