3 Wochen Indien: Jaipur, the pink City

wir konnten es alle nicht fassen, dass wir in jaipur tatsächlich bei der letzten etappe unserer großen rajasthanreise angekommen waren. schon vorbei? nein, das wollte keiner so recht. zum glück standen uns fast 2 volle tage in jaipur zur verfügung. wir waren wild entschlossen, die letzte station vor dem in delhi lauernden rückflug bis zur neige zu genießen. und wir hatten guten erfolg damit 😉

jaipur nennt man offiziell auch the pink city. wer meinen reisebericht ganz gelesen hat, weiß, dass in rajasthan einigen städte farben zugeordnet werden. jaipur ist pink. warum? das sieht man sofort, wenn man in die stadt hineinfährt. jaipur ist rot.

jaipur ist rot und ein traum. unglaublich schön. man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. die gebäude sehen aus wie eine filmkulisse. und das leben auf der straße ist so prall, bunt und schön, ach, ich komm aus dem schwärmen nicht mehr raus. sagt doch selbst, ist es nicht wunderbar, wenn man auf eine straße mitten im stadtzentrum schaut und sieht das hier?

jaipur ist für seinen labyrinthartigen bazar bekannt. sohan führte uns entschlossen hindurch und es ist wirklich eine welt für sich. vor lauter fotografieren stolperte ich über meine eigenen füße und ging mehrfach verloren. an diesem tag war ich der gruppen-trödel. aber das war mir egal. der bevorstehende abschied ließ mich jaipur besonders intensiv erleben.

irgendwann tauchten wir aus dem bazar wieder auf und ich fühlte mich selbst ganz pink. und ziemlich erledigt. wie so oft auf dieser reise: erledigt aber glücklich. wir hatten zum abschluss ein ziemlich cooles, mondänes hotel, und legten eine willkommene rast darin ein. denn für den abend hatten wir mit einer kleinen gruppe ein besonderes abenteuer geplant. noch einmal bollywoodkino. und diesmal den ganzen film. ra-one. mit shah rukh khan. wir waren hibbelig wie die hühner. 5 shah rukh khan fans + mein mann, als hahn im korb, der ebenfalls eine geheime leidenschaft für bollywoodfilme hegt. auch wenn ich mutmaße, dass es weniger an der handlung als an den zauberhaften darstellerinnen liegt. wir gönnten uns eine indische pizza, die erstaunlich lecker schmeckte und stürzten und gestärkt in den stadtverkehr. brav deutsch hielten wir 2 tuktuks an, da pro tuktuk regulär nur 3 fahrgäste zugelassen sind. auf so eine idee können nur deutsche kommen. inder fahren mindestens zu sechst im tuktuk. das kino war ein wenig außerhalb und nicht so groß und wir waren die einzigen touristen. und sehr willkommen. wie der film war? einfach großartig. fantasievoll, spannend, lustig und völlig durchgeknallt. shah rukh khan als held mit übernatürlichen kräften ist einfach unwiderstehlich. man, man, man, was sieht der mann gut aus. wenn ich nicht schon vergeben wär 😉 der film war nach mitternacht zu ende und wir standen ein klein wenig verloren auf der straße und hielten nach einem tuktuk ausschau. halt, nach 2 tuktuks. schließlich kam eins. nur eins. der fahrer schaute uns verständislos an, als wir ihm zu erklären versuchten, dass wir 2 tuktuks brauchten und machte einfach nur eine kopfbewegung ins wageninnere. das hieß: klappe jetzt und einsteigen. wir haben tatsächlich reingepasst. 6 große deutsche. in einem tuktuk. und was wir für ein spaß hatten, wir kamen uns sehr indisch vor. aufgekratzt kamen wir im hotel an und beschlossen, in unserem hotelzimmer noch die reste an rum-cola niederzukämpfen. so kam es, dass mein mann, ein großer, starker mensch, gefolgt von 5 hübschen mädels im hotelzimmer verschwand. man muss als tourist doch auch mal unterhaltung bieten. die hotelboys hatten, da bin ich mir sicher 😉

3 Wochen Indien: Mit Mickey Mouse und Bambi in der Wüste, Teil 2

mein allererster morgen in der wüste. ich meine, überhaupt. unglaublich schön. wie still. und dieses licht.

es war noch früh, als sich eine erstaunlich gut ausgeschlafene und zufriedene truppe im walt disney-speisezelt einfand. heißer chai, heißer, süßer reisbrei mit frischen früchten, cashewnüssen, kardamon und zimt und ein korb frischer früchte. wie lecker ist das denn! eine knappe stunde später hieß es zum zweiten mal aufsitzen. nicht für alle. es gab eine lädierte hüfte, 2 malträtierte hinterteile und eine, die nie mehr ein kamel besteigen wollte. die fuhren im transportkarren. ein großer teil der gruppe entschloss sich dazu, die morgenetappe zu fuß zurückzulegen. am ende waren wir zu fünft, die auf dem kamel saßen. meine bemühungen vom vortag wurden belohnt: ich durfte alleine reiten. nur tilly und ich. wow. ich fühlte mich wie wie irgendeine wilde, in freiheit lebende wüstenpronzessin, so eine art robina hood der wüste thar. lacht nur, der phantasie sind keine grenzen gesetzt. tilly tat tatsächlich überwiegend, was ich wollte. und raji war stolz wie wutz, dass seine touristin sein kamel alleine reiten konnte. unsere vormittagsetappe war traumhaft schön und auch ganz schön lang. mein hintern beschwerte sich lauthals, und ich sagte ihm, dass er sich nicht so dranstellen soll. wir sahen an diesem tag endlich dünen und dann wieder die charakteristische steppenartige natur. sohan, unser reiseleiter, hatte uns schon am vorabend erzählt, dass am vormittag der besuch einer bhijoj-familie auf dem plan stand. einer wüstenbewohnerfamilie. das war ein einzigartiges erlebnis! als wir im umzäunten hof der familie standen, hatten wir das gefühl, dass die familie nicht viel hat und dennoch alles, was sie braucht. es war blitzsauber dort und alle wirkten heiter. wie immer.

„ihr seid touristen. ihr habt geld. baut uns eine schule.“ richtete der hausherr an unsere adresse. das erlebten wir oft, diese forderung nach einer schule. in indien findet eine gewaltige bildungsoffensive statt. es gibt staatliche prämien für schulabschlüsse, es gibt viele schulen, und die inder schicken ihre kinder in die schule. auch auf dem land. auch in der wüste, wo die kinder jeden tag mehrere kilometer zu fuß zurücklegen, um in die schule zu kommen. überall begegnen einem kinder in blauen schuluniformen. und alle wollen was werden. fragt man die kinder mitten in der wüste, was sie werden wollen, antworten sie ohne zu zögern: „ärztin. polizist. lehrer.“ dieser bildungseifer und -wille ist sehr beeindruckend. vor und nach der schule helfen die kinder auf dem land auf den feldern mit. nix komasaufen 😉

wir legten grad zur rechten zeit eine mittagsrast ein. stolz wie oskar erreichte ich das mittagslager trabend auf tilly im alleingang. eine tafel und anschließend ein matrazenlager im schatten der bäume luden uns zu einem leckeren mittagsmahl und anschließender siesta ein.

an schlaf war allerdings nicht zu denken. das lag zum einen an mir. ich kann keinen mittagsschlaf machen. konnte ich noch nie. also kruschtelte ich so lange in meinem rucksack herum, bis alle wieder wach waren. und zum anderen lag das daran, dass man in indien nirgends und nie alleine ist. es dauert maximal 1 minute und wie aus dem nichts tauchen menschen auf. egal, wo man ist. sie tauchen auf und beobachten einen. wenn man sie anschaut, lachen sie sofort und rufen hello. wie sohan sagt: alle aus der lustigen kaste. man muss schon eine ganz besondere spaßbremse sein, wenn man diesem charme nicht erliegt. und kaum lächelt man zurück, ist an so was banales wie schlaf eh nicht mehr zu denken. „guckt mal, die kommen fernsehen!“ sagte einer aus unsere gruppe.

auf diesem bild noch etwas schüchtern:

auf dem nächsten schon deutlich aufgekratzter:

unsere kleine nicht-schlaf-truppe fing an herumzualbern und es dauerte nicht lange und wir giggelten und grölten herum wie die teenager. zur großen belustigung unserer zuschauer. 2 bäume weiter erblickten wir klaus. ihr wisst schon, den 1000-fragen-klaus. den „klaus hat eine sehr interessante frage gestellt-klaus.“ oder, um es mit den worten meines lieblings-mitreisenden zu sagen: „ich glaube, klaus schreibt ein buch. das buch der 1001 blödesten fragen.“

nun stand klaus von einer schar kinder umringt unter dem baum. und schwatzte auf sie ein. nach einer weile schlenderten die kinder einer nach dem anderen weg, bis klaus alleine stand. „schaut mal, klaus hat sie weggefragt, die armen kinder,“ kam es prompt aus unserer mitte. großes gegiggel. wir scherzten uns durch viele, dankbare lachthemen, wie zum beispiel heidi klum und germanys next topmodel. wie super, alle anderen fanden heidi klum genauso sch*** wie ich. wir lästerten tierisch über heidi ab und kamen zu dem schluss: „heidi ist defintiv nicht aus der lustigen kaste. heidi, wir haben leider kein foto für dich.“ nächstes thema. dschungelcamp. oder besser: wüstencamp. wir dachten uns aufgaben aus. 3 tage auf holzsätteln auf kamelen durch die wüste thar. 3 wochen linsen essen. 30 fragen von klaus. riesengelächter. ich glaube, die einzigen, die sich wirklich ausruhten, waren unsere kamele und die kamelführer.

und weiter gings! im nachhinein muss ich sagen, war es nicht sooo schlau von mir, weiterzureiten. am nächsten abend musste ich meinen hintern, der übelst wundgeritten war, desinfizieren und mit wundspray behandeln. ein vorgang, der so schmerzhaft war, dass ich das ganze hotel zusammenschrie. aber wisst ihr was? egal. der hintern ist wieder verheilt. und ich hatte einen famosen nachmittagsritt. völlig beflügelt trabte ich ins abendcamp ein. rajis großer bruder war so von meinen reitkünsten begeistert, dass er mir vorschlug, mit mir zusammen, schnell in die wüste zu reiten. ich meine jetzt, so richtig schnell. ich stellte mir vor, was mein hintern wohl dazu sagen würde, wenn ich mit diesem wilden wüstenkameraden auf einer wildgewordenen tilly im gestreckten galopp dünauf, dünab galoppieren würde. und verschob es auf den nächsten morgen.

der abend, der nun folgte, war einer der schönsten. er kommt ganz dick in mein geheimes buch der größten glücksmomente. zum einen sah ich von einer düne aus einen grandiosen sonnenuntergang.

und zum andern wurde mir eine außergewöhnliche ehre zuteil. während ich auf der düne saß und den unglaublichen sonnenuntergang in mich aufsog, kam raji ein wenig schüchtern auf mich zugeschlendert. und fragte mich, ob ich im lager der kamelführer mit ihnen einen cai mit kamelmilch trinken möchte. ich war ganz schön perplex. und mir dieser besonderen ehre, die ich nicht ablehnen konnte, ohne sie zu verletzten, bewusst. natürlich sagte ich zu und fragte sabine, die neben mir saß, ob sie mitkäme. so ganz alleine im dunkeln mit den ganzen jungs war es mir doch ein wenig mulmig. völlig zu unrecht übrigens. sie waren überaus höflich, respektvoll und freundlich. und so lustig! ich gab meine gelernten hindisätze zum besten und binnen einiger minuten waren wir nur noch am lachen und 10 neue lehrer brachten uns die wichtigsten sätze des hindi- und rajasthaniwortschatzes bei. und ich sag euch, dabei dreht sich alles um die liebe. die liebe. die liebe.

tee mit kamelmilch schmeckt übrigens großartig. sehr sahnig. die kamelmilch stammte, wie nicht anders zu erwarten, von dem wunderkamel tilly. die extra dafür gemolken wurde. was für ein wundervoller abend. ich wäre am liebsten geblieben. lachend und schweren herzens riss ich mich los und ging zu meiner gruppe ins bambizelt, wo schon das ultraleckere abendmahl aufgetischt wurde. ich war ganz schön glücklich. und stolz! derart beflügelt von diesem wunderbaren tag saßen wir nach dem essen noch lange mit cola-rum um das lagerfeuer, schauten in einen gigantischen sternenhimmel und zählten sternschnuppen. bis wir irgendwann mehr in die zelte fielen als gingen. was für ein morgen! was für ein tag! was für ein abend! was für ein großartiges glück!

3 Wochen Indien: Mit Mickey Mouse und Bambi in der Wüste, Teil 1

endlich! was hatten wir diesem teil der reise entgegengefiebert: kamelsafari in der wüste thar. so richtig mit kamelreiten und im zelt schlafen. wir waren alle super aufgeregt. mutmaßungen über paradiesische wüstensonnenuntergänge, aber auch über wundgerittene hintern und durchgehende kamele machten schon tage vorher die runde.

irgendwann am frühen mittag kamen wir in unserem basislager an. wir wurden herzlich von einer familie willkommen geheißen, die uns ein wüstentypisches mittagsmahl auftischte, und unsere gruppe, noch schwer traumatisiert von vorangegangenen durchfall- und brecharien, beäugte misstrauisch, was auf dem tisch stand. in der wüste isst man anders, das stand schon mal fest. wir nippten vorsichtig an den speisen, die erstaunlich gut schmeckten. dann gab es eine runde köstlichen cai und eine regionale spezialität: opiumwasser, aus der handfläche getrunken. oha. ich hätte so gerne probiert, da dies magenmäßig aber mein erster richtig guter tag seit 10 tagen war, nahm ich abstand. besser gesagt: man ließ mich kollektiv nicht: „ne, du nicht. denk an dein vomex-erlebnis!“ 3 aus der gruppe trauten sich, merkten aber nichts davon. der rest der gruppe auch nicht 😉

neugierig äugten wir aus dem fenster, an dem eine karawane mit bunt geschmückten kamelen vorbeizog. beige und dunkelbraune, fast schwarze kamele, die besonders ins auge fielen. kurze zeit später beluden wir unsere begleitwagen und machten uns auf den weg zu unseren kamelen.

der anblick der kamele war beeindruckend. ganz schön groß sind die! ich hatte gleich ein wunderschönes, dunkelbraunes ins auge gefasst, auf das ich entschlossen zusteuerte. ich war fast schon da, als ein junger, schmaler mann mit weißen, wehenden kleidern und einem weißen turban schnellen schrittes meinen weg kreuzte, meinen arm nahm und mich mitzog: „come!“ sagte er. ich fing ein bisschen an zu maulen und auf das schwarze kamel zu zeigen – keine chance. so ist das in indien! nur wenige stunden später sah ich dieses ereignis als glückliche fügung an, zunächst aber stand ich leicht frustriert vor einem riesigen kamel mit derangierter kamel-visage.

„tilly!“ verkündete raji, mein zukünftiger kamelführer, stolz.

na toll, dachte ich, von allen kamelen bekomme ich das krüppelkamel. raji fackelte nicht lange, forderte mich auf, mein kamel zu besteigen, sagte etwas zu ihm und mit einer ausladenden, völlig ungewohnten schiffschaukelbewegung erhob sich tilly. erst vorne, dann hinten. flap. flap. um mich herum machte es überall flap. flap und kurze zeit später saßen alle hoch oben auf ihren kamelen. die kamelführer nahmen die führstricke in die hand, unser gepäckkarren, inklusive sohan, unserem reiseführer und 1, 2 kamelverweigerern, ruckelte los und wir brachen auf. in die wüste thar, dem abenteuer entgegen 😆

giggelnd saßen wir auf unseren kamelen und alberten herum. überhaupt alberten wir auf dieser reise viel herum, aber in der wüste erreichte dies einen höhepunkt. ich habe seit jahren nicht mehr so völlig albern herumgeblödelt und gegiggelt wie in diesen 3 tagen. tilly war das leitkamel. tilly und ihre schwester sua, die direkt nebendran herumschaukelte. ich drehte mich um und erblickte ein paar kamele hinter mir meinen mann, der sichtlich zufrieden, mit einem lawrence-von-arabien-gesichtsausdruck auf einem besonders imposanten tier saß. tilly entpuppte sich als überaus bequemes und braves kamel. was nicht selbstverständlich war. wie ich auf dieser safari lernte, sind kamele durchaus eigensinnig. und sie haben humor. es gab ein sehr, sehr unartiges kamel. seine reiterin stieg nach kurzer zeit ab, fuhr fortan nur noch auf dem gepäckwagen mit, und das kamel wurde  den rest der safari von einem erfahrenen kamelführer diszipliniert und handelte sich am 2. tag eine tracht prügel ein. ich hätte es auch verhauen, ehrlich! ein anderes kamel ließ sich einfach mal so zur seite fallen, als sein reiter es bestieg. resultat war eine verrenkte hüfte, die abends wieder eingerenkt werden musste. und ein weiteres kamel kippte um. das heißt, es ließ sich am 2. tag samt reiterin einfach in einen busch fallen. juchhuuu. spontane kamellähmung. all diese aktionen wurden von lautem kamelführer-gelächter begleitet. die jungs waren mindestens so albern wie wir. inder sind generell sehr verspielt, mit hang zur albernheit. aber die wüstenjungs toppten alles. ich lernte tilly schätzen. tilly war der superstar. raji, mein kamelführer und ihr besitzer, gab mir die ganze zeit zu verstehen, wie sehr er tilly liebte und wie toll und lieb und vor allem wie schnell sie sei. sie wurde geknuddelt, geknutscht und lobgepriesen. ich saß 3 stunden auf tilly und war ihr verfallen. trotz trümmerschnute.

ein stolzer raji mit seiner tilly und sua:

nachdem wir uns alle ein wenig eingeschaukelt hatten, fingen wir an, die umgebung wahrzunehmen. die wüste thar ist traumhaft schön. dünen gab es zunächst keine, vielmehr eine steppenartige weite, mit rundhäuser-siedlungen und kindern, die winkend und lachend aus den umzäunten siedlungen auf uns zuliefen.

ich verteilte maom an die kinder und an unsere kamelführer, die im grunde genommen auch kinder waren. junge burschen, die schon familie hatten und eine solche tiefe zufriedenheit, heiterkeit und freiheit ausstrahlten, dass sie für mich geradezu physisch greifbar war. ich schaute mich um, nahm die schönheit und grenzenlose weite der wüste wahr und fragte mich, nicht zum ersten mal auf dieser reise, wie viel man braucht zum glück. und ob man so wird, wenn man in dieser wüstenlandschaft wohnt. ob diese weite auch im herzen und bewusstsein ist. ich meine, ja.

raji und ich verstanden uns hervorragend. wir hatten eindeutig einen draht zueineinander. nach einer ersten pause kletterte raji hinter mich aufs kamel, mampfte maom, wir babbelten hindi und englisch-kauderwelsch und redeten eigentlich die ganze zeit über tilly und wie toll sie wirklich sei. ich erfuhr, dass raji schon 2 kinder hat und: wie toll tilly sei 😆 ich bat ihn, mir zu zeigen, wie man ein kamel lenkt und reitet und er gab mir einen crashkurs. gar nicht so leicht. die zügel sind über kreuz und es geht eigentlich alles über stimme und die zügelführung. erste versuche meinerseits wurden von tilly vollständig ignoriert. ich gab nicht auf, und nachdem ich über 2 stunden ständig mareh! mareh! rief, mit der zunge schnalzte und das lange zügelende gegen ihren hals wippte, klappte es: tilly trabte an. uiuiuiuiui. ganz schön schnell, so ein kameltrab. und wie weich das ist! ich war völlig begeistert und trabte munter drauflos, bis wir mit einsetzendem sonnenuntergang unser erstes nachtlager erreichten. junge, junge, war das  schön, was uns erwartete. so hatte ich mir das vorgestellt:

als wir alle abgestiegen waren, brach ein beachtliches gejammere los und es kam zu einem regen austausch von wund- und heilsalben. alle liefen breitbeinig herum und cremten sich hinter den büschen die wunden hinterteile ein. uff. dann gab es dinnertime im dinnerzelt. auch auf die gefahr hin, dass ich mich wiederhole: in indien erlebt man dinge, die man sonst nirgends erlebt. zum beispiel ein dinnerzelt mit walt disney motiven mitten in der weiten wüste thar. so speisten wir denn mit mickey mouse, daisy duck und bambi.

übrigens nahm ich an diesem abend das bislang beste essen der reise ein. unglaublich, welche vielfalt und köstlichkeiten unser koch in seinem mobilen kochzelt zauberte. es blieb mir ein rätsel!

3-sterne-zelt:

der abend war kurz, wir saßen noch ein weilchen glückselig um das lagerfeuer, alberten mächtig zufrieden in der gegend rum, tranken cola-rum und krochen bald darauf in unsere zelte, wo wir binnen weniger minuten den schlaf der gerechten schliefen. glücklich. glücklich. glücklich.

Glücksmomente

nach meiner gruseligen nicht-schlaf-nacht hatte ich heute ganz schön in der arbeit zu kämpfen. konzentrationsprobleme, hohe fehlerquote und das gefühl, einer rapiden verblödung zum opfer gefallen zu sein. joschi war heute mit im büro. er kriegt zum frühstück nie mehr schwarzwälder schinken als leckerli. hat mir nämlich ins büro gekotzt, der schnuckel. nachdem ich meinen arbeitstag trotz aller widrigkeiten zu ende gebracht hatte, fuhr ich mit joschi zum pferdchen.

lola stand auf der koppel und sah aus wie ein dreckschwein. ich denke jedesmal, sie kann es nicht mehr toppen. sie kann. eigentlich ist lola dunkelbbraun. heute war sie durchgehend lehmbraun. mit dem unterscheid, dass es tatsächlich auch lehm war, der sie vollständig bedeckte. pferd in lehmkruste. sie hatte sogar in den ohren lehm und in den wimpern. eigentlich war das einzige, das nicht von einer lehmschicht bedeckt war, ihre augäpfel, aus denen sie mich verliebt anschaute. klimper klimper. eigentlich müsste lola im schweine- und nicht im reitstall stehen.

ich brauchte etwa 30 minuten, bis ich die lehmkruste von ihr abgekratzt hatte. als sie sauber war, war ich von kopf bis fuß mit feinem lehmstaub bedeckt. joschi auch. heute war der erste tag nach dem hunde-pferd-drama von letzter woche, an dem ich joschi wieder ins gelände mitnahm. ich nahm ihn zunächst an eine lange longe und führte ihn so vom pferd aus. joschi trabte wie ein zirkushund neben uns her. nach einer weile beschloss ich, ihn abzuleinen. ich stieg ab und joschi warf sich theatralisch in den graben. der hund hat echtes schauspieltalent. als ob ich vom pferd steigen würde, nur um ihn zu vermöbeln. ich leinte ihn ab und stieg wieder auf. ich war echt neugierig, ob joschi irgendwelche konsequenzen aus seinem erlebnis letzte woche gezogen hatte. er hat. mit einem maximalabstand von 2 metern lief er vor. neben oder hinter uns. sobald der abstand größer wurde, kam er angerast wie ein geschoss. zum kreischen. er hatte definitiv keine lust auf eine weitere folge von hund-verläuft-sich-beim-ausritt-im-wald-und-ist-eine-stunde-verloren.

wir ritten über felder. die sonne schien. mehr goldener oktober geht nicht. ich schaute weit über die felder. lola schritt bester laune munter daher. joschi trabte wie auf sprungfedern mit. auf einmal war mir alles egal. die miese nacht. die probleme auf der arbeit. mein brustkrebs. einfach alles. alles war gut. wenn ich meine tiere nicht hätte.

Kleiner Wanderritt

WAR das schön. wunderschön. wie schon angekündigt, habe ich am wochenende mit 2 freundinnen einen „kleinen“ wanderritt unternommen. „klein“ deshalb, weil wir auf „kleinen“ pferden, sprich, isländern, unterwegs waren und weil es eigentlich 3 sternritte waren. das heißt, wir sind immer wieder an den gleichen ausgangspunkt zurückgekommen und von dort wieder gestartet. der ausgangspunkt lag ganz in unserer nähe, angrenzend an ein wunderschönes biosphärenreservat. es gibt dort lichte wälder, fast schon urwaldartig anmutende wälder, kleine bachläufe, offene felder mit weitblick, weit, weit über das land, bis zu den bergen in der ferne, grüne hügel mit kleinen, sonnenbeschienenen dörfern obenauf und in den tälern, romantische ausblicke und kleine, verwunschene marienschreine, einfach prachtvoll. und wenn dann noch dieses besonders schöne septemberwetter alles in sein goldenes licht taucht, geht einem das herz auf, ach was, es fließt über.

meine erfahrungen mit isländern beschränkten sich bislang auf ein bis zwei ausritte in meiner frühen jugend, ansonsten bin ich immer auf „großen“ unterwegs gewesen und meine lola ist eine oldenburger stute. fragt mich nicht warum, aber großpferdereiter schauen immer ein wenig auf kleinpferdereiter runter, weil kleinere pferde nun mal, nun ja, „klein“ sind.

ich gelobe: nach diesem wochenende werde ich nie, niemals mehr von oben herab über isländer sprechen. es sind wunderbare geschöpfe. ich kann es ganz und gar verstehen, dass man ihnen verfällt und ganz vernarrt in sie ist. wunderbare, robuste, charakterstarke, eigenwillige, gesellige tiere. und schnell wie der wind.

„unsere“ isländer stehen in einer art pferdeparadies: koppeln so weit das auge reicht, viel platz und ruhe. wenn man eins der pferde aus der herde führt, um es zu reiten, tappt einem die ganze herde hinterher und schaut genau zu, wie man putzt und sattelt. als ich zwischendurch mal kurz auf die toilette musste, erwarteten mich 10 sehr interessiert dreinschauende pferdchen, als ich die klotür wieder öffnete.

„sie ist ein bisschen flott, deine süße. und auch ehrgeizig. lass dich nicht ins bockshorn jagen.“ gab mir meine freundin und besitzerin der pferde als einweisung mit. da hatte sie recht. meine süße war flott. sie trabte in einem affenzahn bergauf, bergab und als wir den ersten galopp wagten, raste sie los wie speedy gonzales. unglaublich. ich hätte nie gedacht, dass isländer so schnell sind. und dass es so einen spaß macht, mit diesen flotten fegern in diesem tempo über stock und stein zu düsen, als wäre man der galoppierende expressdienst. herrliches gefühl.

am 1. tag machten wir eine 3-stunden-tour und am nächsten tag zwei 3-stunden-touren, eine morgens, eine nachmittags. das geht schon in die knochen. nach dem ersten tag verdrückten wir, ziemlich erledigt, abends in unserer pension godzilla-große schnitzel, tranken ein paar gläschen rotwein und waren innerhalb von einer stunde kurz davor, mit dem kopf auf der tischplatte einzuschlafen. der einzige wermutstropfen war, dass die kleine pension ausgerechnet an dem abend an eine geschlossene gesellschaft vermietet war, die einen 50sten geburtstag feierte. wir bekamen die letzten 2 freien zimmer (von 5). so tobte unter uns, während wir um schlaf rangen, eine sehr lebhafte feier. mit dem schlechtesten alleinunterhalter der welt. ehrlich. ich habe noch nie eine schlechtere version von hol das lasso raus und rosamunde gehört, wie an diesem abend. aber egal. es war einfach ein tolles, ganz und gar erfüllendes wochenende.

Das Glücksbuch

ich habe schon lange keine sonntags-glückswaage mehr gepostet, ich weiß. aber seit der reha führe ich eine tägliche glücksbilanz. dort haben wir nämlich ein buch der glücksmomente begonnen. weil das eine tolle sache ist, will ich euch kurz davon erzählen:

ihr braucht ein leeres heft oder buch und einen stift. und ein bisschen zeit, nur ein klein wenig. mehr nicht. und dann schreibt ihr jeden abend, wenn ihr im bett liegt, eure glücksmomente des tages in euer glücksbuch hinein. ein bisschen ausschmücken hilft, also nicht nur: toller sonnenuntergang. sondern auch kurz niederschreiben, warum das ein glücksmoment war.

ich mache das nun seit 4 wochen und es macht großen spaß. zum einen, weil ich die idee an sich schon toll finde und zum andern, weil es mich jeden abend aufs neue erstaunt, was da so zusammenkommt. selbst nach einem ganz, ganz bescheidenen tag, an dem man trübsinnig in das buch starrt und sich überlegt, ob an diesem doofen tag überhaupt etwas schönes passiert ist, fällt einem doch etwas ein. etwas ganz, ganz kleines. und das kommt in das buch. wenn man sich das buch ab und an mal durchliest, staunt man darüber, wie viele glücksmomente man schon erlebt hat.

versucht es mal, wenn ihr lust habt 😆

Ich lebe noch :-)

wollte ich nur mal gesagt haben: ich lebe noch. auch wenn ich derzeit minimal-bloggen betreibe. nach 5 wochen pause wieder arbeiten fordert seinen tribut 😉 . aber es läuft gut. muss mich bisschen einfummeln, aber alles in allem ist alles prima. nur eben ganz schön viel zu tun. familie, privatzoo und freunde haben mich auch vermisst und brauchen nun auch zeit.

es tut so gut zu fühlen, dass meine batterien so richtig voll, voll, voll aufgeladen sind nach der reha und ich meist heiter aufwache und abends im bett zufrieden den tag revue passieren lasse. das tut einfach gut. und damit es so bleibt, macht die kluge katerwolf jeden morgen ihre übungen, gönnt sich im büro eine „autogenes-training“-auszeit, läuft 3 x die woche leichtfüßig mit ihren nordic walking stöcken durch den heimischen forst und für die seele gibt es viele, wohltuende ausritte auf der lieben lola, mit dem lieben joschi, über vom goldenen septemberlicht beschienene felder.

kann so weitergehen. la vie est belle. und ich genieße es, wie lange diese gute phase auch dauern mag 😆

alles liebe, hakuna matata, ich schicke euch gute wünsche, eure katerwolf

Rehageflüster: Glückliche Katerwolf

hier, als kleiner nachtrag, das jungbrunnen-foto. aufgenommen, bevor ich wie eine nixe darin eingetaucht und rumgeplantscht bin. im hintergrund zu sehen: linkerhand amrum, rechterhand sylt.

 

Rehageflüster: Der Schimmelreiter

nein, das watt hat mich nicht verschluckt. ich lebe noch. und das sehr gut. mein längeres schweigen hängt damit zusammen, dass meine familie da war. was sehr schön war. wir haben viel unternommen und die gemeinsame zeit genutzt und genossen. am sonntag sind sie wieder zurückgefahren und ich habe mir endlich meinen wunsch erfüllt, ins watt auszureiten. 2 1/2 stunden. wie schön das war! während ich auf meiner schimmelstute in vollem tempo durch das watt preschte, wasser und schlamm auf mich spritzte, links das wasser, rechts der endlose strand, über mir der blaue himmel, dachte ich mir einfach nur:

„was ist das leben doch wunderschön. ein kostbares juwel. eine schatztruhe, aus der man schöpfen kann.“ (okay, ab und an ist das leben auch so richtig mies *mit dem kopf nick* aber nach regen kommt sonne *noch mehr mit dem kopf nick*).

beim ausritt war auch ein etwa 14-jähriges mädchen auf einem welsh-pony dabei. dieses pony war kaum größer als ein schäferhund und hieß wie ich. das mädchen ritt unmittelbar vor mir und quatschte in einem fort. total irre. ich schaltete irgendwann auf durchzug, ihr pferd war, unter der quasselstrippe befindlich, in einer denkbar ungünstigeren position. sie quasselte nicht nur, sondern trommelte dauernd mit der reitgerte auf dem armen tier herum und riss ihm im maul. das pony aber sah, sobald wir den schützenden wald verließen und die weite des watts betraten, seine chance. und nutzte sie. zuerst einmal ging es durch. ich hätte nie im leben gedacht, dass so ein kleines pony so schnell rennen kann. im geraden weg auf das meer rannte es los wie speedy gonzales. wir anderen sahen erstaunt dem am horizont rasch kleiner werdenden, schwarzen punkt hinterher.

dann kam es zurück. genauso schnell. bre kurz vor uns stehen und stieg und buckelte und sprang hoch wie ein flummi. und schmiss seine reiterin sehr professionell ab. frau quasselstrippe packte daraufhin die wut und sie stieg wieder in den sattel. das pony verhielt sich artig, hatte aber offensichtlich noch nicht fertig und schmiss seine reiterin kurz darauf ein zweites mal ab. sehr gekonnt. mitten ins wasser. respekt. ich hätte dem pferdchen gerne beifall geklatscht. das war ne 1 A vorstellung. und es tat das einzig richtige: sich der nervbeule zu entledigen. die bekam daraufhin nämlich die rote karte, musste das pferd wechseln und – oh wunder – hielt auf dem rückweg konsequent die klappe. ich hoffe, dass wir wieder so ein schönes wochenende bekommen, dann wage ich es ein zweites mal.

die letzten 2 tage war ich ein fleißiges reha-bienchen. ich habe geturnt, habe mich entspannt, tief geatmet, hab die beinchen geschwungen und die ärmchen gedreht, mein seidentuch fertig gemalt und an einem schreib-workshop teilgenommen. jaaa, das alles kann man hier machen. die reha ist wirklich toll. und die machen hier auf föhr richtig gute arbeit. danke. danke. danke.

und gestern ist etwas sehr schönes passiert. irgendwann im laufe des morgens, ich kam grad mächtig entspannt aus dem strech und relax-training raus, spürte ich plötzlich etwas in meiner brust und in meinem kopf. ein ungewohntes, sehr wohliges gefühl. irritiert griff ich reflexartig mit beiden händen zur brust und zum kopf. und dann fühlte ich, wie sich etwas in mir löste. wie ein fester knoten, an dem man seit einer halben ewigkeit erfolglos herumschaffte und der sich mit einem mal löst. ich bin total glücklich darüber. es ist nicht nur entspannung, es ist mehr. ich glaube, ich habe einen großen teil angst losgelassen. die angst zu sterben. die sich wie ein knoten in brust und kopf verhärtete und mich abgrenzte. diese grenze hat sich nun aufgelöst. seit gestern habe ich das gefühl, dass alles gut ist. gut wird. ich fühle mich sehr befreit. mir ist klar geworden, dass ich durch meine angst sehr blockiert war. mehr, als mir bislang bewusst war. schön, zu spüren, dass man wirklich loslassen kann. ob das so bleibt? wie lange das so bleibt? keine ahnung. heute geht es mir so richtig gut 😆

Rehageflüster: Leben heißt mehr als überleben

jeden morgen, wenn ich am stationszimmer vorbeilaufe, bleibe ich am „mitteilungsbrett“ stehen und lese einen zettel mit leitsätzen, der dort hängt. was darauf steht, ist so schön, dass ich mir die seite heute kopiert habe, da ich es gerne mit euch teilen möchte. ich bin mir sicher, dass auch ihr euren leitsatz darauf findet. meinen habe ich kursiv gesetzt. viel spaß 😆

ich habe die wahl glücklich oder unglücklich zu sein, leben heißt mehr als überleben.

ich habe das recht, zu allem nein zu sagen, wenn ich mich nicht zu einer sache bereit fühle oder unsicher bin.

ich darf alle meine gefühle wahrnehmen, dazu gehören wut, angst, trauer, freude und liebe.

ich habe das recht, neugierig und mutig zu sein.

ich bin wahrscheinlich nicht schuldig, auch wenn ich mich so fühle.

ich habe das recht fehler zu machen.

ich brauche nicht zu lächeln, wenn ich eigentlich weine.

ich darf ein gespräch, eine begegnung beenden, wenn menschen mich klein machen und verletzen.

ich darf gesünder sein als die menschen in meiner umgebung.

ich bin auch dann in ordnung, wenn ich entspannt und fröhlich bin und freude habe.

ich habe das recht, mich zu verändern und zu wachsen.

ich bin auch dann wichtig, wenn ich mich abgrenze und darauf achte.

ich darf auf jemanden ärgerlich sein, den ich liebe.

ich kann auf mich achten, und zwar unabhängig von den jeweiligen umständen.

ich brauche nicht perfekt zu sein, um glücklich zu sein.

ich brauche nicht perfekt zu sein. punkt. niemand ist es.